Wiener Recherche

von am 9. April 2021

Ich habe es leicht.

Ein gar nicht so kleiner Teil der DORIAN HUNTER-Romane spielt in meiner Heimatstadt Wien. Auch bei der Schwesternserie COCO ZAMIS darf ich mich immer wieder mal mit der österreichischen Bundeshauptstadt beschäftigen. Viele Schauplätze kenne ich gut – und dennoch begebe ich mich gerne mal auf Spaziergänge aus Recherchezwecken.

Manchmal tue ich es, um in Exposés vorgegebene Handlungsorte besser kennen zu lernen und ein Gespür für sie zu bekommen. Manchmal suche ich auch nur, um neue, spannende Plätze festlegen zu können.

Hinter dem Dreiecksblock verläuft die Mariahilferstraße. Irgendwo dort hinter dem rechten der beiden Ecktürme befindet sich das Café Zamis. Den genauen Ort verrate ich nicht.

Ich gebe zu, dass es dabei nur selten um Orte geht, die dem Wien-Touristen bekannt sind. Schloss Schönbrunn, der Stephansdom, die Schatzkammer der Habsburger, die Burg, die Kapuzinergruft – das sind zweifellos ganz grandiose Plätze, die ein jeder Besucher der Stadt mal gesehen haben sollte. Aber es gibt noch so viele andere Orte, über die man nur wenig weiß, wenn man nicht zufällig Wiener ist.

Oftmals vermengen sich Realität und Fiktion. In der COCO ZAMIS-Serie existiert ein „Café Zamis“ auf der Mariahilfer Straße. Ich kann diesen Ort sehr genau bestimmen; schließlich habe ich jahrzehntelang um die Ecke gewohnt. Darüber hinaus gab es in diesem Gebäude bis vor etwa 20 Jahren ein „Espresso“, in dem unglaublich gute Brötchen serviert wurden.
In den letzten Jahren seines Bestehens war dieses Espresso schon etwas abgefuckt; die knallrote Lederpolsterung der Sitzbänke war teilweise zerrissen, einige der Stühle wackelig. Genau so stellte ich mir das Café Zamis vor, als Coco es erstmals betrat.

Auch der Standort der Freaks, fast unmittelbar gegenüber vom Café Zamis, existiert in der Realität. Die „Gruft“ ist ein Obdachlosenasyl, das in die Kelleranlagen der Mariahilferkirche gebaut wurde – und wo würden die Freaks besser hinpassen als an diesen Ort? Die Mariahilfer Straße ist die zweitgrößte Einkaufsstraße Wiens – und ausgerechnet an dieser mondänen Einkaufsmeile findet sich eine der wichtigsten Obdachloseneinrichtungen der Stadt.

Blick auf die Mariahilferkirche

Die Rechtsanwaltskanzlei des Skarabäus Toth findet sich ebenfalls in der Nähe einer meiner ehemaligen Wohnorte. Für die Arbeit an einem DORIAN HUNTER-Exposé hab ich eine Skizze der Kanzlei angefertigt, die ich laufend erweitere. Ich nehme dabei Rückgriff auf ältere Manuskripte. Ich kann nicht alles übernehmen, was frühere Autoren beschrieben haben; sie haben sich teilweise widersprochen. Aber ich versuche dennoch, ein plastisches Bild zu zeichnen, das den Entwürfen von Ernst Vlcek oder Kurt Luif entspricht.
Wichtig ist mir dabei auch, die Straßenstimmung einzufangen und auf die Baustruktur einzugehen. Für mich stammt dieses Gebäude aus der sogenannten „Gründerzeit“, als etwa aus dem Zeitraum 1900 – 1920. Die Räume sind über drei Meter hoch, der Parkettboden ist im Fischgrätenmuster verlegt, die Türen sind zweiflügelig und hoch, jeder Wohnraum hat einen eigenen Kaminanschluss. Mag sein, dass Stukkarbeiten vorhanden sind, das weiß ich noch nicht so genau. Aber ich tue mir beim Schreiben wesentlich leichter, wenn ich ein Gefühl für die Stimmung innerhalb eines Gebäudes habe.

Das „Ratzenstadel“ in Wien, etwa um 1900. Dort habe ich den Domina-Keller einer Figur aus der COCO ZAMIS-Serie verortet. ©August Stauda, im Besitz des Wiener Bezirksmuseums Mariahilf.

