Dorian Hunter und die Dämonen der Weihnacht

von am 24. Dezember 2021

Nein, diesmal keine weitere Geschichte, obwohl ich eigentlich schon einen Plot dafür hatte. Ich habe mich nämlich gefragt, wie wohl die Zamis-Sippe Weihnachten feiert – beziehungsweise eher durchleidet. Wie schlimm muss es in Michael Zamis‘ Ohren klingeln, wenn allerorten von „heiligen Nächten“, „Gott in der Höh“, Jesus und Maria und den heiligen Engeln gesungen wird und dazu womöglich noch Glockengeläut die Nerven malträtiert? Auswandern hilft auch nicht, denn vor Weihnachten kann man einfach nirgendwohin davonlaufen.

Aber ist es nicht seltsam, dass gerade in dieser hochheiligen Zeit die Dämonen besonders aktiv sind? Zwischen Weihnachten beziehungsweise der Wintersonnenwende bis zum Dreikönigstag bescheren uns die zwölf Raunächte auch so manchen höllischen Spuk. So auch die Wilde Jagd, angeführt von Odin und Holla mit den Seelen der Toten im Gefolge. Wer dieses Spektakel am Himmel erblickt, sollte sich schleunigst verstecken, um nicht mitgerissen zu werden. Also Obacht!

Und auch sonst gibt es seit jeher wohlfeile Tipps, wie man sich in den Rauhnächten am besten vor den Geistern schützt: Wascht keine Wäsche! Pfeift nicht in der Früh, sonst beschwört ihr Unglück herauf! Schlag die Tür nicht laut zu, sonst ist ein Gewitter im Anzug. Und vor allem: Lüftet das Bett nicht im Freien, sonst werdet ihr unwiederbringlich krank!

Daher mein Rat: Bleibt am besten gleich im Bett.  Und damit es euch nicht zu langweilig wird, empfehle ich euch das ein oder andere Buch. Zum Beispiel „Unheilige Nacht“:
Nicht erst mit den Rauhnächten bricht eine besondere Zeit an. Es ist die Zeit der Einkehr. Die Dämonen werden mit zunehmender Dunkelheit von Nacht zu Nacht realer. Höchste Zeit also, Dorian Hunter und Coco Zamis in 9 Geschichten auf ihrer Winterreise zu begleiten.
Mit Storys von Simon Borner, Catalina Corvo, Logan Dee, Jörg Kleudgen, Catherine Parker, Christian Schwarz, Michael Marcus Thurner, Uwe Voehl und Susanne Wilhelm

Und damit verabschiede ich mich für dieses Jahr und wünsche euch im Namen des gesamten Zaubermond-Teams frohe Weihnachten! Und nie war mein Rat ernster gemeint als in dieser Zeit – denn nicht nur die Rauhnächte versuchen uns Menschen das Leben zu vermiesen:

Passt gut auf euch auf!
Uwe

weiterlesen

Coco Zamis und Frank

von am 17. Dezember 2021

Derzeit beschäftige ich mich wieder mal mit einem Text für den Zaubermond-Verlag. Ich habe Vorgaben erhalten, die mir relativ viel Freiheiten erlauben – und diese Freiheiten nutze ich auch.

So baue ich in diesem Manuskript eine Figur ein, die laut Exposé bloß eine kleine, unbedeutende Rolle hat. Bei mir aber erhält sie eine tragende Position.
Nennen wir diese Figur „Frank“. Frank ist etwas Besonderes, denn er hat ein reales Vorbild. Ich verwende die Figur in meiner Geschichte anhand der Vorgaben, die ich bekommen habe.

Dass Realpersonen zu diesen Ehren kommen – das passiert mir öfters. Letztens erst habe ich in einer Kurzgeschichte, die in den nächsten Tagen veröffentlicht werden soll, meine ehemalige Stiefmutter verwendet. Wie das bei Stiefmüttern so ist, spielt sie keine sonderlich sympathische Rolle.
Bei vielen anderen Gelegenheiten habe ich Freunde und Bekannte in meine Romane eingebaut, mittlerweile werden es Dutzende sein. Manchmal erwähne ich sie nur, ohne näher auf sie einzugehen, manchmal erhalten sie eine tragende Rolle. Fakt ist, dass es Spaß macht, solche „Ostereier“ in eine Handlung einzubauen – und dass es die Schreibarbeit einigermaßen erleichtert. Denn ich habe von vornherein ein wenig Gefühl für die Figur, ich habe ein Bild vor Augen. Ich muss meine Figur nicht erst „kennenlernen“

Bei Frank geht es, wie gesagt, um einen wichtigen Platz in der Geschichte. Er ist ein Ansprechpartner für unsere liebste Hexe, für Coco Zamis. Noch weiß ich nicht, was mit ihm geschehen wird. (Wobei es für Menschen nur selten vorteilhaft ist, Cocos Bekanntschaft zu machen.)

Frank ist insofern eine Ausnahme, als ich ihn nicht persönlich kenne. Ich habe ihn gebeten, mir ein paar Informationen zu seiner Person zukommen zu lassen. Aussehen, Charaktereigenschaften, Verhaltensweisen – solche Dinge halt. Das ist gar nicht mal so leicht, wie es klingt. Schließlich steht man sich selbst nicht objektiv gegenüber. Wer schreibt schon gerne über seine negativen Charaktereigenschaften oder über seine Mängel?

