Das Haus Zamis | Dorian Hunter | Hexenhammer | Zaubermond allgemein

Wer zum Teufel ist Asmodi?

von am 7. Mai 2021

Und wer ist überhaupt der einzig echte? Oder ist er gar in verschiedenen Identitäten unterwegs? Jedenfalls spinnt er nicht nur in DORIAN HUNTER und DAS HAUS ZAMIS seine finsteren Fäden, sondern treibt auch in den Heftserien PROFESSOR ZAMORRA und JOHN SINCLAIR sein Unwesen. Wir begeben uns da mal auf die Spur …

In der aktuellen Heftserie taucht als Erster Asmodi II. auf, ohne dass zunächst gesagt wird, dass er der zweite Teufel mit diesem Namen ist und es einen Vorgänger gab. Asmodis Gesicht besteht aus einer weißen Fläche, und er erscheint durchaus ehrfurchtgebietend auch schon mal mit Blitz und Donner und schwefeligem Gestank. Mehr und mehr tritt er aber auch in menschlicher Gestalt in Erscheinung, mal als griechischer Reeder und Milliardär namens Anatoll Chalkiris,, der sich mit der Cosa Nostra anlegt, mal als Marassa – einem Priester auf Haiti. Wobei sein Kampf gegen die Cosa nostra umso mehr passt, als dass mich das Gefüge der Schwarzen Familie schon immer an mafiöse Strukturen erinnerte.

Wie wir später in der Serie DORIAN HUNTER erfahren, ist der in den ersten Heften eingeführte Asmodi nur der Nachfolger von Asmodi I., dessen Job er 1713 übernahm. Asmodi I. entspricht noch eher dem Bild des klassischen Teufels. So erscheint er dem Baron de Conde zum Beispiel in meinem HEXENHAMMER-Roman „Die Inquisitorin“ folgendermaßen:

Er erschien in der Gestalt des Papstes Sixtus IV., der erst im August letzten Jahres gestorben war. Natürlich machte sich Asmodi einen Spaß daraus, ihn noch nach dem Tode zu verhöhnen, indem er statt einer Krone zwei Bockshörner zur Schau trug, die ihm aus der Stirn erwuchsen. Auch war das goldene Kreuz, das er an einer Kette um den Hals trug, ein auf den Kopf gestelltes. Zu guter Letzt trug er in der linken Armbeuge einen toten Knaben mit einer roten Kardinalsmütze auf dem Kopf – sicherlich ein bitterböser Hinweis darauf, dass dem Papst nachgesagt wurde, seine Lustknaben zu Kardinälen zu erheben.

Aber zurück zu der Frage, wer denn nun der allererste Asmodi war:

In der Serie JOHN SINCLAIR hat sich der finstere Herr noch ein „s“ hintendran gehängt und nennt sich dort Asmodis. Sein Aussehen kann er ebenfalls beliebig verändern. Am liebsten zeigt er sich aber mit einer dreieckigen roten Fratze und Hörnern, die ihm aus der Stirn ragen – also als uns seit Kinderzeiten bekannte Teufelsgestalt mit Bocksfuß und ihn begleitendem Schwefelgestank.

Der erste JOHN SINCLAIR-Roman „Die Nacht des Hexers“ erschien innerhalb der GESPENSTER-KRIMI-Reihe des Bastei-Verlages bekanntlich am 17.7.1973. Das erste DÄMONENKILLER-Heft (jetzt DORIAN HUNTER) erschien innerhalb der VAMPIR-Reihe des Pabel-Verlages – ebenfalls am 17.7.1973. Wollte Asmodi/Asmodis, der Teufel also, auf Nummer sicher gehen und sozusagen omnipräsent sein und hat deshalb in beiden Reihen seinen Bocksfußabdruck gesetzt? Das zeitgleiche Erscheinen gleich zweiter Gruselserien kann jedenfalls kein Zufall sein. Seltsam, aber so steht es geschrieben …

Und warum musste es überhaupt Asmodi sein? In der Höllenhierarchie wie sie beispielsweise im „Le Véritable Dragin Rouge“ von 1522 beschrieben wird, stehen weit mächtigere Höllenbewohner über ihn. Ganz oben steht Baal. Er ist der höchste Herrscher der Hölle und befiehlt über sechsundsechzig Legionen Teufel, darunter Lucifer, Lucifugè, Belzebub und Astarot. Warum wurde also nicht Baal in den Serien als Fürst der Finsternis erkoren? Auch das spricht dafür, dass sich Asmodi/Asmodis da irgendwie leibhaftig in den Vordergrund geschoben hat. Oder hat sich gar einer der anderen Teufel – Lucifer, Belzebub oder sonst einer dieser Höllenschurken seines Namens bemächtigt?

