DORIAN HUNTER Folge 1 erscheint als Extended Version auf Vinyl!

von am 23. Januar 2022

Vor Kurzem ist eine tolle Paketsendung bei mir eingetroffen, wie ihr im Video unten sehen könnt – die Testpressung der kommenden Vinyl-Sonderausgabe einer Extended Version von DORIAN HUNTER Folge 1, „Im Zeichen des Bösen“, die sich perfekt auf meinem Plattenteller dreht!!

Extended Version, häh? … Ja, es handelt sich um genau das! Eine um ca. vier Minuten verlängerte Version – ergänzt um Original-Aufnahmematerial aus den Jahren 2007 und 2008, also durchweg Material, das wir vor dem Start der Hörspielserie im August 2008 aufgenommen haben! Unter anderem sind darin zwei Szenen mit Dorians Bruder Robert Fuller zu hören, gesprochen von Patrick Bach, der in der regulären Hörspielfolge 1 ansonsten nur mit etwas Gelächter im Hintergrund zu hören ist. Auch sonst gibt es viele kleine Abweichungen und Szenenergänzungen, die damals erst unmittelbar vor der Anfertigung des CD-Masters aus der Folge herausgeschnitten wurden und damit bisher unveröffentlicht sind.

Die Vinylausgabe der Extended Version von DORIAN HUNTER Folge 1 ist auf 300 handnummerierte Exemplare limitiert und ab sofort auf hier im Shop auf www.zaubermond.de erhältlich. Und weil viele von euch jetzt sicherlich fragen: Nein, es ist vorläufig keine CD- oder Stream-Ausgabe dieser Version geplant. Es handelt sich also um ein echtes Sammlerstück, das ihr euch nicht entgehen lassen solltet! 🙂

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Der wahre Horror: Die Leiden eines Sammlerlebens

von am 14. Januar 2022

Mein Autorenkollege Michael Marcus Thurner hat es gut: Fährt in der Weltgeschichte herum und hat ständig was zu erzählen und zu schreiben. Seit gut zwei Jahren praktiziere ich das genaue Gegenteil: Mehr und mehr findet von zu Hause statt; Besprechungen bei Verlagen werden telefonisch oder online abgehalten; Lesungen sind rar geworden; Cons und Buchmessen sind ausgefallen … Was bleibt mir? Mich ganz auf mich und meine Leidenschaften zu besinnen …

Die Vitrine des Grauens

Nun war ich nie ein typischer Sammler, aber immer schon ein begeisterter Leser. Und so hat sich dann im Laufe der Jahrzehnte doch vieles an Büchern, Heften und Magazinen angesammelt: Von alten Comics wie meinen PRIMO-Heften, meinen ersten PLAYBOY-Magazinen, Heftromanen bis – natürlich – auch „echter“ Literatur. Mein Keller ist angefüllt mit den alten Sachen. Die „echte Literatur“ und Sachbücher stehen im Wohnzimmer in einer Regalwand (die ich mir mit meiner Frau teile) – wer will schon seine Besucher schocken, wenn sie dort stöbern und Bücher mit Titeln wie „Der Folterknecht“ oder „Die Hure des Teufels“ (um mal eher harmloseste zu nennen) ansichtig werden. Obwohl, ich gebe zu, es mir egal wäre, aber meiner Frau nicht.

Nun, bis vor wenigen Jahren hatte ich ein ganzes Zimmer angefüllt mit Horror-Literatur. Das musste dann leider (auch hier ist meine Frau nicht ganz unschuldig) weichen, sodass mittlerweile auch mein zuvor buchfreies Arbeitszimmer gut bestückt mit Büchern ist: Fast ausnahmslos mit meinen Lieblingsreihen wie den VAMPIR- und DÄMONENKILLER-Taschenbüchern aus dem seligen Pabel-Verlag.

Mein Prunkstück aber ist mein Vitrinenschrank mit meinen Werken. Ja tatsächlich, die sind alle von mir. Ich bin manchmal selbst erstaunt bis erschrocken, was ich in all den Jahrzehnten veröffentlicht habe, wobei ich erst seit zehn Jahren selbstständig als freier Autor arbeite. Aber so viel kann ich sagen: In diesem Schrank bewahre ich ein Gutteil meines Lebens.