Nun, bei Frank habe ich nach einem kurzen Schriftverkehr mit dem realen Vorbild das Gefühl, ihn ausreichend gut zu kennen. Ich denke mir, dass ich ihn passend einsetzen kann. Coco wird nicht unbedingt Sympathien für ihn hegen, weil er auf der „falschen Seite“ steht. Und es mag schon sein, dass sie ihn im Laufe der Handlung überwältigen oder ihn gar töten muss. Diese Entscheidung werde ich sehr spontan treffen, wenn’s für mich an die Auflösung der Geschichte geht. Damit muss der reale Frank leben – und die Figur sowieso. Haltet ihm bitte die Daumen, dass er die Begegnung mit Coco Zamis überlebt …

weiterlesen

Die Folterkammer – ein einzigartiger „Dämonenkiller“-Roman

von am 15. Dezember 2021

Heute ein verspäteter Blogbeitrag von mir, da ich die letzte Woche leider ein paar Tage krank war. Inzwischen aber wieder frisch gestärkt, möchte ich hier noch einmal auf den Roman „Die Folterkammer“ zurückkommen, der kürzlich als Doppelband 83/84 in der Romanheft-Neuauflage von DORIAN HUNTER erschienen ist. Wie viele von euch wissen, ist dieser Roman seinerzeit ja nicht in der ersten Auflage erschienen, sondern erst einige Jahre später im Rahmen der „Dämonenkiller“-Taschenbuchreihe. In Romanheft 84 habe ich auf der Leserseite MYSTERY-PRESS (der umfangreichsten MP aller Zeiten!) darum vier Artikel gebracht, die der Leser Juerg Schmidt dankenswerterweise verfasst hat. Heute möchte ich hier den ersten davon bringen, der sich intensiv mit dem Roman selbst auseinandersetzt:

DIE FOLTERKAMMER       
Ein einzigartiger „Dämonenkiller”-Roman

von Juerg Schmidt

Mit dem aktuellen Zweiteiler wird den DH-Fans eine Premiere präsentiert: Erstmals wird Ernst Vlceks Roman „Die Folterkammer” im Heftformat veröffentlicht! Denn ursprünglich war das Werk überhaupt nicht Teil der klassischen „Dämonenkiller“-Romanheftserie, sondern erschien im Rahmen der „Dämonenkiller“-Taschenbuchreihe.

„Die Folterkammer“: Original-Ausgabe der „Dämonenkiller“-Taschenbuchreihe, Pabel-Verlag, 1976

Ein Blick zurück: Die „Dämonenkiller“-Serie nahm ihren Anfang mit dem Roman „Im Zeichen des Bösen”, erschienen am 17. Juli 1973 in der Romanheftreihe „Vampir Horror Roman“. Sie entwickelte sich zu einer Subserie im Programm, wurde aber rasch entkoppelt: Ab dem 22. Oktober 1974 erschien der „Dämonenkiller“ (kurz DK) als eigenständige Heftserie, beginnend mit Band 18, „Das Fest auf dem Teufelshügel“. Ein halbes Jahr später, im März 1975, fiel dann der Startschuss für die monatlich erscheinende „Dämonenkiller“-Taschenbuchreihe. Die Aufmachung orientierte sich an der Heftserie, insbesondere der halbbogenförmige Titelschriftzug ließ die Leserschaft ein Spin-Off der DK-Hefte erwarten. Dazu trug auch der Umstand bei, dass der erste Band, „Blutige Tränen“, aus der Feder von DK-Chefautor Ernst Vlcek stammte.

Die Fans waren ziemlich ernüchtert, als sie feststellten, dass die Taschenbücher so gar nichts mit dem DK-Kosmos zu tun hatten. In der Tat haben nur elf der insgesamt 63 Taschenbücher überhaupt einen Bezug zur DK-Serie, und zehn davon schildern die Jugendabenteuer der Hexe Coco Zamis (exakt diese Romane bildeten bekanntlich den Grundstein für die Serie DAS HAUS ZAMIS, die mittlerweile ebenfalls als Romanheftneuauflage bei Bastei erscheint). Das DK-Taschenbuch Nr. 22, „Die Folterkammer“, war demnach das einzige, das eindeutig in der klassischen DK-Serie zu verorten war.

Der Roman erschien im November 1976. Die Handlung der DK-Romanheftserie war um diese Zeit weiter vorangeschritten, im gerade angelaufenen Großzyklus stand die Veröffentlichung von Band 119 bevor (nach DORIAN HUNTER-Zählung wohl Band 122 entsprechend). „Die Folterkammer“ ist in der Serienchronologie rasch eingeordnet: Die Andeutung, dass Dorian und Coco mit der Einrichtung des Castillos Basajaun beschäftigt sind, und der Verweis auf den Ethnologen Burkhard Kramer, der im Folgeband persönlich auftritt, platzieren die Geschichte zwischen Band 82, „Die geraubte Mumie“, und Band 85, „Die Zeit der Zwerge“.

Autor Ernst Vlcek hatte sich den grundlegenden Problemen einer Begleitserie zu stellen: Um Neulesern den Zugang zur Story zu erleichtern (und sie für die Hauptserie zu interessieren), sollte das Taschenbuch nicht allzu viele oder komplizierte Kenntnisse der Romanhefte voraussetzen. Umgekehrt sollten auch die „Nur-Hefte-Leser“ nicht verärgert werden, etwa wenn die Taschenbuch-Story zum Verständnis der Hauptserie unverzichtbar gewesen wäre. Und schließlich sollte für die Fans, die sowohl die Hefte als auch das Taschenbuch lesen wollten, das eine oder andere „Schmankerl“ bereitstehen.

