Advent, Advent …

von am 28. November 2022

„Advent, Advent,
die Coco brennt,
Advent, Advent
 sie wird ertränkt
und an der höchsten Tanne aufgehängt!“
(Spottlied von Vera)

So oder ähnlich haben auch wir als Kinder die gängigen Advents- und Weihnachssprüche und -lieder verballhornt. In diesem Sinne hoffe ich, dass ihr alle einen besinnlichen 1. Advent verbracht habt.

Und sogleich eine Entschuldigung, dass ich diesmal so spät dran bin: Ich schreibe im Moment am neuen DAS HAUS ZAMIS-Taschenbuch „Der Engel und die Hexe“; ich war im Flow, wie man so schön neudeutsch sagt. Den zweiten Teil schreibt die wunderbare Madeleine Puljic, die ihr Debüt bereits in Band 62 gab („Hexenjagd“).

Ja, es weihnachtet hier und da bereits ein wenig, und wenn ihr noch nicht in Stimmung seid, empfehle ich einmal mehr den von Susanne Wilhelm und mir herausgegebenen DORIAN HUNTER-Sonderband „Unheilige Nacht“ mit Storys der versammelten DAS HAUS ZAMIS- und DORIAN HUNTER-Autoren: Simon Borner, Catalina Corvo, Logan Dee, Jörg Kleudgen, Catherine Parker, Christian Schwarz, Michael Marcus Thurner und Susanne Wilhelm.

Habt ihr schon in DAS HAUS ZAMIS 66 reingelesen? Wobei ich natürlich die Buchserie meine. Allen Lesern, die vielleicht von der Romanheftserie zum ersten Mal hier reinschauen, sei erklärt, dass diese beiden Abenteuer in den Heften erst in den Nummern 157 und 158 an der Reihe sein werden. Wer also schon mal reinschnuppern will, wie es Coco und ihrer Familie zurzeit ergeht, kann sich die aktuelle Taschenbuchreihe zulegen und gleich mit Band 66 beginnen.

Eben erschienen ist übrigens das Romanheft  55 („Buena Vista Todes-Club“) von Logan Dee, also mir. Auf der Leserseite erkläre ich ausführlich, warum damals gleich sechs Romane hintereinander aus meiner Feder erschienen sind (Nein, ich bin kein Kannibale!). Das abgedruckte Foto ist allerdings im Druck ziemlich schlecht rausgekommen, was sehr schade ist, weil man noch nicht mal den schönen Zaubermond-Kalender im Hintergrund erkennen kann:

Mit schwarzen Grüßen

Uwe

weiterlesen

Grusel zum Fürchten

von am 4. November 2022

Für mich als Autor ist es immer interessant zu erfahren, über was sich die Leute gruseln. Genauso, wie ich selbst mich dabei beobachte, was mich zum Fürchten bringt. Wobei sich zu fürchten schon eine Steigerung zum Gruseln bedeutet. Ich zitiere Hans D. Baumann: „Ein Grauen, auf das wir nur mit Gruseln reagieren, ist nicht bedrohlich.“
Soweit zur Einleitung. Seit über zehn Jahren veranstalte ich in meinem Heimatort zu Halloween „Gruseln im Grünen“. Viele ganz unterschiedliche Autoren haben dort bereits gelesen und die Zuschauer (es ist übrigens stets ausverkauft!) zum Gruseln und Fürchten gebracht. Dabei kommt es jedes Mal auf die Mischung an, sodass sich das Publikum zwar mit einem gewissen wohligen Schauer auf den (dunklen) Rückweg zum Parkplatz begibt, aber auch zwischendurch befreiend gelacht werden darf. So wurden diesmal unter anderem eine Geschichte von Torsten Sträter vorgetragen (eine Horror-Geschichte, wohlgemerkt) und in einer schauspielerischen Leistung „Das Fass Amontillado“. Letztere bot der Schauspieler und Puppenspieler Gerd J. Pohl meisterhaft dar, und es gelang ihm – dem erfahrenen Puppenspieler – selbst bei einer so grauenhaften Geschichte, wie sie Poe erdacht hat, an ein paar wenigen Stellen eine gewisse Komik hinein- und das Publikum zum Schmunzeln zu bringen.
Wenn wir uns erinnern: Das war schon bei jedem Kasperstück so, dass wir als Kinder vor Sorge um die ein oder andere Figur mitfieberten, aber auch befreit losjubelten, wenn der Kasper mal wieder den Bösewicht verdrischt.
In den modernen Horrorfilmen hat man inzwischen diesen Kniff übernommen, allerdings nicht unbedingt zum Vorteil. Der Horror bleibt dabei oft auf der Strecke, weshalb ich mir lieber die alten Filme anschaue.
Wo diese Mischung überraschenderweise (?) gelingt, ist in den DORIAN HUNTER-Hörspielen, während die Romane schon immer weitgehend humorfrei waren – so wie das Romanheft-Genre bis auf wenige Ausnahmen generell. Und insbesondere DORIAN UNTER und DAS HAUS ZAMIS sind sogar seit jeher noch ein wenig düsterer.
In einem früheren Blogbeitrag habe ich mich schon einmal mit dem Thema „Horror und Humor“ befasst. Damals schrieb ich: In PROFESSOR ZAMORRA und JOHN SINCLAIR wird durch die Vermenschlichung der Höllenkreaturen (Asmodis bzw. Asmodi) manchmal der Horror durch die Komik verdrängt – etwas, was im Zamis-Universum fehl am Platze wäre.
Und ich denke, das wird auch so bleiben.

weiterlesen

Tritt ein ins Haus der schwarzen Tränen!

von am 14. Oktober 2022

Pünktlich Anfang Oktober erschienen: DAS HAUS ZAMIS Band 66 – Das Haus der schwarzen Tränen.

Was es damit auf sich hat, müsst ihr natürlich selbst erkunden. Am besten, ihr schließt euch Coco Zamis an, die darin Erfahrungen der unerwarteten Art macht. Das düstere Gebäude, idyllisch gelegen am beschaulichen Mondsee, ist nämlich alles andere als eine Wellness-Oase. Im Gegenteil. Und Coco trifft dort auf eine alte Bekannte, sodass sie sich fragt, ob sie tatsächlich schon einmal in ihrer Jugend im Haus der schwarzen Tränen war, ohne irgendeine Erinnerung daran zu haben. „Kinderverschickung“ nannte man das wohl damals.

Wie immer enthält auch dieses Taschenbuch zwei aufeinander abgestimmte Romane. Im ersten, der von Michael Marcus Thurner geschrieben ist, geht es zunächst um den geheimnisvollen Guardian, der in Coco die Reinkarnation einer längst verloren geglaubten Geliebten sieht: jener Aurora, die dem Roman denn auch ihren Namen verleiht …

»Meine Liebste, bitte lassen Sie mich ein! Seit zwei Wochen suche ich Ihr Heim auf, Abend für Abend heimlich und unter großen Schwierigkeiten. Ich besteche die Diener Ihrer Eltern, damit sie mich bei der Seitentür reinlassen. Ihr Vater wurde dank meiner Unterstützung in den Stadtrat aufgenommen. Trotz der bösen Gerüchte, die über ihn im Umlauf sind und trotz des niedrigen Standes Ihrer Familie.«

Aurora lächelte.

„Ich habe mich stets wie ein Cavaliere verhalten. Habe Ihnen Pretiosen geschenkt. Habe Ihre Familie unterstützt. Habe Ihren missratenen Cousin aus dem Kerker holen lassen, trotz seiner unzähligen Eskapaden, und ihn auf freien Fuß gesetzt. Was erwarten Sie denn noch von mir?« 

Aurora blickte zu ihrem Verehrer hinab und verbarg das Gesicht hinter einem Schleier. Der alte Graf konnte bloß ihre Augen sehen. Fackeln, am richtigen Platz angebracht, sorgten in den Stunden der Abenddämmerung für ein Licht, das ihre körperlichen Vorzüge am besten zur Geltung brachte. Zumindest jene, die Aurora bereit war, dem Greis zu zeigen.

