Die schwarze Bibel des Neal Davenport

von am 22. Januar 2021

Manches Mal, wenn ich heute die DORIAN HUNTER-Hefte von Kurt Luif (Neal Davenport) lese und mich erinnere, wie beeindruckt ich als jugendlicher Leser in den siebziger Jahren damals war, insbesondere von seinem enormen Wissensschatz gerade in okkulten und schwarzmagischen Dingen, muss ich wiederum schmunzeln. Hat mir doch Kurt viel später, als ich selbst schon lange als Autor tätig war, freimütig verraten, woher er unter anderem sein profundes Wissen bezog.

Denn nicht etwa waren geheime obskure oder gar verbotene Bücher wie das sagenumwobene Necronomicon für ihn die Quelle seiner Recherchen. Und auch schüttelte Kurt nur den Kopf, als ich ihn fragte, ob es die versteckten Schriftenkammern unter dem Stephansdom in Wien denn wirklich gebe, in denen so manches Geheimnis auf vergilbten, brüchigen Pergamenten aufgeschrieben worden sein soll. Nein, die Wahrheit war viel profaner: Eine Art schwarze Bibel für ihn war Kurt Seligmanns „Das Weltreich der Magie“. Ein großformatiger über 400 Seiten starker Wälzer, dessen Untertitel „500 Jahre Geheime Kunst“ nicht zu viel verspricht.

Das Buch ist zunächst unterteilt in Länder und beginnt seine okkulte Reise in Mesopotamien („Der Turmbau zu Babel“) und führt über Persien („Die Austreibung des Fliegendämons“) über Ägypten („Totenmagie“), Griechenland  („Die Eleusinischen Mysterien“) bis hin zum Römischen Weltreich („Die Magie unter den römischen Kaisern“).

Sodann werden die einzelnen Bereiche ausführlich dargestellt: Alchimie, der Teufel, Hexenwesen, magische Künste und vieles mehr.

Das Buch ist tatsächlich bis heute eine unerschöpfliche Quelle für jeden an Magie Interessierten. Natürlich nur an theoretischer Magie. Trotzdem sollte man sich hüten, Beschwörungsformeln wie die folgende aus der Zeit Ramses II. in der Realität auszuprobieren:

O Ulpaga! O kammar! O Kamolo! O Karkhenmu!

O Asmagaaa! Die Uana! Die Uthun der Sonne!

Dies soll denen gebieten, die in eurer Mitte sind, den Feinden.

Nicht nur für Kurt war, auch für mich ist das Buch bis heute eine unerschöpfliche Quelle der Inspiration und auch Recherche. Und es macht immer wieder Spaß, sich nach dem Lesen der damaligen – und jetzt ja wieder aktuell erhältlichen – Hefte das Buch zur Hand zu nehmen und die darin behandelten Themen nachzulesen und zu vertiefen.

Übrigens ist der Wälzer antiquarisch noch heute für erstaunlich wenig Geld – ab 5 Euro aufwärts – zum Beispiel bei booklooker zu erwerben.

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Frohes Neues Jahr!

von am 1. Januar 2021

Ehrlich gesagt, ich bin froh, über das alte Jahr den Sargdeckel zu schließen. Zumindest im Geiste, denn natürlich weiß ich, dass es einfach weiterläuft: im Guten wie im Schlechten. Ja, Gutes gab es tatsächlich, und zu meinen Highlights gehörte ganz sicher der zweite HEXENHAMMER-Band „Alles Leid währt Ewigkeit“, oder auch mein Beitrag zum DORIAN HUNTER-Jubiläumsband 100, der im ersten Halbjahr dieses Jahres erscheinen wird.

HEXENHAMMER, „Alles Leid währt Ewigkeit“ (Coverabbildung der Hörbuchfassung)

Als Autor spürt man instinktiv, ob man etwas Gutes oder Schlechteres abgeliefert hat, wobei das Letzte nicht am guten Willen scheitert. Manchmal findet man keinen rechten Zugang mehr zu dem Stoff, irgendwo stockt und ruckelt es. Zum Glück ist mir das selten passiert, und im Falle des HEXENHAMMERS war das Gegenteil der Fall: Während des Schreibprozesses tauchte ich immer tiefer ein in die Welt der Inquisitorin Charlotte de Conde und hatte am Ende das Gefühl, immer weiter schreiben zu können, weil ihr Lebens- und Leidensweg wie ein offenes Buch (sic!) vor mir lag. Dennoch war es eher ein noch roher Stein, der erst durch Dennis’ Lektorat den Feinschliff erhielt und ihn glänzen ließ. Das Gleiche kann ich vom Hörbuch sagen, das wie schon der erste Teil einfach brillant geworden ist und dem Stoff insbesondere durch die Stimme von Stephanie Kellner eine Tiefe und gänsehauterzeugende Intensität verleiht, die ich mit dem Buch nie erreicht hätte.

Aber, um in die Zukunft zu schauen: Da schlummert ja auch noch DAS HAUS ZAMIS, von dem in diesem Jahr ein weiterer Band erscheinen wird. Auch aufgrund der nur noch nur noch 1-2mal jährlichen Erscheinungsweise habe ich mir seit dem letzten Frühjahr viele Gedanken gemacht, wie es mit der Serie weitergehen soll, und mittlerweile habe ich, zumindest schon mal für mich, ein neues Konzept vor Augen. Verraten möchte ich nur so viel: Verabschiedet euch von einigen alten Zöpfen und Charakteren. Auch wenn es anfangs schmerzlich erscheint, so bietet die Zukunft doch unendliche Möglichkeiten.

