In DORIAN HUNTER 95, dessen Titel ich noch nicht verraten möchte, kehrt ein Charakter zurück, den man seit sehr langer Zeit nicht mehr gesehen hat. Mal sehen, ob ihr anhand eines kleinen Ausschnitts aus der Feder von Christian Schwarz erraten könnt, um wen es sich handelt.


„Da bist du ja endlich“, zischte Asmodi ungehalten. Er lehnte weiterhin so regungslos an einer uralten Tanne, als sei er ein wunderlich gewachsener Teil von ihr, und schaute über die bewaldeten Felsen hinweg, die sich tief unter ihm erstreckten. Der Neuankömmling war völlig lautlos erschienen. Trotzdem wusste Asmodi um seine Ankunft. Natürlich. Niemand konnte den Fürsten der Finsternis überraschen. Auch dieser hier nicht, obwohl er seine dämonentypische Ausstrahlung komplett unterdrücken konnte. Nicht aber seinen Eigengeruch. Daran scheiterten selbst die stärksten Dämonen. Asmodi erkannte ihn, auch wenn er ihm schon sehr lange Zeit nicht mehr untergekommen war.
„Du weißt, dass ich nicht gerne warte“, fuhr Asmodi fort, als keine Antwort kam. „Das ist ein Zeichen von mangelndem Respekt. Ich habe schon Dämonen in Freaks verwandelt, die mich deutlich weniger lange warten ließen als du.“
Ein höhnisches Kichern ertönte. „Glaub mir, ich hätte Möglichkeiten, das zu verhindern.“
„Ach ja?“ Asmodi drehte sich langsam um. Nur mühsam unterdrückte er seinen aufwallenden Zorn. In der milchigen Fläche mit den zwei rotglühenden Augen, die sein Gesicht ersetzte, irrlichterten schwarze Blitze. „Dein Archiv, dessen Mauern mich zerquetschen könnten, besitzt du ja schon längst nicht mehr. Musstest du es nicht seinerzeit an den großen Fürsten Magus den Siebten abtreten? Nicht ganz freiwillig, was man so hört.“
Das war die blanke Provokation, auf die sich der Ankömmling aber nicht einließ. Die Teufelsfratze mit den tief liegenden dunklen Augen und den buschigen Brauen verzog sich zu einem Grinsen. Hinter den dünnen Lippen schoben sich zwei blitzende Fangzähne hervor. Es wirkte arrogant und von oben herab. Der Ankömmling blieb keine Provokation schuldig. In diesem Moment hätte Asmodi ihn am liebsten getötet.
Aber konnte er das überhaupt? Er wollte es nicht auf einen Kampf ankommen lassen, schließlich war der Grund ihres Treffens an dieser einsamen Stelle im französischen Süden, unweit von Montignac und der weltberühmten Höhle von Lascaux, ein anderer. Asmodi brauchte Rat und Unterstützung des Ankömmlings. Schon deswegen wäre es Irrsinn gewesen, ihn zu bekämpfen. Und schließlich war er selbst es gewesen, der Kontakt gesucht hatte. Warum sein Gegenüber dann diese einsame Gegend hier als Ort ihrer Zusammenkunft vorgeschlagen hatte, erschloss sich Asmodi bisher nicht. Normalerweise bestimmte er die Treffpunkte mit seinen Gesprächspartnern und sie mussten sich fügen. In diesem Fall hatte er allerdings nachgeben müssen, was seine Laune schon seit einigen Tagen auf einem Tiefpunkt verharren ließ.
Der Fürst der Finsternis nahm sich zurück und musterte sein Gegenüber nun genauer. Es war mittelgroß und spindeldürr. Der Kopf wurde von wirren schwarzen Haaren bedeckt. An den schmalen Handgelenken saßen spinnenartige Finger, die sich in ständiger Bewegung befanden, gerade so, als führten sie ein Eigenleben. Man sagte, die langen spitzen Nägel seien vergiftet, und das mochte durchaus stimmen. Graue, verrunzelte Haut überzog den kompletten Körper. Der ebenfalls graue Anzug, in dem er steckte, wirkte veraltet, der togaartige Umhang ließ ihn geradezu lächerlich erscheinen.
Hinter dieser lächerlichen Aufmachung versteckte sich allerdings einer der gefährlichsten Dämonen überhaupt, ein Hexer von beträchtlicher Stärke, einer, dessen Wege die von Asmodi schon lange Zeit nicht mehr gekreuzt hatten. Möglicherweise handelte es sich sogar um einen Zentrumsdämon, aber das wusste niemand so genau. Außer eben er selbst.


Na, schon eine Idee? Falls nicht, folgt die Auflösung in den kommenden Wochen. Ich freue mich auf jeden Fall, wieder Verwendung für diesen Charakter gefunden zu haben, und ich hoffe, ihr freut euch ebenso, ihn wiederzusehen.