»Stadtrat Moragnoli«, sagte sie, »ich schätze sehr, was Sie für meine Familie und mich getan haben. Aber Sie taten es freiwillig. Ohne einer Zusage meinerseits, Ihnen meine Gunst zu gewähren. Sie erinnern sich?«

Moragnoli trat unruhig von einem Bein aufs andere. »Selbstverständlich tue ich das, Signora. Aber ich hoffte, dass meine Taten Ihr Herz zumindest ein wenig erweichen würden. Nur eine Stunde alleine mit Ihnen, Aurora, und Sie würden wissen, was für einen guten Freund Sie in mir haben.«

»Es wird Sie gewiss nicht überraschen, wenn ich Ihnen sage, dass ich diese Worte schon von einigen anderen Männern gehört habe?« Aurora zog sich ein wenig von der steinernen Balkonbrüstung zurück. So, dass Moragnoli glauben musste, dass sie sich in ihr Zimmer zurückzog.

»Ich bin anders!«, rief der Graf mit sich überschlagender Stimme. »Fragen Sie jedermann in der Stadt. Man wird Ihnen meine Tugend und meine Ehrenhaftigkeit bestätigen. Bei mir, Signora, sind Sie in den besten Händen.«

Von wegen! Aurora wusste nur zu gut, dass der Alte in den Hafenvierteln herumhurte. Nicht nur das: Wenn ihn die Laune überkam, holte er sich einen der Burschen aus den Schiffsdocks, ließ ihn waschen und schminken, in sein Familienanwesen am Land schaffen und ihn in Frauenkleider stecken. Für einige wenige Florin kaufte er sich einen Lustknaben, um ihn mit seinem weichen Schwänzlein und unter tatkräftiger Mithilfe einer Dienerin zu sodomisieren.

»Bitte!«, flehte Angelo Moragnoli erneut …

So weit eine erste Leseprobe. Wobei, so viel sei verraten, es nicht immer von Vorteil ist, wenn einem eine Bitte gewährt wird …

In diesem Sinne: Passt gut auf euch auf!

Mit schwarzen Grüßen

Uwe

weiterlesen

„Achte auf den Mann mit dem schwarzen Mantel!“

von am 23. September 2022

Welker Blättertanz im Hexenkreise,
Nebelgeister wirbeln leise
Und auf stille Weise
Macht der Sommer sich
Auf weite Reise …


Heute ist Herbstanfang. In alten Zeiten wurde besonders im Spätherbst der Bund der Ehe geschlossen, insbesondere an Tagen des zunehmenden Mondes oder Vollmondes. Seht euch also vor, wer euch da ehelichen will – es könnte jemand aus der Schwarzen Familie sein, der es auf euch abgesehen hat!

In der Dunkelheit durften Kinder und alte Frauen das Haus nicht mehr verlassen, weil es draußen spukte. Alle Arbeiten draußen auf dem Feld sollten nun bald erledigt sein und die Tiere wieder im Stall stehen – spätestens aber am 29. September, einem wichtigen Lostag, sollte alles vollbracht sein.

Tag und Nacht sind gleich lang. Und ab heute wird jede Nacht ein wenig länger, was echten Horror-Fans eh entgegenkommt.

Zum Beispiel, um sich entspannt mit einem Glas blutrotem Wein im Ohrensessel zurückzulehnen und dem Dorian Hunter-Hörspiel „Herbstwind“ zu lauschen.

Ich habe es mir heute Nacht wieder angehört, und auch wenn der Wind nicht ums Haus pfiff und der Regen nicht ans Fenster prasselte, lief mir gleich zu Anfang ein echter Schauer über den Rücken. Ich sage nur: „„Achte auf den Mann mit dem schwarzen Mantel!“

Probiert es aus!