Ein weiterer Hotspot der Handlung beider Serien ist natürlich die Villa Zamis. Hier müssen Fiktion und Realität voneinander abweichen. Bekanntermaßen hatte Kurt Luif ja die Villa einer ehemaligen Freundin als Haus der Zamis-Familie festgelegt. Das „wirkliche“ Gebäude eignet sich nur bedingt als Vorbild für die Villa in der Romanhandlung. Dazu reicht das Haus viel zu nahe an den Straßenrand heran und wirkt teilweise zu modern. Auch ist es in meinen Augen zu klein, um tatsächlich als Herrschaftssitz unserer liebsten Wiener Dämonenfamilie dienen zu können. Also muss ich da stets ein wenig schummeln.
Auch für die Villa Zamis habe ich übrigens eine kleine Skizze angefertigt, die ich immer wieder neu adaptiere.

Jeder Roman, den ich in Wien spielen lasse, ist eine Reise durch die meine Heimat. Ich lasse Kirchen, Bahnhöfe, sonderbare alte Gebäude, Friedhöfe, U-Bahn-Anlagen, Domina-Keller und vieles Andere vorkommen. Es gibt diese Orte – – oder es könnte sie geben. Weil sie zu dieser altehrwürdigen Stadt passen und eine bestimmte Stimmung mittragen.

Der Friedhof Ober St. Veit samt Mausoleen, nahe gelegen zur Ratmannsdorfgasse.

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Erinnerungen an Kurt Luif

von am 19. März 2021

Nun, der Titel ist ein klein wenig verfälschend, denn sooo gut kannte ich Kurt Luif vulgo Neal Davenport nicht. Nachdem ich aber vor einigen Wochen ein wenig über mein Verhältnis zu Ernst Vlcek erzählt habe, möchte ich dasselbe nun auch mit dem zweiten wichtigen Wiener Dämonenkiller-Autor machen. Und ich berufe mich dabei auf einige Zeitzeugen, mehr dazu weiter unten.

Kurt war bekanntermaßen der Miterfinder der Dämonenkiller-Serie. Wer nun mehr zum Grundkonzept der Story beigetragen hat, er oder Ernst Vlcek, ist meiner Meinung nach irrelevant. Die beiden haben einen Grundstock an Ideen aufgebaut, haben den Stil der Serie bestimmt, haben eine Epoche des „Grusel“-Romans geprägt.

Kurt Luif hat, so viel ist bekannt und verbürgt, die Villa Zamis in der Ratmannsdorfgasse im 13. Wiener Gemeindebezirk verortet. Weil dort eine seiner Freundinnen wohnte. In einer Nobelgegend, die von vielen alleinstehenden, meist ein- bis zweistöckigen Gebäuden geprägt ist. Sie stammen meist aus der Gründerzeit-Epoche, eine Menge von ihnen sind im Schönbrunner Gelb gehalten. Dies ist jener Farbe, in der die Hauptgebäude des Schloss Schönbrunn gehalten sind. Viele gut situierte Wiener Bürger ließen ihre Häuser im selben Farbton streichen, um so einen Abglanz des Kaiserhofs zu sich zu Hause zu holen.

In dieser Gegend also residieren die Zamisse. Ich denke mir, Kurt hätte sich für die Wiener Dämonenfamilie keinen besseren Ort einfallen lassen können. Immer, wenn ich über die Villa schreibe, habe ich augenblicklich die Bilder der Umgebung vor mir. Die Gerüche, die Bäume, diesen ganz besonderen Menschenschlag, der sogar ein wenig anders redet (das sogenannte „Schönbrunner Deutsch“).

Zurück zu Kurt Luif selbst: Ich habe ihn bei einer PERRY RHODAN-Veranstaltung kennengelernt, in einem Kolpinghaus. Das war wohl zwei, drei Jahre, nachdem ich Ernst Vlcek erstmals begegnet war. Ernst hatte ihn dazu bewegt, sich mit ihm auf ein Podium zu setzen. Sie plauderten über PERRY RHODAN, aber eben auch über die Arbeit am Dämonenkiller. Während alle anderen Redner diplomatisch waren und bereitwillig Auskunft gaben, stach Kurt mit schlechter Laune hervor. Alles war „oasch“, mit kaum etwas war er bei der Arbeit am Dämonenkiller zufrieden gewesen. Er erzählte, dass er den „Dämonenkiller“ nur wegen des Geldes geschrieben hätte. Aber man spürte ganz genau, dass da mehr dahintersteckte. Dass er ungeheuer stolz war auf das, was er gemeinsam mit Ernst erschaffen hatte.