Jetzt aber zu den Leiden (und auch hier steckt wieder … ihr wisst schon). Jedenfalls musste erst der Keller dran glauben. So ganz fertig mit dem Ausmisten bin ich noch lange nicht, aber von einem großen Teil der „Altlasten“ befreie ich mich nach und nach. Manches tut richtig gut, sich davon zu trennen. Anderes schmerzt. Im Zweifel gehe ich nach der Devise: „Hast du so viel Lebenszeit, dass du dieses Buch/Heft/Magazin noch irgendwann einmal lesen wirst? Und so behalte ich nur die Dinge, wo ich die Frage mit „Ja“ beantworten kann. Und natürlich die, die mir wirklich am Herzen liegen (siehe oben).

Mit dem guten Vorsatz, mich weiter zu erleichtern, bin ich ins neue Jahr gestartet. Manchmal komme ich mir vor wie Sisyphus, denn ohne Bücher kann ich nicht leben – und es erscheinen ja ständig neue. Ebenso natürlich Magazine und Hefte.

Ich sage euch beizeiten, was aus meinem Vorsatz geworden ist – spätestens im nächsten Jahr …

Mit schwarzen Grüßen
Uwe

PS: Nein, nicht ich habe an der Nase des Schneemanns herumgeknabbert – das war meine Hündin Rebecca!

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George McMahon

von am 7. Januar 2022

Vor kurzem habe ich in meinen persönlichen Archiven gegraben und mir mal die Veröffentlichungslisten der „alten“ Dämonenkiller-Serien angesehen. Ich wusste, dass eine Menge Kollegen daran beteiligt gewesen waren. Viele davon kannte und kenne ich, habe auch mit ihnen zusammengearbeitet. Allen voran natürlich mit Ernst Vlcek.

Bei dieser Suche ist mir auch das Pseudonym George McMahon (vulgo Hubert Haensel) untergekommen. Ich muss gestehen, dass ich seine Rolle beim Dämonenkiller völlig verdrängt hatte. Fünf Heftromane hatte er insgesamt verfasst, ziemlich zu Beginn seiner Karriere als Autor. Anschließend fasste er bei Mythor Fuß, schrieb für die Atlan-Serie und wurde letztlich zum Teamautor bei Perry Rhodan.

Ich arbeite mit Hubert seit bald 20 Jahren bei Perry Rhodan zusammen – und noch viel länger kenne ich ihn. Zu seinem 50. Geburtstag war ich bei ihm und seiner Familie auf Besuch; erst zu diesem Zeitpunkt beschloss er, sich hauptberuflich der Schriftstellerei zu widmen und seinen damaligen Brotberuf aufzugeben. Man muss sich das mal vorstellen: Weit über zwanzig Jahre lang schrieb er ausschließlich nach Feierabend und am Wochenende, es sind gewiss mehr als hundert Romane in allen möglichen Genres während dieser Zeit entstanden. Ganze Serien hat er in dieser Zeit entworfen und zum Teil (fast) alleine geschrieben.

Hubert und ich sehen uns zumindest einmal im Jahr bei einer Autorenkonferenz. Er war aber auch schon einige Male in Wien auf Besuch; wir trafen uns auch auf Cons und sonstigen Veranstaltungen. Unsere Familien kennen sich; ich habe seine Kinder großwerden gesehen und Hubert meine. Und auch wenn Hubert zehn Jahre älter als ich ist, habe ich niemals einen Altersunterschied gesehen oder gefühlt.

Wir haben über die von ihm mitinitiierte Serie Die Abenteurer gesprochen, natürlich über Perry Rhodan, auch über Mythor. Aber über den Dämonenkiller haben wir nie ein Wort gewechselt. Sehr sonderbar … Jedenfalls möchte ich von ihm mehr über seine Rolle an der Seite von Dorian Hunter wissen. Es wird also in absehbarer Zeit also ein Interview mit George McMahon geben; derzeit geht sich’s terminlich nicht aus. Aber ich bin jetzt schon riesig gespannt, was Hubert Haensel zu erzählen hat. Weil eben diese Romane auch eng mit dem Beginn seiner Karriere als Autor verbunden sind.

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Ein frohes neues Jahr 2022!

von am 1. Januar 2022

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Hörerinnen und Hörer, wir wünschen euch an dieser Stelle von ganzem Herzen ein gutes, freundliches und gesundes Jahr 2022! 🙂

Der nächste Blogbeitrag folgt am Freitag, dem 7. Januar 2022.

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Dorian Hunter und die Dämonen der Weihnacht

von am 24. Dezember 2021

Nein, diesmal keine weitere Geschichte, obwohl ich eigentlich schon einen Plot dafür hatte. Ich habe mich nämlich gefragt, wie wohl die Zamis-Sippe Weihnachten feiert – beziehungsweise eher durchleidet. Wie schlimm muss es in Michael Zamis‘ Ohren klingeln, wenn allerorten von „heiligen Nächten“, „Gott in der Höh“, Jesus und Maria und den heiligen Engeln gesungen wird und dazu womöglich noch Glockengeläut die Nerven malträtiert? Auswandern hilft auch nicht, denn vor Weihnachten kann man einfach nirgendwohin davonlaufen.

