Die Regeln der Schwarzen Familie sind ein ziemliches Kuriosum. Zum einen braucht nun mal jeder Zusammenschluss von Individuen irgendwelche Regeln, um einigermaßen zu funktionieren. Zum anderen reden wir hier nun mal von Dämonen, die per Definition nicht sonderlich gesetzestreu sein sollten. Deshalb werden die Regeln der schwarzen Familie ganz sicher öfter gebrochen als sie eingehalten werden. Unter anderen von Charakteren wie Solomon Keyes.

Die Regeln der Schwarzen Familie, die jeder HUNTER-Leser sicher am besten kennt, sind die zu Familienfehden. Sie wurden bereits recht früh in der Serie festgelegt, sehr deutlich ausgesprochen, und sorgen immer wieder für interessante Geschichten. Allerdings gibt es darüberhinaus auch andere weniger häufig angesprochene Regeln, die einfach irgendwann entstanden sind, um nahe liegende Fragen zu klären, wie zum Beispiel: Warum nutzen die Dämonen selbst dann Magie bei ihren Versuchen, Dorian umzubringen, wenn es eigentlich viel sinnvoller wäre, einfach eine Pistole zu nehmen und ihn zu erschießen?

Die Antwort: Weil alle Dämonen kollektiv beschlossen haben, dass man ein armseliger, talentloser Schwächling ist, wenn man zu derartigen Mitteln greift.

Damit ist es im Prinzip keine Regel, deren Bruch bestraft wird, aber dennoch etwas, das jeder Dämon tunlichst vermeidet. Allerdings, was ist, wenn man sowieso zum Bodensatz der Dämonengesellschaft gehört? Würden man sich dann überhaupt noch um derartige Grundsätze scheren?

Diese Frage habe ich mir gestellt, als ich Solomon Keyes entworfen habe. Keyes ist ein Dämon ohne jegliche magische Begabung. Damit stände er in der Hackordnung der Schwarzen Familie theoretisch ganz unten. Allerdings hat er sich die Tatsache, dass er ohnehin keinen Ruf zu verlieren hatte, zunutze gemacht. Er tut Dinge, bei denen kein "anständiger" Dämon sich erwischen lassen würde, wie zum Beispiel, dass er Schusswaffen verwendet. Auf diese Art hat er seinen eigenen Nachteil in einen Vorteil verkehrt. Er wird damit plötzlich nützlich für seine Mitdämonen, da er Mittel einsetzt, mit denen diese sich nie erwischen lassen würden. Und wo er ohnehin schon dabei war, unausgesprochene Regeln zu verletzen, hat er den Rest gleich auch noch gebrochen. Wollte man einen Kokurrenten loswerden, ohne eine Familienfehde anzufangen? Man wende sich vertrauensvoll an Solomon Keyes.

Inzwischen ist Keyes tot, aber es hat Spaß gemacht, ihn zu schreiben, und ich hoffe, ihr hattet genauso viel Spaß dabei, über ihn zu lesen.