In diesem Sinne wünsche ich euch alle – auch im Namen des Verlages, aller Mitarbeiter und Autoren – ein inspirierendes, glückliches und vor allem gesundes neues Jahr!
Uwe

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Herzlichen Glückwunsch: 13 Jahre Gruselroman-Forum

von am 11. Dezember 2020

Es ist noch gar nicht so lange her, da gab es ein paar Foren mehr für den geneigten Horror-Fan. Geblieben ist eines, das sich fast ausschließlich mit dem Genre Romanheft befasst:

Verlagseigene Foren waren und sind zwar sehr beliebt, haben aber das Problem, dass allzu negative Postings nicht unbedingt werbewirksam sind. Wie damit umgehen? Natürlich ist konstruktive Kritik immer erwünscht. In der Mehrzahl verhalten sich die User auch fair, sodass manche Kritik durchaus auf fruchtbaren Boden fällt und sogar erwünscht ist. Manchmal artet es aber auch aus. Im Falle des Bastei-Forums waren am Ende immer mehr Beiträge unter der Gürtellinie. Die Konsequenz war, dass dies zumindest einer der Gründe war, weshalb dieses Forum schließlich geschlossen wurde. Wann immer ein Forum die Pforten dichtmacht, geht zumeist ein unermesslicher Schatz an Informationen verloren, was sehr bedauerlich ist. Im Falle eines anderen Forums, das Horror-Forum, das von heute auf morgen ohne Vorankündigung dichtmachte, war das ebenso schade. Oft ist es dann auch nicht leicht, ein Nachfolge-Forum auf die Beine zu stellen, wie man am eher dahindümpelnden Phantastik-Literatur-Forum sehen kann.

Insofern freue ich mich jedes Mal, wenn ich ins Gruselroman-Forum (www.gruselroman-forum.de) schaue. Hier findet ein regelmäßiger Austausch statt. Der Umgangston ist sehr moderat, beleidigende Postings werden in der Regel gleich angemahnt, aber was am wichtigsten ist: Über die jeweils aktuellen Hefterscheinungen wird ausführlich diskutiert, und es gibt sogar ein Punktesystem. Selbstverständlich sind auch DORIAN HUNTER und COCO ZAMIS in einer eigenen Rubrik vertreten. Nicht nur, was die neuen Hefte betrifft, sondern die Besprechungen reichen teils bis zu der Erstauflage und den Zaubermond-Veröffentlichungen zurück. 

Insofern: Wer ein wenig mitdiskutieren oder auch nur seine Meinung loswerden möchte, ist hier bestens aufgehoben. Aber auch, wer nur mitlesen möchte, stößt im gruselroman-forum.de auf eine Fülle an Informationen.

Mit schwarzen Grüßen
Uwe

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Im Zeichen des WIRKLICH Bösen

von am 20. November 2020

DORIAN HUNTER – der Dämonen-Killer – hat sich schon immer im Gegensatz zu anderen Horrorserien dadurch ausgezeichnet, dass die Serie sehr realistisch angelegt ist. Sieht man mal von Vampiren, Werwölfen und anderen Dämonen der Schwarzen Familie ab 😉 Wobei auch dieses Konstrukt Züge hat, die uns von diversen Clan- und Mafiafamilien wohl vertraut ist (zumindest vom Hörensagen). Übertreiben, so finde ich, sollte man mit der Realitätsnähe zwar nicht, aber für diesen Blogbeitrag habe ich mir einmal den Spaß erlaubt:

Leichen sind etwas Wunderbares“, schwärmte der kleine, dicke Australier, der sich als Edward Belial vorgestellt hatte und sich mit den acht Männern und der einen Frau in dem kleinen Autobus quetschte.
„Nun, im Moment läuft Ihr Geschäft sicherlich prächtig“, mutmaßte Dr. Frederic de Buer, mit 29 Jahren der jüngste Serologe Frankreichs.
„Ihres dürfte nicht schlechter laufen“, wandte Dorian Hunter ein. „Im Zeichen der Epidemie und der Suche nach einem Impfstoff sind Sie sicher ein gefragter Mann.“
„Das bin ich auch“, schmunzelte de Buer. „Allerdings verspreche ich mir, wie Sie alle auch, ein weit größeres Geschäft am Ende unserer Fahrt …“
„Wenn Sie Serologe sind, sollten Sie wissen, dass wir bis dahin alle in Teufels Küche kommen können, wenn wir unsere Masken nicht tragen“, ließ sich die zierliche Frau an Dorians Seite vernehmen. „Und überhaupt, wir sitzen hier doch viel zu dicht nebeneinander! Das ist gegen die Vorschrift!“
„Dann steigen Sie doch aus, dann haben wir alle etwas mehr Platz“, schlug ein weiterer Fahrgast vor, ein großer stattlicher Schwede, der sich als Jörg Eklund vorgestellt hatte.
„Das tun wir auch, nicht wahr, Dorian?“, flehte die Frau namens Lilian ihren Begleiter an
„Jawohl, meine Herren. Auch ich traue Ihnen nicht über den Weg: Sie haben mir noch immer nicht erklären können, wie Sie alle trotz der Ein- und Ausreiseverbote aus Ihren jeweiligen Ländern hierherreisen konnten!“
„Sie haben Angst vor uns?“, grinste der dickliche Franzose unter den Männern. „Aber erklären Sie uns erstmal, wie man Sie aus England hier hat einreisen lassen!“
„Dorian, bitte, wir hätten diese Reise gar nicht erst antreten sollen …“
„Fahrer, halten Sie bitte an!“

QUIIIEETSCH! Man sieht schon, dass allzu viel Realität in einer Horrorserie nicht immer förderlich ist. Jedenfalls wäre mit Corona „Im Zeichen des Bösen“ das Übel schon im Titel treffend genannt worden. Allerdings hätte die DORIAN HUNTER-Serie wohl einen etwas anderen Verlauf genommen …

Bleibt gesund und zwängt euch nicht in zu enge Busse!
Uwe

PS: Die abgebildete Gesichtsmaske gab’s übrigens bei Weissblech Comics

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„Könnte für deine Coco-Zamis-Romane interessant sein …“

von am 30. Oktober 2020

Seit dieser Woche gibt es DAS HAUS ZAMIS erstmalig auch als Romanheft. Im Mittelpunkt steht Coco Zamis, das weiße Schaf ihrer Schwarzen Familie. Als ich damals, im zarten jugendlichen Alter das Originalheft das erste Mal las, war ich hin und weg. Denn nie zuvor las ich etwas Vergleichbares. Was aber ist das Besondere an „Coco Zamis“ oder wie es jetzt heißt „Das Haus Zamis“?

