Dorian Hunter

Freaks

21. Mai 2021

Wer den Dämonenkiller Dorian Hunter kennt, kennt unweigerlich auch die Gruppe der Freaks. Arme, gequälte Gestalten, die irgendwo zwischen böse und bemitleidenswert pendeln, die aber auch schon mal den Helden der Serie helfen. Sie sind ehemalige Dämonen, die von Ihresgleichen gestürzt oder verraten wurden und den Rest ihres (meist kurzen) Lebens als entstellte Gestalten verbringen müssen.

Sie wurden bereits in einem der ersten Dämonenkiller-Heftromanen vorgestellt und tauchen seitdem immer wieder in der Handlung auf. Mich fasziniert ihre Rolle, weil sie nun mal Grenzgänger sind. Sie wurden aus dem Olymp des Bösen gestoßen und müssen nun in der Gosse leben. Sie sind selbst unterhalb unterhalb der Gruppe der Menschen angesiedelt, die sie einstmals verachtet haben – und die nun wiederum sie verachten.

Der Begriff „Freaks“ hat heutzutage einen völlig anderen Klang als noch vor einigen Jahrzehnten. Ernst Vlcek und Neal Davenport wollten diese Wesen als Außenseiter der Gesellschaft etablieren. Heutzutage wird ein Freak in der Umgangssprache anders wahrgenommen. Wir nennen jemanden Musik-Freak, Film-Freak oder Fußball-Freak, wenn er eine besondere Leidenschaft für das jeweilige Hobby entwickelt. Es ist heutzutage also gar nicht so leicht, zu verstehen, dass die Autoren vor 45 Jahren dieses Wort gewählt haben, um etwas negativ klingen zu lassen.

(Das englische Wort „freak“ ist übrigens verschriftet bis ins Jahr 1560 zurück zu verfolgen, mit ebenfalls wechselnder Bedeutung. Man vermutet, dass es auf das altenglische „frician“ zurückgeht, das so viel wie „Tanzen“ bedeutet. Und damit wären wir im tiefsten Mittelalter angelangt.)

Wenn ich das Wort „Freaks“ höre, denke ich übrigens augenblicklich an den gleichnamigen Film aus dem Jahr 1932. Wer ihn nicht kennt – Teile davon kann man auf Youtube ansehen.
Ich könnte mir vorstellen, dass der Film Ernst Vlcek ebenfalls als Inspiration diente. Er zeigt missgestaltete Mitglieder eines Wanderzirkus, die entgegen dem üblichen Schema die „Guten“ sind, während die großgewachsene Blondine die „Böse“ ist. Diese Umkehrung der Rollenbelegung hat mich dazumals, als ich „Freaks“ das erste Mal gesehen hatte, extrem verwirrt. Ich war einfach nicht auf die Geschehnisse vorbereitet. Zumal ich nur ganz schwer mit dieser Zirkuswelt zurechtgekommen bin. Manche Szenen waren unerträglich für mich.
Im Jahr 1932 war der Film ein Skandal, und in manchen Teilen der USA ist die Aufführung auch heute noch verboten (sofern man dem Artikel in der Wikipedia vertrauen kann). Unter Cineasten gilt „Freaks“ aber heutzutage als einer der ganz großen Klassiker des Horror-Genres, auch wenn nur noch 64 von ursprünglich 90 Minuten Filmmaterial vorhanden sind.

Kommen wir zurück zu den Freaks des Hunterversums: Ich mache mir während der Expoarbeit immer wieder Gedanken um die Rolle der Freaks. Ich denke, dass sie sträflich unterschätzt werden. Meist wurden sie bloß als ein Beiwerk der Handlung. Ich könnte mir vorstellen, dass sie in kommenden Romanen von Dorian Hunter eine deutlich aktivere und wichtigere Rolle einnehmen werden. Eine Rolle, die sie verdienen. Weil sie nun mal Wanderer zwischen zwei völlig unterschiedlichen Welten sind.