Die Lösung für alle diese Ansprüche fand Vlcek in einem der Markenzeichen des DK: in den früheren Leben der Titelfigur. Zudem griff er die in der phantastischen Literatur so beliebte Zeitreise-Thematik auf. Mit „Die Vampirin Esmeralda“ und dem Inka-Zyklus waren bereits in der Romanheftserie verschiedene Varianten des Themas behandelt worden. In der Tat fallen gewisse Parallelen zwischen „Die Folterkammer“ und „Esmeralda“ ins Auge. Generell scheint sich Vlcek vor allem überlegt zu haben, wie er Neulesern verdeutlichen kann, worum es in der Serie geht. Das ist die Erklärung dafür, dass viele Handlungselemente dem Heftleser bekannt vorkommen – Stichwort „Dämonenpfand“. Zu den angesprochenen „Schmankerln“ gehören die aktivere Rolle von Sabrina Becker, der Tochter des Großmeisters der Magischen Bruderschaft in Frankfurt, und die sacht eingestreuten Hinweise auf folgende Ereignisse. Über den Golem und die Erschaffung künstlichen Lebens in Paris, die Dorian erwähnt, wird in Kürze zu lesen sein.

Befreit vom Zwang, eine Geschichte innerhalb von 60 Seiten abhandeln zu müssen, entwickelte Ernst Vlcek einen geradlinigen und doch vielschichtigen Plot mit einer Vielzahl interessanter Figuren. Dass „Die Folterkammer” nicht so viel Bezug zum Serien-Arc entwickelt und in den Schlussabschnitten auch gar zu routiniert geschrieben wirkt, trübt den Genuss nur wenig. Denn klar erkennbar ist eine Stärke, die beide DK-Gründungsautoren, Vlcek und Davenport, auszeichnete: Personen mit wenigen, aber prägnanten Sätzen treffend zu charakterisieren: den knorrigen Gemeindediener Melchior Lembach etwa, dessen eitlen Namensvetter Hennig oder die – fast schon im Wortsinn – berufene Wissenschaftlerin Ursula Schumann. Etwas aus der Zeit gefallen wirkt aus heutiger Sicht die ängstliche, um nicht zu sagen hysterische Irene Horn. Sie entspricht in der Darstellung gängigen Frauenklischees der 1970er Jahre und wirkt wie ein allzu extremer Gegenentwurf zu Coco, Sabrina und Ursula.

Gräfin Sidonie Adele von Krudesheim gehört zu den starken Frauenfiguren Vlceks. Welcher Natur die Dame ist, deutete der Autor gleich in ihrer ersten Szene an, wenn er sie sagen lässt: „Liebe (Ö) ist ein Wort, das ich nicht kenne.“ Auf die Beschreibung ihres Aussehens verzichtet Vlcek weitgehend, es wird nur ihre außergewöhnliche Schönheit erwähnt. Clever: So kann der Leser sein persönliches Idealbild imaginieren, und zugleich rückt der Fokus stärker auf Sidonies Charakter.

Auch der große Gegenspieler wird nur kurz beschrieben: Erasmus von Keittel ist ein Zwerg mit einem knochigen Gesicht und Donnerstimme, in Leder gekleidet, mit einem spanischen (also breitkrempigen) Hut. Der Vorname „Erasmus“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet „liebenswert“. Ich bin mir nicht sicher, ob dieser Name vom Autor bewusst gewählt wurde, aber solche scheinbar ironischen Züge sind in Vlceks Werk häufiger zu finden; man denke nur an Michael Zamis (ein Engelsname mit der Bedeutung „wer ist Gott gleich“). Mit welcher Art von Dämon wir es hier zu tun haben, wird lange offengelassen. Erst zum Schluss der Vergangenheitsepisode zeigt Keittel seine wahre Gestalt.

Interessant ist, dass Keittel seine Gegner weniger mit magischen denn mit menschlichen Mitteln bekämpft. Als Beauftragter (Commissario) des Herzogs Heinrich von Braunschweig-Wolfenbüttel, des letzten katholischen Fürsten in Niedersachsen, leitet er die Hexenverfolgung in Velchen. Dieses Vorgehen entspricht historischen Tatsachen: Die Hexenprozesse wurden im Wesentlichen von weltlichen Gerichten geführt. „Der Wille, Hexen zu verfolgen, kam klar aus der Bevölkerung“, wird der Historiker Dr. Peter Mario Kreuter im Magazin „Hörzu Wissen 5/2010“ zitiert. Die Motive der Menschen waren vielfältig: Krisen wie Hungersnöte infolge der Kleinen Eiszeit oder Pestseuchen konnten sich die Leute nur durch Hexenwerk erklären. Und natürlich gab es die ganz simplen egoistischen Beweggründe wie Habgier oder Flucht vor der Verantwortung: Der Bauer Egger, von dem der Wirt Fischbaum berichtet, ist dafür ein Paradebeispiel. So mancher menschliche Zeitgenosse treibt es fast genauso übel wie die Dämonen, das wird in „Dorian Hunter“ immer wieder gezeigt.

Der aktuelle Stand der Forschung überrascht mit dem Fakt, dass die kirchliche Inquisition bei weitaus weniger Hexenprozessen federführend war als gemeinhin angenommen. Zeitweise hat die Kirche sich sogar ausdrücklich gegen die Hexenverfolgung ausgesprochen. Allerdings gilt es zu bedenken, dass sich die Inquisition umso vehementer gegen „Ketzer“ und Juden wendete. Von einem nachträglichen Freispruch also keine Spur! Die Zahl von neun Millionen Todesopfern, die sehr lange und zum Teil noch heute in mancher Publikation genannt wurde, soll aber überzogen sein. Seriösen Studien zufolge wurden zwischen 1430 und 1782 (dem Jahr, in dem die Schweizerin Anna Göldi das letzte offizielle Opfer des europäischen Hexenwahns wurde) etwa 50.000 bis 60.000 Menschen hingerichtet – allein 25.000 davon auf deutschem Boden.