Als ich jetzt, anlässlich der Wiederveröffentlichung, das erste Heft – „Hexensabbat“ – erneut las, war ich, zugegeben, nicht mehr ganz so fasziniert wie damals, das mag mit meinem eigenen Reifeprozess zu tun haben und damit, dass – bei aller Genialität der Dramaturgie und der überzeugenden Charakteristik der Personen – einige Passagen und der Stil halt typisch 70er-Jahre sind. Blasphemie? Mitnichten: Kurt Luif selbst sprach stets distanziert von seinen Werken, manchmal sicherlich zu kritisch. So schrieb er mir beispielsweise: „Ich nahm mir die Dämonenkiller-Hefte 133 und 134 vor. An diese Romane erinnerte ich mich nur höchst ungern, und ich wusste auch gar nicht mehr, worum es da ging. Ich erlebte eine angenehme Überraschung, das las sich zwar stellenweise wie eine Parodie, was ich damals vermutlich auch bezweckt hatte. Ich kann aber nur so viel dazu sagen, es wäre schade, solltet ihr euch nicht zu einer Veröffentlichung entschließen!“

Insofern ist das erste Coco-Zamis-Abenteuer nicht zu Unrecht inzwischen Legende, und Kurt Luif, dem Initiator und Autor, gebührt die Ehre, das Ganze damals ersonnen zu haben. Wie in einem Shakespeare-Drama sind anfangs die Rollen klar verteilt: Dorian Hunter, der tragische Held, der von Hass befeuert, die Dämonen vernichten will. Die gegnerische Schurkenfamilie, die die Tochter Coco auf ihn ansetzt, damit diese ihn bezirzt und vernichtet. Und das ist das eigentliche Shakespeare’sche Moment: Coco verliebt sich in Dorian Hunter, stellt sich gegen die eigene Familie und wird von ihr verstoßen. Das ist großes Theater! Das Ganze endet tragisch, das macht die Liebesgeschichte so nachhaltig. 

Kurt Luif habe ich als typischen Wiener Grantler kennengelernt. Nach außen ruppig, innen umso sensibler. Wenn er über Coco Zamis sprach, blühte er geradezu auf. Ich glaube nicht, dass er die Romane, die nach seiner Schaffenszeit im Zaubermond-Verlag geschrieben wurden, gelesen hat. Wahrscheinlich hatte er viel zu große Sorge, dass sein Baby in falsche Hände geriet. Denn man darf nicht vergessen, dass Kurt Coco Zamis nach einer realen Freundin erschuf! Und wer teilt diese schon gern mit anderen?

Wie auch immer: Mehrmals habe ich Kurt zu überreden versucht, doch noch wenigstens einen Roman für „Das Haus Zamis“ zu schreiben. Aber er hatte mit dem Schreiben generell abgeschlossen.  Niemals abgeschlossen hat er mit seiner Zuneigung zu Coco Zamis. Ich muss noch heute schmunzeln, dass er mir irgendwann Senta Bergers Memoiren ans Herz legte. Natürlich ohne zuzugeben, wie wichtig es ihm war: „Da geht sie auf ihre Jugend in Hietzing ausführlich ein. Könnte für deine Coco-Zamis-Romane interessant sein“, schrieb er lapidar.

Ja, das waren sie tatsächlich. Mehr noch als interessant. Als ich Senta Bergers Erinnerungen las, habe ich wieder ein wenig tiefer in Kurts Seele blicken dürfen. Und natürlich sind Senta Bergers Jugendjahre auch ein wenig in die folgenden Romane eingeflossen. Kurt würde es gefreut haben – hätte er sie denn gelesen! Und manchmal denke ich: Vielleicht hat er ja doch die weiteren Abenteuer seiner Heldin mitverfolgt. Still und klammheimlich. Es hätte ihm ähnlich gesehen …

Schwarze Grüße und Happy Halloween (natürlich mit Maske 😉
Uwe

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Wolfzeit

von am 11. Oktober 2020

Okay, zugegeben: Das Foto ist Fake. Daher die Warnung: Trotz des plüschigen Wolfs ist die Lektüre nicht gerade für Kinder geeignet, würde ich jetzt mal sagen. Obwohl ja auch Harry Potter manchmal ziemich krass ist. Jetzt aber zur Sache: So allmählich schleicht da draußen ein ganz anderer Geselle herum, der auch ziemlich garstig und ungemütlich sein kann: der Herbst. Macht es euch mit einem warmen Tee  (gern auch mit Schuss) und Kerzenschein und natürlich einem richtig guten Buch oder Hörbuch gemütlich, und ihr vergesst das Wetter und sonstige Scheußlichkeiten für ein paar Stunden. Ich empfehle euch natürlich den jüngst erschienenen HEXENHAMMER und werfe euch hiermit einen weiteren blutigen Appetitfetzen hin:

