Am Wochenende haben wir euch die neue Titelmusik vorgestellt – das „Dorian Hunter Theme 2017“, komponiert und realisiert von Andreas Meyer, der den Sound der Hörspielserie seit Folge 1 maßgeblich geprägt hat. Hier liefern wir euch jetzt wie versprochen ein Interview mit Andreas, in dem erzählt, wie die Arbeit am neuen Intro abgelaufen ist ... und was ein gutes DORIAN HUNTER-Stück überhaupt ausmacht:


Hi Andreas – erst mal müssen wir dir ehrlich unseren Glückwunsch aussprechen. Wir finden die neue Titelmusik absolut super. Sounddesigner Alex Rieß schwärmt jedes Mal am Telefon davon, echt wahr … Bist du mit dem Ergebnis ähnlich zufrieden?

Moin erst mal – und danke. Ja, ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Es war nicht ganz einfach, die HUNTER-typischen Elemente in die Titelmusik zu übertragen, die ja sehr stark nach vorne geht – und auch gehen muss. Die allermeisten HUNTER-Stücke sind ja atmosphärisch eher subtil. So Sachen, die auf kaputten Grammophonen in leeren, düsteren Fabrikhallen laufen. Das ist zumindest meine Vorstellung. Die Titelmusik aber musste „scheinen“. Nicht wie die Sonne an der Riviera natürlich, sondern wie ein 5000-Watt starker Industrie-Scheinwerfer eben in der Fabrikhalle. Irgendjemand hat das Ding mal manipuliert, und jetzt britzelt und knistert es, wenn man es anstellt. Außerdem ist ziemlich sicher, dass der Scheinwerfer demnächst explodiert. Diese Energie und, ich sag mal, dieses „Gefahrenpotential“ wollte ich in die Titelmusik packen. Zusammen mit den typischen HUNTER-Elementen. Ich hoffe, das ist mir gelungen.

Andreas MeyerAuf jeden Fall! Wie aufwändig war es, die Musik zu komponieren? Wie tief bist du dafür ins HUNTER-Universum abgetaucht?

Bis auf den Grund quasi. Ich habe mir vor der Komposition noch einmal alles angehört, was ich für die Serie gemacht habe. Dann habe ich vier bis fünf Ideen zur Titelmusik skizziert und eine davon umgesetzt. Und als das Ganze dann fertig war, habe ich es noch ein paar Mal komplett „durch den Wolf gedreht“, das heißt, radikal mit Filtern, Hüllkurven und anderem technischen Schnickschnack verfremdet. Anschließend wurde das Ergebnis noch zerhackt. Und dann wieder zusammengesetzt. Wenn ich mich jetzt so höre, klingt das ein bisschen nach den Methoden von Victor Frankenstein. Keine schlechte Tradition also ;)

Du musst es ja wissen – schließlich hast du die Serie mit deiner Musik seit Folge 1 an maßgeblich mitgeprägt. Was macht ein gutes HUNTER-Stück aus?

Ein gutes HUNTER-Stück muss erst einmal die HUNTER-typischen Zutaten enthalten (geriebene Steine, brechendes Holz, schmorendes Plastik, elektronisch verfremdete Sounds etc.). Das Stück ist aber nur dann gut, wenn es emotional etwas auslöst, eine bestimmte Atmosphäre schafft. Ich denke da persönlich an Begriffe wie Kälte, Distanz, Unbehagen und beunruhigende Monotonie. Sicher kein gutes Rezept für den ZDF-Fernsehgarten, aber HUNTER ist eben eine moderne Mystery- und Horror-Serie. Und mir persönlich gefällt das, da fühle ich mich Zuhause. :) Ehrlich gesagt, der Fernsehgarten ist eher der Horror für mich ...

Sind diese „Zutaten“, wie du sie nennst, im Laufe der Zeit entstanden? Wenn du zum Beispiel auf einige der ersten Stücke zurückblickst, die im Rahmen des Soundtracks „Hunteresque“ veröffentlicht wurden: Hat sich deine musikalische Arbeit für die Serie mit der Zeit verändert oder entwickelt?

Eigentlich nicht. Außer, dass ich mittlerweile ein wenig schneller arbeiten kann, da das „Rezept“ für den HUNTER-Stil feststeht. Die Arbeit bestand vormals hauptsächlich darin, dieses Rezept zu finden. Im Rahmen des Rezepts kann man die Zutaten natürlich verfeinern, mal das ein oder andere neue ausprobieren. Aber du darfst nicht grundsätzlich davon abweichen, denn dann geht der Charakter ja verloren. Und das macht keinen Sinn. Nimm „Rogue One“ von Star Wars zum Vergleich. Die ursprüngliche Musik stammt von John Williams, für „Rogue One“ aber hat Michael Giacchino den Soundtrack komponiert. Das hört man allerdings kaum. Denn Giacchino hat sich an das Rezept gehalten, das Williams für Star Wars vor 40 Jahren entwickelt hat. Und das ist auch gut so. Die Musik stiftet eben eine Identität, und Hörer oder Zuschauer sind da sehr sensibel.

Welche eigenen Projekte verfolgst du derzeit?

Ich habe gerade ein Album fertig gestellt mit instrumentaler elektronischer Musik. Ein bisschen Minimalismus, ein bisschen Jean-Michel Jarre, ein bisschen Kraftwerk, ein bisschen Ambient. Insgesamt aber sehr melodisch. Das Projekt heißt „Vatronique“ und das Album „Music for Cars“. Außerdem arbeite ich nach wie vor an meinem ältesten und wichtigsten Projekt, „Forma Tadre“ – eine Mischung aus Electronica, EBM, New Wave und Industrial.