Andreas SchmidtEine Name, der so gewöhnlich war, dass man sich immer wieder fragte, ob jemand mit einem solch markanten Gesicht und einer solch markanten Stimme wirklich so heißen konnte: Mit Andreas Schmidt ist gestern einer der aktuell bekanntesten Schauspieler gestorben, der für seine Arbeit nicht nur mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet wurde, sondern über die reine Schauspielerei hinaus auch immer wieder eigene Stücke auf der Theaterbühne inszenierte. Bei DORIAN HUNTER lieh er dem undurchsichtigen Syndikus der Schwarzen Familie, Skarabäus Toth, seine Stimme.

Bei unserem letzten Aufnahmetermin sprachen wir unter anderem auch über seine Darstellung des narzisstischen Mörders Arne Kreutz in der absolut beklemmenden Polizeiruf-110-Folge "Familiensache", und ich erfuhr, dass Andreas eng mit Eoin Moore, einem der Autoren des Rostocker Polizeirufs, befreundet ist und schon oft mit ihm zusammengearbeitet hat. Das fand ich ziemlich beeindruckend, denn die Figurenzeichnung des Rostocker Polizeirufs, die mit Humor nicht spart und dennoch ihre Charaktere nie verrät, ja, stets einen geradezu liebevollen Blick auf ihre Unzulänglichkeiten richtet, finde ich absolut großartig. Wir waren uns beide einig, wie selten so etwas leider im deutschen Fernsehen ist, und hatten damit ein ausuferndes Thema, über das wir in den Aufnahmepausen sprechen konnten.

Eine weitere, sehr traurige Ironie an seiner Besetzung als Skarabäus Toth ist die Tatsache, dass der Syndikus in den Romanvorlagen stets als uralter Greis beschrieben wird, dessen Stimme "wie Papier raschelt". Gleichwohl macht er Dorian Hunter und Coco Zamis über eine sehr lange Zeit das Leben schwer. Wir haben seinerzeit also nach einem Sprecher gesucht, der im Unterschied zur Romanvorlage jung genug sein musste, um mit einer hohen Wahrscheinlichkeit für eine so große Anzahl von Folgen zur Verfügung stehen zu können. Nun ist es leider ausgerechnet in diesem Fall anders gekommen.

Andreas Schmidt lebte in Berlin und starb am 28. September nach langer Krankheit.