Was sein Befehl, „ein besonderes Auge“ auf mich zu haben, bedeutete, sollte ich die nächsten Wochen bitter erfahren. Wie alle Mädchen und Frauen bekam auch ich eine Aufgabe zugewiesen. Es gab mehr von uns, als ich zunächst gedacht hatte. In mindestens einem weiteren Schlafsaal, der in einem anderen Trakt lag, nächtigten weitere Gefangene. Ja, wir alle waren Gefangene, mehr und mehr wurde mir das bewusst.
Meine Aufgabe war es zunächst, die Latrinen zu reinigen. Es gab solche für die Ordensbrüder, für die zumeist spezielle Aborterker angelegt worden waren. Und solche für das Gesinde, zu dem man auch uns zählte. Diese waren für alle einsehbar, so wie es auch für die Schlafräume galt. Selbst wenn die Wächter fort waren, fühlte ich mich von unsichtbaren Augen beobachtet.
Ich war nicht das einzige Mädchen, das für den Latrinendienst eingeteilt worden war. Eines Tages traf ich in einem der Erker auf die blonde Frau mit der Narbe. Grethlin – ich hatte mir ihren Namen gemerkt. Sie kniete auf dem Boden und schrubbte den Schmutz von den Steinen. Es war eine harte Arbeit, und es war bitterkalt. Der Wind pfiff durch die Erkeröffnungen herein.
„Lass mich dir helfen.“ Ich kniete mich neben sie. Der Steinboden war eisig, und die Hinterlassenschaften der Ordensleute hatten sich teilweise hineingefressen, sodass wir sie mit bloßen Händen herauskratzen mussten. Hin und wieder kam ein Wächter vorbei, und natürlich war es ihm auf einmal nie reinlich genug, auch wenn wir uns noch so sehr mühten. Peitsche und Stock waren dabei die geringste Bestrafung. Grethlin erzählte von einem Mädchen namens Waltraut, das die Kerle für Stunden in ihre Kammern verschleppt hatten. Sie war an Leib und Seele geschunden zurückgekehrt, und niemand konnte sagen, ob sie froh war, noch am Leben zu sein. Ich wollte nicht, dass man Grethlin oder mich verschleppte, und sie mühte ich mich nach Leibeskräften, bis der Boden unter uns zu glänzen schien.
„Du darfst es nicht übertreiben“, belehrte mich Grethlin, während wir Seite an Seite weiterarbeiteten.
„Also ist dir die Peitsche lieber?“
„Ich ertrage lieber den Schmerz, als dass ich die Vierzehnte bin.“
„Die Vierzehnte? Was meinst du damit?“
Sie wies auf ihre Narbe. „Glaubst du, die habe ich mir zum Vergnügen beigebracht?“
„Du hast sie dir selbst …?“
Sie blickte sich um und fuhr flüsternd fort. „Zu jedem Vollmond wird eine von uns erwählt – und zwar jene, die am fleißigsten, gehorsamsten und darüberhinaus die Schönste von uns ist. Sie nennen sie die Vierzehnte. Die anderen dreizehn müssen mindestens einen weiteren Monat dienen. Sie locken uns damit, dass die Vierzehnte angeblich zur Belohnung die Freiheit erlangt. Doch ich weiß es besser …“
„Woher?“
Sie lachte bitter auf. „Wenn die Brüder betrunken sind, löst sich manche Zunge.“
„Und was passiert mit der Vierzehnten?“
Sie schwieg und arbeitete weiter.
„Was passiert mit der Vierzehnten? Sag es mir!“
„Frag Waltraut. Vielleicht mag sie es dir sagen.“
Ich schüttelte den Kopf. „Du weißt es gar nicht! Was ist, wenn die Vierzehnte doch die Freiheit erlangt? Und wir anderen müssen bis in alle Ewigkeit schuften!“
„Glaub, was du glauben willst. Aber wenn du schlau bist, behältst du es für dich!“
„Und warum hast du es gerade mir verraten?“
Grethlin hob die Schultern. „Vielleicht weil du mich dauerst, ich weiß es nicht.“
Ich hielt inne und musterte sie. „Du lügst.“
Sie atmete tief durch, dann nickte sie, und ein merkwürdiger Glanz trat in ihre Augen. „Ich bin seit fünf Jahren hier. Ich bringe mir Narben und Verletzungen bei, damit ich niemals die Vierzehnte werde. Doch als ich dich sah, erkannte ich, dass du anders bist als wir alle.“
Da erklangen auf einmal Schritte. Wir warfen uns sofort auf den Boden und arbeiteten weiter.
„Was hängt ihr da beieinander und tuschelt?“
Ich vernahm das Schnalzen der Peitsche, und im nächsten Moment küsste sie meinen Rücken. Den Schmerz empfand ich als angenehm, erinnerte er mich doch an meine Geißelungen, die innerhalb dieser Mauern streng untersagt waren. Als ich einmal mehrere Lappen zu einem Strick geknotet hatte, um das Verbot zu umgehen, war sogleich ein Wächter eingeschritten. Zur Strafe hatte ich zwei Tage lang in einer stockfinsteren Kammer gehockt, ohne Wasser und Brot, um meine Sünde zu bereuen.
Allerdings verursachte mir die Freude über den Schmerz in diesem Augenblick ebenfalls ein schlechtes Gewissen, da ich wusste, dass Genuss, selbst der von Schmerz, nicht gut katholisch war.
Mir wurde befohlen, in einem anderen Erker weiterzumachen, sodass Grethlin und ich unser heimliches Gespräch nicht fortsetzen konnten. Zu gerne hätte ich ihr weitere Fragen gestellt, doch auch in den nächsten Tagen ergab sich dazu keine Gelegenheit …

Ihr seid noch immer hungrig? Nichts da! Ich denke, ich habe euch nun genug angefüttert. Wenn ihr lesen oder hören wollt, was es mit dem geheimnisvollen Kloster auf sich hat, in dem Charlotte de Conde gefangen gehalten wird, könnt ihr Buch und Hörbuch direkt hier bestellen!

Schwarze Grüße und bleibt vor allem gesund!
Uwe

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Corona, der reinste Horror!

von am 28. August 2020

Nun, zumindest für die meisten Menschen gestaltet sich Corona als Horror. Und auch, wenn man sich irgendwie arrangiert und durchwurstelt, auch Horror-Autoren und Verleger sind nicht gegen die Nachwirkungen des Virus gefeit …

Michael Marcus Thurner:
„Ich reise zur Zeit sehr viel mit dem Motorrad umher und lass mich dabei von unterschiedlichsten Begebenheiten inspirieren. Corona wirkt sich insofern auf mein Leben aus, als ich einige Länder nicht bereisen konnte. Auf meine Arbeitssituation hat das Virus glücklicherweise kaum Einfluss.“

Wer wissen will, was es mit Michaels Reisen auf sich hat und was er sonst in Corona-Zeiten so plant, lest ihr auf seiner Website: http://www.mmthurner.at

Der aktuelle DAS HAUS ZAMIS-Band von Michael Marcus Thurner trägt den Titel „Tatkammers Sündenfall“.

