Seit den allerersten DORIAN HUNTER-Heften kennen wir Coco Zamis als die Frau an seiner Seite. Dadurch, dass sie sich in den Dämonenkiller verliebte, verlor sie teilweise ihre Hexenkräfte und entfernte sich immer weiter aus der Schwarzen Familie.
Wer der „bösen“ Coco Zamis jedoch ein wenig nachtrauert, dem seien die aktuellen Bücher empfohlen, die Coco wieder ganz wie damals zeigen, als der Leser zum ersten Mal in „Das Henkersschwert“ mit ihr Bekanntschaft machte. Der allerneueste Band aus der Serie DAS HAUS ZAMIS trägt den Titel „Das Phantom von Notre Dame“:

Doch schon bevor Coco Zamis sich in Dorian Hunter verliebte, galt sie als „Weißes Schaf“, das nicht immer mit ihrer Sippe konform ging. Dennoch: In dem zweiten Band der Heftserie tauchte sie zunächst als kalte und berechnende Hexe auf, die dem Dämonenkiller an den Kragen will.  Die Ambivalenz, die immer wieder thematisiert wurde, macht sicherlich den großen Reiz dieser einzigartigen Romanfigur aus, aber sicherlich auch die Entwicklung eines Mädchens, das ihre Opferrolle niemals akzeptiert, bis zur starken Persönlichkeit in  den aktuellen Bänden – nicht zuletzt in ihrer eigenen DAS HAUS ZAMIS-Serie. Hier präsentieren wir euch einen Auszug aus dem aktuellen Buch – und wundert euch nicht, wenn ihr bisher vielleicht eine ganz andere Coco Zamis kennt!

Skarabäus Toth war endgültig aus dem Verkehr gezogen. Ich hatte ihn im Ätna entsorgen lassen. Mochte er in der Hölle oder sonst wo schmoren. Ich jedenfalls hatte mir eine Auszeit verdient und verbrachte ein paar Tage in Riva del Garda. Das 5-Sterne-Luxushotel bot jeglichen Komfort, den man sich wünschen konnte. Ich hatte gleich die 120 Quadratmeter große Suite mit Seeblick „gebucht“, um ja keinen Neid aufkommen zu lassen. Und damit meine ich den Neid in mir selbst. 
Ich steuerte die Terrasse an und setzte mich, um mir einen Campari Soda zu gönnen, bis die Suite hergerichtet war.
Mein Hexensinn schlug an. Jemand beobachtete mich. Ich schaute zur Seite und sah den Mann im weißen Anzug. Er saß drei Tische schräg hinter dem meinen und sah abstoßend hässlich aus. Eine kaum verheilte Narbe „zierte“ seine rechte Wange. Die Stirn war flach, die Nase plattgedrückt. Aber nicht nur deswegen erinnerte er eher an einen ehemaligen Preisboxer. Seine breiten Schultern drohten den Anzug ebenso zu sprengen wie die dicke Wampe, die das schwarze Shirt kaum bewältigen konnte.
Er stierte zu mir herüber, wobei beide Augen in eine andere Richtung zu blicken schienen. Kurzum: Er schielte.
Während ich noch überlegte, ob ich ihn einfach ignorieren oder ihm einen Denkzettel für sein unverschämtes Glotzen verpassen sollte, traf mich seine dämonische Ausstrahlung wie ein Vorschlaghammer. Bisher hatte er sie geschickt verborgen. Dafür gab er mir nun umso heftiger zu verstehen, wer er war: ein mächtiger Dämon, mit dem man sich besser nicht anlegte.
Nun, das Gleiche galt natürlich für mich. Im Gegensatz zu ihm hatte ich auch keine Veranlassung gesehen, meine Aura zu unterdrücken. Also war er vielleicht doch nicht ganz so stark, wie er nach außen schien?
Ich beschloss, ihm die kalte Schulter zu zeigen. Da ich ihn schon ohne mein Zutun an der Angel hatte, wollte ich ihn noch ein wenig zappeln lassen, bevor ich ihn meine Wut über sein unverschämtes Glotzen würde spüren lassen.
Ich drehte mich um und nippte an meinem Campari Soda. Fast hätte ich aufgeschrien. Das zuvor eiskalte Getränk war kochend heiß und verbrannte mir die Lippen. Rasch wirkte ich einen Heilzauber, der zumindest den Schmerz bannte. Nun spürte ich die Hitze an meinen Fingern, die noch immer das Glas umfasst hielten. Ich ließ es los, und es fiel klirrend auf den teuren Kachelboden.
Wütend wandte ich mich nach dem Dämon um – aber der war verschwunden! Sein Platz war verwaist. Einzig das halbvolle Whiskyglas, an dem er zuvor genippt hatte, stand noch dort und zeugte davon, dass ich ihn mir nicht eingebildet hatte.
Rasend vor Wut sprang ich hoch. Wenn der Kerl glaubte, er könne so mit mir umspringen, hatte er sich getäuscht!
Ein weiß livrierter Kellner kam herbeigeeilt. Er bückte sich, um die Glasscherben aufzuheben. Ich gab ihm einen Tritt in den Rücken, sodass er ganz zu Boden fiel. Ich hatte nicht übel Lust, meine Wut an ihm auszulassen.
„Steh gefälligst auf!“, fuhr ich den Kellner an. „Ich will mit dir reden!"
Er rappelte sich auf, und ich deutete zu dem leeren Tisch. „Weißt du, wer das war, der da gerade noch gesessen hat?“
Er schüttelte den Kopf. „Non, signora, aber ich bin erst seit zwei Tagen hier und …“
Ich stockte, als ich seine Angst aufzucken sah. Er biss sich sogar auf die Lippen, sodass sie bluteten, um einen Schrei zu unterdrücken.
Irgendetwas stimmte mit ihm nicht!

Ehrlich gesagt, es stimmt eine ganze Menge nicht in diesem Luxushotel. Und was es mit dem „Dämonenspiel“ auf sich hat, so der Titel des zweiten Teilromans in diesem Buch, muss Coco auch noch auf schmerzliche Art herausfinden. Der Roman „Das Phantom von Notre Dame“ ist ab sofort hier zu bestellen!

Schwarze Grüße!
Uwe