Aber ist es nicht seltsam, dass gerade in dieser hochheiligen Zeit die Dämonen besonders aktiv sind? Zwischen Weihnachten beziehungsweise der Wintersonnenwende bis zum Dreikönigstag bescheren uns die zwölf Raunächte auch so manchen höllischen Spuk. So auch die Wilde Jagd, angeführt von Odin und Holla mit den Seelen der Toten im Gefolge. Wer dieses Spektakel am Himmel erblickt, sollte sich schleunigst verstecken, um nicht mitgerissen zu werden. Also Obacht!

Und auch sonst gibt es seit jeher wohlfeile Tipps, wie man sich in den Rauhnächten am besten vor den Geistern schützt: Wascht keine Wäsche! Pfeift nicht in der Früh, sonst beschwört ihr Unglück herauf! Schlag die Tür nicht laut zu, sonst ist ein Gewitter im Anzug. Und vor allem: Lüftet das Bett nicht im Freien, sonst werdet ihr unwiederbringlich krank!

Daher mein Rat: Bleibt am besten gleich im Bett.  Und damit es euch nicht zu langweilig wird, empfehle ich euch das ein oder andere Buch. Zum Beispiel „Unheilige Nacht“:
Nicht erst mit den Rauhnächten bricht eine besondere Zeit an. Es ist die Zeit der Einkehr. Die Dämonen werden mit zunehmender Dunkelheit von Nacht zu Nacht realer. Höchste Zeit also, Dorian Hunter und Coco Zamis in 9 Geschichten auf ihrer Winterreise zu begleiten.
Mit Storys von Simon Borner, Catalina Corvo, Logan Dee, Jörg Kleudgen, Catherine Parker, Christian Schwarz, Michael Marcus Thurner, Uwe Voehl und Susanne Wilhelm

Und damit verabschiede ich mich für dieses Jahr und wünsche euch im Namen des gesamten Zaubermond-Teams frohe Weihnachten! Und nie war mein Rat ernster gemeint als in dieser Zeit – denn nicht nur die Rauhnächte versuchen uns Menschen das Leben zu vermiesen:

Passt gut auf euch auf!
Uwe

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Coco Zamis und Frank

von am 17. Dezember 2021

Derzeit beschäftige ich mich wieder mal mit einem Text für den Zaubermond-Verlag. Ich habe Vorgaben erhalten, die mir relativ viel Freiheiten erlauben – und diese Freiheiten nutze ich auch.

So baue ich in diesem Manuskript eine Figur ein, die laut Exposé bloß eine kleine, unbedeutende Rolle hat. Bei mir aber erhält sie eine tragende Position.
Nennen wir diese Figur „Frank“. Frank ist etwas Besonderes, denn er hat ein reales Vorbild. Ich verwende die Figur in meiner Geschichte anhand der Vorgaben, die ich bekommen habe.

Dass Realpersonen zu diesen Ehren kommen – das passiert mir öfters. Letztens erst habe ich in einer Kurzgeschichte, die in den nächsten Tagen veröffentlicht werden soll, meine ehemalige Stiefmutter verwendet. Wie das bei Stiefmüttern so ist, spielt sie keine sonderlich sympathische Rolle.
Bei vielen anderen Gelegenheiten habe ich Freunde und Bekannte in meine Romane eingebaut, mittlerweile werden es Dutzende sein. Manchmal erwähne ich sie nur, ohne näher auf sie einzugehen, manchmal erhalten sie eine tragende Rolle. Fakt ist, dass es Spaß macht, solche „Ostereier“ in eine Handlung einzubauen – und dass es die Schreibarbeit einigermaßen erleichtert. Denn ich habe von vornherein ein wenig Gefühl für die Figur, ich habe ein Bild vor Augen. Ich muss meine Figur nicht erst „kennenlernen“

Bei Frank geht es, wie gesagt, um einen wichtigen Platz in der Geschichte. Er ist ein Ansprechpartner für unsere liebste Hexe, für Coco Zamis. Noch weiß ich nicht, was mit ihm geschehen wird. (Wobei es für Menschen nur selten vorteilhaft ist, Cocos Bekanntschaft zu machen.)