Simon Borner:
„Corona war und bleibt ein gewaltiger Einschlag in meinem beruflichen Leben. Warum? Nun, aus zwei großen Gründen.

Nummer 1: Ich schreibe unter meinem bürgerlichen Namen Christian Humberg auch Kinderbücher und Romane außerhalb der Horror- und Romanheftszene und bin mit diesen quasi ständig auf bundesweiter Lesereise. Ich trete also häufig an Schulen und in Bibliotheken auf, bin auf vielen Messen, Lesefestivals und Cons zu Gast usw. Diese Buchungen (und die damit einhergehenden Lesungshonorare und Buchverkäufe im Anschluss an meine Veranstaltungen, die einen Teil meines jährlichen Einkommens ausmachen) fielen quasi über Nacht ersatzlos weg, als der Lockdown kam. Für das laufende Jahr sind aktuell sämtliche geplanten Auftritte gestrichen, und Planungen für 2021 betrachte ich mit einiger Skepsis.

Grund Nummer 2: Durch die zeitweilige Schließung des stationären Buchhandels gingen die dortigen Umsätze (nicht nur bei mir, sondern generell) um bis zu 80 Prozent zurück. Auch meine Frühjahrsnovitäten haben sehr unter diesem Rückschlag leiden müssen. Die vollen Auswirkungen dieses Einbruchs werden wir Autoren erst so richtig spüren, wenn die nächsten Verlagstantiemen ausgezahlt werden (oder eben nicht). Auch werden wir sie noch spüren, weil Verlage momentan deutlich genauer selektieren müssen, welche Titel sie für die nahe Zukunft überhaupt einplanen und produzieren. Durch Corona sind zahlreiche Bücher kurz vor knapp gecancelt oder für bessere Zeiten verschoben worden – in einem meiner Fälle sogar kurz vor Drucklegung. Schlicht weil es plötzlich keine Möglichkeit mehr gab, sie erfolgreich an den Leser zu bringen. Auch das wird noch eine ganze Weile lang in der Branche nachhallen und dafür sorgen, dass es viele, viele schöne Buchideen gar nicht erst auf den Markt schaffen werden – darunter zweifellos auch zukünftige Titel von mir.

Aber ich habe (bislang?) Glück im Unglück. Trotz aller Rückschläge (und trotz der arg mangelhaften finanziellen Hilfen für uns Soloselbständige) bleibe ich zumindest beschäftigt. Aktuell arbeite ich an einer kleinen Reihe von Kriminalgeschichten für einen bekannten großen Publikumsverlag, die mir viel Freude bereiten. Sie waren zum Glück bereits vor Corona in trockenen Tüchern, sind aber noch streng geheim und stehen hoffentlich ab dem kommenden Sommer überall in den Läden. Ich gebe euch sehr gerne Bescheid, wenn es so weit ist. Und wer weiß? Vielleicht klopfen ja auch Dorian Hunter und Coco Zamis bald wieder an meiner Bürotür an und wollen, dass ich sie bei neuen gruseligen Abenteuern begleite. Es wäre mir – wie immer – eine ausgesprochene Ehre!“

Auf seinem YouTube-Kanal präsentiert Simon regelmäßig kostenlose Lesungen. Und wer möchte, kann ihn gerne anschreiben und sich ein handsigniertes Exemplar seines neuen Grusel-Taschenbuchs „GOTHAM NOIR“ sichern. Auch dazu finden sich „Vorleseproben“ auf seinem YouTube-Kanal. Simon verschickt per Post, kontaktlos von Haustür zu Haustür. 🙂 Und natürlich sind derartige Bestellungen eine große Unterstützung für alle Autoren.

Der aktuelle DORIAN HUNTER-Roman von Simon Borner trägt den Titel „Der heilige Dämon“.

Christian Schwarz:
Hat sich mein Leben durch Corona verändert? Klar hat es das – wenn auch nicht so stark wie bei vielen anderen. Im Hauptberuf bin ich Redakteur bei einem Anzeigenblatt. Dort habe ich ein schnuckeliges Büro, das ganz alleine mir gehört. Das heißt, dass ich auch während des Lockdowns jederzeit zur Arbeit durfte. Ich war also nie eingeschränkt, durfte immer raus. Meine Frau sowieso, die ist Krankenschwester und wurde und wird dringender denn je gebraucht. Andererseits hat Corona fertiggebracht, an was zuvor ganz und gar vergeblich herumgekratzt hatte. Ich habe Home Office bekommen! So konnte ich immer wählen, ob ich von zu Hause aus arbeite oder ins Geschäft fahre. Allerdings: den größten Teil des Tages bin ich zu Hause geblieben, um auf meinen alten Hund aufzupassen. Die braucht mit ihren 16 Jahren jetzt viel Pflege und Zuwendung und will nicht mehr gerne alleine sein. So kann ich jetzt Hundehüten und Arbeit sehr gut verbinden, was vorher nicht ging. Corona sei Dank, muss ich da fast schon sagen.

Tja, ich bin schon seit Anfang April in Kurzarbeit. Wie so viele andere auch in meiner Branche. Offiziell arbeite ich nur 40 Prozent, bei aufgestockten 80 Prozent Lohnausgleich. Hört sich erst mal gut an. Jede Menge Zeit, um endlich mal vieeeeel mehr Romane zu schreiben. Denn da ist die Auftragslage gut. Dorian Hunter, Jerry Cotton, Maddrax, Zamorra, überall sind meine Dienste gefragt. Aber grau ist alle Theorie. Da ich bei der Zeitung redaktionell zwar tatsächlich nur eine Notausgabe mache, nun aber auch alle Sonderseiten übernehmen muss, die zuvor meine Mitarbeiterinnen produzierten, bin ich eher bei 110 bis 120 Prozent. Da hören sich die gegengerechneten 80 Prozent Lohn dann schon nicht mehr so gut an. Zumal ich dann ja nicht mehr Romane als vorher schreiben kann. Eher weniger. Könnte. Denn auch hier kommt die Theorie ein wenig ins Stolpern, wie wir nachher noch sehen werden. Dafür danke ich Corona trotzdem nicht.