Die historischen Hintergründe (die Ursula Schumann in einer Szene referiert) und die Foltermethoden wie das Gefaltete Stüblein sind korrekt beschrieben. Als Quelle dienten Vlcek wie so häufig die Werke des österreichischen Ethnologen Prof. Dr. Hans Biedermann (1930–1989, „Handlexikon der Magischen Künste von der Spätantike bis zum 19. Jahrhundert“, „Hexen – auf den Spuren eines Phänomens“, „Materia Prima“).

Besondere Sorgfalt ließ Vlcek bei der Gestaltung des wichtigsten Schauplatzes walten, des Hexenhauses im fiktiven niedersächsischen Ort Velchen. Jede Etage des dreistöckigen Baus (inklusive Keller und diverser Anbauten) wird plastisch und ausführlich beschrieben. Es bedarf keiner großen Fantasie, sich vorzustellen, dass Vlcek, der auch ein hervorragender Grafiker war, eine genaue Skizze des Hauses angefertigt hatte, ehe er sich ans Romanschreiben machte.

Die Verquickung aufregender, gut geschriebener Abenteuer mit historischen Fakten – das ist, was DH so stark und einzigartig werden ließ!

weiterlesen

Wiener Blut tut keinem Zamis gut

von am 3. Dezember 2021

Während die Romanheftserie DAS HAUS ZAMIS munter weiterläuft und inzwischen bei Heft 29 („Advokat der Toten“ von Ernst Vlcek) angelangt ist, geht es natürlich auch mit der Buchserie bei uns im ZAUBERMOND-Verlag ebenso munter weiter. In den Heften wird die Saga bekanntlich von Buch 1 an nachgedruckt, und sie sind inzwischen beim 7. Band angelangt. In der aktuellen Buchserie ist jüngst Band 63 („Wiener Blut“) erschienen, und es wird wohl noch ein paar Jährchen dauern, bis die darin enthaltenen zwei neuen Romane als Heft erscheinen werden.

Langer Vorrede, kurzer Sinn: Ich möchte euch hier noch einmal den aktuellen Band kurz ans schwarze Herz legen, da darin nun wirklich einige Weichen völlig neu gestellt werden.

Carsten Kuhr, der als Rezensent die Serie schon lange begleitet, schreibt dazu auf phantastiknews.de:

„Die Verfasser schneiden Zöpfe ab. Ohne zu viel verraten zu wollen, so wirklich viele Zamis bleiben nach diesem Band nicht mehr übrig.

Und beide, sowohl Dee wie Thurner, kredenzen Grusel-Feeling satt. Da ist nichts mehr weichgespült, wie wir dies früher bei den Zamis oftmals lesen durften, da verhält sich Coco so gar nicht zimperlich, gibt es Szenen, die die Schwarze Familie in all ihrer Grausamkeit und Brutalität zeigen; Chapeau, die Herren – gut gemacht!

Abraxas bleibt weiterhin rätselhaft und im Hintergrund. Hier müssen die weiteren Bände des Zyklus noch nähere Beschreibungen und Informationen liefern. Dafür gibt es ein unerwartetes Wiedersehen mit einem gewissen Dorian Hunter – es bleibt spannend, wie sich dies fortentwickeln wird.

„Wiener Blut“ ist ein sehr stimmig und packend zu lesender Roman voller atmosphärisch dichter Grusel-Szenen, der voll überzeugt.“

Wenn das nicht überzeugend ist, den Band zu lesen … Vielen Dank, Carsten!

Mit schwarzen Grüßen
Uwe

weiterlesen

Uschi Zietsch über Ernst Vlcek

von am 26. November 2021

Ernst Vlcek hatte seine große Liebe namens Regina, er hatte zwei Söhne und einen großen Freundeskreis. Und dann war da noch Uschi Zietsch vulgo Susan Schwartz. Der Miterfinder des Dämonenkillers und Uschi verstanden sich von ihrem ersten Zusammentreffen an prächtig. Mehr zu dem ganz besonderen Verhältnis zwischen den beiden hat mir die Autorin und Verlegerin in einem kleinen Interview verraten.

F: Uschi, wann hast Du Ernst kennengelernt? Kannst Du Dich noch an die genaueren Umstände erinnern?

A: Zuerst bin ich mit Ernst in Briefkontakt getreten, und zwar 1980, als Mythor 1 erschien und er die Gestaltung der Leserkontaktseite über hatte. Es wurde daraus ein ziemlich regelmäßiger Briefwechsel. Persönlich kennengelernt habe ich ihn und seine Frau Regina 1983 beim Weihnachtsfest von Heyne. Mein erster Roman war soeben angenommen worden, ich bin zusammen mit meinem Mann Gerald hingegangen und war extremst aufgeregt. Wir haben uns gegenseitig sofort erkannt und waren auf Anhieb „gute alte Freunde“, wie man so schön sagt.

F: Ernst war für Dich also ein ganz besonderer Mensch und Freund. Was war das Besondere an eurem Verhältnis?