Frank ist insofern eine Ausnahme, als ich ihn nicht persönlich kenne. Ich habe ihn gebeten, mir ein paar Informationen zu seiner Person zukommen zu lassen. Aussehen, Charaktereigenschaften, Verhaltensweisen – solche Dinge halt. Das ist gar nicht mal so leicht, wie es klingt. Schließlich steht man sich selbst nicht objektiv gegenüber. Wer schreibt schon gerne über seine negativen Charaktereigenschaften oder über seine Mängel?

Nun, bei Frank habe ich nach einem kurzen Schriftverkehr mit dem realen Vorbild das Gefühl, ihn ausreichend gut zu kennen. Ich denke mir, dass ich ihn passend einsetzen kann. Coco wird nicht unbedingt Sympathien für ihn hegen, weil er auf der „falschen Seite“ steht. Und es mag schon sein, dass sie ihn im Laufe der Handlung überwältigen oder ihn gar töten muss. Diese Entscheidung werde ich sehr spontan treffen, wenn’s für mich an die Auflösung der Geschichte geht. Damit muss der reale Frank leben – und die Figur sowieso. Haltet ihm bitte die Daumen, dass er die Begegnung mit Coco Zamis überlebt …

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Die Folterkammer – ein einzigartiger „Dämonenkiller“-Roman

von am 15. Dezember 2021

Heute ein verspäteter Blogbeitrag von mir, da ich die letzte Woche leider ein paar Tage krank war. Inzwischen aber wieder frisch gestärkt, möchte ich hier noch einmal auf den Roman „Die Folterkammer“ zurückkommen, der kürzlich als Doppelband 83/84 in der Romanheft-Neuauflage von DORIAN HUNTER erschienen ist. Wie viele von euch wissen, ist dieser Roman seinerzeit ja nicht in der ersten Auflage erschienen, sondern erst einige Jahre später im Rahmen der „Dämonenkiller“-Taschenbuchreihe. In Romanheft 84 habe ich auf der Leserseite MYSTERY-PRESS (der umfangreichsten MP aller Zeiten!) darum vier Artikel gebracht, die der Leser Juerg Schmidt dankenswerterweise verfasst hat. Heute möchte ich hier den ersten davon bringen, der sich intensiv mit dem Roman selbst auseinandersetzt:

DIE FOLTERKAMMER       
Ein einzigartiger „Dämonenkiller”-Roman

von Juerg Schmidt

Mit dem aktuellen Zweiteiler wird den DH-Fans eine Premiere präsentiert: Erstmals wird Ernst Vlceks Roman „Die Folterkammer” im Heftformat veröffentlicht! Denn ursprünglich war das Werk überhaupt nicht Teil der klassischen „Dämonenkiller“-Romanheftserie, sondern erschien im Rahmen der „Dämonenkiller“-Taschenbuchreihe.

„Die Folterkammer“: Original-Ausgabe der „Dämonenkiller“-Taschenbuchreihe, Pabel-Verlag, 1976

Ein Blick zurück: Die „Dämonenkiller“-Serie nahm ihren Anfang mit dem Roman „Im Zeichen des Bösen”, erschienen am 17. Juli 1973 in der Romanheftreihe „Vampir Horror Roman“. Sie entwickelte sich zu einer Subserie im Programm, wurde aber rasch entkoppelt: Ab dem 22. Oktober 1974 erschien der „Dämonenkiller“ (kurz DK) als eigenständige Heftserie, beginnend mit Band 18, „Das Fest auf dem Teufelshügel“. Ein halbes Jahr später, im März 1975, fiel dann der Startschuss für die monatlich erscheinende „Dämonenkiller“-Taschenbuchreihe. Die Aufmachung orientierte sich an der Heftserie, insbesondere der halbbogenförmige Titelschriftzug ließ die Leserschaft ein Spin-Off der DK-Hefte erwarten. Dazu trug auch der Umstand bei, dass der erste Band, „Blutige Tränen“, aus der Feder von DK-Chefautor Ernst Vlcek stammte.

Die Fans waren ziemlich ernüchtert, als sie feststellten, dass die Taschenbücher so gar nichts mit dem DK-Kosmos zu tun hatten. In der Tat haben nur elf der insgesamt 63 Taschenbücher überhaupt einen Bezug zur DK-Serie, und zehn davon schildern die Jugendabenteuer der Hexe Coco Zamis (exakt diese Romane bildeten bekanntlich den Grundstein für die Serie DAS HAUS ZAMIS, die mittlerweile ebenfalls als Romanheftneuauflage bei Bastei erscheint). Das DK-Taschenbuch Nr. 22, „Die Folterkammer“, war demnach das einzige, das eindeutig in der klassischen DK-Serie zu verorten war.