Auch wenn es angesichts dieser Ausführungen etwas paradox klingen mag: Mein Leben hat sich entschleunigt. Denn mit Corona sind die ganzen Stadionbesuche weggefallen, die ich wirklich exzessiv betrieben habe. Aber das ist mir erst jetzt so richtig klar geworden. Champions League in der Allianz Arena in München, VfB Stuttgart, FC Altach in Österreich, FC St. Gallen in der Schweiz – ich war jedes zweite Wochenende und an den Champions-League-Spieltagen in irgendeinem Stadion, weil die allesamt in erreichbarer Nähe liegen. Ach ja, die Besuche beim Bundesliga-Handball hätte ich fast vergessen. Balingen-Weilstetten ist ein Katzensprung entfernt, Göppingen auch nicht so weit. Damals, vor Corona, wollte ich meine Sportveranstaltungsbesuche eher noch ausweiten. Völlig gaga. Denn als man mir dieses Spielzeug weggenommen hat, merkte ich, dass ich es eigentlich gar nicht vermisse. Plötzlich gab’s wieder Familienleben am Wochenende, auch abends bin ich fast immer zu Hause. Meine Frau freut sich. Und mein alter Hund erst. Die geht gar nicht mehr weg von mir. Fünf Monate kein Gedanke an irgendwelche Stadionbesuche, im Gegenteil. Ich habe die Ruhe genossen. So langsam allerdings kommt die Sehnsucht auf leisen Sohlen schleichend zurück. Doch, ich würde schon gerne mal wieder gehen. Meine Triple-Bayern mal wieder live sehen, das wär’s doch. Aber es ist jetzt nicht so, dass ich unter Entzugserscheinungen leide.

Ach ja, auch der wöchentliche Besuch in meiner Stammkneipe ist von Corona gekillt worden. Selbst seit ich wieder hin darf, komme ich da nur schwer in die Gänge. Irgendwie habe ich keine richtige Lust mehr da drauf. Ich bin jetzt lieber zu Hause. Und setze mich auch jetzt gerne wieder abends hin, um noch ein oder zwei Kapitel an meinem aktuellen Roman zu verfassen. Insofern schreibe ich doch ein kleines bisschen mehr als zuvor. Im Moment ist ein Cotton dran, dann kommt ein Maddrax. Und dann freue ich mich auf einen Dorian-Hunter-Doppelband, den ich dieses Mal ganz alleine stemmen darf. Muss alles noch vor Weihnachten fertig sein. Und im neuen Jahr will ich dann unbedingt mal wieder einen Zamorra machen. Da habe ich schon lange nichts mehr abgeliefert.

Ob sich mein Leben bis dahin erneut verändert hat? Keine Ahnung. Ich lasse mich einfach mal überraschen, wie das mit dem Corona-Zeugs weitergeht. In aller Ruhe, ohne Hektik, zu Hause.

Der aktuelle DORIAN HUNTER-Roman von Christian Schwarz trägt den Titel „Alastors Siegeszug“.

Andrea Bottlinger:
Andrea hat ihre bedrückenden Gedanken zum Thema auf ihrer eigenen Webite niedergeschrieben und sind hier nachzulesen.

Andrea bildet nach wie vor zusammen mit M.M. Thurner die Exposé-Redaktion für DORIAN HUNTER. Demnächst steht der Jubiläumsband 100 an, der den Titel „Dämonensterben“ trägt.

Und ich?
Wie viele von euch habe ich mich irgerndwie eingerichtet in meiner Blase. Da ich als Solo-Selbstständiger, wie es jetzt so schön neudeutsch heißt, eh zu Hause arbeite und tagsüber kaum einen Menschen sehe, hat sich meine berufliche SItuation wenig geändert. Dennoch fehlt mir gerade daher der Ausgleich. Ich bin ein kulturell sehr interessierter Mensch: Theater, Kino und sonstige Veranstaltungen lagen lange brach bzw. reizen mich auch jetzt wenig angesichts der Bedingungen, unter denen sie stattfinden. Auch meine eigene jährlich stattfindende Lieblingsveranstaltung „Morde im Grünen“ wurde gecancelt. Alles erscheint mir bizarr und wie ein schlechter Traum. Mehr noch als die Gegenwart bedrückt mich der Gedanke an die Zukunft. Horror zu schreiben und auch zu lesen erscheint mir im Moment eine gute Alternative, um mich abzulenken. Angesichts der realen Schrecken ist ein guter Horrorroman oder -Comic für mich jedes Mal ein Ausflug in eine angenehmere und vor allem vorhersehbarere Welt. Wer hätte das noch vor ein paar Monaten geglaubt?

Nach wie vor aktuell ist mein erster HEXENHAMMER-Roman „Die Inquisitorin“ – sowohl als Buch oder E-Book als auch als grandios eingespieltes Hörbuch oder MP3-Download!

Passt weiterhin auf euch auf, bleibt gesund und lest ein paar gute Horror-Romane!

Uwe

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Alles Leid währt Ewigkeit …

von am 7. August 2020

Noch wenige Wochen, und es geht endlich weiter mit der HEXENHAMMER-Saga! Schrieb ich letztens noch, dass eine Serie wie DAS HAUS ZAMIS, die nunmehr nur noch einmal jährlich erscheint,nun anders konzipiert werden muss, so zeigt HEXENHAMMER, wie es zukünftig laufen könnte. Denn „Alles Leid währt Ewigkeit“ (HEXENHAMMER 2) spinnt zwar die Handlung um Charlotte de Conde von Band 1 weiter fort, kann aber auch als eigenständiges Werk gelesen werden. Einen ersten Appetithappen aus dem Buch möchte ich euch hiermit vorstellen:

„Tu es nicht! Geh nicht hinein!“, flüstert die Stimme in meinem Kopf.

