Von Christian Schwarz haben wir ja nun schon gehört, wie es war, alle Dämonen Großbritannien umzubringen. Aber bei so einem großen Einschnitt in den üblichen Lauf der Dinge, ist es vielleicht angebracht, auch aus Exposé-Autoren-Sicht noch ein paar Worte dazu zu verlieren. Über Massenmord und sonstige Alltäglichkeiten ...

Bei Band 89 einer Reihe, die ihre Ursprünge ziemlich genau zehn Jahre vor meiner eigenen Geburt hat, frage ich mich als Exposéautorin schon manchmal, ob es überhaupt noch irgendetwas Neues gibt. Etwas, das Dorian Hunter bisher noch nicht erlebt hat. Etwas, das er noch nicht versucht hat in seinem ewigen Kampf gegen die Dämonen. Ich stelle mir außerdem vor, dass er inzwischen verdammt frustriert ist. Die Schwarze Familie ist wie die Hydra. Immer, wenn man einen Kopf abschlägt, wachsen irgendwo zwei neue nach. Jedes Mal, wenn er einen neuen Fürsten der Finsternis vom Thron stürzt, steht der nächste Dämon mit Ambitionen bereits in den Startlöchern. Inzwischen muss er sich verzweifelt nach einem eindeutigen Sieg sehnen. Und die Uhrmacherin hat ihm genau diese Möglichkeit geboten.

Ich wollte diese Möglichkeit tatsächlich ausnutzen und Dorian die Gelegenheit geben, einen Landstrich weitestgehend dämonenfrei zu bekommen.

Allerdings barg das ganze eine Gefahr: Massenmord als etwas unangefochten Gutes dastehen zu lassen, selbst wenn es sich bei den Opfern um Dämonen handelt. Das wollte mir irgendwie nicht schmecken.

Dorian Hunter hat sich schon immer in vielen moralischen Grauzonen bewegt. Im Prinzip haben wir hier den klassischen Kampf Gut gegen Böse, denn was könnte böser sein als Dämonen? Allerdings gibt es da dann auch immer wieder Charaktere wie Coco, die nicht erst seit ihrer Begegnung mit Hunter das weiße Schaf der Schwarzen Familie war. Oder Tirso, der trotz seiner dämonischen Herkunft ja wirklich ein netter Junge war. Oder Olivaro, den zwischendurch tatsächlich Freundschaft mit Dorian verbunden hat. Oder Salamanda, die eigentlich nur in Ruhe ihr Leben führen möchte. (Okay, gut, das beinhaltet, Menschen ihr Blut auszusaugen, aber es kann halt nicht jeder Vampir Vegetarier sein ;-) )

Dazu kommt, dass Hunter selbst nicht der netteste Zeitgenosse ist. Oft genug heiligt für ihn der Zweck die Mittel, und die Zahl der Gelegenheiten, zu denen er sich mit einem kleineren Übel gegen ein größeres verbündet hat, lassen sich längst nicht mehr an einer Hand abzählen.

Kurz gesagt, die Ausrottung der gesamten Dämonenheit Großbritanniens als eine unangefochtene Heldentat hinzustellen, hätte nicht zu der er differenzierten Darstellung der Charaktere auf beiden Seiten gepasst, die es in der Serie gibt.

Das wiederum brachte mich schließlich zu dem Punkt, dass wir Dorians großen Erfolg aus der Dämonensicht darstellen müssen. Und damit nicht als Heldentat, sondern als Katastrophe. Der zweite Teilroman von "Tick tock" funktioniert deshalb exakt wie jeder Katastrophenfilm. Bis hin zu der korrupten Regierung, der die Vermeidung einer Panik wichtiger ist als das Wohlergehen der Betroffenen. Ich muss zugeben, beim Schreiben des Exposés hat es sehr viel Spaß gemacht, mit all den dazu passenden Klischees zu spielen. Und ich finde auch, dass Christian Schwarz die Umsetzung sehr gut gelungen ist.

Einen Roman lang konnte Dorian der Bösewicht der Geschichte sein – zumindest aus der natürlich sehr subjektiven Sicht der Dämonen. In den nächsten Bänden kehren wir aber natürlich wieder zum üblichen Programm zurück.