Der Roman erschien im November 1976. Die Handlung der DK-Romanheftserie war um diese Zeit weiter vorangeschritten, im gerade angelaufenen Großzyklus stand die Veröffentlichung von Band 119 bevor (nach DORIAN HUNTER-Zählung wohl Band 122 entsprechend). „Die Folterkammer“ ist in der Serienchronologie rasch eingeordnet: Die Andeutung, dass Dorian und Coco mit der Einrichtung des Castillos Basajaun beschäftigt sind, und der Verweis auf den Ethnologen Burkhard Kramer, der im Folgeband persönlich auftritt, platzieren die Geschichte zwischen Band 82, „Die geraubte Mumie“, und Band 85, „Die Zeit der Zwerge“.

Autor Ernst Vlcek hatte sich den grundlegenden Problemen einer Begleitserie zu stellen: Um Neulesern den Zugang zur Story zu erleichtern (und sie für die Hauptserie zu interessieren), sollte das Taschenbuch nicht allzu viele oder komplizierte Kenntnisse der Romanhefte voraussetzen. Umgekehrt sollten auch die „Nur-Hefte-Leser“ nicht verärgert werden, etwa wenn die Taschenbuch-Story zum Verständnis der Hauptserie unverzichtbar gewesen wäre. Und schließlich sollte für die Fans, die sowohl die Hefte als auch das Taschenbuch lesen wollten, das eine oder andere „Schmankerl“ bereitstehen.

Die Lösung für alle diese Ansprüche fand Vlcek in einem der Markenzeichen des DK: in den früheren Leben der Titelfigur. Zudem griff er die in der phantastischen Literatur so beliebte Zeitreise-Thematik auf. Mit „Die Vampirin Esmeralda“ und dem Inka-Zyklus waren bereits in der Romanheftserie verschiedene Varianten des Themas behandelt worden. In der Tat fallen gewisse Parallelen zwischen „Die Folterkammer“ und „Esmeralda“ ins Auge. Generell scheint sich Vlcek vor allem überlegt zu haben, wie er Neulesern verdeutlichen kann, worum es in der Serie geht. Das ist die Erklärung dafür, dass viele Handlungselemente dem Heftleser bekannt vorkommen – Stichwort „Dämonenpfand“. Zu den angesprochenen „Schmankerln“ gehören die aktivere Rolle von Sabrina Becker, der Tochter des Großmeisters der Magischen Bruderschaft in Frankfurt, und die sacht eingestreuten Hinweise auf folgende Ereignisse. Über den Golem und die Erschaffung künstlichen Lebens in Paris, die Dorian erwähnt, wird in Kürze zu lesen sein.

Befreit vom Zwang, eine Geschichte innerhalb von 60 Seiten abhandeln zu müssen, entwickelte Ernst Vlcek einen geradlinigen und doch vielschichtigen Plot mit einer Vielzahl interessanter Figuren. Dass „Die Folterkammer” nicht so viel Bezug zum Serien-Arc entwickelt und in den Schlussabschnitten auch gar zu routiniert geschrieben wirkt, trübt den Genuss nur wenig. Denn klar erkennbar ist eine Stärke, die beide DK-Gründungsautoren, Vlcek und Davenport, auszeichnete: Personen mit wenigen, aber prägnanten Sätzen treffend zu charakterisieren: den knorrigen Gemeindediener Melchior Lembach etwa, dessen eitlen Namensvetter Hennig oder die – fast schon im Wortsinn – berufene Wissenschaftlerin Ursula Schumann. Etwas aus der Zeit gefallen wirkt aus heutiger Sicht die ängstliche, um nicht zu sagen hysterische Irene Horn. Sie entspricht in der Darstellung gängigen Frauenklischees der 1970er Jahre und wirkt wie ein allzu extremer Gegenentwurf zu Coco, Sabrina und Ursula.

Gräfin Sidonie Adele von Krudesheim gehört zu den starken Frauenfiguren Vlceks. Welcher Natur die Dame ist, deutete der Autor gleich in ihrer ersten Szene an, wenn er sie sagen lässt: „Liebe (Ö) ist ein Wort, das ich nicht kenne.“ Auf die Beschreibung ihres Aussehens verzichtet Vlcek weitgehend, es wird nur ihre außergewöhnliche Schönheit erwähnt. Clever: So kann der Leser sein persönliches Idealbild imaginieren, und zugleich rückt der Fokus stärker auf Sidonies Charakter.

