Das Haus Zamis | Dorian Hunter | Zaubermond allgemein

ENDLICH! Das Haus Zamis geht weiter!

5. März 2021

Lange war es still um DAS HAUS ZAMIS und seine Bewohner. Doch im Juni geht es endlich weiter mit Coco Zamis & Co. Der erste Teilroman ist bereits geschrieben. Von einer Autorin, die zwar erstmals ans HAUS ZAMIS klopft, jedoch schon bei Romanserien wie Perry Rhodan Neo oder Maddrax ihr Talent unter Beweis gestellt hat. Was soll ich lange reden – hier ein erster Auszug aus dem neuen Roman. Und er beginnt mit einer der schillerndsten und mysteriösesten Charaktere der Serie überhaupt: Monsignore Tatkammer:

»Es ist eine große Ehre, das weißt du.«

Tatkammer blinzelte verwundert. Jemand sprach mit ihm.

Eben hatte er noch in einem finsteren Café auf der Wiener Mariahilfer Straße gestanden – allein. Er hatte den schalen Dunst längst erkalteter Zigaretten eingeatmet. Und jetzt … Von dem Café keine Spur mehr, vor ihm erhob sich eine grobe Steinwand mit einem winzigen, glaslosen Fenster darin. Sonnenlicht fiel durch die Öffnung, das weder die klamme Kälte des Raumes noch das trübe Zwielicht darin vertreiben konnte. Ein Umstand, der Tatkammer üblicherweise durchaus recht gewesen wäre. Im Augenblick empfand er seine Umgebung allerdings als ziemliches Ärgernis. Wo war er gelandet?

Tatkammer ballte die Fäuste. Er hatte wirklich Besseres zu tun, als … Überrascht sah er auf seine Hände. Auch die kamen ihm fremd vor, ebenso die grobe Holzplatte des Tisches, an dem er saß. Ein kleines Tintenfass stand griffbereit neben ihm, aus der ein zurechtgeschnittener Gänsekiel hervorragte. Das erklärte immerhin die dunklen Flecken an seinen Fingern, wenn auch sonst nicht viel.

»Der Bote hat ausdrücklich nach deiner Arbeit verlangt.«

Richtig. Da war noch jemand. Tatkammer sah auf.

Über ihm stand ein hagerer alter Mann in Priesterkluft. Der Abt, durchfuhr es ihn, obwohl er schwören konnte, den Kerl noch nie zuvor gesehen zu haben. Die schmale Nase, die aus dem ausgezehrten Gesicht hervorstach und bis an die dünnen Lippen hinunter hing, hätte er sicher im Gedächtnis behalten.

Aber nein! Was dachte er da bloß? Der ehrwürdige Abt stand seinem Kloster vor, schon seit er als junger Mann in den Orden eingetreten war! Sein Prinzipal und Lehrmeister, der Tatkammer wie ein Vater gewesen war, nachdem sein eigener vom Siechtum dahingerafft worden war. Wie hatte er für einen Augenblick glauben können, ihn nicht zu kennen?

Tatkammer schüttelte den Kopf. »Verzeiht, ehrwürdiger Vater. Ich war wohl einen Moment in Gedanken gefangen. Der Bote nannte meinen Namen?«

»Aber nein.« Der Abt zog tadelnd die buschigen Brauen zusammen. Dabei hatte nur die Verwunderung aus Tatkammer gesprochen, keineswegs die Eitelkeit. »Aber der Bote fragte nach unserem besten Maler«, fuhr der Abt fort. »Und das bist du.«

Tatkammer war der einzige Maler in ihrem kleinen Kloster. Dennoch neigte er artig den Kopf. »Ihr seid zu gütig, Vater.«

»Da ist nur eine Sache …« Der Abt strich mit knotigen Händen über den grauen Stoff seiner Kutte, als würde sie ihm Trost spenden. »Er fürchtete, dass niemand aus unserem Orden über die nötige Erfahrung verfügt, um das Kunstwerk zu schaffen, das dem Heiligen Vater vorschwebt.«

»Nun, ein Mann der Kunst verfügt gewiss über mehr Geschick in diesen Dingen …«, wandte Tatkammer ein, doch der Abt schüttelte bereits den Kopf.

»Das Geschick ist es nicht«, erklärte er. »Es geht um die … weltliche Erfahrung.«

»Ich verstehe nicht.«

Wieder rieb der Abt über seine Kutte, er krallte die Finger regelrecht in den dicken Wollstoff. »Ich spreche von den Sünden, mein Sohn. Wir führen ein behütetes Leben, fern allen Versuchungen. Das macht es einem Priester unmöglich, das wahre Gesicht der Todsünden abzubilden.«

Weshalb kam der Bote dann ausgerechnet in ein Kloster? Die Richtung, die dieses Gespräch nahm, behagte Tatkammer nicht. »Da spricht der Bote wohl die Wahrheit. Zweifellos gibt es große Künstler in Florenz oder in Rom, die von den entsprechenden Dingen mehr verstehen als ein Mann der Kirche?«

»Das Gemälde ist für den Heiligen Vater höchstselbst bestimmt!«, entgegnete der Abt mit einer gewissen Ungeduld. »Undenkbar, damit einen Mann mit zweifelhaftem Glauben zu betrauen.«

»Ich verstehe.« Tatkammer neigte das geschorene Haupt, auch wenn er nicht wirklich verstand, was das alles nun zu bedeuten hatte. »Was wünscht Ihr von mir, Vater?«

Der Abt seufzte. Endlich ließ er von seiner Kutte ab. »Du sollst eine Reise antreten, die dich an die Grenzen deines Glaubens führen wird.« Er legte eine Hand auf Tatkammers Tonsur – eine väterliche Geste, wie er sie nur selten gewährte. »Du musst dich den Versuchungen dort draußen stellen und sie bezwingen. Geh hinaus und suche die Sünden der Welt. Der Herr wird deine unsterbliche Seele behüten, auf dass du niemals wanken wirst. Lege Zeugnis ab über die Gräuel, die einen Sünder erwarten, und kehre zurück mit den Erfahrungen, die du benötigst, um dieses Gemälde zu schaffen. Suche die sieben Todsünden!«

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Bleibt gesund und lest gute Bücher!
Uwe