Schaurige Nächte!
Uwe




weiterlesen

Zaubermond-Autor Friedrich Tenkrat alias A. F. Morland ist gestorben

von am 2. September 2022

Der Autor verstarb am 27. August 2022 im Alter von 82 Jahren. Bis zuletzt war Fritz Tenkrat aktiv, und gerade erst vor wenigen Monaten erschienen neue Romane seiner beliebten Serie Tony Ballard im Gespenster-Krimi – also da, wo sie vor Jahrzehnten gestartet war. Die letzten seiner noch unveröffentlichten Tony Ballard-Manuskripte (wie auch Jerry Cotton) werden in den nächsten Monaten posthum erscheinen.

Ich habe Fritz Tenkrat leider nicht kennenlernen dürfen, aber ich spüre in meinem Autorenumfeld eine große Betroffenheit. So schrieb mir Timothy Stahl: „Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass Fritz Tenkrat sicher einer der freundlichsten, liebenswürdigsten und rundherum sympathischsten Menschen war, die ich je kennenlernen durfte. Man musste ihn einfach mögen, das ging gar nicht anders. Und er war neben Jason Dark definitiv der Mensch, der die Lust zum ‚Heftchenschreiben‘ in mir weckte und damit mein Leben mitbestimmte.“

Es gibt sicherlich nicht wenige Autoren, die mit seinen Abenteuern aufgewachsen sind und sich von seinem Stil inspirieren ließen. So erinnert sich Professor Zamorra-Autor Thilo Schwichtenberg: „Tony Ballard wurde meine absolute Lieblingsserie. Die parallelen Handlungsstränge und die Gegebenheiten in der Hölle habe ich von Fritz Tenkrat übernommen. Er hat mich und mein Schreiben von Anfang an beeinflusst.“

Ich weiß nicht mehr, ob ich es in einem Interview gelesen habe oder Ernst Vlcek es mir erzählt hat, als ich ihn mal fragte, ob er Fritz Tenkrat gut kenne. Denn da beide in Wien lebten, wunderte es einen schon, dass Fritz Tenkrat, der ja bei zig Serien mitschrieb, nie einen Dämonenkiller-Roman verfasst hat. Ab und zu nur sei man sich im Postamt über den Weg gelaufen, erinnerte sich Ernst. Meistens dann, wenn sie ein neues Manuskript an den Verlag schickten.

Auch im Zaubermond Verlag war Tony Ballard kein Unbekannter: Seit März 2005 erschienen immerhin 40 Hardcover-Bände, bevor die Serie in der Romantruhe weitergeführt wurde.

Fritz Tenkrat beim Signieren. Foto: Timothy Stahl

weiterlesen

Das silberne Phantom: Warum du Rüdiger Silbers außergewöhnliche Romane unbedingt lesen solltest!

von am 12. August 2022

Nächsten Dienstag, am 16. August, erscheint mit Band 48 unter dem Titel „Die lauernde Bibliothek“ ein Roman von Rüdiger Silber. Rüdiger Silber ist das Pseudonym meines 2016 verstobenen Freundes Malte S. Sembten, an den ich in diesem Blogbeitrag erinnern möchte, denn seine Geschichten und Romane waren stets außergewöhnlich. Und so erwartet euch auch diesmal ein außergewöhnlicher Roman.

DAS HAUS ZAMIS Heft 48: „Die lauernde Bibliothek“

Der am 22. April 2016 verstorbene Schriftsteller, Übersetzer, Lektor und Zeichner Malte S. Sembten war nicht nur mehr als zwei Jahrzehnte mein Weggefährte, wenn es darum ging, Fanzines herauszugeben oder Storys zusammen zu schreiben, sondern er war – vor allen Dingen in den letzten Jahren seines Schaffens – Profi. Also jemand, der für sein Schaffen gemeinhin Honorar bezieht. Zuvor bezeichnete er sich selbst als „Gentleman Writer“ ganz in britischer Tradition.