Auch der große Gegenspieler wird nur kurz beschrieben: Erasmus von Keittel ist ein Zwerg mit einem knochigen Gesicht und Donnerstimme, in Leder gekleidet, mit einem spanischen (also breitkrempigen) Hut. Der Vorname „Erasmus“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet „liebenswert“. Ich bin mir nicht sicher, ob dieser Name vom Autor bewusst gewählt wurde, aber solche scheinbar ironischen Züge sind in Vlceks Werk häufiger zu finden; man denke nur an Michael Zamis (ein Engelsname mit der Bedeutung „wer ist Gott gleich“). Mit welcher Art von Dämon wir es hier zu tun haben, wird lange offengelassen. Erst zum Schluss der Vergangenheitsepisode zeigt Keittel seine wahre Gestalt.

Interessant ist, dass Keittel seine Gegner weniger mit magischen denn mit menschlichen Mitteln bekämpft. Als Beauftragter (Commissario) des Herzogs Heinrich von Braunschweig-Wolfenbüttel, des letzten katholischen Fürsten in Niedersachsen, leitet er die Hexenverfolgung in Velchen. Dieses Vorgehen entspricht historischen Tatsachen: Die Hexenprozesse wurden im Wesentlichen von weltlichen Gerichten geführt. „Der Wille, Hexen zu verfolgen, kam klar aus der Bevölkerung“, wird der Historiker Dr. Peter Mario Kreuter im Magazin „Hörzu Wissen 5/2010“ zitiert. Die Motive der Menschen waren vielfältig: Krisen wie Hungersnöte infolge der Kleinen Eiszeit oder Pestseuchen konnten sich die Leute nur durch Hexenwerk erklären. Und natürlich gab es die ganz simplen egoistischen Beweggründe wie Habgier oder Flucht vor der Verantwortung: Der Bauer Egger, von dem der Wirt Fischbaum berichtet, ist dafür ein Paradebeispiel. So mancher menschliche Zeitgenosse treibt es fast genauso übel wie die Dämonen, das wird in „Dorian Hunter“ immer wieder gezeigt.

Der aktuelle Stand der Forschung überrascht mit dem Fakt, dass die kirchliche Inquisition bei weitaus weniger Hexenprozessen federführend war als gemeinhin angenommen. Zeitweise hat die Kirche sich sogar ausdrücklich gegen die Hexenverfolgung ausgesprochen. Allerdings gilt es zu bedenken, dass sich die Inquisition umso vehementer gegen „Ketzer“ und Juden wendete. Von einem nachträglichen Freispruch also keine Spur! Die Zahl von neun Millionen Todesopfern, die sehr lange und zum Teil noch heute in mancher Publikation genannt wurde, soll aber überzogen sein. Seriösen Studien zufolge wurden zwischen 1430 und 1782 (dem Jahr, in dem die Schweizerin Anna Göldi das letzte offizielle Opfer des europäischen Hexenwahns wurde) etwa 50.000 bis 60.000 Menschen hingerichtet – allein 25.000 davon auf deutschem Boden.

Die historischen Hintergründe (die Ursula Schumann in einer Szene referiert) und die Foltermethoden wie das Gefaltete Stüblein sind korrekt beschrieben. Als Quelle dienten Vlcek wie so häufig die Werke des österreichischen Ethnologen Prof. Dr. Hans Biedermann (1930–1989, „Handlexikon der Magischen Künste von der Spätantike bis zum 19. Jahrhundert“, „Hexen – auf den Spuren eines Phänomens“, „Materia Prima“).

Besondere Sorgfalt ließ Vlcek bei der Gestaltung des wichtigsten Schauplatzes walten, des Hexenhauses im fiktiven niedersächsischen Ort Velchen. Jede Etage des dreistöckigen Baus (inklusive Keller und diverser Anbauten) wird plastisch und ausführlich beschrieben. Es bedarf keiner großen Fantasie, sich vorzustellen, dass Vlcek, der auch ein hervorragender Grafiker war, eine genaue Skizze des Hauses angefertigt hatte, ehe er sich ans Romanschreiben machte.

Die Verquickung aufregender, gut geschriebener Abenteuer mit historischen Fakten – das ist, was DH so stark und einzigartig werden ließ!