Dieser ambivalente Eindruck setzte sich fort, als ich mich später mit ihm in einer Dreier- oder Vierergruppe unterhalten habe. Er hatte an vielen Dingen etwas auszusetzen. Doch man konnte hinter all dem Wiener Grant auch fühlen, dass er sich über die Aufmerksamkeit freute, die ihm zuteil wurde. Er mochte es, ein klein wenig im Mittelpunkt stehen und seine Meinung sagen zu dürfen. Wenn er seine Freude bloß ein wenig besser hätte zeigen können …

Das Verhältnis zwischen ihm und Ernst war nicht immer ungetrübt. Die beiden waren charakterlich extrem unterschiedlich. Ernst genoss das Leben, ließ es sich gutgehen. Kurt hingegen gab sich seinem Grant gerne hin. Gegen Ende seines Lebens hin verstärkte sich dieser Charakterzug. Er hätte, schwer erkrankt, Hilfe bedurft. Aber er nahm sie nur ganz, ganz zögerlich an. Regina Vlcek hat mir von Besuchen bei Kurt erzählt, die nicht sonderlich erfreulich für sie gewesen waren.

Kurt tat sich also immens schwer, jene Anerkennung zu akzeptieren, die er eigentlich verdiente. Er war, so wurde mir von Wegbegleitern aus der Wiener Fan-Szene versichert, in den Sechzigern ein lebenslustiger Mensch mit viel Charme gewesen. Einige Male schwer verliebt, oftmals auch enttäuscht. Irgendwann muss das Düstere in ihm Oberhand gewonnen haben, der Schwermut trat immer stärker in den Vordergrund.

Er erhielt Unterstützung bis an sein Lebensende. Freunde von der Science Fiction Gruppe Wien kümmerten sich um ihn und pflegten ihn.
Wenn ich heute an ihn zurückdenke, sehe ich einen Menschen mit vielen Ecken und Kanten vor mir. Einen, der nicht immer das Richtige getan hat und der es sich selbst schwer gemacht hat. Einen, dem die Gemeinde der Dämonenkiller-Fans unendlich viel zu verdanken hat.

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Erinnerungen an Ernst Vlcek

von am 26. Februar 2021

Meine erste Begegnung mit Ernst Vlcek hatte ich im Rahmen eines PERRY RHODAN-Stammtischs im Frühjahr 1997. Ich war erstmals mit dem Fandom konfrontiert. Ernst wiederum hatte seine Frau Regina bei sich, die noch nie bei einem Fan-Treffen mit dabei gewesen war und ebenso verunsichert wie ich war. (So hat sie’s mir zu einer späteren Gelegenheit erzählt.)

Der Zufall wollte es, dass Ernst und ich nebeneinander zu sitzen kamen. Er ließ sich zu meiner Rechten nieder, gurgelte ein Bierchen runter und beantwortete anschließend mit unendlicher Geduld die Fragen von uns Fans.

Essen wurde gereicht, Ernst pofelte eine „Dreier“ nach der anderen, zusätzliche Biere fanden ihren Weg an den vollbesetzten Tisch. Die Stimmung wurde gelöster, die Distanz zwischen dem großen Star und uns Fans ein wenig geringer.

Natürlich ging es bei den Unterhaltungen hauptsächlich um die PERRY RHODAN-Serie. Aber Ernst ließ immer wieder mal anklingen, wo seine eigentliche Liebe steckte. Er brachte den Dämonenkiller ins Gespräch und er redete über Projekte, die in der Zukunft lagen. Sie hatten viel mit eigenen Kurzgeschichten und mit Ideen zu weiteren Horror-Erzählungen zu tun.

Es war eine irgendwie sonderbare Begegnung für mich – und vermutlich auch für Ernst. Da saß einer meiner Heroen unmittelbar neben mir. Er hatte mir bis dahin viele Stunden großen Lesevergnügens geschenkt. Ein Mann, den ich bloß von einigen wenigen Bildern kannte und der als Exposé-Autor von PERRY RHODAN die Serie mitlenkte. Nun saß er an dem vollbesetzten Tisch Schulter an Schulter neben mir. Die Distanz war weg, der Respekt blieb. Vermutlich brachte ich kaum mal mehr als ein gehauchtes „Blebellebellep“ hervor.

Ernst mochte uns Fans, aber es zog dennoch eine Grenzlinie. Er wollte an diesem Tag (noch) nicht, dass wir allzu tief in sein Privatleben vordrangen. Er hatte einen Bekannten- und Freundeskreis, der kaum wusste, womit er eigentlich sein Leben finanzierte. Er trieb sich oft auf seinem vielgeliebten Tennisplatz in Mödling umher und organisierte Jux-Turniere mit. Dort hatte er Freunde, dort fühlte er sich wohl. Es dauerte also einige Jahre, bis sein Verhältnis zum innersten Kern der Stammtisch-Betreiber „intimer“ wurde.