Wie so viele Schriftsteller des Makabren seiner Generation nutzte Malte S. Sembten die Gelegenheit, in der Romanheftreihe JOHN SINCLAIR mit einer Lesergeschichte zu debütieren. 1996 erschien in der 4. Auflage in Band 194 die Story „Der Spiegeleimann“.

In der Folge erschienen immer wieder Storys von Malte in Anthologien. In denen der Kleinverlage floss sicherlich kaum bis kein Geld, aber bereits 1997 erschien im Heyne Verlag innerhalb der Reihe ISAAC ASIMOVS SCIENCE FICTION die Kurzgeschichte „Blind Date“, eine Veröffentlichung, auf die der Autor zu Recht sehr stolz war und für die er 1998 mit dem Kurd-Laßwitz-Preis ausgezeichnet wurde.

Bereits 2006 schlug ich Malte S. Sembten vor, für die Buchreihe COCO ZAMIS einen Teilroman zu verfassen. Malte wählte als Schauplatz u.a. das damals noch existierende Dracula Museum, das er sehr gut kannte. Leider traf dieser Roman (Die lauernde Bibliothek) nicht ganz den Nerv der Serie – eben weil er, wie oben erwähnt, außergewöhnlich in vielerlei Hinsicht war – sodass es bis 2013 dauerte, ehe er einen zweiten Anlauf wagte (Der Folterkeller). Auch in den folgenden Bänden war Malte regelmäßig im HAUS ZAMIS (wie die Serie inzwischen umgetauft worden war) mit Romanen vertreten, ebenso in der Schwesterreihe DORIAN HUNTER des Zaubermond-Verlages.

Obwohl Malte für diese Serien unter seinem Pseudonym Rüdiger Silber schrieb, nahm er die Arbeit dafür sehr ernst. Er recherchierte ausgiebig, obwohl in der Regel umfangreiche Exposés vorlagen. Auch hinterfragte er jeden einzelnen Baustein, kämpfte für jede eigene Idee, die ihm besser schien und versuchte sie durchzusetzen. Exemplarisch zitiere ich aus einer Mail, die er mir schrieb, nachdem wir einige unterschiedliche Standpunkte ausgetauscht hatten. Es geht darin um die Frage, wie eng ein Autor sich an das Exposé halten sollte:

„Auch ich stehe dem lektorierten Roman jetzt wieder positiver gegenüber, nachdem ich z.B. die Fähigkeit Gouédés/Lady Mambas zur Verwandlung in eine Schlange erklären konnte. Logikmängel sind mir ein Gräuel (weswegen ich auch zum Übererklären neige).

Auch der neue Schlussabsatz stellt mich zufrieden (auf die letzten Sätze lege ich immer besonderen Wert). Den ursprünglichen Schluss mit ‚Coco & Rebecca’ als Anspielung auf ‚Thelma & Louise’ hatte ich von der ersten Romanseite an so geplant, aber nachdem Du die Erwähnung des Filmtitels am Anfang und am Ende des Romans gestrichen hattest, ergab ‚Coco & Rebecca’ als letzte Zeile partout keinen Sinn mehr.

Das sind so Details, die mir als Autor auffallen und bedeutsam vorkommen, aber Dir wahrscheinlich nicht. Umgekehrt kenne ich Dein Expo nicht so gut wie Du und hänge nicht so daran, weswegen mir die Abweichungen vom Expo nicht so schwerwiegend erscheinen.

So kommt dann wohl die unterschiedliche Wahrnehmung zur Krötenverteilung zustande.

Ja, so sah es der akribische Autor Malte S. Sembten, und machte es einem so nicht immer ganz leicht, wie man sich vorstellen kann. Beispiele nennt er ja selbst. Was Malte jedoch immer fertigbrachte: Sein Roman erschien mir immer weit besser, als es das jeweils von mir geschriebene Exposé erahnen ließ. Die obige Mail stammt übrigens vom 2. Januar 2016 und bezieht sich auf Maltes zu seinen Lebzeiten letzten geschriebenen Roman für die Serie DAS HAUS ZAMIS. Weitere waren geplant, auch für die Reihe DORIAN HUNTER. Dann jedoch ereilte mich ein Anruf von Maltes Vater, der ausrichten ließ, dass Malte den nächsten Termin wohl nicht werde einhalten können.