A: Wir hatten ab dem ersten Moment eine ungeheure Affinität zueinander, eine tiefe Verbindung, die man schwer erklären kann. Er war mein bester Freund und ich seine beste Freundin. Wo auch immer wir uns getroffen haben, klebten wir aneinander, wie zwei Magneten, da konnten wir gar nichts machen. Ab dem Mailzeitalter haben wir uns jeden Tag mindestens einmal gemailt, bis zu seinem Tod. Gesehen haben wir vier uns ein paarmal im Jahr privat in Wien oder bei uns und ansonsten auf Cons und Autorenkonferenzen.

F: Für Ernst hatte die „Dämonenkiller“-Serie immer eine besondere Bedeutung. Sie war nun mal sein eigenes Kind und ist zum Teil nach seinen Entwürfen geschrieben worden. Habt ihr euch öfter mal über dieses Thema unterhalten?

A: Ja, vor allem, als Zaubermond die Neuauflage plante – das hat ihn sehr glücklich gemacht. Er liebte den Dämonenkiller am meisten von allen seinen Werken. Da konnte er so richtig mal die „Horror-Sau“ rauslassen, wie er schmunzelnd meinte. Dabei war er ein sehr friedlicher Mensch.

F: Du hast selbst schon für COCO ZAMIS geschrieben. Hat Ernst Dir die Expos geschrieben? Hat er Dich damals bei der Arbeit unterstützt?

A: Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht mehr, wer damals die Expos geschrieben hat, Ernst war es aber nicht. Aber er hat sich sehr gefreut, dass ich dabei war und meine Fragen geduldig beantwortet.

F: Ganz besonders am Herzen gelegen ist ihm sein SF-Epos Sternensaga, die bei Dir in vier Bänden im Fabylon-Verlag erschienen ist. Der letzte Band wurde posthum veröffentlicht. Wie waren da die näheren Umstände?

A: Ja, die Sternensaga war für ihn am meisten von Bedeutung, eine Herzensangelegenheit, weil sie tief aus ihm kam und er sie trotz Veröffentlichung nur für sich und auch allein geschrieben hat.
Die ersten drei Bände waren ursprünglich als Heftromane erschienen, aber die Serie kam nie zum Abschluss. Ernst hat das bereits Veröffentlichte stark überarbeitet und freute sich sehr, nach Jahrzehnten endlich den Abschlussband schreiben zu können. In dem finden sich auch sehr viele – humorvolle – Hinweise auf sich selbst, und eine Katze – sein Lieblingstier – spielt eine wichtige Rolle. Er hat mit dem Band sein Lebenswerk zum Abschluss gebracht und alle Fäden zusammengeführt. Ernst schickte mir die Mail mit Anhang und ich versprach, mich gleich nach dem Wochenende bei ihm zu melden, sobald ich hineingeschaut hätte. Gleichzeitig schickte er mir noch die Beantwortung des Interviews, das mit ins Buch sollte. Die Premiere sollte wenige Wochen später in Köln auf dem ColoniaCon gefeiert werden. Er sei zufrieden, schrieb er mir noch, und jetzt sei alles gut und zu Ende. Darauf habe ich in dem Moment natürlich nicht so geachtet.
Bis der Anruf noch am Wochenende aus Wien kam, dass Ernst gestorben wäre …

Hier ist der Link zur „Sternensaga“ auf der Homepage des Fabylon-Verlags: https://www.fabylon.de/produkt/vlcek-ernst-sternensaga-gesamtausgabe-band-1-4-900-seiten/

weiterlesen

Musik aus der Baring Road!

von am 20. November 2021

Liebe Dorian Hunter Fans!

Ich möchte mich hier einmal kurz bei euch vorstellen. Ich heiße Dennis Simcott, wohne und arbeite in London für Zaubermond und bin, unter anderem, für den Schnitt bei Zaubermond zuständig.

Zudem komponiere ich auch „location-spezifische“ Musik für die Dorian Hunter Hörspiele. Andreas Meyer, der den Großteil des Dorian Hunter Soundtracks komponiert hat, hat sich vor einiger Zeit anderen Projekten gewidmet; und doch wird dieser markante Hauptteil natürlich weiterhin in den kommenden Folgen zu hören sein! Aber da Dorian Hunter immer wieder um die ganze Welt reist, finde ich es schön, wenn das musikalisch hier und da auch untermalt wird. Zum Beispiel, in Folge 46 „Mörder der Lüfte“, da habe ich versucht die Hitze und den Staub von Mexiko musikalisch einzufangen und unter den Monologen von Enrique Castuto und Coco Zamis gelegt. In Folge 45 „Lykanthrophus“ habe ich versucht den beklemmenden dunklen Wald, und das unheimliche Geschehen in der „Hexenhütte“ zu unterstreichen. Und in Folge 44 „Der Teufelseid“ habe ich einigen Szenen griechische Folklore Elemente verpasst. Nicht zu vergessen ist die Titelmelodie von Uwe Voehls „Der Hexenhammer“.

Ich kann jetzt schon verraten, dass wir Dorian in der nächsten Folge in der Südsee wiedersehen werden. Das Skript ist schon geschrieben, die Aufnahmen gehen bald los, und ich bastele bereits an der Musik.
So! Und wie genau die Arbeit am Schnitt aussieht, das erzähle ich dann beim nächsten Mal!