„Tu es!“, flüstert eine andere.

Ich weiß nicht, auf welche der Stimmen ich hören soll. Welcher ich vertrauen kann.

Das Haus steht einsam in der Landschaft. Wie ein Würfel, der, vom Teufel geworfen, zufällig hier zum Liegen gekommen ist.

Gehetzt schaue ich mich um. Das Wolfsgeheul ist näher gekommen. Das Rudel ist ausgehungert. Der Winter ist kalt und frostig. Eine dichte Schneedecke liegt über der Landschaft wie ein Leichentuch.

Die ersten Wölfe tauchen auf dem Hügel auf. Wie Scherenschnitte wirken ihre schwarzen Schatten auf dem weißem Grund.

Ich zögere nicht länger und öffne die Tür. Warum wundere ich mich nicht, dass sie nicht verriegelt ist?

„Weil du hier willkommen bist!“, flüstert die zweite Stimme.

„Weil es eine Falle ist“, warnt die zweite.

Rasch schließe ich die Tür hinter mir. Keinen Augenblick zu früh, denn schon wirft sich ein Wolf von außen dagegen. Sein Wutgeheul dringt mir durch Mark und Bein.

Doch dann vergesse ich die Wölfe und die Gefahr, in der ich bis eben noch schwebte. Zu wunderlich ist der Raum, den ich betreten habe.

Flackernder Kerzenschein erhellt ihn. Das Licht fällt auf die dicht gedrängten Bilder. Kaum ein Platz an den Wänden ist mehr frei.

Ich trete näher und betrachte die Bilder. Sie alle müssen von demselben Maler stammen. Sie tragen eine Handschrift.

Und sie alle zeigen Kinder. Mädchen und Jungen unterschiedlichen Alters.

Aber es sind keine fröhlichen Gesichter. Die Kinder weinen, und in ihrer Miene spiegeln sich Trauer und Leid.

Leid, wie auch ich es empfinde.

Und alles Leid in mir währt Ewigkeit.

Wer sind all die Kinder? Wer hat ihnen wehgetan? Was müssen sie erlitten haben?

Ein Schluchzen.

Es kommt von oben.

Zögernd gehe ich die knarrenden Stufen hinauf. Je höher ich gelange, umso schwerer fällt mir jeder Schritt. Mir ist, als würde jemand von hinten an mir ziehen, jemand, der mich schützen möchte vor dem, was mich oben erwartet. Dann aber ist es mir, als würde ich einen Stoß in den Rücken erhalten, der mich weiter hoch befördert.

Und so geht es in einem fort. Ich werde nach hinten gezogen, dann wieder nach oben gestoßen. Wie ein Fetzenball fühle ich mich den unbekannten Kräften, die an mir zerren, ausgeliefert.

Gleichzeitig höre ich erneut die widerstreitenden Stimmen.

„Dort oben erwartet dich die Erkenntnis!“, lockt die eine.

„Dort oben erwartet dich Leid“, warnt die andere. Und sie setzt hinzu: „Das Leid wird nicht allein deins bleiben. Es wird viele treffen. Es wird …“

Die zweite Stimme verstummt. Ich vernehme das triumphierende Lachen der ersten. 

Zugleich fühle ich mich emporgetragen. Da ist kein Zurückzerren mehr in meinem Rücken.

Halb fürchte ich mich, halb giere ich nach dem, was mich erwartet.

Dann stehe ich dort oben. Auch dieser Raum ist von Kerzenschein erhellt. 

Nur ein einziges Gemälde hängt an der Wand. Es ist winzig, sodass ich nähertreten muss, um es zu betrachten.

Doch als ich davorstehe, kommen mir selbst die Tränen.

Denn ich sehe –

MICH!

Doch noch während ich das Bild anstarre, beginnt es sich zu verwandeln, und ich schaue in das weinende Antlitz eines Jungen, der mir so ähnlich sieht, als wäre er mein Bruder.

Mein Bruder, den ich niemals hatte.

So also beginnt der zweite Band der HEXENHAMMER-Saga um Charlotte de Conde, deren Existenz sich einmal mehr mit dem Leben des Dämonenkillers kreuzt – von finsterer Vergangenheit bis in die unmittelbare Gegenwart. Vorbestellen könnt ihr das Buch ab sofort hier!

Seid gespannt und bleibt gesund!
Uwe

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Der kleine Tod – ein Werkstattbericht aus dem Haus Zamis

von am 19. Juni 2020

DAS HAUS ZAMIS Band 61 war im Kasten, wie man so schön sagt. Mit Abraxas führte Michael Marcus Thurner einen neuen faszinierenden Gegner der Zamis-Familie ein. Auch die Rolle des geheimnisvollen Monsignore Tatkammer wurde weiter ausgeleuchtet. Das alles sollte in den nächsten Bänden fortgeführt und vertieft werden. Doch dann kam alles anders …

Am Ende von Band 61 heißt es in der Vorschau zu Band 62 („Hexenjagd“)

Mit Tatkammer sind die 7 Todsünden wieder komplett und gefährlicher denn je. Denn auch das Gemälde gehört zu den Ewigen Ideen. Michael Zamis, der darum weiß, bedient sich seiner Kräfte. Doch öffnet er damit die Büchse der Pandora!“

Wie immer hatte ich mir bereits Gedanken und Notizen über die nächsten Bände gemacht; die Titelbilder waren schon ausgewählt worden, und auch das Expo von Band 62 lag fix und fertig vor. Wie immer, so sollte auch „Hexenjagd“ aus zwei Teilromanen bestehen. Da Michael Marcus Thurner diesmal aus Zeitgründen abwinken musste, schlug er Madeleine Puljic als neue Autorin im Team vor. Madeleine schreibt u.a. für Perry Rhodan Neo und Madraxx. Aber das Wichtigste: Sie ist Österreicherin und hat lange in Wien gelebt! Insofern ein Glücksfall für DAS HAUS ZAMIS, sind doch die Romane nicht selten auch in Wien angesiedelt. Madeleines Roman liegt mir inzwischen vor, und ich kann jetzt schon versprechen: Er ist großartig geworden.