Wenden wir uns zu guter Letzt PROFESSOR ZAMORRA zu, dem Meister des Übersinnlichen. Dort nennt sich Asmodi ebenfalls Asmodis, mit „s“ hinten. Hier erschien das allererste Heft erst am 2. Juni 1974, wurde aber wie JOHN SINCLAIR vom „Meister der Geister“ Jason Dark konzipiert, sodass es sich nur um eine Kopie der beiden anderen Asmodi/s handeln kann. Im Laufe der Serienhistorie ist diese Asmodis-Figur vielleicht am vielschichtigsten angelegt, denn er wechselt durchaus auch mal auf die Seite der Guten. Asmodis lebt in vielen Tarnexistenzen unter den Menschen, da er – na klar, wie auch die anderen – jede beliebige Gestalt annehmen kann.

Wobei wir beim Fazit wären: Nichts Genaues weiß man nicht, aber Asmodi/Asmodis hat es seit bald vierzig Jahren geschafft, uns Leser bei gruseliger Laune zu halten!

Bleibt gesund! Mit höllischen Grüßen!

Uwe

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Das Haus Zamis | Dorian Hunter | Zaubermond allgemein

Es geht (bald) weiter!

von am 16. April 2021

Am liebsten würde ich ja sagen: „Jetzt (wieder) einsteigen und loslesen!“ Bis das DAS HAUS ZAMIS-Buch Anfang Juni erscheint, müsst ihr euch jedoch noch ein paar Wochen gedulden.

Jüngst fragte mich ein Leser, der bisher nur die aktuellen Romanhefte kennt, ob es denn sinnvoll sei, zeitgleich auch die aktuellen Bücher zu lesen. Auf jeden Fall ist es unterhaltsam, und beide Handlungsstränge – ob im Heft oder in den aktuellen Buchveröffentlichungen – kommen sich nicht ins Gehege. Auch Buch-Neueinsteiger kommen dank einer umfangreichen Zusammenfassung über die vergangenen Ereignisse schnell in die aktuelle Handlung rein.

Jetzt aber zum Band „Hexenjagd „(DAS HAUS ZAMIS 62). Nachdem ich bereits vor ein paar Wochen den Vorhang ein wenig gelüftet und einen Textauszug aus dem ersten Teilband von Madeleine Puljic gebracht habe, möchte ich euch heute eine Textprobe aus dem zweiten Teilband präsentieren. Vorab aber noch eine weitere Info für die Neuleser: Jedes aktuelle Buch enthält zwei Romane, jeweils im Umfang der Romanhefte. Und in der Regel bauen sie handlungsmäßig aufeinander auf.

Der zweite Roman trägt auch den Titel des Buches – „Hexenjagd“ –, und verfasst hat ihn Logan Dee. Und auch Coco Zamis ist wieder mit an Bord, nachdem sie über ein Jahr untergetaucht war. Diesmal muss sie ihre gebeutelten Familie bei einer besonders gefährlichen Mission unterstützen. Doch zuvor … Aber lest selbst:

Ein wahnsinniger Schmerz raste durch meinen Körper.

Ich stöhnte laut auf. Ein Zittern ließ meinen ganzen Leib erbeben. Ein regelrechter Anfall. Das Brötchen fiel aus meinen Händen zu Boden. Ich selbst hielt mich nur noch krampfhaft auf meinem Stuhl, während ich das Gefühl hatte, jemand würde mit einem scharfen Messer meine Eingeweide herausschneiden.

Ich wimmerte. Aber der Schmerz wurde mit jeder Sekunde nur noch heftiger. Dann schrie ich. Es war mir alles egal: die Umgebung, meine Tarnung, alles. Meine Welt versank in einem einzigen Taumel aus unerträglicher Pein. Ich versuchte mit magischen Kräften dagegen anzukämpfen, es gelang jedoch kaum.

Nur entfernt bekam ich mit, dass mich jemand hochriss und mit sich schleppte. Dann war ich an der frischen Luft. Entfernt hörte ich den Ruf nach einem Taxi. Kurz danach wurde ich einen Autositz gepresst. Ich glaubte zu ersticken, rang um Atem, hörte eine Stimme nahe an meinem Ohr. „Ganz ruhig, Coco. Ich bring dich in Sicherheit!“

Das war Merles Stimme. Und allmählich begriff ich, dass wir in einem Taxi saßen. Auf dem Rücksitz. Merle saß neben mir und hielt mich an sich gepresst, während sich mein Körper nach wie vor in Krämpfen aufbäumte.