Ein- bis zweimal pro Jahr besuchte er den Wiener PERRY RHODAN-Stammtisch. Er erzählte vom Zaubermond-Verlag und dass er nun wieder beim Dämonenkiller mitschreiben würde. Es ist schwer zu erklären, wie er über diesen Teil seines Gesamtwerks redete. Er wirkte stolz, sprach aber auch liebevoll über „seine“ Figuren. Und ganz plötzlich ging er im breitesten Wiener Dialekt dazu über, uns unter die Nase zu reiben, was er Coco Zamis und Dorian Hunter als nächstes antun würde.

Das war auch eine seiner ganz besonderen Seiten: Wenn es um Grausamkeiten ging, waren ihm in seiner Vorstellungskraft kaum Grenzen gesetzt. Obwohl er als Mensch keiner Fliege etwas zuleid tun konnte.

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DORIAN HUNTER und „Game of Thrones“

von am 8. Januar 2021

Das neue Jahr ist auch schon wieder ein paar Tage alt, meine Gedanken gelten weiterhin der Arbeit an DORIAN HUNTER. Es sind Überlegungen zu den Hintergründen mancher Figuren, die mich bewegen. „Schuld“ daran ist die HBO-Serie Games of Thrones, die ich mir derzeit in einem Rutsch anschaue.

„Game of Thrones“ war vor einigen Jahren wegbereitend, als es um die Verfilmung einer Fantasy-Buchserie ging. George R.R. Martins Bücher über die Intrigen und Kämpfe mehrerer Königshäuser, die den Eisernen Thron für sich beanspruchen, waren in vielerlei Hinsicht wegbereitend – und sie sind adäquat verfilmt worden. Während ich mich also von der Serie begeistern lasse, spukt in meinem Hinterkopf immer diese eine Frage umher: Was haben die Macher von „Game of Thrones“ besser gemacht als die anderer Fantasy-Verfilmungen?

Nun, die Produzenten und Regisseure von „Game of Thrones“ hatten ganz gewiss ein tolles Budget zur Verfügung (auch wenn es Aussagen gibt, dass sie sich einschränken mussten). Außerdem schöpften sie bei den Darstellern aus dem Vollen. Jede einzelne Rolle ist exzellent besetzt. Aber was die HBO-Leute besonders gut gemacht haben, ist, die Hintergründe der Figuren zu erklären. Autor George R.R. Martin hat großartige Arbeit geleistet, die meines Ermessens nach in der Verfilmung fortgesetzt wurde.

Die Helden und Schurken von „Game of Thrones“ haben allesamt eine Vorgeschichte, die irgendwann einmal erzählt wird. Der böseste aller Schurken bekommt einen Hintergrund und es wird erklärt, warum er welche Untaten begangen hat. Niemand ist völlig gut, niemand ist völlig schlecht. Der unendlich zynische Jaime Lannister, der Königsmörder, den man für alles, was er ist, einfach nur hassen muss, legt sein Inneres irgendwann einmal bloß. Man erfährt als Leser, warum er so ist, wie er ist – und man kann seine Beweggründe nachvollziehen. Aus einem Monster wird binnen weniger Minuten des Zusehens ein bedauernswertes Geschöpf. Das ist für mich die Magie der Verfilmung von „Game of Thrones“.

Und damit bin ich wieder bei DORIAN HUNTER. Die Charaktere, die wir in der Serie verwenden und weiterentwickeln, sind recht leicht einzuteilen. Dorian, von Rachegefühlen getrieben, will die Schwarze Familie ausrotten. Asmodi, der oberste Dämonen, will seine Herrschaft bewahren und ausbauen. Es gibt weiters Figuren wie Olivaro, die nicht ganz so leicht zu durchschauen sind.

Hunter ist, auf den ersten Blick gesehen, kein sonderlich sympathischer Mensch. Er säuft, raucht, ist oftmals gewissenlos und ein Zyniker vor dem Herrn. Aber natürlich lieben wir als Leser und Gestalter ihn. Also frage ich mich, was ihn als Figur so interessant macht. Und ich denke, dass es gerade diese Ambivalenz ist, die uns anzieht. Er ist eine „Schattenfigur“. Nicht völlig gut, aber auch nicht böse.

Hunter ist aber bei weitem nicht die einzige Figur in unserer Geschichte. Wir haben – geschätzt – zehn Darsteller bei DORIAN HUNTER, die schon mal Hauptrollen in einer Erzählung gespielt haben. Und bei einigen von ihnen fehlt mir die Erklärung. Der Hintergrund. Die Frage nach dem „Warum“ bleibt unbeantwortet. Was macht den steinreichen Jeff Parker aus, warum steht er auf der Seite der „Guten“? Kann man Asmodis Charakter etwas Positives abgewinnen?

