Heute mal wieder ein Bericht von Catherine Parker, der Autorin des titelgebenden Teilromans »Flucht nach Varennes« von Band 81. Nicht der erste Band der Serie, der Jahrhunderte vor unserer Zeit spielt, wie Kenner wissen. Und so gebe ich offen zu: Als ich Catherine das Exposé zum Roman schickte, habe ich nicht geahnt, was ich ihr damit antat. Aber lest selbst ...

Als Autorin übernehme ich öfter Auftragsarbeiten. Ich weiß also, was es bedeutet, flexibel zu sein. Trotzdem erlebe ich mitunter Überraschungen – so auch, als mir das Exposé für den aktuellen DH-Band 81 ins Postfach flatterte. Bereits beim einleitenden Satz „… liegt der Schwerpunkt auf der Vergangenheitshandlung“ bekam ich eine böse Ahnung, die sich beim hastigen Blick auf die Zeitangabe (1791-93) augenblicklich verstärkte. Das Gefühl, nachdem ich das komplette Exposé gelesen hatte, lässt sich am ehesten als einer der WTF-Momente meines Autorenlebens bezeichnen. Man möge mir so viel Ehrlichkeit verzeihen, aber so war es. Zumindest für ein paar Minuten. :-)

Ja, ich kannte Dorians frühere Existenz als Hugo Bassarak und ja, ich schätze die diversen Ausflüge in die Vergangenheit an dieser Serie sogar sehr. Aber war nicht ich es, die einst verkündet hatte, niemals einen historischen Roman schreiben zu wollen? Denn Geschichte war nie mein Lieblingsfach und meine Ahnungslosigkeit, nicht nur was die Zeit der Französischen Revolution betraf, ist beträchtlich. Tja. Das nützte nun aber alles nichts. Die Vorgabe im Exposé lautete, mehrere konkret benannte historische Ereignisse in die Romanhandlung einzubauen. Das setzte meinerseits natürlich voraus, möglichst viele Details dieser Ereignisse zu kennen. Äh …? *hust*

Also begann ich zu recherchieren – zuerst über das Leben der Königsfamilie im Pariser Tuilerienpalast, die exakte Fluchtroute nach Varennes im Juni 1791, alle beteiligten Personen und sämtliche Zeitabläufe. Ich las eine Menge über französische Politik und die Hintergründe des Massakers auf dem Marsfeld sowie Dokumente über die Hinrichtung des Königs 1793. Ich googelte nach Bildern des königlichen Fluchtfahrzeugs, einer sog. Berline, stöberte durch Zeitungsartikel, Flugblätter, Speisepläne und zeitgenössische Mode. (Ach, und erwähnte ich schon, dass ich eine Menge über französische Politik las?) Einmal hörte ich mir auch Revolutionslieder auf YouTube an, das war eindeutig unterhaltsamer als die trockene Historie. Nach meiner intensiven Recherche hätte ich jedenfalls locker eine Klausur zum Thema bestreiten können, viele Jahre nach der Schulzeit. Aber Hauptsache war, dass es mir am Ende gelang, mich diesem Handlungssetting soweit anzunähern, dass ich mich in der Lage sah, meinen Teilroman zu schreiben. Und ungelogen – es machte sehr viel Spaß, nun all die historischen Fakten mit einem Vampir wie Jerome de Choiseul anzureichern, Dorian als Hugo Bassarak dabei immer dicht an die Fersen der vampirischen Handlanger geheftet.

Beim Abgabetermin fand sich übrigens trotz aller Recherche ein grandioser Patzer in meinem Text: Da die meisten Kämpfe ja mit dämonischen Mitteln ausgetragen werden, hatte ich mich mit herkömmlichen Waffen zu wenig beschäftigt und nicht bedacht, dass die zu jener Zeit nachgeladen werden mussten. Zum Glück fiel das dem aufmerksamen Lektorat gleich auf.

Mein persönliches Fazit: Dem nächsten DH-Exposé auf meinem Schreibtisch sehe ich gleichermaßen gespannt wie gelassen entgegen – egal, in welcher Zeit Dorian darin unterwegs sein wird. Denn ich mag Herausforderungen und ich liebe Phantastik. Nur eines will ich nach wie vor nicht: einen historischen Roman schreiben. :-)