„Ins nächste Krankenhaus?“ Das war die Stimme des Fahrers.

„Nein. Fahren Sie auf dem schnellsten Wege …“

Merle nannte eine Adresse, die ich nicht mehr hörte, weil eine neuerliche Schmerzwelle meinen Leib flutete.

„Sind Sie sicher? Die Frau scheint eher ärztliche Hilfe zu …“

Er unterbrach sich mitten im Satz. Ich spürte mich in den Sitz zurückgepresst. Offensichtlich gab der Fahrer jetzt richtig Gas. Das alles rauschte nur so an mir vorbei.

Aber wenn ich geglaubt hatte, dass die Qualen sich unmöglich noch steigern konnten, so wurde ich eines Besseren belehrt.

Ich gab einen letzten schrillen Schrei von mir, als die Klinge in meinen Eingeweiden noch das Harmloseste war. Ich hatte das Gefühl, von riesigen Krallen zerfetzt zu werden. Von innen heraus.

Dann war da nur noch Schwärze …

Ich hoffe, ich habe ein wenig die Vorfreude in euch wecken können. Ich jedenfalls kann es kaum erwarten, das neue Buch endlich in Händen zu halten!

Bleibt gesund und lest gute Bücher!
Uwe

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Das Haus Zamis | Dorian Hunter

Wiener Recherche

von am 9. April 2021

Ich habe es leicht.

Ein gar nicht so kleiner Teil der DORIAN HUNTER-Romane spielt in meiner Heimatstadt Wien. Auch bei der Schwesternserie COCO ZAMIS darf ich mich immer wieder mal mit der österreichischen Bundeshauptstadt beschäftigen. Viele Schauplätze kenne ich gut – und dennoch begebe ich mich gerne mal auf Spaziergänge aus Recherchezwecken.

Manchmal tue ich es, um in Exposés vorgegebene Handlungsorte besser kennen zu lernen und ein Gespür für sie zu bekommen. Manchmal suche ich auch nur, um neue, spannende Plätze festlegen zu können.

Hinter dem Dreiecksblock verläuft die Mariahilferstraße. Irgendwo dort hinter dem rechten der beiden Ecktürme befindet sich das Café Zamis. Den genauen Ort verrate ich nicht.

Ich gebe zu, dass es dabei nur selten um Orte geht, die dem Wien-Touristen bekannt sind. Schloss Schönbrunn, der Stephansdom, die Schatzkammer der Habsburger, die Burg, die Kapuzinergruft – das sind zweifellos ganz grandiose Plätze, die ein jeder Besucher der Stadt mal gesehen haben sollte. Aber es gibt noch so viele andere Orte, über die man nur wenig weiß, wenn man nicht zufällig Wiener ist.

Oftmals vermengen sich Realität und Fiktion. In der COCO ZAMIS-Serie existiert ein „Café Zamis“ auf der Mariahilfer Straße. Ich kann diesen Ort sehr genau bestimmen; schließlich habe ich jahrzehntelang um die Ecke gewohnt. Darüber hinaus gab es in diesem Gebäude bis vor etwa 20 Jahren ein „Espresso“, in dem unglaublich gute Brötchen serviert wurden.
In den letzten Jahren seines Bestehens war dieses Espresso schon etwas abgefuckt; die knallrote Lederpolsterung der Sitzbänke war teilweise zerrissen, einige der Stühle wackelig. Genau so stellte ich mir das Café Zamis vor, als Coco es erstmals betrat.

Auch der Standort der Freaks, fast unmittelbar gegenüber vom Café Zamis, existiert in der Realität. Die „Gruft“ ist ein Obdachlosenasyl, das in die Kelleranlagen der Mariahilferkirche gebaut wurde – und wo würden die Freaks besser hinpassen als an diesen Ort? Die Mariahilfer Straße ist die zweitgrößte Einkaufsstraße Wiens – und ausgerechnet an dieser mondänen Einkaufsmeile findet sich eine der wichtigsten Obdachloseneinrichtungen der Stadt.

