Heute möchte einmal auf die Bände zu sprechen kommen, die aktuell in der Bastei-Romanheft-Neuauflage vor uns liegen, nämlich den Inka-Zyklus in Band 39-41. Darin verschlägt es Dorian auf der Suche nach Jeff Parker in den kolumbianischen Dschungel. In der Hörspielserie umfasste der Inka-Zyklus die Folgen 36-39, also vier Folgen. Dementsprechend gab es einige Änderungen im Vergleich zu den Romanvorlagen. Auch darauf gehe ich auf der Leserseite von Bastei-Heft 40 ein, das in knapp vier Wochen erscheint. Dort befasse ich mich vornehmlich mit der Exposé-Vorarbeit zum Inka-Zyklus durch Ernst Vlcek. Da die drei Romane eine zusammenhängende Geschichte bilden, in der es vor Figuren nur so wimmelt, hat er nämlich außerdem noch ein Zusatz-Exposé verfasst, in dem er neben wichtigen Schauplätzen auch die unterschiedlichen Charaktere auf Seiten der Inkas, der Eroberer sowie in der Gegenwart von Jeffs Parkers Clique aufgelistet und sortiert hat. Die folgenden Auszüge dieses Zusatz-Exposés verdeutlichen, welche Autorenarbeit im Inka-Zyklus steckt. So schrieb Ernst zum Beispiel über die Inka-Stadt Manoa bzw. El Dorado:

Wie schon in den (Haupt-)Exposés dargelegt, dürfen die Autoren der Bände 38 und 39 nicht das Innere der Stadt schildern, sonst sehen wir uns vor Widersprüchen nicht heraus. – Um aber nicht nur simpel von einer Stadt zu sprechen, sollen sie mehr auf die Architektur der Inka eingehen, die bekanntlich große geometrisch behauene Steinquader so aneinanderfügten (ohne Mörtel), dass sie fugenlos passten. Wie sie das machten, ist selbst den Wissenschaftlern rätselhaft, sodass wir erst recht keine Erklärungen zu finden brauchen. Ebenso lassen wir es in der Luft hängen, wie die Steinquader in den Dschungel kamen. Wir halten es da ganz wie von Däniken: Fragen aufwerfen und die anderen auf der Suche nach Antworten verrückt werden lassen.

Ein Bauwerk müssen wir hier aber schon schildern, weil alle drei Autoren darauf eingehen sollen – das ist der Tempel, bei dem sich Machu Picchu zum Schlafen niederlegt. Es handelt sich um eine dreißig Meter hohe Vierkantpyramide, die aus Stufen besteht (der Eingang ist hinten und nur für Band 40 interessant). Oben ist ein Plateau, fünf mal fünf Meter, mit einem Opferstein, auf den sich die Inka-Prinzessin hinlegt. Noch ein Wort zur Stadt. Sie ist nicht besonders groß (obwohl ausgesagt wird, es sei die wahre Hauptstadt des Inka-Reiches) und besteht aus vierzig verschieden großen Gebäuden. Prunkvoll!

Jeff Parkers Expeditionsteam umfasst insgesamt ein Dutzend Mitglieder, von denen jedes mit einigen Sätzen, gewissermaßen einer Kurzbiographie, charakterisiert wurde. Am wichtigsten aber waren natürlich die Informationen über den Inka-König Atahualpa – und die (fiktive) Prinzessin Machu Picchu:

Wir nennen sie nach der 1911 entdeckten Inka-Stadt nahe Cusco so, sagen aber aus, dass die Stadt nach ihr benannt wurde. – 22 Jahre, 1,58 klein, zierliche Figur, kleine Brüste, kleiner Po, dennoch kräftig und flink wie eine Wildkatze, so kann sie sich gebärden, schwarzes Haar, das sie nicht immer offen trägt, wenn sie es aber tut, reicht es ihr bis zur Hüfte. Trägt (fast bodenlang) Hüft- und Brusttuch, die beide mit Bildschriften kunstvoll bemalt sind. Bei Kälte entsprechenden Umhang. Augen funkeln wild, schwarz und unergründlich. Gesicht schmal, Nase etwas zu groß, steht ihr aber gut. – Sie spricht außer ihrer Muttersprache auch noch etwas Alt-Spanisch, sogar leidlich gut. Daran bitte immer denken. (...) Dieses exotische Mädchen ist würdig, die Geliebte des Dämonenkillers zu sein.

Nun, Machu Picchu ist tatsächlich mehr als nur ein „Ersatz“ für Coco Zamis, vielleicht nicht so eigenwillig wie die Hexe, die dem Dämonenkiller-Team kürzlich (vorübergehend ...?) den Rücken gekehrt hat. Aber dafür ist es gerade das Rätselhafte, Entrückte, das an Machu Picchu fasziniert. Nicht umsonst sind es ja auch ihre Träume, die ihrer Umgebung so gefährlich werden ...

Die Namensgebung für Machu Picchu ist übrigens der einzige Fauxpas, der Ernst bei der ansonsten sehr umfangreichen und genauen Recherche zum Inka-Thema unterlief. Das Problem ist nämlich, dass praktisch keine weiblichen Inka-Namen überliefert sind. Die Idee, einfach den Namen der berühmten Inka-Stadt Machu Picchu zu nehmen und zu behaupten, sie sei nach der Inka-Prinzessin benannt worden, klingt deshalb zunächst einmal gar nicht so schlecht. Dumm ist dabei nur, dass die Stadt in Wirklichkeit nach einem der beiden Berge benannt ist, zwischen denen sie auf einer Sattelhöhe liegt: Maccu Picchu bedeutet so viel wie „Alter Gipfel“. Ein, hüstel, doch etwas despektierlicher Name für die junge Inka-Prinzessin, die Ernst gleichzeitig mit so herausragenden körperlichen Vorzügen bedacht hat. Da wäre der Name des anderen Berges – Huayna Picchu – wohl passender gewesen. Er bedeutet, erraten, „Junger Gipfel“! :-)

Aufgrund dieser Umstände habe ich mir erlaubt, die Prinzessin in den Hörspielen auf den Namen „Marucha“ zu taufen, was in der Inka-Sprache Quetschua so viel wie „Puppe“ oder „Larve“ bedeutet – ein Hinweis auf die unheimlichen Kräfte, die in ihr stecken und eines Tages zum Ausbruch kommen werden.