Neben dem menschlichen Verlust bedeutete Maltes Tod einen sehr großen Verlust für beide Serien.

Mit schwarzen Grüßen
Uwe

weiterlesen

Dorian, Coco und – John Sinclair! Oder: der etwas andere John Sinclair-Podcast

von am 22. Juli 2022

John Sinclair aber war der Grund, warum mich die Journalistin Amy Zayed für ihren Sinclair-Podcast vors Mikrofon gezerrt hat. Wir trafen uns um Mitternacht zur Sonnenwende bei den Externsteinen. Lauschig war’s.

Natürlich nutzte ich die Gelegenheit, auch über Hunter und Coco zu reden, sprich: ein bisschen Werbung zu betreiben. Amy gab mir die Vorlage, indem sie mir verriet:

„Ich hab dich ja gar nicht erst so mit Sinclair entdeckt, sondern eigentlich mit den Hunter-Romanen.“ Und dann wollte sie unbedingt einen Sinclair-Roman von mir lesen, weil, wie sie sagte, ich immer so ein bisschen düsterer sei.

Ookaay – da musste ich erst mal schlucken. Ich und düsterer? Finsterer? Aber es ist wahr. Auch mir wurde einmal mehr bewusst, dass Hunter und Coco einen ganz anderen Hintergrund haben: Sie waren von Anfang an düsterer. Sie waren und sind von ihrer Struktur her realitätsbezogener. Beide sind sie keine stets strahlenden Helden, sondern hin und hergerissen in ihrem Tun, in ihren Gefühlen – ja, manchmal regelrecht zerrissene Charaktere.

Zum Schluss haute mich Amy mit einem weiteren Bekenntnis um: „Coco Zamis ist für mich die geilste Frau ever! Ich hab mich mit ihr direkt identifiziert, also absolut! Es war so: BÄÄM!“

Und noch in einem anderen Punkt waren wir uns einig: Coco ist heute ein stärkerer Charakter denn je. Woran das liegt? Darüber haben wir uns sehr ausgiebig unterhalten …

Wer den ganzen Podcast hören will, kann das hier gerne nachholen:
John Sinclair-Podcast mit Logan Dee

Mit stets schwarzen Grüßen
Uwe

weiterlesen

GUARDIAN – Engel oder Teufel?

von am 1. Juli 2022

Wie schon in meinem letzten Blogbeitrag angekündigt, geht es im neuen DAS HAUS ZAMIS Buch 65, das den Titel „Guardian“ trägt, im zweiten Teilroman um eine geheimnisvolle Gestalt, die beauftragt wurde, Coco Zamis mehrerer – neudeutsch: – Challenges zu unterziehen. Michel Marcus Thurner, der diesen Roman geschrieben hat, spielt dabei virtuos mit der Vielschichtigkeit der Figur des Guardian. Einen weiteren Ausschnitt möchte ich euch daher nicht vorenthalten:

Guardian trat mit sicherem Schritt auf Georg zu. Er schien sehen zu können, wenn auch nicht mit seinen Augen. Unter der Binde zeichneten sich Schraubenköpfe ab, die durch seine Sehorgane gerammt worden waren. »Nimm meine Hand.«
Georg schnappte ohne zu zögern nach der Rechten des anderen. Er fühlte einen kräftigen Händedruck, dann eine besondere Form der Anspannung. Aus dem Rücken Guardians wuchsen Flügel, mächtig und breit, mit dichten Federn.
Engelsgleich stand Guardian da, breitbeinig und rasch atmend. Der Vorgang der Verwandlung schien ihn einige Kraft gekostet zu haben.
Die Flügel bewegten sich, schlugen hoch und nieder. Der Wind trug Georg einen sonderbaren Geruch zu, den er nicht so recht einzuordnen wusste.
Guardian riss ihn an sich, drückte ihn gegen seinen Körper – und hob sich abrupt in die Luft. In einem Vorgang, der physikalisch nicht erklärbar war. Die Flügel alleine waren es nicht, die sie gemeinsam hochtrugen. Es musste mehr dahinterstecken. Womöglich eine simple Magie, vielleicht aber auch ein abstraktes Modell wie Glaube. Der Glaube daran, fliegen zu können, auch wenn es gar nicht möglich war.
War Guardian ein Engel? Ein Wesen, wie es in der christlichen, mosaischen oder in der moslemischen Mythologie beschrieben wurde? Oder doch etwas ganz anderes?
Nun, Guardian hatte ihm Antworten versprochen. Und wenn er nicht reden wollte, würde Georg ihn dazu zwingen …