Blick auf die Mariahilferkirche

Die Rechtsanwaltskanzlei des Skarabäus Toth findet sich ebenfalls in der Nähe einer meiner ehemaligen Wohnorte. Für die Arbeit an einem DORIAN HUNTER-Exposé hab ich eine Skizze der Kanzlei angefertigt, die ich laufend erweitere. Ich nehme dabei Rückgriff auf ältere Manuskripte. Ich kann nicht alles übernehmen, was frühere Autoren beschrieben haben; sie haben sich teilweise widersprochen. Aber ich versuche dennoch, ein plastisches Bild zu zeichnen, das den Entwürfen von Ernst Vlcek oder Kurt Luif entspricht.
Wichtig ist mir dabei auch, die Straßenstimmung einzufangen und auf die Baustruktur einzugehen. Für mich stammt dieses Gebäude aus der sogenannten „Gründerzeit“, als etwa aus dem Zeitraum 1900 – 1920. Die Räume sind über drei Meter hoch, der Parkettboden ist im Fischgrätenmuster verlegt, die Türen sind zweiflügelig und hoch, jeder Wohnraum hat einen eigenen Kaminanschluss. Mag sein, dass Stukkarbeiten vorhanden sind, das weiß ich noch nicht so genau. Aber ich tue mir beim Schreiben wesentlich leichter, wenn ich ein Gefühl für die Stimmung innerhalb eines Gebäudes habe.

Das „Ratzenstadel“ in Wien, etwa um 1900. Dort habe ich den Domina-Keller einer Figur aus der COCO ZAMIS-Serie verortet. ©August Stauda, im Besitz des Wiener Bezirksmuseums Mariahilf.

Ein weiterer Hotspot der Handlung beider Serien ist natürlich die Villa Zamis. Hier müssen Fiktion und Realität voneinander abweichen. Bekanntermaßen hatte Kurt Luif ja die Villa einer ehemaligen Freundin als Haus der Zamis-Familie festgelegt. Das „wirkliche“ Gebäude eignet sich nur bedingt als Vorbild für die Villa in der Romanhandlung. Dazu reicht das Haus viel zu nahe an den Straßenrand heran und wirkt teilweise zu modern. Auch ist es in meinen Augen zu klein, um tatsächlich als Herrschaftssitz unserer liebsten Wiener Dämonenfamilie dienen zu können. Also muss ich da stets ein wenig schummeln.
Auch für die Villa Zamis habe ich übrigens eine kleine Skizze angefertigt, die ich immer wieder neu adaptiere.

Jeder Roman, den ich in Wien spielen lasse, ist eine Reise durch die meine Heimat. Ich lasse Kirchen, Bahnhöfe, sonderbare alte Gebäude, Friedhöfe, U-Bahn-Anlagen, Domina-Keller und vieles Andere vorkommen. Es gibt diese Orte – – oder es könnte sie geben. Weil sie zu dieser altehrwürdigen Stadt passen und eine bestimmte Stimmung mittragen.

Der Friedhof Ober St. Veit samt Mausoleen, nahe gelegen zur Ratmannsdorfgasse.

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Lana Del Rey meets Coco Zamis

von am 26. März 2021

Auch Horror-Autoren hören nicht nur satanistische Black Metal-Songs maskierter skandinavischer Bands. Bereits vor einer Woche erschien Lana Del Reys neues Album „Chemtrails Over The Country Club“. Die darauf vereinigten Songs sind allesamt schwermütig und dennoch von einer einzigartigen Schwerelosigkeit geprägt. Die Atmosphäre erinnert mich an cocktailgeschwängerte Nachmittage bei Sonnenschein im Liegestuhl – bis unvermittelt die Stimmung umschlägt, Wolken aufziehen und ein Gewitter niedergeht.

Was das alles mit Horror zu tun hat? Nun, schaut euch das Video zum Titelsong an. Dort wird die von mir beschriebene Stimmung mit erhebenden Bildern untermalt. Mich erinnerte die Szenerie an die Bücher, in denen Coco Zamis in den USA weilte, vor allen Dingen an das Buch „Blackwater Bay“ (DAS HAUS ZAMIS 41), in dem Coco und ihre Vampirfreundin Rebecca genug von New York haben, und im Cabrio durchs sonnige Kalifornien düsen. Zumal Rebecca dort endlich ihrer Tante Elvira einen Besuch abstatten will. Doch auch hier folgen auf Sonnenschein die Gewitterwolken, denn am Ziel angekommen, entpuppt sich der ehemalige Fischerort, in dem die Tante zu Hause sein soll, als äußerst merkwürdiges Fleckchen. Magie scheint allgegenwärtig – und Elviras Haus ist verfallen, die Bewohnerin seit zwanzig Jahren verschwunden …

Und um den Bogen zu Lana Del Ray zu schlagen: Mich hat es total fasziniert, wie im dazugehörigen Video ab Minute 2:39 die sommerlich flirrende Stimmung umschlägt, zunächst nur in sekundenkurzen Sprengseln, und immer mehr in einen verstörenden Albtraum abdriftet, Das Ganze erinnert an die besten Momente in David Lynchs Filmen – und natürlich an: DAS HAUS ZAMIS.

