Heutzutage, wo alles ganz einfach scheint, vor allem, ein Buch via Selfpublishing oder „on demand“ zu veröffentlichen, ist es nicht selbstverständlich, dass ein relativ überschaubarer Verlag wie ZAUBERMOND gleich mehrere Serien unter professionellen Voraussetzungen und Bedingungen in regelmäßigem Turnus auf den Markt bringt. Und das seit über zehn Jahren.
Ganz am Anfang eines jeden Buches steht das Exposé …       

Doch nicht allein Autoren und Gestalter sind für den Erfolg verantwortlich, sondern genauso die Leute, die nur im Kleingedruckten genannt werden oder ganz im Hintergrund bleiben. Sie alle möchte ich nach und nach vorstellen. Vor allem auch den Verleger, denn eigentlich müsste er ganz am Anfang stehen – denn allein er entscheidet letztendlich über das Programm.

Beginnen möchte ich, wie oben erwähnt, jedoch mit dem Exposé. Weil ich mich damit am besten auskenne. Weil es aber auch zu den elementaren Dingen gehört, die über die Qualität und die Kontinuität und damit letztlich über den Erfolg einer Serie entscheiden. Nicht umsonst leistet sich PERRY RHODAN seit Jahrzehnten eine kostspielige Expoabteilung. Und nicht umsonst beauftragte der Erich-Pabel-Verlag den damaligen Rhodan-Autor Ernst Vlcek seinerzeit damit, auch für die DÄMONENKILLER-Serie, dem Romanheftvorläufer der heutigen DORIAN HUNTER- und DAS HAUS ZAMIS-Bücher, als Exposéautor tätig zu werden. Diese kluge Entscheidung bürgte lange Zeit für den sensationellen Erfolg der Serie. Wie umgekehrt es schiefgehen kann, wenn man die Autoren einfach nur schreiben lässt, ohne ihnen ein gemeinsames Gerüst an die Hand zu geben, zeigten in katastrophaler Weise die neuen Romane der zweiten Auflage, die dann auch recht schnell eingestellt wurde.

Nachdem die Romanhefte der ersten erfolgreichen Auflage im ZAUBERMOND-Verlag als Nachdrucke vorlagen, stellte sich auch für DAS HAUS ZAMIS die Frage, wie man weiter verfahren sollte. Mit oder ohne Serienexposé? Und wenn mit, wer sollte sie schreiben, zumal Ernst Vlcek sich zum damaligen Zeitpunkt längst aus der Serie zurückgezogen hatte. Nach einer kurzen Orientierungsphase, in der sich Dennis Ehrhardt, der damals noch vermehrt an der Serie mitschrieb, Ralf Schuder und ich uns zumindest bei unseren regelmäßigen Treffen über einen groben Handlungsrahmen verständigten, stieß zu unserer großen Freude Ernst Vlcek wieder zum Team und übernahm die Expoarbeit. Er löste damit zumindest bei uns Autoren einen unglaublichen Enthusiasmus aus. Zumal Ernst Vlcek uns aufzeigte, dass seit der damaligen Romanheftserie und den Buchveröffentlichungen mehrere Jahrzehnte lagen. Und die Zeiten hatten sich gewandelt. Vor allen Dingen die Beschränkungen zum Beispiel aufgrund der Selbstkontrolle der Verlage, denen die „Großen Alten“ in dieser Zeit unterworfen gewesen waren. Ernst Vlcek katapultierte mit seinen neuen Exposés die Serie endgültig in die Neuzeit, und nicht umsonst entstanden in dieser Phase die vielleicht grausamsten Romane innerhalb der Serie, die auch uns Autoren heute noch teilweise vorgeworfen werden.

Nach Ernst Vlceks leider viel zu frühem und für alle überraschenden Tod, übernahm ich die Exporedaktion. Zunächst noch den viel zu großen Fußstapfen Ernsts folgend. Doch schnell entdeckte ich, dass DAS HAUS ZAMIS einen viel größeren Rahmen bot, als nur oder hauptsächlich die Abenteuer der jungen Hexe Coco Zamis zu erzählen. Und so entstand nach und nach ein ganzer Familienkosmos, der bis heute noch lange nicht zu Ende erzählt worden ist.

