


Jo Zybell hat hier einen Roman geschrieben, der weit über den Durchschnitt liegt. Eine Familienchronik mit Fehden, Geheimnissen und harten Überlebenskampf. Außerdem wird auch ein grusliges Geheimnis um die Götterschlächter (Nordmänner) enthüllt. In Hinsicht auf die Beschreibung der Machenschaften und Rücksichtslosigkeit der Regierung kann man den Roman als politische Kritik verstehen, falls hier Probleme der Jetzt-Zeit etwas farbig ausgemalt in die Zukunft projiziert wurden. Der Roman ist als epische Erzählung aufgebaut, da er in Rückblenden von einem Chronistenerzählt wird. In der Zeit des Chronisten spielt die Abschluss-Handlung. Sehr klever gemacht. Minus: "Wasser für den Wasserstoffantrieb der Tanks gab es in Hülle unf Fülle." Was soll das für ein Wasserstoffantrieb sein? Eine Brennstoffzelle? Wenn man Wasserstoff aus Wasser durch Elektrolyse gewinnen möchte, benötigt man eine elektr. Stromquelle. Die Energiemengen zur Gewinnung des Wasserstoffs sind dann höher als die Energie die hinterher erhalten wird. Sollte eine Spannungsquelle zur Verfügung stehen, warum werden nicht gleich damit die Elektro-Motoren gespeist? Hier hat sich der Science-Fiction Autor keine Mühe gegeben. Trotzdem volle Punktzahl für das durchweg hohe Niveau!

Dieser wohl bisher längste Maddrax-Roman gefiel mir in Teilen sogar besser als "Apokalypse", was in erster Linie aber daran liegt, dass Rückblick und Rahmenhandlung geschickter miteinander verbunden waren, als es im Vorgänger der Fall war. Die Handlung wird konsequent aus diesem weitergeführt, sogar zuerst mit den selben Hauptfiguren, bzw. einigen davon. Ergreifend fand ich Burts Erinnerungen an die Ereignisse in der Kirche unmittelbar während des Kometeneinschlages, sowie auch seine spätere Rückkehr dorthin. Aber der Roman ist insgesamt sehr intensiv auf das Innenleben der Handlungsträger konzentriert und lässt sich dabei nur selten von seinem minimalistisch angelegten Handlungsfaden ablenken. Das ist seine größte Stärke. Und daran kann man ablesen, wie ambitioniert Zybell an dieses Hardcover-Projekt herangeht. Ich habe die Hefte erst bis Nr. 7 gelesen und kann nicht sagen, wie sich ihr Stil und ihr Thema entwicken, aber es wird sehr deutlich, dass Zybell mit diesem Buch mehr will, als er zumindest zu Beginn der Heftreihe ankündigt. Ob er diesen Anspruch einlöst, muss jeder Leser für sich entscheiden. Ich hatte manchmal Bedenken, ob er es wirklich schafft, eingebrachte Aspekte am Ende auch aufzulösen, war dann aber durch das letzte Drittel irgendwie zufrieden - vorerst. Aber ich behalte mir spätere Kritik vor. Die Erklärung für die Nutzung nordischer Götternamen zum Beispiel, die bereits in Buch 1 vorbereitet wurde, ist geradezu pfiffig und auch zufriedenstellend. Jedoch wurde man eigentlich auf eine politische Stellungnahme vorbereitet: Eine neofaschistische Gruppe geht in Skandinavien vor dem Kometen in Deckung, 500 Jahre später betet man Wotan an. Und das vor dem Hintergrund, dass die SF-Literatur derzeit nicht selten für ideologische "Tabubrüche" missbraucht wird... Hm. Man kann mit der Erklärung zufrieden sein, aber sie geht einer politischen oder ideologischen Stellungnahme aus dem Weg, obwohl Zybell selbst diesen Faden strickt. Auch die Hautfarbenproblematik, eigentlich DAS Thema der ganzen Bunkergeschichte schon im ersten Buch, wird sooo implizit behandelt, dass man fast schon denken könnte, Zybell gehe seinen eigenen Themen aus dem Weg, oder wolle es sich mit keinem verscherzen. Vielleicht sehe ich das auch zu eng und interpretiere den zum ewigen Winter passenden unterkühlten Ton der Darstellung falsch. Wir werden sehen. Bei allen Bedenken standen die 5 Sterne doch zu keinem Zeitpunkt in Frage.

Der 2. Teil von Jo Zybells epischer Untergangsstory: ein leichter Abfall zum ersten Teil, dennoch immer noch überragend. Besonders die Geschichte der Bunker in New York ist packend und emotional geschrieben - die Figuren sind vielschichtig und authentisch gezeichnet. Der zweite Teil des Buches schafft jedoch sowas wie einen Bruch in der Geschichte, weil hier mit der Geschichte über die Schaffung der Nordmänner ein völlig neues Thema aufgegriffen wird, das nicht so recht zum ersten Teil des Buches passen will. , sicher aber für Kenner der Heftserie von großem Interesse ist. Auch in den Bunkern begegnen viele Namen, die später in den Heften wieder auftauchen. Sprachlich wieder einwandfrei und gekonnt.
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