Bleibt gesund!
Uwe

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ENDLICH! Das Haus Zamis geht weiter!

von am 5. März 2021

Lange war es still um DAS HAUS ZAMIS und seine Bewohner. Doch im Juni geht es endlich weiter mit Coco Zamis & Co. Der erste Teilroman ist bereits geschrieben. Von einer Autorin, die zwar erstmals ans HAUS ZAMIS klopft, jedoch schon bei Romanserien wie Perry Rhodan Neo oder Maddrax ihr Talent unter Beweis gestellt hat. Was soll ich lange reden – hier ein erster Auszug aus dem neuen Roman. Und er beginnt mit einer der schillerndsten und mysteriösesten Charaktere der Serie überhaupt: Monsignore Tatkammer:

»Es ist eine große Ehre, das weißt du.«

Tatkammer blinzelte verwundert. Jemand sprach mit ihm.

Eben hatte er noch in einem finsteren Café auf der Wiener Mariahilfer Straße gestanden – allein. Er hatte den schalen Dunst längst erkalteter Zigaretten eingeatmet. Und jetzt … Von dem Café keine Spur mehr, vor ihm erhob sich eine grobe Steinwand mit einem winzigen, glaslosen Fenster darin. Sonnenlicht fiel durch die Öffnung, das weder die klamme Kälte des Raumes noch das trübe Zwielicht darin vertreiben konnte. Ein Umstand, der Tatkammer üblicherweise durchaus recht gewesen wäre. Im Augenblick empfand er seine Umgebung allerdings als ziemliches Ärgernis. Wo war er gelandet?

Tatkammer ballte die Fäuste. Er hatte wirklich Besseres zu tun, als … Überrascht sah er auf seine Hände. Auch die kamen ihm fremd vor, ebenso die grobe Holzplatte des Tisches, an dem er saß. Ein kleines Tintenfass stand griffbereit neben ihm, aus der ein zurechtgeschnittener Gänsekiel hervorragte. Das erklärte immerhin die dunklen Flecken an seinen Fingern, wenn auch sonst nicht viel.

»Der Bote hat ausdrücklich nach deiner Arbeit verlangt.«

Richtig. Da war noch jemand. Tatkammer sah auf.

Über ihm stand ein hagerer alter Mann in Priesterkluft. Der Abt, durchfuhr es ihn, obwohl er schwören konnte, den Kerl noch nie zuvor gesehen zu haben. Die schmale Nase, die aus dem ausgezehrten Gesicht hervorstach und bis an die dünnen Lippen hinunter hing, hätte er sicher im Gedächtnis behalten.

Aber nein! Was dachte er da bloß? Der ehrwürdige Abt stand seinem Kloster vor, schon seit er als junger Mann in den Orden eingetreten war! Sein Prinzipal und Lehrmeister, der Tatkammer wie ein Vater gewesen war, nachdem sein eigener vom Siechtum dahingerafft worden war. Wie hatte er für einen Augenblick glauben können, ihn nicht zu kennen?

Tatkammer schüttelte den Kopf. »Verzeiht, ehrwürdiger Vater. Ich war wohl einen Moment in Gedanken gefangen. Der Bote nannte meinen Namen?«

»Aber nein.« Der Abt zog tadelnd die buschigen Brauen zusammen. Dabei hatte nur die Verwunderung aus Tatkammer gesprochen, keineswegs die Eitelkeit. »Aber der Bote fragte nach unserem besten Maler«, fuhr der Abt fort. »Und das bist du.«

Tatkammer war der einzige Maler in ihrem kleinen Kloster. Dennoch neigte er artig den Kopf. »Ihr seid zu gütig, Vater.«

»Da ist nur eine Sache …« Der Abt strich mit knotigen Händen über den grauen Stoff seiner Kutte, als würde sie ihm Trost spenden. »Er fürchtete, dass niemand aus unserem Orden über die nötige Erfahrung verfügt, um das Kunstwerk zu schaffen, das dem Heiligen Vater vorschwebt.«

»Nun, ein Mann der Kunst verfügt gewiss über mehr Geschick in diesen Dingen …«, wandte Tatkammer ein, doch der Abt schüttelte bereits den Kopf.

