Oh, da muss ich mich zuerst einmal natürlich entschuldigen: dafür, dass am letzten Monatsersten kein Blogbeitrag erschienen ist. Ich gestehe, ich habe es nicht geschafft ... Aber wieso habe ich dann keinen Hinweis gegeben, dass der nächste Beitrag dann eben erst Anfang Juni kommt? Die Antwort ist, weil ich es nicht einmal geschafft habe zu schreiben, dass ich es nicht schaffe ... Nicht, weil ich keine Zeit gehabt hätte (sicher, irgendwo findet sich immer mal eine freie Minute, auch wenn ich zunehmend das Gefühl habe, dass genau diese freien Minuten immer seltener und kostbarer werden), sondern weil, nachdem ich das x-te Wochenende und den x-ten Abend in den vergangenen Monaten der Arbeit gewidmet hatte, allein der Anblick der Tastatur in mir einen Fluchtreflex ausgelöst hat ...

Bevor ich dieses Thema jedoch vertiefe, möchte ich auf zwei Hörer-Mails eingehen, die mich vor Kurzem erreicht haben.

Lars Janßen schreibt: Ich bin begeistert von den SONDERBERG & CO.-Hörspielen und würde gerne erfahren, ob in der Zukunft vielleicht ein Schmuckschuber o.ä. mit allen (bisher) erschienenen Hörspielen geplant ist.

Vielen Dank, lieber Lars – aber einen Schuber wird es auf absehbare Zeit nicht geben. So etwas wäre vielleicht mal ein Thema, wenn die Serie (oder zumindest ein großer Abschnitt) abgeschlossen wäre, aber danach sieht es im Moment ja noch nicht aus ...

Andreas Detlefsen schreibt: Meine Frau und ich haben in den letzten Wochen die Hörspielserie SONDERBERG & CO. für uns entdeckt. Da wir jetzt alle acht Folgen gehört haben, fragen wir uns nun, ob und wann die Serie fortgesetzt wird.

Lieber Andreas, auch dir vielen Dank für deine Mail. Ihr habt wirklich alle acht Fällen in kurzer Zeit durchgehört?! ... Ich fürchte, da werde ich keinen Nachschub liefern können, jedenfalls nicht in einem Tempo, das euch zufriedenstellen könnte! :-) Im Ernst, ich habe bereits Pläne für weitere Fälle (ja, nicht nur einen) in der Schublade, aber im Augenblick bleiben mir aus den Gründen, die ich oben angesprochen habe, zu wenig Möglichkeiten, sie umzusetzen.

Dabei vermute ich, dass ich mit diesem Phänomen – dass einem die Zeit davonrennt – nicht allein bin. Das betrifft eigentlich sogar gar nicht mal direkt das Hörspielmachen und Geschichtenschreiben, wie ihr oben lesen konntet. Das macht großen Spaß, und ich wünsche mir keinen anderen Beruf der Welt. Aber die Anforderungen an das „Drumrum“ werden leider immer mehr. Das Bekanntmachen der Serien, das Verkaufen, das „Da Sein“ für das Produkt. Denn ich schreibe SONDERBERG & CO. ja nicht nur, sondern die Serie erscheint auch in meinem eigenen Verlag Zaubermond.

Man könnte deshalb sagen, SONDERBERG ist nicht mehr nur meine Serie, sondern ich bin auch „ihr Autor“. Sie hat mich in Beschlag genommen, mit Haut und Haaren. Ähnlich wie DORIAN HUNTER – ein anderes Hörspielprojekt, das ja ebenfalls bei Zaubermond erscheint. Zum Beispiel habe ich neulich für DORIAN HUNTER einen Aufnahmetermin mit Regina Lemnitz vereinbart. Regina ist eine wundervolle Frau und noch viel tollere Sprecherin, und immer wieder gibt sie mir das Gefühl, dass SONDERBERG mehr als nur ein gewöhnlicher Auftrag für sie ist. Umso enttäuschter ist sie dann, wenn ich nur wegen DORIAN HUNTER anrufe. Ich versuche sie dann jedes Mal zu überzeugen, dass HUNTER auch eine tolle Serie ist, nur eben etwas anders – und sie antwortet, ja, das wolle sie auch gar nicht in Abrede stellen, es liege auch nicht an der Qualität, aber das HUNTER-Genre (Horror, Mystery, tiefschwarzer Humor bzw. irgendwas von all dem) sei eben nicht so ihr Gebiet. Viel lieber würde sie als Minnie Cogner in einem neuen Fall ermitteln ...

Und weil ich das ja immer schon vorher weiß, nehme ich mir für jede Aufnahme mit Regina vor, einen neuen SONDERBERG-Fall in der Tasche zu haben. Einmal im Jahr muss das doch mindestens möglich sein, denke ich mir. Und diesmal dachte ich es eben auch. Also setzte ich mich rechtzeitig hin, schließlich hatte ich mir in meiner Jahresplanung auch extra entsprechend Zeit eingeräumt für den neunten Fall. Und dann passierte es. Zipperleinchen. Rückenprobleme. Ein Infekt. Nichts Schlimmes, aber es hemmte. Und der Aufnahmetermin rückte näher. Irgendetwas – eine unheimliche dämonische Macht, vielleicht aus einem HUNTER-Hörspiel – wollte nicht, dass ich diesen SONDERBERG-Fall schreibe. Zumindest nicht jetzt. Und irgendwann brach ich ab. Fügte mich. Ich sah ein, es war nicht mehr zu schaffen, jedenfalls nicht, wenn ich den Aufnahmetag gesund erleben wollte. Also rief ich Regina an und beichtete ihr mein Versagen. Bat sie, trotzdem zu kommen, weil die Aufnahme für HUNTER wichtig sei und der Termin gehalten werden müsse.

Natürlich sagte sie zu. Sie ist ja nicht schwierig. Und schon gar nicht ist sie so divenhaft, mir irgendwelche Auflagen zu machen. „Aber du musst schon wissen, Dennis, den HUNTER, den mache ich wirklich nur für dich.“ – Ach, Regina, für diese Offenheit schätze ich dich einfach unglaublich. Und so habe ich es mir am Ende doch nicht nehmen lassen, am Morgen des Aufnahmetags auf der Bahnfahrt nach Berlin noch einen kleinen SONDERBERG-Text zu schreiben. Kein kompletter Fall natürlich, sondern nur eine kleine Szene, lediglich ein paar – wie ich finde, allerdings sehr bedeutsame – Minuten, in denen Minnie Cogner vom Tod Inspektor van den Beecks erfährt. Ihr werdet sie kostenlos auf die Ohren bekommen, hier im Blog. Am 1. September. Als kleine Entschädigung dafür, dass dieses Jahr eben kein neuer SONDERBERG-Fall mehr erscheinen wird.

Bis zu diesem 1. September möchte ich mich an dieser Stelle in eine Sommerpause verabschieden. Am 1. Juli und 1. August wird also kein Beitrag in diesem Blog erscheinen, das sei hiermit angekündigt. Ich hoffe, ihr habt dafür Verständnis ... und bleibt der Serie auch weiterhin gewogen.

Beizeiten wird es auf jeden Fall neue Ermittlungen unserer Lieblingsdetektei geben, ganz sicher!

Herzliche Grüße

Dennis Ehrhardt