Ach! Das hätte ich fast vergessen! Ich wohne nur 20 Minuten mit dem Auto entfernt von der „Baring Road“. Na, wer von euch weiß wer da wohnt? Ich habe sogar versucht an der Tür zu klingeln, aber sofort einen elektrischen Schlag bekommen. Tja, kein Zutritt für Vampire! 🙁

weiterlesen

Der schwarze Jahrmarkt

von am 12. November 2021

Bereits am Dienstag erschien das 28. DAS HAUS ZAMIS-Romanheft, das den Titel „Der schwarze Jahrmarkt“ trägt. Es war mein vierter Beitrag für die damals immer noch junge Serienfortsetzung im ZAUBERMOND-Verlag. Ich bin beileibe kein Vielschreiber, obwohl sich im Laufe der Jahrzehnte einige Romane angesammelt haben und ich selbst manchmal staune, wie oft zurzeit ein Roman von „Logan Dee“  am Kiosk ausliegt. Das jedoch ist der Tatsache geschuldet, das nun mit den UFO-AKTEN eine weitere Serie neu aufgelegt wurde, an der ich damals mitgeschrieben habe.

An die meisten meiner Romane erinnere ich mich infolge meines immer noch überschaubaren Werks recht gut, aber seltsamerweise kaum an den „Schwarzen Jahrmarkt“ – als hätte ein dämonischer Hypnotiseur ihn mir aus dem Gedächtnis getilgt. Vielleicht liegt es auch daran, dass mich Schausteller und Jahrmärkte, oder Kirmes (der Plural will mir nicht über die Lippen) wie man hier sagt, schon immer fasziniert haben. Auch und besonders in literarischer Form, ich denke da an Romane wie „Das Böse kommt auf leisen Sohlen“ oder an den Stummfilmklassiker „Das Cabinett des Dr. Caligari“. Insofern habe auch ich mich öfters des Themas angenommen, sodass vielleicht „Der schwarze Jahrmarkt“ in meinem Gedächtnis verwoben ist mit anderen meiner und fremder Autoren Werke.

Kurzum: Ich nahm die Neuauflage zum Anlass, meinen eigenen Roman noch einmal neu zu entdecken.

Worum geht es darin? Nun, der Roman beginnt damit, dass Coco von ihrer Familie dazu verdonnert wird, die nächsten zwölf Monate in Uruguay zu verbringen:

Bei einem Großonkel meines Vaters, Enrico Cortez, sollte ich weiter in die Lehre gehen.

Wenn den Worten meines Vaters zu trauen war, dann war er ein ausgezeichneter Hexer.

Obwohl ich nicht untalentiert war, machte ich nicht den Fehler zu glauben, dass ich nicht noch dazulernen konnte. Wenngleich Uruguay so ziemlich der letzte Flecken war, wo ich für ein Jahr meine Jugend verschwenden wollte. Wie es aussah, hatte ich jedoch keine andere Wahl. Ich musste von der Bildfläche verschwinden, um Asmodi, dem Oberhaupt der Dämonen, eine Art Bauernopfer zu bieten. Erstens interessierte er sich nicht für Südamerika, was seine Machtspielchen anbelangte – dafür waren ihm die dortigen Sippen zu unbedeutend – und zweitens konnte er stolzen Hauptes verkünden, erreicht zu haben, mich für ein Jahr in die Verbannung zu schicken, damit ich ihm nicht mehr in die Quere kommen konnte.

Offiziell also hatten sich die Zamis gefügt.

Doch inoffiziell wusste jeder, dass es nur eine Frage der Zeit sein würde, bis wir wieder aneinandergerieten.

Zwölf Monate würde ich nicht nach Wien zurückreisen dürfen. Eine schier endlose Zeit …

Doch nicht ganz unfreiwillig landet Coco in Brasilien, in der brodelnden Metropole Rio de Janeiro. Dort nun trifft sie auf den schwarzen Jahrmarkt, mit dem es folgende Bewandtnis hat:

»Hallo, schöne Senhora«, hörte ich von hinten eine Stimme. »Noch allein heute Nacht? Wie wär’s, wenn wir zusammen den schwarzen Jahrmarkt besuchen?«

Ich drehte mich herum und sah einen glutäugigen Latino. Er sah ganz passabel aus, aber ich hatte nicht die geringste Lust, mich mit ihm einzulassen. Allerdings fachten seine Worte meine Neugier weiter an.

»Ein schwarzer Jahrmarkt? Was heißt das?«

»Du bist wohl das erste Mal hier, was?« Er sah mich abschätzend an. Anscheinend wusste er nicht, was er davon halten sollte. Ich spürte sein aufkeimendes Misstrauen. Doch bevor er sich weitere Gedanken machen konnte, fixierte ich seinen Blick und versetzte ihn in eine leichte Hypnose. Ich zwang ihm meinen Willen auf und befahl ihm, sein Ressentiment mir gegenüber zu vergessen.

»Also, was hat es nun mit dem schwarzen Jahrmarkt auf sich?«, wollte ich wissen.

Er zuckte die Schultern. »Du kannst dort dein Glück machen.«

»Was heißt das?«

»Das erste Mal hat mich mein Freund mitgenommen. Er ist heute millionario. Auf dem schwarzen Jahrmarkt findest du alle Sorten von Glücksspiel. Du brauchst nicht viel einzusetzen – doch umso mehr kannst du gewinnen.«

Ich runzelte die Stirn. »Ist das alles? Diese Menschen strömen dorthin, um zu spielen?« Die Musik und die Geräuschkulisse, die von weither herüber drang, erinnerte eher an eine Kirmes, wie ich sie vom Prater her kannte, mit seinen Karussells und Würstelbuden. Auch die bunten Lichter wirkten eher wie die eines Vergnügungsparks als eines Areals, auf dem Wetten stattfanden.