»Das Geschick ist es nicht«, erklärte er. »Es geht um die … weltliche Erfahrung.«

»Ich verstehe nicht.«

Wieder rieb der Abt über seine Kutte, er krallte die Finger regelrecht in den dicken Wollstoff. »Ich spreche von den Sünden, mein Sohn. Wir führen ein behütetes Leben, fern allen Versuchungen. Das macht es einem Priester unmöglich, das wahre Gesicht der Todsünden abzubilden.«

Weshalb kam der Bote dann ausgerechnet in ein Kloster? Die Richtung, die dieses Gespräch nahm, behagte Tatkammer nicht. »Da spricht der Bote wohl die Wahrheit. Zweifellos gibt es große Künstler in Florenz oder in Rom, die von den entsprechenden Dingen mehr verstehen als ein Mann der Kirche?«

»Das Gemälde ist für den Heiligen Vater höchstselbst bestimmt!«, entgegnete der Abt mit einer gewissen Ungeduld. »Undenkbar, damit einen Mann mit zweifelhaftem Glauben zu betrauen.«

»Ich verstehe.« Tatkammer neigte das geschorene Haupt, auch wenn er nicht wirklich verstand, was das alles nun zu bedeuten hatte. »Was wünscht Ihr von mir, Vater?«

Der Abt seufzte. Endlich ließ er von seiner Kutte ab. »Du sollst eine Reise antreten, die dich an die Grenzen deines Glaubens führen wird.« Er legte eine Hand auf Tatkammers Tonsur – eine väterliche Geste, wie er sie nur selten gewährte. »Du musst dich den Versuchungen dort draußen stellen und sie bezwingen. Geh hinaus und suche die Sünden der Welt. Der Herr wird deine unsterbliche Seele behüten, auf dass du niemals wanken wirst. Lege Zeugnis ab über die Gräuel, die einen Sünder erwarten, und kehre zurück mit den Erfahrungen, die du benötigst, um dieses Gemälde zu schaffen. Suche die sieben Todsünden!«

Und? Habt ihr jetzt auch schon Blut geleckt? Falls ihr ein Abo habt, wird euch das Buch automatisch zugeschickt. Falls nicht, könnt ihr es hier bestellen: „Hexenjagd“ (DAS HAUS ZAMIS 62). Übrigens auch als E-Book.

Bleibt gesund und lest gute Bücher!
Uwe

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Ernst Vlcek wählen!

von am 12. Februar 2021

Es ist wieder so weit: Die Nominierungsrunde des ältesten deutschen Horror-Preises ist gestartet! Für die Kategorie Sonderpreis habe ich heute Ernst Vlcek vorgeschlagen:

Ernst, so finde sicher nicht nur ich, verdient den Preis posthum für seine grandiosen Horror-Romane, insbesondere aber für die Konzeption, Expoarbeit und auch hier für seine Romane zur einzigartigen Serie DÄMONENKILLER, die seit drei Jahren wieder als Romanheft erscheint und seit den neunziger Jahren mit neuen Romanen in Buchform bis heute im ZAUBERMOND-Verlag fortgesetzt wird. Jetzt brauchen wir nur noch eines: EURE STIMMEN!

Um mit abzustimmen, müsst ihr folgendes beachten:

Wahlberechtigt sind alle Mitglieder des Phantastik-Literatur Forum und eine ausgewählte Jury aus Autoren, Grafikern, Verlegern und Journalisten. Wer sich berufen fühlt, dem Vincent Preis seine Expertise zur Verfügung zu stellen, kann einfach nachfragen. Die auf den Listen vertretenen Künstler (Autoren, Grafiker, Herausgeber, Verleger, etc.) sind natürlich ebenfalls wahlberechtigt.
Zusätzlich dürfen auch Mitglieder der Foren Horrorundthriller.de und gruselroman-forum.de und www.scifinet.org abstimmen.

Falls ihr also noch nicht zu dem erwähnten Personenkreis gehört, müsstet ihr euch vorher in einem der Foren anmelden, was ganz unkompliziert ist.

Alles Weitere erfahrt ihr hier!

Hier könnt ihr den Abstimmungsbogen herunterladen, und euch über die Regeln schlau machen.

Es gibt nicht nur den Sonderpreis, sondern noch weitere Kategorien. So ist aus dem ZAUBERMOND-VERLAG in der Kategorie Romane zum Beispiel auch der HEXENHAMMER  (“Alles Leid währt Ewigkeit“) aufgeführt.