Was aber macht das Besondere der Serie aus? Sie ist komplex, ja, aber nicht so komplex, dass ein Leser nicht jederzeit eines der Bücher zur Hand nehmen und ganz neu oder wieder einsteigen könnte. Jedes Buch ist in sich abgeschlossen, nimmt jedoch den Faden des Vorgängers auf, spinnt ihn weiter und überlässt es dem Nachfolgeband, einige der vielleicht liegengebliebenen Probleme weiter zu verknüpfen.

Das alles habe ich im Kopf, wenn ich mit dem Exposé eines Buches beginne. Jedes Buch umfasst wiederum zwei Romane, wobei jeder Roman in der Regel von einem anderen Autor geschrieben wird. Und zwar in demselben Zeitraum, sodass kaum ein Autor den Teil des anderen lesen kann. Vor allem der Autor des zweiten Teils muss sich also auf das Exposé des ersten Teils verlassen können, wenn er daran anknüpft.

Das Exposé muss also umfassend sein, es muss verständlich sein, es darf aber auch nicht zu ausufernd sein.

Dies alles aber gehört eher zum Handwerklichen, genau wie das Gespür, welchem Autor welche Themen liegen. So schreibt Michael Marcus Thurner nun mal am liebsten über das Café Zamis und seine skurrilen Gäste (kein Wunder, er hat es erfunden!), während Catalina Corvos Lieblings-Charakter Georg Zamis ist.

Ganz am Anfang aber steht: Das Thema, das jedes Buch trägt und es von den anderen abhebt. Die Idee. Der Einfall. Der Geistesblitz. Manchmal kommt er, wenn ich mich gar nicht damit beschäftige. Auf Spaziergängen mit meiner Hündin Ronja zum Beispiel. Oder mitten während eines langweiligen Theaterstücks. Ja, auch wenn es zum Klischee gehört: Zuweilen auch mitten in der Nacht.

Daraufhin folgt die Prüfung, wie sich der jeweilige Einfall mit der laufenden Handlung verträgt. Bei dem kleinen Zyklus um das legendäre Dakota Building ließen sich „Rosemaries Baby“-Flair und Voodoo-Zauber zum Beispiel so gut verquicken, dass anschließend noch ein ganzer Voodoo-Roman folgte.

Passt das neue Thema zur laufenden Handlung, erfolgt die Recherche. Kurt Luif drückte mir einst voller Enthusiasmus „Das Weltreich der Magie“ in die Hand, aus der die Serienväter damals ihr meistes Wissen entnahmen. Darüber staune ich noch heute, wie exakt und realistisch manche Dinge und auch ferne Länder beschrieben wurden. Denn natürlich war es nicht nur ein einziges Buch, das zur Recherche diente, sondern es waren viele mehr.

Heute besitze ich selbst eine relativ umfangreiche Bibliothek über Hexenwesen und Dämonologie. Aber natürlich sind wir heutigen Expokraten und Autoren den Vätern in einem Voraus: Wir haben Google!

Ist das Thema gewählt, gut recherchiert und passt es zur laufenden Handlung, erst dann beginne ich mit der Niederschrift des Exposés. Vorangestellt werden die technischen Daten, zum Beispiel:

DAS HAUS ZAMIS 44:
Mit schwarzen Schwingen kommt der Tod
von Susanne Wilhelm und Rüdiger Silber
Abgabe an Lektorat: 15. September

Es folgt eine Vorbemerkung und einige Sätze zum Stand der Dinge, denn nicht von jedem Autor kann ich voraussetzen, dass er den Band davor gelesen hat. Wichtig ist noch die Angabe der Jahreszeit, die zumeist der entspricht, in der das Buch erscheint.

Das fertige Exposé umfasst je Roman ca. 10 Seiten, insgesamt also 20 Seiten.

Danach erfolgt die Abnahme durch den Verleger. Ist auch das geschehen, bekommen endlich die meistens schon in den Startlöchern stehenden Autoren es endlich in die Hände: Das fertige Exposé!

Falls wir nichts mehr voeinander hören, wünsche ich euch jetzt schon ein möglichst gruseliges Halloween! Vielleicht verbringt ihr ja einen schaurigen Leseabend und besucht DAS HAUS ZAMIS!

Keep the Horror burning!
Uwe