


Lange haben wir warten müssen, aber es hat sich gelohnt. Hans Werner Bussinger leistet als dämonischer Ich-Erzähler Frank Leary Außerordentliches - wie er die Ekstase und Verzückung über den "Feuerschmerz" in Track 24 spielt, lohnt alleine die Anschaffung. Schon zuvor (Track 4) stellt er die Sado-Maso-Seite des Dämons gekonnt heraus. Eröffnet wird das Hörspiel mit einer brillanten Szene, die das Geschehen in Folge 8 vorbereitet und die bisherige Storyline um Olivaro erleuchtet. Katja Brügger gibt diesmal nicht das Opfer, sondern die Dämonin Irene Reuchlin, die eigentliche treibende Kraft hinter der Jagd auf das Henkersschwert (oder, wie am Ende angedeutet wird, auf dessen Behältnis und den darin enthaltenen Stich). Auch erfahren wir Näheres über Equinus, der mit Vukujev identisch ist und sogar Nachkommen in die Welt gesetzt hat. Apropos Nachkommen: Track 25 zeigt, dass auch bei den Dämonen das Phänomen der "Kuckuckskinder" verbreitet ist: Asmodi hat seinen Sohn Jerome Hewitt offensichtlich Frank Leary untergeschoben - köstlich! Die Hörspiele verzahnen die Handlung intensiver als die Romane, was ihnen sehr zugutekommt. Ansonsten hat mir gefallen, wie die Freaks als zweifelhafte Verbündete dargestellt werden, und die Leistung von Frau Michaelis. Amüsiert hat ich mich, dass Dorian einen doppelten Scotch anstelle eines einfachen Bourbon nimmt - ich genehmige mir selbst hin und wieder einen Whisky/Whiskey, da mutet das genauso seltsam an wie die Behauptung, dass in NY (mit den zig Irischstämmigen dort) eher Scotch als Bourbon getrunken wird. Einen Punkt Abzug gebe ich, weil Hewitt so einen Hanswurst abgibt. Übrigens: Darf man Christian Montillon künftig mit "He du Freak!" begrüßen?

Geboten bekommt man bei diesem Hörspiel eine Story, die diesmal aus der "Ich" Perspektive erzählt wird. Allerdings ist dieser "Ich" nicht Dorian Hunter, sondern ein finsterer Zeitgenosse, der der Schwarzen Familie angehört. Er schildert in bösen und mordlüsternen Bildern den Teufelskreis, den er mit einem einzigen Mord entfachte. So darf man nicht nur wieder mit Dorian Hunter auf die Reise gehen, sondern bekommt auch tiefere Einblicke in die Schatten von New York, dort wo die Freaks sitzen. Der Autor vereint in der Folge "Freaks" Spannung, Action, Finsternis, Verrat und Trauer. Als Hörer fühlt man mit den schlimm verunstalteten und zurückgezogenen Freaks mit. Langeweile ist hier fehl am Platz. Alles geht flott und zügig voran. Eben genau so, wie es im Idealfall sein sollte. Ein perfides Theaterstück nimmt seinen Lauf... Thomas Schmückert brilliert nun schon zum sechsten Mal als Dorian Hunter, der diesmal unter Mordverdacht steht. Sein neuer Mitstreiter im Kampf gegen die Schwarze Familie wird von Marco Göllner (auch Skript, Regie und Tonproduktion) gut in Szene gesetzt. Schadensfreude und süchtig nach Schmerzen führt Hans-Werner Bussinger gekonnt und düster aks Frank Leary durch die Story. Gordon Piedesack glänzt als Angehöriger der Schwarzen Familie, seines Zeichens "Vampir-Pate". Claudia Urbschat-Mingues als Coco Zamis und Hasso Zorn als Norbert Helnwein haben in dieser Folge nur kleinere Rollen inne, stehen sie doch nur in Telefonkontakt bzw. Erinnerungen mit Dorian Hunter. Oliver Rohrbeck hat eine Nebenrolle als einer der Freaks erhalten. Auch Katja Brügger taucht am Anfang des Hörspiels auf, auch wenn noch nicht geklärt ist, weshalb. Für die serienübergreifende und athmosphärisch sehr dichte und packende Musik übernahm wieder Moorland Music die Komposition, die schon aus anderen Produktionen von Zaubermond Audio bekannt sind. Die Musik, so düster und schockierend, verschmilzt mit dem dreckigen Szenario der New Yorker Nebengassen perfekt. Die einzelnen Geschehnisse wurden wieder gekonnt durch die zahlreiche Auswahl akustisch ansprechender Effekte in Szene gesetzt. Für das überaus gute Cover zeichneten sich wieder Mark Freier als Illustrator und Sebastion Hopf als Layouter verantwortlich. Perfekt inszeniertes und dramatisches Mysteryhörspiel, das sogar die ersten zwei Folgen übertrumpft und mit spannender Story, perfekter Sprecherriege, toller Aufmachung und extrem guter akustischen Vertonung aufwartet. Absolute Kaufempfehlung.
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