Am besten verschafft ihr euch, bevor ihr wählt, einen Überblick über die Kategorien und die bisher vorgeschlagenen Werke.

So, ich hoffe, dass ich euch ein wenig begeistern konnte. Und vor allem: ERNST WÄHLEN! Das würde mich echt freuen und insbesondere Ernsts Lebenswerk einmal mehr würdigen!

Uwe

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Das Haus Zamis | Dorian Hunter | Hexenhammer | Zaubermond allgemein

Hörspielfolge 44 ist da – und die Buchserie pausiert!

von am 5. Februar 2021

Wir schreiben den 5. Februar, und die 44. DORIAN HUNTER-Hörspielfolge, „Der Teufelseid“, ist ab sofort überall im Handel und hier im Zaubermond-Shop erhältlich. Das DH-Jubiläumsbuch Nr. 100, „Dämonensterben“, wurde allerdings noch einmal verschoben – für längere Zeit. Warum die Buchserie eine Pause machen muss und was ansonsten aktuell bei DORIAN HUNTER und DAS HAUS ZAMIS los ist, erfahrt ihr von mir im unten angehängten Redaktionsvideo.

Zuvor jedoch noch ein wichtiger Hinweis für alle Vorbesteller, die die Hörspielfolge 44 noch im alten Shop als Download gekauft haben. Diese Download-Käufe konnten aus technischen Gründen leider nicht über unsere Schnittstelle in den neuen Shop übertragen werden. Bitte meldet euch deshalb am besten per E-Mail (info (at) zaubermond.de) bei uns, und wir schicken euch einen kostenlosen Downloadllink für die Folge zu.

Alles Weitere zum „Teufelseid“ erfahrt ihr hier im Video:

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Das Haus Zamis | Dorian Hunter | Hexenhammer

Frohes Neues Jahr!

von am 1. Januar 2021

Ehrlich gesagt, ich bin froh, über das alte Jahr den Sargdeckel zu schließen. Zumindest im Geiste, denn natürlich weiß ich, dass es einfach weiterläuft: im Guten wie im Schlechten. Ja, Gutes gab es tatsächlich, und zu meinen Highlights gehörte ganz sicher der zweite HEXENHAMMER-Band „Alles Leid währt Ewigkeit“, oder auch mein Beitrag zum DORIAN HUNTER-Jubiläumsband 100, der im ersten Halbjahr dieses Jahres erscheinen wird.

HEXENHAMMER, „Alles Leid währt Ewigkeit“ (Coverabbildung der Hörbuchfassung)

Als Autor spürt man instinktiv, ob man etwas Gutes oder Schlechteres abgeliefert hat, wobei das Letzte nicht am guten Willen scheitert. Manchmal findet man keinen rechten Zugang mehr zu dem Stoff, irgendwo stockt und ruckelt es. Zum Glück ist mir das selten passiert, und im Falle des HEXENHAMMERS war das Gegenteil der Fall: Während des Schreibprozesses tauchte ich immer tiefer ein in die Welt der Inquisitorin Charlotte de Conde und hatte am Ende das Gefühl, immer weiter schreiben zu können, weil ihr Lebens- und Leidensweg wie ein offenes Buch (sic!) vor mir lag. Dennoch war es eher ein noch roher Stein, der erst durch Dennis’ Lektorat den Feinschliff erhielt und ihn glänzen ließ. Das Gleiche kann ich vom Hörbuch sagen, das wie schon der erste Teil einfach brillant geworden ist und dem Stoff insbesondere durch die Stimme von Stephanie Kellner eine Tiefe und gänsehauterzeugende Intensität verleiht, die ich mit dem Buch nie erreicht hätte.

Aber, um in die Zukunft zu schauen: Da schlummert ja auch noch DAS HAUS ZAMIS, von dem in diesem Jahr ein weiterer Band erscheinen wird. Auch aufgrund der nur noch nur noch 1-2mal jährlichen Erscheinungsweise habe ich mir seit dem letzten Frühjahr viele Gedanken gemacht, wie es mit der Serie weitergehen soll, und mittlerweile habe ich, zumindest schon mal für mich, ein neues Konzept vor Augen. Verraten möchte ich nur so viel: Verabschiedet euch von einigen alten Zöpfen und Charakteren. Auch wenn es anfangs schmerzlich erscheint, so bietet die Zukunft doch unendliche Möglichkeiten.