Eine Reise an der Seite Dorian Hunters durch wundersame Geschichten ist nicht nur abenteuerlich, sie ist auch höchst lehrreich. Ich bemühe mich, in die Köpfe der Figuren reinzuschauen und Neues, bislang Unbekanntes zu entdecken. Und dieser etwas andere Blick auf die Darsteller bei DORIAN HUNTER beschäftigt mich derzeit mehr denn je. Dank „Game of Thrones“.

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Das DORIAN HUNTER-Jahr 2021

von am 25. Dezember 2020

Liebe Dorian Hunter-Fans, ich möchte euch an dieser Stelle noch nachträglich ein frohes Fest und schöne Feiertage wünschen. Lasst es euch gutgehen, greift zu einem guten Buch und genießt die ruhige Jahreszeit.

Ich will hier ein wenig über das nächste Jahr plaudern und euch ein paar Informationsbrocken hinwerfen. Wie könnte es 2021 bei DORIAN HUNTER denn weitergehen?
2020 war ein wenig kompliziert, klar. Aber es kommen wieder bessere Tage, da bin ich mir sicher. Im Hunterversum wird jedenfalls kräftig gefeiert werden. Es steht der Jubiläumsband 100 der Serie an. Man stelle sich mal vor: Eine Serie, die über 100 dicke Bücher hinweg die Geschichte eines Dämonenkillers schildert! Welche Serie kann denn sonst noch von sich behaupten, eine derartige Größe erreicht zu haben?
Die beteiligten Autoren und alle Verlagsmitarbeiter haben jedenfalls viel Herzblut in das Manuskript zu Band 100 investiert und freuen sich wie ihr, die Leser, auf das Jubiläum. (Wenn man bei einer Serie wie DORIAN HUNTER von „Herzblut“ schreibt, kommen einem übrigens wie von selbst ganz sonderbare Gedanken.)

Auch die Arbeit an Band 101 ist bereits weit gediehen. Und während ich hier diese Zeilen tippe, mache ich mir nebstbei schon Gedanken über die Exposés zu Band 102. Ich denke über Begriffe wie Mithridiatismus oder Arsenikesser nach, ich sammle Ideen über eine bestimmte Gegend in Österreich, ich beschäftige mich ein wenig mit nordischer Mythologie.
Eine vielgeliebte – und vielgehasste – Figur in Hunters Umfeld beschäftigt mich allerdings am meisten. Sie begleitet uns schon recht lange, und dennoch wissen wir kaum etwas über sie. Das will ich ändern; aber solche Dinge sind dann halt sehr rechercheintensiv, und dementsprechend schleppend komme ich voran.

Erlaubt mir zum Abschluss ein paar persönliche Worte: Ich genieße die Exposéarbeit für DORIAN HUNTER. Sie ist eine willkommene Abwechslung zu all den anderen Dingen, mit denen ich mich sonst als Autor beschäftige. Danke, dass ihr mich und uns als Leser begleitet.
2021 wird für mich ein ganz besonderes Jahr werden. Ab dem Frühjahr (soweit es das Virus erlaubt) gehe ich mit dem Motorrad auf große Tour. Ich werde vermutlich ein bis zwei Jahre quer durch Europa, Nordafrika und vielleicht auch Zentralasien unterwegs sein. Ich werde unterwegs schreiben und mich zwischendurch viel mit DORIAN HUNTER beschäftigen. Es gibt Orte, die ich mir auf einer immer länger werdenden Liste notiere. Ich werde mir also unterwegs neue Inspirationen holen und sie direkt in die Arbeit an der Serie einfließen lassen. Darauf freue ich mich ganz besonders.

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Die Dorian Hunter-Charaktere

von am 16. Oktober 2020

Damit ein Buch beim Zaubermond-Verlag veröffentlicht werden kann, müssen einige Räder ineinandergreifen. Es sind die Expokraten beteiligt, der Autor, die Lektorin, ein First Reader, der Verlagschef, die Leute von der Druckerei. Der Mann, der für den Social Media-Auftritt des Verlags zuständig ist.

Es sind manchmal recht komplexe Vorgänge, die nach außen hin gar nicht so leicht zu beschreiben sind. Derzeit zum Beispiel wird hinter den Kulissen eifrig über Charakter und Eigenschaften einer der beliebtesten Figuren des Hunterversums gesprochen, über Coco Zamis.