»Na ja, alles ist natürlich schön verpackt. Außer den Wetten gibt es alle Arten von Vergnügungen. Manche sind umsonst – andere sind unerschwinglich. Es sei denn, du gewinnst wie mein Freund.«

Natürlich erwarten Coco dort noch einige weitere „Überraschungen“, und wo sich Coco aufhält, ist auch die Schwarze Familie nicht weit. Mehr aber möchte ich an dieser Stelle wirklich nicht verraten, sondern wünsche schauriges Vergnügen beim Lesen oder Wiederlesen!

Uwe

weiterlesen

Die Wanderwege der Dämonen

von am 5. November 2021

Bei mir sind Beruf und Freizeit eng ineinander verwoben. Eigentlich lässt sich kaum ein Unterschied machen. Vor allem, da ich seit mehreren Monaten mit dem Motorrad kreuz und quer durch Europa fahre. Ich arbeite/schreibe an den Abenden, bin aber während der Fahrt auch nicht untätig. Die kleinen grauen Zellen arbeiten immer.

Unter anderem suche ich nach Schauplätzen, an denen einmal ein Dorian Hunter-Roman spielen könnte. Oder ich informiere mich lokal über Märchen, Sagen und Legenden. Oder über historisch belegte Ereignisse, die ich in Erzählungen rings um den Dämonenkiller einfügen könnte.

In der Bretagne war es ein Kloster, dessen Überreste unmittelbar neben einem Leuchtturm an einem Kap im westlichsten Teil stehen. Das Département heißt Finistère, abgeleitet vom römischen „finis terrae“, der Bezeichnung für das Ende der Welt. Denn ab dort gibt’s wirklich nur noch Ozean (abgesehen von wenigen, kaum bewohnten Inseln). Natürlich existieren Geschichten. Zum Beispiel die von einer Frau, die durch die Ruinen des Klosters wandert und nach ihrem Mann, einem Seemann, sucht. Die Dichte an versunkenen Schiffen ist kaum an einem Ort größer als rund um dieses Kap.
Dementsprechend wurde auch ein Denkmal für all die „verlorenen Seelen“ errichtet. Eine steinerne Frau blickt sehnsuchtsvoll von ihrer Säule hinaus auf den Ozean, stellvertretend für all jene, die einen Mann an die See verloren haben.

Finistèrre hat ein Gegenstück in Spanien, am fast westlichsten Punkt von Festland-Europa. Pilger, die den Jabobsweg beschreiten, beschließen ihre Reise in Santiago de Compostela. Manche aber nehmen nochmals etwa 70 Kilometer auf sich, um endlich am „Cabo Fisterra“ zu stehen und das Ende ihrer Pilgerfahrt zu feiern.
Interessanterweise gibt es auch einen Pilgerweg vom französischen zum spanischen „Ende der Welt“. Ich schätze, dass die Distanz etwa 1.400 Kilometer beträgt. Und hier bin ich letztlich beim Kern dieses Textes angelangt: Ganze Landstriche sind durch das Netz der Wanderwege geprägt. Oftmals sind die Gegenden menschenleer. Starker Wind bläst vom Ozean kommend darüber hinweg. Die Wanderer müssen sich gegen Sturmböen stemmen, um die nächste Unterkunft zu erreichen. In den kleinen Dörfern bewegt sich kaum etwas, niemand bewegt sich auf den Straßen. Nur in den Lokalen herrscht Betrieb, ab und zu tuckert ein Traktor durch die kleinen, oftmals gepflasterten Straßen … Im Schatten eines der steinernen Häuser bewegt sich jemand. Oder etwas … Ein dämonischer Wanderer etwa?

Seht ihr, was ich meine? Die Realität lässt sich kaum von den Geschichten trennen. Der Mythos vom Jakobsweg will erzählt und im Rahmen der Dorian Hunter-Buchserie neu interpretiert werden. Es geht einfach nicht anders.

weiterlesen

Das DORIAN HUNTER HALLOWEEN-GEWINNSPIEL!

von am 29. Oktober 2021

Liebe Fans! Zu gewinnen gibt es das Skript zur DORIAN HUNTER Folge 46, „Mörder der Lüfte“, signiert von Thomas Schmuckert und Dennis Ehrhardt!


Um mitzumachen, schreibt uns was euch besonders an der Serie gefällt.

jugendstilvilla@dorianhunter.de


Das Gewinnspiel endet am Sonntag den 31. Oktober 2021 um 23.59 Uhr. Viel Glück!


Unsere Teilnahmebedingungen: http://bit.ly/zaubermond-teilnahmebedingungen

weiterlesen

Coco Zamis: Das Ende …

von am 23. Oktober 2021

Aber wie heißt es so schön: Niemals geht man so ganz. Die DAS HAUS ZAMIS-Serie geht natürlich weiter. Aber von einigen liebgewonnenen Familienmitgliedern gilt es Abschied zu nehmen. Von welchen, das sei an dieser Stelle natürlich nicht verraten.

Seit DAS HAUS ZAMIS Band 33 („Töte Dorian Hunter“), in dem wir uns von der Mutterserie DORIAN HUNTER abkoppelten, haben wir ein großes, weitumspannendes Panorama gewoben, das in viele Teile der Welt führte, aber vor allem und immer wieder auch in Wien verortet war. Viele Bücher drehten sich um das Café Zamis, mit dem Coco die große Hoffnung verband, einen Ort zu schaffen, an dem Dämonen und Menschen friedlich nebeneinander verkehrten. Das war ebenso ein Trugschluss wie Cocos bisheriges Bemühen, sich von ihrer Familie zu lösen. Blut ist eben dicker als der beste Vorsatz.