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Wiener Blut tut keinem Zamis gut

von am 3. Dezember 2021

Während die Romanheftserie DAS HAUS ZAMIS munter weiterläuft und inzwischen bei Heft 29 („Advokat der Toten“ von Ernst Vlcek) angelangt ist, geht es natürlich auch mit der Buchserie bei uns im ZAUBERMOND-Verlag ebenso munter weiter. In den Heften wird die Saga bekanntlich von Buch 1 an nachgedruckt, und sie sind inzwischen beim 7. Band angelangt. In der aktuellen Buchserie ist jüngst Band 63 („Wiener Blut“) erschienen, und es wird wohl noch ein paar Jährchen dauern, bis die darin enthaltenen zwei neuen Romane als Heft erscheinen werden.

Langer Vorrede, kurzer Sinn: Ich möchte euch hier noch einmal den aktuellen Band kurz ans schwarze Herz legen, da darin nun wirklich einige Weichen völlig neu gestellt werden.

Carsten Kuhr, der als Rezensent die Serie schon lange begleitet, schreibt dazu auf phantastiknews.de:

„Die Verfasser schneiden Zöpfe ab. Ohne zu viel verraten zu wollen, so wirklich viele Zamis bleiben nach diesem Band nicht mehr übrig.

Und beide, sowohl Dee wie Thurner, kredenzen Grusel-Feeling satt. Da ist nichts mehr weichgespült, wie wir dies früher bei den Zamis oftmals lesen durften, da verhält sich Coco so gar nicht zimperlich, gibt es Szenen, die die Schwarze Familie in all ihrer Grausamkeit und Brutalität zeigen; Chapeau, die Herren – gut gemacht!

Abraxas bleibt weiterhin rätselhaft und im Hintergrund. Hier müssen die weiteren Bände des Zyklus noch nähere Beschreibungen und Informationen liefern. Dafür gibt es ein unerwartetes Wiedersehen mit einem gewissen Dorian Hunter – es bleibt spannend, wie sich dies fortentwickeln wird.

„Wiener Blut“ ist ein sehr stimmig und packend zu lesender Roman voller atmosphärisch dichter Grusel-Szenen, der voll überzeugt.“

Wenn das nicht überzeugend ist, den Band zu lesen … Vielen Dank, Carsten!

Mit schwarzen Grüßen
Uwe

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Uschi Zietsch über Ernst Vlcek

von am 26. November 2021

Ernst Vlcek hatte seine große Liebe namens Regina, er hatte zwei Söhne und einen großen Freundeskreis. Und dann war da noch Uschi Zietsch vulgo Susan Schwartz. Der Miterfinder des Dämonenkillers und Uschi verstanden sich von ihrem ersten Zusammentreffen an prächtig. Mehr zu dem ganz besonderen Verhältnis zwischen den beiden hat mir die Autorin und Verlegerin in einem kleinen Interview verraten.

F: Uschi, wann hast Du Ernst kennengelernt? Kannst Du Dich noch an die genaueren Umstände erinnern?

A: Zuerst bin ich mit Ernst in Briefkontakt getreten, und zwar 1980, als Mythor 1 erschien und er die Gestaltung der Leserkontaktseite über hatte. Es wurde daraus ein ziemlich regelmäßiger Briefwechsel. Persönlich kennengelernt habe ich ihn und seine Frau Regina 1983 beim Weihnachtsfest von Heyne. Mein erster Roman war soeben angenommen worden, ich bin zusammen mit meinem Mann Gerald hingegangen und war extremst aufgeregt. Wir haben uns gegenseitig sofort erkannt und waren auf Anhieb „gute alte Freunde“, wie man so schön sagt.

F: Ernst war für Dich also ein ganz besonderer Mensch und Freund. Was war das Besondere an eurem Verhältnis?

A: Wir hatten ab dem ersten Moment eine ungeheure Affinität zueinander, eine tiefe Verbindung, die man schwer erklären kann. Er war mein bester Freund und ich seine beste Freundin. Wo auch immer wir uns getroffen haben, klebten wir aneinander, wie zwei Magneten, da konnten wir gar nichts machen. Ab dem Mailzeitalter haben wir uns jeden Tag mindestens einmal gemailt, bis zu seinem Tod. Gesehen haben wir vier uns ein paarmal im Jahr privat in Wien oder bei uns und ansonsten auf Cons und Autorenkonferenzen.

F: Für Ernst hatte die „Dämonenkiller“-Serie immer eine besondere Bedeutung. Sie war nun mal sein eigenes Kind und ist zum Teil nach seinen Entwürfen geschrieben worden. Habt ihr euch öfter mal über dieses Thema unterhalten?

A: Ja, vor allem, als Zaubermond die Neuauflage plante – das hat ihn sehr glücklich gemacht. Er liebte den Dämonenkiller am meisten von allen seinen Werken. Da konnte er so richtig mal die „Horror-Sau“ rauslassen, wie er schmunzelnd meinte. Dabei war er ein sehr friedlicher Mensch.