Wie reagiert sie in gewissen Situationen? Kann man sie als unbeherrscht darstellen und wenn ja, unter welchen Bedingungen? Wie würde Dorian Hunter auf eine charakterliche Änderung reagieren? Und, ein wenig weiter gegriffen: Wie gut ist Coco eigentlich als Person ausdefiniert? Wird sie von den Autoren einheitlich beschrieben oder müssen wir bei der Erstellung der Exposés nachschärfen?

Das bedeutet für uns alle Arbeit. Mails, die hin und her geschickt werden, Nachdenken, neues Ausformulieren einer Szene, das Ringen um einen Kompromiss.

Der Leser bekommt solche Dinge im Normalfall natürlich nicht mit. Es ist auch nicht Sinn der Sache, dass er die internen Abläufe kennenlernt. Was der Leser aber optimalerweise sehen und spüren soll, ist eine Veränderung. Eine Präzisierung und Schärfung des Figurenprofils. Am Beispiel Coco Zamis kann man sagen: Sie soll noch deutlicher als selbstbewusste junge Hexe dargestellt werden, die sich von Dorian Hunter keinesfalls unterbuttern lässt. Sie darf nicht auf ihre körperlichen Attribute oder ihre Familiengeschichte reduziert werden. Sie hat (viele) Stärken und (wenige) Schwächen – und über eine dieser Schwächen werden die Leser in den nächsten Bänden der Dorian Hunter-Serie mehr erfahren …

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Wien, Wien, nur Du allein

von am 25. September 2020

Ab und zu mache ich einen längeren Spaziergang durch meine Heimatstadt Wien. Unweigerlich komme ich an Plätzen und Orten vorbei, die in den Serien „Dorian Hunter“ oder „Coco Zamis“ bereits mal eine Rolle gespielt haben. Manchmal sind sie bloß en passant beschrieben worden, dann wieder waren sie ein wichtiger Teil der Geschichte gewesen.

Der Stephansdom, der Wiener Prater, die Schönbrunner Straße als Geschäftsadresse von Skarabäus Toth oder auch die Villa Zamis im Wiener Vorortebezirk Hietzing, die Kapuzinergruft, das Haus des Meeres, das Basiliskenhaus, Diskotheken, Caféhäuser und Spelunken … Ich erkenne sie als Teil der Geschichte des Dämonenkillers wieder.

Manchmal verschwimmen Realität und Fiktion. Dann denke ich:  „Das ist doch das Haus in der Gumpendorfer Straße, in dem ich die Episode X angelegt habe ….“ Und: „Auf welchem Gleis des Westbahnhofs ist Coco Zamis gleich noch mal weggefahren, als sie es mit der Vertreterin einer der Sieben Todsünden zu tun bekam?“

Wien ist nun mal Heimat für mich. So, wie Ernst Vlcek und Kurt Luif hege ich eine tiefe Verbundenheit zur Stadt. Wien hat auch viel zu bieten: K.u.k-Flair, eine reichhaltige und weit in die Vergangenheit reichende Geschichte,  sehr viel Kultur und ebenso viele Sonderbarkeiten. Also nütze ich meinen Heimvorteil aus, zumal ich mich immer schon sehr für die Stadt interessiert habe. In meinem Fundus finden sich Hunderte Bücher über Wien, angefangen von Sagenbüchern über Statistikmaterial aus dem 19. Jahrhundert bis hin zu Schriftsammlungen über einzelne Bezirke. Vieles davon habe ich gelesen oder zumindest durchgeblättert, um neue Anregungen für „Dorian Hunter“ zu finden.

Doch diese Bücher sind bloß Beiwerk und Ergänzung. Denn die besten Geschichten, ergeben sich nun mal beim Spazierengehen. Meine Blicke bleiben oftmals an Details hängen. An einer alten Kassettenauslage aus Holz oder der Büste eine Türken mit einer riesigen Pfeife im Mund, die über einem Tor belassen wurde, obwohl die dazugehörige Zigarettenfabrik im Hinterhof des Gebäudes seit mehr als fünfzig Jahren geschlossen ist. An einem gusseisernen Kanaldeckel, unter dem das Rauschen eines der vielen Flüsse zu hören ist, die in einem unsichtbaren Netz die Stadt durchziehen …

Manchmal recherchiere ich diese Dinge nach und speichere mein Wissen irgendwo im Hinterkopf ab. Und wenn die Idee für eine Geschichte des Dämonenkillers allmählich reift und wenn ich sie in Szenen umsetzen möchte, dann sind diese Wissenssprengsel da. Sie drängen sich mir oftmals auf.

Und deswegen ist es so wichtig, dass ich von Zeit zu Zeit einen ausgedehnten Spaziergang durch Wien mache.