Ja, und wie die meisten von euch wissen, würde das Buch, wäre alles beim Alten geblieben,  nun Anfang Juli erschienen.  Dass dem nicht so ist, konntet ihr der MYSTERY PRESS entnehmen. Die Umstellung der Termine auf nur noch drei Lieferungen im Jahr und ein  abgespecktes Verlagsprogramm traf DAS HAUS ZAMIS leider am härtesten. Und so wird „Hexenjagd“ erst im Juni 2021 erscheinen. Ehrlich gesagt, als dies Anfang April verkündet wurde, habe ich mit einem Aufschrei der HAUS ZAMIS-Fans gerechnet. Den gab es nicht. Vielleicht auch, weil es vorerst nur ein „kleiner“ Tod ist.

Als Expo-Autor, der ich länger als ein Jahrzehnt die Geschicke der Familie Zamis und insbesondere Coco Zamis‘ lenken durfte, mache ich mir natürlich so meine Gedanken. Die, wie ich zugebe, noch nicht ganz ausgegoren sind. Sicher ist jedoch, dass eine Serie, die nur einmal im Jahr erscheint, keine solche mehr ist. Über mehrere Bände sich erstreckende Handlungsfäden machen sicherlich in Zukunft wenig Sinn. Soll ich mehr auf Einzelromane setzen? Aber gerade die komplexen Handlungen machen DORIAN HUNTER und auch DAS HAUS ZAMIS aus. Das ist der Grund, warum der einstige DÄMONENKILLER auch nach über 40 Jahren nach wie vor himmelhoch über vergleichbare Heftreihen herausragt. Ehrlich gesagt, noch weiß ich selbst nicht, zu welchem Ergebnis ich persönlich kommen werde. Da der zweite Teilband noch nicht geschrieben wurde, habe ich mehrere Optionen. Und das sehe ich auch für mich als Chance:

Einmal durchzuatmen und vielleicht …

Im Juni 2021 werden wir alle mehr wissen.

Schwarze Grüße
Uwe

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In der Hölle, so auf Erden: ABRAXAS

von am 24. April 2020

ABRAXAS – in der aktuellen Folge der Reihe DAS HAUS ZAMIS „Tatkammers Sündenfall“ (DAS HAUS ZAMIS 61) betritt eine neue Dämonengottheit die Bühne! Beschworen von seinen Anhängern, könnte er sich langfristig als mächtiger Gegner der Zamis-Sippe und sogar Asmodis erweisen. Aber wer ist dieser Abraxas?

Dazu möchte ich euch eine kurze Episode aus dem aktuellen Roman von Michael Marcus Thurner vorstellen:

»Er kommt«, flüsterte Prada. »Er nähert sich. Bei allen Teufeln! Er ist so … so …«

»… stark«, ergänzte Hormazabál. »Er ist mehr, als ich jemals geglaubt hätte. Ich würde mich augenblicklich zu Boden schmeißen und ihm den Schmutz zwischen den Zehen weglecken.«

»Vielleicht wirst du das ja auch müssen«, erwiderte Prada und kicherte, brach aber gleich wieder ab. 

Ihr neuer Anführer Abraxas erweckte Anziehungskraft und Abscheu gleichermaßen. Abraxas, der uralt war und aus einer Zeit vor der Zeit stammte. Abraxas, der Gott und Dämon gleichermaßen war. Abraxas, den sie so lange gezögert hatten anzurufen und der bloß durch ein gewaltig großes Opfer zurück auf Erden geholt werden konnte …

»Er ist da«, sagte Prada und erhob sich. Hormazabál folgte ihm. Es drohte ihm alle Luft abzuschnüren, als er die Werdung Abraxas’ beobachtete. 

»Unser Gott heißt Abraxas«, murmelte er. »Er ist Gott und ist Satan. Er hat die lichte und die dunkle Welt in sich.«

Die Erde bebte, als sich die Gestalt des Gottes manifestierte. Er war übergroß und von so überdimensionierter, pervertierter Hässlichkeit, dass man ihm als Dämon augenblicklich verfallen musste.

Sein Hahnenkopf reichte mit einem Mal bis zur Brüstung des Balkons herauf. Der Dämonengott musterte Hormazabál und Prada mit abschätzenden Blicken. Er stank so unglaublich gut. Er offenbarte ihnen sein zutiefst lasterhaftes Wesen, seine liebevolle Bösartigkeit, seine überbordende Grausamkeit.

»Meine Kinderchen«, grollte der Gott. »Ihr habt mich also gerufen. Und ihr habt dabei Fehler begangen.«

»Ja«, antwortete Hormazabál, obwohl er ahnte, dass Abraxas ihn nicht hörte, ihn nicht hören wollte. 

»Dann empfangt meine Belohnung und meine Strafe«, fuhr der Gott fort. Seine Schlangenbeine zischelten, er ließ die Peitsche in seiner Hand knallen. 

Prada ging als Erster. Er stellte sich auf die Brüstung und ließ sich auf den Gott zufallen. Der schnappte nach ihm, fraß ihn mit einem Bissen auf, absorbierte ihn.

Im Hinterkopf war da der Gedanke in Hormazabál, dass es nicht so sein sollte. Er hatte den Gott herbeirufen, sich aber keinesfalls opfern wollen. Dafür waren andere Wesen vorgesehen gewesen. 

Aber was konnte man tun, wenn Abraxas etwas forderte?

Hormazabál gab jeglichen Widerstand auf, stieg ebenfalls auf die marmorne Brüstung, streckte die Arme aus und kippte nach vorne. Er empfand dunkle, unerklärliche Lust, als er in den Tod stürzte und sein Wesen, seine Kraft dem Dämonengott übereignete …

Trotzt weiterhin allen Dämonen und bleibt gesund!
Uwe

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