In den letzten Büchern waren es insbesondere der geheimnisvolle Monsignore Tatkammer und der Überdämon Abraxas, der Coco und ihrer Familie das Leben immer schwerer machten. Nun, all das strebt nun, im vorliegenden Band 63 („Wiener Blut“) seinem vorläufigen Höhepunkt zu.

Ach ja: Und eine Frage stellte sich auch noch! Wie ist es inzwischen eigentlich Georg Zamis und Juna ergangen? Auch das erfahrt ihr endlich!

Als wäre die Handlung nicht schon prallvoll und abwechslungsreich wie selten, bringt Michael Marcus Thurner noch einen neuen Wiener Dämon ins Spiel: Hubsi von Schallenberg. Und wir erfahren endlich, was ein Schwarzes Bankett ist:

Wir bekamen Plätze am Oval des Tischs zugewiesen, mit Blick auf das große, offene Feuer im Hintergrund. Mein Vater warf den Sack achtlos zu Boden, ein dumpfes Stöhnen drang daraus hervor. Kein Zweifel: Darin befand sich ein Wesen, das lebte.

Noch lebte, fügte ich in Gedanken hinzu.

Aperitifs wurden gereicht. Verdünntes Blut, vermengt mit Speichel eines angeblichen Phoenix und einem ausgehärteten Eiterrand aus menschlichem Wundschorf. Die Anwesenden langten eifrig zu. Auch beim Finger-Food, das tatsächlich aus Fingern bestand.

Ich entdeckte einige bekannte Gesichter unter den Gästen. Einige Blicke trafen uns, kaum jemand wollte uns persönlich grüßen. Die Stimmung unter den Wiener Dämonen war höchst angespannt. Aber wann, so fragte ich mich, war sie das denn nicht?

Ein Rumpeln erklang, gleich darauf lautstarkes Gelächter. Im Kamin loderten die Flammen, meterhoch befüttert aus Fetttiegeln, die von Tiermenschen in die Flammen geschüttet wurden.

Ein Schemen ließ sich im Feuer erahnen. Breit und kugelrund, mit kurzen Beinchen und einem kürbisgroßen Kopf.

Hubsi von Schallenberg genoss seinen großen Auftritt. Er trug das Blut alter Feuerdämonen in sich, besaß aber bei Weitem nicht mehr die Macht und die Kraft seiner Vorfahren. Aber es reichte, um die Zuseher zu beeindrucken und durchs Feuer spazierend in die Halle zu gelangen. Hinter ihm torkelten seine ebenso feiste Frau hinterher und zwei Söhne, die beide dünn wie Striche waren.

„Willkommen, willkommen!“, dröhnte Hubsis Stimme, sobald er die Flammenwand hinter sich gelassen hatte. „Es freut mich, euch an meinem Ehrentag begrüßen zu dürfen. Gibt es denn etwas Schöneres, als gemeinsam mit Freunden zu feiern und sich bei einem Schwarzen Bankett zu laben?“

Da und dort klang Applaus auf. Vater verschränkte demonstrativ die Arme vor der Brust, Mutter und ich reagierten ebenfalls nicht auf die beifallheischende Ansprache.

Hubsis Anzug war zur Gänze verbrannt. Ein Diener reichte ihm neues Gewand, in das der Hausherr mit aufreizender Langsamkeit schlüpfte. Er schien stolz auf seinen feisten Körper zu sein. Genauso wie seine Dämonengattin, die bloß dumm grinste.

Nun, Sophie war auch dumm. In Dämonenkreisen wurde eifrig darüber diskutiert, ob sie oder ihre beiden Kinder blöder waren.

„Ganz besonders herzlich möchte ich den Herrn der Wiener Dämonensippen begrüßen. Es freut mich außerordentlich, dass Michael Zamis samt seiner Gattin und seiner liebreizenden Tochter mir die Ehre gibt.“

Wieder blieb der Applaus spärlich. Ich beobachtete aufmerksam und achtete darauf, wer seinen Widerwillen gegen die Familie Zamis besonders deutlich zeigte.

„Mein bezauberndes Eheweib Sophie hat während der letzten Wochen daran gearbeitet, euch allen einen besonderen Abend bieten zu können.“

„Jo!“, grunzte Sophie und schwieg dann wieder.

„Euch erwarten die verderbtesten Verlockungen, die in Wien zu haben waren. Lukullitäten, die selbst unseren Herrn Asmodi begeistern würden. Ein Begleitprogramm und Unterhaltungen, wie sie kaum woanders auf dieser Welt zu haben sind. – Wer Lust hat, kann sich noch vor dem Abendessen unter das gemeine Volk mischen und sich einer kleinen Orgie hingeben. Aber ich würde raten, dass ihr euch die Kräfte einteilt. Es wird im Laufe der Nacht viel geschehen, was ihr niemals zuvor erlebt hat.“

Hörte ich da eine Drohung aus Hubsis Worten heraus? – Meine Blicke schweiften immer wieder umher. Ich achtete auf die Tierdämonen und auf die sonderbaren Wesen unterhalb der Decke. Jedes geflüsterte Wort anderer Dämonen wirkte bedrohlich auf mich, jedes hässliche Lachen ließ mich innerlich zusammenzucken …

Und das ist erst der Anfang des Banketts! Das Exposé zum nächsten Buch ist übrigens schon geschrieben. Und es trägt den hoffnungsfrohen Titel: „Jedem Anfang wohnt ein Zauber…“ – Quatsch! Ich meinte natürlich: – „…das Böse inne!“

Mit schwarzen Grüßen
Uwe

weiterlesen