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Was das Nordkapp mit Dorian Hunter zu tun hat

von am 14. August 2020

Derzeit befinde ich mich auf Reisen. Nein, ich bin nicht auf Urlaub. In erster Linie bereite ich mich auf ein Reise- und Schreibprojekt vor, das mit 2021 und 2022 in Beschlag nehmen wird.
Aber diese Vorbereitungsreise, die mich bis aufs Nordkapp raufgeführt hat (ich habe mein Ziel gestern erreicht), wird sich auch in den Inhalten von DORIAN HUNTER niederschlagen …

Ich bin gerne mit dem Motorrad unterwegs, und das seit mehr als 35 Jahren. Ich liebe es, die Straßen entlangzuhuschen und dabei Eindrücke links und rechts des Weges aufzunehmen. Auf meinem Weg vom Süden Österreichs zum nördlichsten anfahrbaren Punkt von Festland-Europa hatte ich einige Begegnungen, die irgendwann einmal in meine Arbeit für DORIAN HUNTER einfließen werden. Es sind einfache Dinge und Beobachtungen, die aber in mir nacharbeiten. Oder aber Streckenabschnitte, die besonders ungewöhnlich, unheimlich oder gar angsterregend sind.
Ein Hochlandmoor, das sich über 50 Kilometer hin erstreckt, nur wenige 100 Kilometer vor meinem Ziel, wird definitiv Eingang finden in einem meiner nächsten Exposés. Oder da wäre dieser finnische Fischer, der unmittelbar neben mir sein Zelt aufgeschlagen hatte und um Mitternacht (bei gutem Licht) fischen ging. Er scherte sich nicht darum, dass die Lachse, die er fing, von einem gefährlichen Parasiten befallen sein konnten und ging achselzuckend darüber hinweg. Oder da war diese völlig saubere norwegische Kleinstadt am Ende der Welt, in der allerdings ein sturzbetrunkener Mann von der Ambulanz aufgesammelt werden musste. Er war verwachsen, das Gesicht verschroben. Es war mir für einen Moment, als hätte es zwischen der Welt des Dorian Hunter und meiner eine kleine Öffnung gegeben und als wäre ein Freak zu mir durchgedrungen …

Ich habe Unmengen von Anregungen gesammelt. Ein knorriger Buchenast fällt mir gerade ein. Ein Rentier, das über die Straße stolzierte und sich benahm, als wäre es der Herrscher dieses Landes. Ein Tümpel, in den ich hineinstolperte und in dem ich beinahe meinen Stiefel verloren hätte. Ein Zeltplatz am düstersten Ende eines Sees, umrahmt von Gipfeln, die an Schroffheit ihresgleichen suchten …

Reisen bildet. Reisen bringt auch neue Ideen hervor. Ich bin in der absolut glücklichen Lage, diese Ideen in Bücher umsetzen zu dürfen. Und so werden winzige Beobachtungen der Realität oft zu unheimlichen Geschichten meiner Fantasie.
Ich liebe meinen Beruf.

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Die Burg

von am 10. Juli 2020

Eigentlich war es purer Zufall. Ich war letzten Sommer bei der Recherche zu einem Projekt im Science Fiction-Bereich auf eine Wikipedia-Seite gestoßen, die eine ganz besondere Burg zeigte. Sie war/ist einzigartig. Von der Anlage her, von ihrer Geschichte her, von der Bauweise her. Und sie liegt nicht allzu weit weg von meiner Heimatstadt Wien.

Ich fühlte, dass sie ausgezeichnet zu einer Hintergrundgeschichte passte, die ich zu jener Zeit für DORIAN HUNTER entwickelte. Ein Steinchen fügte sich zum anderen, eine Idee führte zur nächsten. Mein Science Fiction-Projekt trat für den Augenblick in den Hintergrund. Ich beschäftigte mich während der nächsten beiden Tage damit, diese Burg für die geplante DORIAN HUNTER-Handlung passend zu machen. Ich dachte sogar daran, noch im Winter 2019 mit dem Zug einen mehrtägigen Ausflug zu machen und mir dieses Gebäude anzusehen. Nun, es wurde aus Zeitgründen nichts daraus, und bald darauf kam Corona. Alles stand mit einem Mal still. Aber die Idee, dieser Burg eine besondere Bedeutung zu geben, blieb.

Als erste Lockerungen das Reisen innerhalb großer Teile der EU wieder erlaubten, wusste ich ganz genau, wohin es zuallererst gehen sollte. Ich hatte ohnedies vorgehabt, einige Motorradausflüge zu machen.