F: Du hast selbst schon für COCO ZAMIS geschrieben. Hat Ernst Dir die Expos geschrieben? Hat er Dich damals bei der Arbeit unterstützt?

A: Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht mehr, wer damals die Expos geschrieben hat, Ernst war es aber nicht. Aber er hat sich sehr gefreut, dass ich dabei war und meine Fragen geduldig beantwortet.

F: Ganz besonders am Herzen gelegen ist ihm sein SF-Epos Sternensaga, die bei Dir in vier Bänden im Fabylon-Verlag erschienen ist. Der letzte Band wurde posthum veröffentlicht. Wie waren da die näheren Umstände?

A: Ja, die Sternensaga war für ihn am meisten von Bedeutung, eine Herzensangelegenheit, weil sie tief aus ihm kam und er sie trotz Veröffentlichung nur für sich und auch allein geschrieben hat.
Die ersten drei Bände waren ursprünglich als Heftromane erschienen, aber die Serie kam nie zum Abschluss. Ernst hat das bereits Veröffentlichte stark überarbeitet und freute sich sehr, nach Jahrzehnten endlich den Abschlussband schreiben zu können. In dem finden sich auch sehr viele – humorvolle – Hinweise auf sich selbst, und eine Katze – sein Lieblingstier – spielt eine wichtige Rolle. Er hat mit dem Band sein Lebenswerk zum Abschluss gebracht und alle Fäden zusammengeführt. Ernst schickte mir die Mail mit Anhang und ich versprach, mich gleich nach dem Wochenende bei ihm zu melden, sobald ich hineingeschaut hätte. Gleichzeitig schickte er mir noch die Beantwortung des Interviews, das mit ins Buch sollte. Die Premiere sollte wenige Wochen später in Köln auf dem ColoniaCon gefeiert werden. Er sei zufrieden, schrieb er mir noch, und jetzt sei alles gut und zu Ende. Darauf habe ich in dem Moment natürlich nicht so geachtet.
Bis der Anruf noch am Wochenende aus Wien kam, dass Ernst gestorben wäre …

Hier ist der Link zur „Sternensaga“ auf der Homepage des Fabylon-Verlags: https://www.fabylon.de/produkt/vlcek-ernst-sternensaga-gesamtausgabe-band-1-4-900-seiten/

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Musik aus der Baring Road!

von am 20. November 2021

Liebe Dorian Hunter Fans!

Ich möchte mich hier einmal kurz bei euch vorstellen. Ich heiße Dennis Simcott, wohne und arbeite in London für Zaubermond und bin, unter anderem, für den Schnitt bei Zaubermond zuständig.

Zudem komponiere ich auch „location-spezifische“ Musik für die Dorian Hunter Hörspiele. Andreas Meyer, der den Großteil des Dorian Hunter Soundtracks komponiert hat, hat sich vor einiger Zeit anderen Projekten gewidmet; und doch wird dieser markante Hauptteil natürlich weiterhin in den kommenden Folgen zu hören sein! Aber da Dorian Hunter immer wieder um die ganze Welt reist, finde ich es schön, wenn das musikalisch hier und da auch untermalt wird. Zum Beispiel, in Folge 46 „Mörder der Lüfte“, da habe ich versucht die Hitze und den Staub von Mexiko musikalisch einzufangen und unter den Monologen von Enrique Castuto und Coco Zamis gelegt. In Folge 45 „Lykanthrophus“ habe ich versucht den beklemmenden dunklen Wald, und das unheimliche Geschehen in der „Hexenhütte“ zu unterstreichen. Und in Folge 44 „Der Teufelseid“ habe ich einigen Szenen griechische Folklore Elemente verpasst. Nicht zu vergessen ist die Titelmelodie von Uwe Voehls „Der Hexenhammer“.

Ich kann jetzt schon verraten, dass wir Dorian in der nächsten Folge in der Südsee wiedersehen werden. Das Skript ist schon geschrieben, die Aufnahmen gehen bald los, und ich bastele bereits an der Musik.
So! Und wie genau die Arbeit am Schnitt aussieht, das erzähle ich dann beim nächsten Mal!

Ach! Das hätte ich fast vergessen! Ich wohne nur 20 Minuten mit dem Auto entfernt von der „Baring Road“. Na, wer von euch weiß wer da wohnt? Ich habe sogar versucht an der Tür zu klingeln, aber sofort einen elektrischen Schlag bekommen. Tja, kein Zutritt für Vampire! 🙁

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