Liebe Sonderberg-Hörer, es ist so weit! – Hier gibt es nun das Cover und die ersten Infos zum kommenden achten Fall „Sonderberg & Co. und die letzte Nacht der Eva Przygodda“. Ab sofort ist die Folge auch im Zaubermond-Webshop vorbestellbar.

Fühlt es sich seltsam an, diese Zeilen zu schreiben? Eigentlich nicht, denn „Sonderberg & Co.“ war für mich niemals weg in den letzten Jahren. Und das, obgleich es bereits unfassbare drei Jahre her ist, dass der letzte Fall – „Der faustische Pakt“ – erschienen ist und die Serie in einen Dornröschenschlaf fiel, der nicht gewollt und deshalb schon gerade gar nicht in irgendeiner Form geplant war.

Cover Sonderberg & Co. und die letzte Nacht der Eva PrzygoddaIm Verlauf dieser Zeit beschlichen mich tatsächlich hin und wieder selber Zweifel, ob mehr als nur ein offensichtlicher Zeitmangel dahinter steckte. War die Serie auserzählt? Hatten Dr. Sonderberg und Minnie Cogner nichts mehr erlebt, worüber es sich noch zu berichten lohnte ...?

Aber das war unmöglich, denn ständig spukten mir irgendwelche Ideen durch den Kopf, wie es mit der Serie weitergehen sollte. Eine davon hat es sogar bis zu einer fertigen Coverillustration geschafft (die bis heute im Zaubermond-Archiv schlummert, aber ganz sicher noch einmal Verwendung finden wird!). Tatsächlich war die fehlende Zeit und Ruhe das Problem, denn einen Fall von „Sonderberg & Co.“, das war mir klar, wollte ich nicht „im Vorbeigehen“ schreiben.

Und dann stolperte ich vor ungefähr anderthalb Jahren in einem Buch über die Akten des Kriminalfalls „Anna Przygodda“ aus dem Jahr 1903. Eine Frau, die in fünfter Ehe verheiratet war – ungewöhnlich genug für damalige Verhältnisse, möchte man meinen. Noch ungewöhnlicher aber war das Schicksal, das ihre vier früheren Ehemänner teilten: Sie waren allesamt vergiftet worden. Anna Przygodda wurde der Prozess gemacht. Sie wurde des mehrfachen Mordes überführt und hingerichtet. Und mich bewegte seit der Lektüre eine Frage. Was, wenn sich die Geschichte in Wirklichkeit ganz anders zugetragen hätte ...?

So war die Idee zu „Die letzte Nacht der Eva Przygodda“ geboren, in der ich mich hier und da an historische Fakten gehalten, in anderen Belangen aber auch komplett davon entfernt habe. Das Skript habe ich schließlich im Winter 2014/2015 fertiggestellt. Die Aufnahmen zogen sich über Monate hin, weil viele Schauspieler der Stammbesetzung terminlich in andere Projekte eingebunden waren.

Aber schließlich hat es bei allen geklappt. Auch bei Andreas Mannkopff, um eine Frage zu beantworten, die viele Hörer während der letzten Wochen bewegt hat. Die Aufnahme mit ihm fand im Sommer dieses Jahres statt, also einige Monate vor seinem Tod. Andreas war in guter Verfassung und sehr guter Dinge – umso schockierender war die Nachricht, die mich im Herbst erreichte. Ich habe Andreas erst vor einigen Jahren persönlich kennengelernt, aber mich sofort in seine Interpretation des „Inspektor van den Beeck“ verliebt. Er war einer der Schauspieler, die ein Hörspiel mit ihrer Stimme und ihrem Spiel zu einem ganz besonderen Erlebnis machten, und so habe ich ihm in den folgenden Jahren viele Szenen praktisch auf den Leib geschrieben – auch wenn der schusselige und stets in liebenswürdigem Sinne verpeilte Inspektor so gar nicht dem Menschen Mannkopff entsprach, der mich im Gegenteil oft sehr geistreich und witzig mit seiner Berliner Schnauze und seinen spontanen Einfällen aufs Glatteis führte. Zum Beispiel, als er bei einer Aufnahme wild zu gestikulieren und zu spielen anfing, aber kein Ton bei mir im Regieraum ankam. Und während ich nervös den Aufnahmepegel prüfte, blitzte bereits der Schalk in Andreas’ Augen. Er hatte nur gespielt, dass er gespielt hatte – und in Wirklichkeit keinen Ton von sich gegeben. Ein alter Sprechertrick ... aber man muss ihn auch so überzeugend vortragen können! – Und wie oft habe ich mit einem Schmunzeln an unser erstes Aufeinandertreffen im Hörspielstudio X-Berg von Oliver Rohrbeck und Kai Schenker zurückgedacht. Andreas’ vermeintlich schlechte Laune und sein ständiges Mäkeln über die Skripte waren zu viel für meine oft norddeutsch verschlossene, aber nichtsdestotrotz sehr empfindsame Persönlichkeit. Ich sagte ihm schließlich, er könne mich gar nicht ärgern. Schließlich hätte er in der großartigen Fernsehserie „Jack Holborn“ mitgespielt, und allein deswegen könne er unmöglich ein schlechter Mensch sein. Dieser Argumentation hatte selbst ein Andreas Mannkopff nichts mehr entgegenzusetzen ...

So freut es mich umso mehr, dass Inspektor van den Beeck in „Die letzte Nacht der Eva Przygodda“ noch einmal einen richtig großen Auftritt hinlegen darf. Leb wohl, lieber Andreas. Es war mir eine große Freude, mit dir arbeiten zu dürfen!

Wie wird es mit „Sonderberg & Co.“ weitergehen?

Wie ich oben bereits schrieb, habe ich einige konkrete Ideen für weitere Fälle, die ich unbedingt umsetzen möchte. Natürlich hoffe ich, dass es nicht wieder drei Jahre dauern wird bis zur nächsten Veröffentlichung – aber eine genaue Terminaussage kann ich im Augenblick noch nicht treffen.

In Zukunft werde ich an dieser Stelle aber jeweils zum Monatsersten über die Arbeit an der Serie schreiben. Es hat sich einiges an Material angesammelt – zum Beispiel ein Videointerview mit Jan-Gregor Kremp, das wir bei der letzten Aufnahme gedreht haben.

Zum Abschluss für heute möchte ich allen Hörern danken – insbesondere jenen, die mich während der letzten Jahre in mit ihren Fragen nach dem nächsten Fall gepiesackt haben. Ihr habt ein Stück dazu beigetragen, dass sich die Tür der Detektei nun wieder öffnet. Vielen Dank dafür!

Dennis Ehrhardt