In diesem Sinne wünsche ich euch alle – auch im Namen des Verlages, aller Mitarbeiter und Autoren – ein inspirierendes, glückliches und vor allem gesundes neues Jahr!
Uwe

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Das Haus Zamis

„Könnte für deine Coco-Zamis-Romane interessant sein …“

von am 30. Oktober 2020

Seit dieser Woche gibt es DAS HAUS ZAMIS erstmalig auch als Romanheft. Im Mittelpunkt steht Coco Zamis, das weiße Schaf ihrer Schwarzen Familie. Als ich damals, im zarten jugendlichen Alter das Originalheft das erste Mal las, war ich hin und weg. Denn nie zuvor las ich etwas Vergleichbares. Was aber ist das Besondere an „Coco Zamis“ oder wie es jetzt heißt „Das Haus Zamis“?

Als ich jetzt, anlässlich der Wiederveröffentlichung, das erste Heft – „Hexensabbat“ – erneut las, war ich, zugegeben, nicht mehr ganz so fasziniert wie damals, das mag mit meinem eigenen Reifeprozess zu tun haben und damit, dass – bei aller Genialität der Dramaturgie und der überzeugenden Charakteristik der Personen – einige Passagen und der Stil halt typisch 70er-Jahre sind. Blasphemie? Mitnichten: Kurt Luif selbst sprach stets distanziert von seinen Werken, manchmal sicherlich zu kritisch. So schrieb er mir beispielsweise: „Ich nahm mir die Dämonenkiller-Hefte 133 und 134 vor. An diese Romane erinnerte ich mich nur höchst ungern, und ich wusste auch gar nicht mehr, worum es da ging. Ich erlebte eine angenehme Überraschung, das las sich zwar stellenweise wie eine Parodie, was ich damals vermutlich auch bezweckt hatte. Ich kann aber nur so viel dazu sagen, es wäre schade, solltet ihr euch nicht zu einer Veröffentlichung entschließen!“

Insofern ist das erste Coco-Zamis-Abenteuer nicht zu Unrecht inzwischen Legende, und Kurt Luif, dem Initiator und Autor, gebührt die Ehre, das Ganze damals ersonnen zu haben. Wie in einem Shakespeare-Drama sind anfangs die Rollen klar verteilt: Dorian Hunter, der tragische Held, der von Hass befeuert, die Dämonen vernichten will. Die gegnerische Schurkenfamilie, die die Tochter Coco auf ihn ansetzt, damit diese ihn bezirzt und vernichtet. Und das ist das eigentliche Shakespeare’sche Moment: Coco verliebt sich in Dorian Hunter, stellt sich gegen die eigene Familie und wird von ihr verstoßen. Das ist großes Theater! Das Ganze endet tragisch, das macht die Liebesgeschichte so nachhaltig. 

Kurt Luif habe ich als typischen Wiener Grantler kennengelernt. Nach außen ruppig, innen umso sensibler. Wenn er über Coco Zamis sprach, blühte er geradezu auf. Ich glaube nicht, dass er die Romane, die nach seiner Schaffenszeit im Zaubermond-Verlag geschrieben wurden, gelesen hat. Wahrscheinlich hatte er viel zu große Sorge, dass sein Baby in falsche Hände geriet. Denn man darf nicht vergessen, dass Kurt Coco Zamis nach einer realen Freundin erschuf! Und wer teilt diese schon gern mit anderen?

Wie auch immer: Mehrmals habe ich Kurt zu überreden versucht, doch noch wenigstens einen Roman für „Das Haus Zamis“ zu schreiben. Aber er hatte mit dem Schreiben generell abgeschlossen.  Niemals abgeschlossen hat er mit seiner Zuneigung zu Coco Zamis. Ich muss noch heute schmunzeln, dass er mir irgendwann Senta Bergers Memoiren ans Herz legte. Natürlich ohne zuzugeben, wie wichtig es ihm war: „Da geht sie auf ihre Jugend in Hietzing ausführlich ein. Könnte für deine Coco-Zamis-Romane interessant sein“, schrieb er lapidar.

Ja, das waren sie tatsächlich. Mehr noch als interessant. Als ich Senta Bergers Erinnerungen las, habe ich wieder ein wenig tiefer in Kurts Seele blicken dürfen. Und natürlich sind Senta Bergers Jugendjahre auch ein wenig in die folgenden Romane eingeflossen. Kurt würde es gefreut haben – hätte er sie denn gelesen! Und manchmal denke ich: Vielleicht hat er ja doch die weiteren Abenteuer seiner Heldin mitverfolgt. Still und klammheimlich. Es hätte ihm ähnlich gesehen …

Schwarze Grüße und Happy Halloween (natürlich mit Maske 😉
Uwe

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