Die Fahrt durch Hügelland und Gebirge war atemberaubend, das Wetter hervorragend. Was ich aber dann in der Burg zu sehen bekam, war der absolute Höhepunkt meiner Reise. Der Anblick des 800 Jahre alten Gebäudes übertraf meine Erwartungen bei weitem. Ich machte eine längere Führung mit, besichtigte so gut wie jeden Raum, machte Notizen und Fotos und überlegte bei jedem einzelnen meiner Schritte, wie ich das Gebäude im Rahmen der DORIAN HUNTER-Geschichte lebendig werden lassen konnte.

Ich selbst werde jenen Teilroman, der in dieser Burg spielt, nicht selbst schreiben. Aber ich werde mich ausführlich mit dem Autor unterhalten und ihm die Atmosphäre so gut wie möglich vermitteln.

Eines ist mir jetzt schon klar: Das Gebäude mit all seinen sonderbaren Zubauten, seiner besonderen Lage und der einzigartigen Bauweise wird im Rahmen der Serienhandlung eine ganz wichtige Rolle spielen. Sie wird uns Autoren – und damit auch den Lesern – noch länger erhalten bleiben.

Wie gesagt: Am Anfang stand bloß ein Zufall …

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Das Dämonenkiller-Team

von am 8. Juni 2020

In der Buchserie „Dorian Hunter“ steht natürlich unser aller Dämonenkiller im Zentrum. Er kämpft quer durch die Jahrhunderte gegen Dämonenhorden und trägt von Zeit zu Zeit auch einen Sieg davon. In der Handlungsgegenwart hat sich sein Verhalten allerdings in einem ganz wichtigen Punkt im Vergleich zu früheren Existenzen geändert: Hunter, der Einzelgänger, arbeitet im Team. Er hat Freunde und Bekannte um sich geschart, die ihm helfen, die Mitglieder der Schwarzen Familie zu vernichten …

Ich möchte hier mal eine kurze Beurteilung aus der Sicht des Autors abgeben. Welche Figur spielt welche Rolle im Team – und wie kann man man sie einsetzen?

– Eine ganz wichtige Figur im Dämonenkiller-Team ist Jeff Parker. Er ist zwar nur selten an vorderster Front mit dabei, übernimmt aber  in gewisser Weise die Rolle des Mentors. Er sorgt für weitgehend finanzielle Unabhängigkeit.

George Morales, der leider vor kurzem von uns gegangen ist, war so etwas wie ein Spiegelbild Dorian Hunters: Er war unbeherrscht und zynisch und einem Streitgespräch nicht abgeneigt. Es fiel mir schwer, mich mit ihm anzufreunden, eben, weil er eine „kleinere“ Ausgabe von Hunter war.

Fred Archer, der frühere Detektiv, ist ein Helfer, der allmählich ins Team reingerutscht ist, ohne dabei allzuviel eigenen Charakter zu entwickeln. Auch er ist nicht leicht zu fassen. Bei seinen ersten Auftritten war er meiner Meinung nach „stärker“, weil er großteils eigenständig handelte.

Kiwibin, ein ehemaliger sowjetischer Sicherheitsmitarbeiter, bietet Exotik im Team. Er ist ein brütender, in sich verschlossener Charakter, der uns aber auch eine andere Lebens- und Denkweise bietet. Ich könnte mir vorstellen, dass wir in Zukunft einiges von ihm hören.

Phillip (Hayward) ist eine mittlerweile gut entwickelte Figur. Wir wissen viel über seine Herkunft und seinen Bruder. Er übernimmt in der Serie immer wieder die Rolle des Orakels. Was er tut und was er sagt, ist nicht immer so recht einzuschätzen und gibt der Handlung einen Touch von Unberechenbarkeit.

Hermann Falk ist ein Mann für die zweite Reihe. Über seine Qualitäten als treuer Gefährte braucht man nicht viel Worte zu verlieren. Er organisiert und lenkt die Magische Bruderschaft und ist vom Typus her eher der Mann, der sich nicht aufdrängt. Aber wer weiß, was alles noch in ihm steckt …

– zu Coco Zamis braucht man nicht viel zu sagen. Sie ist eine treue Gefährtin, eine rasante Liebhaberin, eine kompetente Kämpferin an Hunters Seite. Ihre Rolle als Hexe, die auf die Seite des Guten gewechselt ist und immer wieder mit ihrer eigentlich schwarzen Seele zu kämpfen hat, macht sie zur Lieblingsfigur der Leser – und eigentlich auch der Autoren.

In den nächsten Manuskripten wird das Dämonenkiller-Team ein klein wenig ergänzt und ausgebaut. Es gibt da einige Figuren, die gut zu Dorian Hunter passen würden. Lasst euch also überraschen …

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