Vielleicht habt ihr ja schon reingeschaut in das neue Buch. Wenn ja, dann habt ihr sicherlich auch schon das Easter Egg entdeckt, das NICHT im Inhaltsverzeichnis angekündigt ist! 😉

Um was oder vielmehr wen es dabei geht? Nächstes Mal mehr …

Mit schwarzen Grüßen
Uwe

weiterlesen

DAS HAUS ZAMIS 65: Was euch erwartet!

von am 10. Juni 2022

In einer Woche ist es soweit: Die spannende Geschichte um Coco Zamis und den ihr auferlegten Prüfungen geht weiter! Als Exposéautor verfolge ich dabei konsequent den Weg, der HAUS ZAMIS-Serie eine neue Wendung zu geben. Solche Wendungen in der Serie gab es schon ein paar wenige Male. Eine entscheidende war zum Beispiel Band 33 („Töte Dorian Hunter“). Darin trennte sich der bisherige Erzählstrang von der „Mutterserie“ DORIAN HUNTER. Michael Marcus Thurner, der das Buch schrieb, brachte zudem viele eigene Ideen ein, wie das Café Zamis, das für lange Zeit Cocos Lebensmittelpunkt bildete und mit dem sie ihren Traum verwirklichen wollte: ein Refugium zu schaffen, in dem Menschen und Dämonen friedlich nebeneinander zusammenkommen konnten.

Neue Wege innerhalb einer Serie bieten zudem auch für Neueinsteiger eine gute Gelegenheit, in die neuen Abenteuer einzusteigen – auch parallel zur Heftserie. Da sich zudem in jedem Buch ein umfangreicher Rückblick befindet, fällt der Einstieg jederzeit umso leichter.

Nun also hat Coco Zamis Wien endgültig den Rücken gekehrt.  Bereits im letzten Buch trat ein geheimnisvoller Fremder auf, der sich Guardian nannte. Band 65 ist denn auch schlicht und einfach nach ihm benannt: „Guardian“. In dem von Michael Marcus Thurner geschriebenen Roman wird es so manche überraschende Erkenntnis geben – und einen Twist, der für die nächsten Bände noch eine entscheidende Rolle spielen wird.  

In dem Zusammenhang möchte ich mich auch einmal bei all denen bedanken, die mich dabei unterstützen, der Serie stets neues Leben und neue Impulse einzuhauchen. Denn auch ein Exposé schreibt man eigentlich so niemals allein. Beziehungsweise ist es oftmals nur das Skelett, das der jeweilige Autor mit eigenen Ideen und somit Leben erfüllt. Insbesondere Michael Marcus Thurner, der die letzten Bände maßgeblich geprägt hatte, möchte ich da nennen. Oder Jörg Kleudgen, dem ich das Aussehen des Guardian verdanke, als ich einfach keine Eingebung dazu hatte, mir aber bewusst war, dass er sich entscheidend von den bisherigen Charakteren abheben musste. Auch Jürg Schmidt möchte ich hier erwähnen, der nicht nur die Endkorrektur der Bücher vornimmt, sondern mich stets auch mit eigenen Ideen, was den Fortlauf der Handlung betrifft, überrascht. Last not least verdanke ich Dennis Ehrhardt so manchen Impuls – vor allem, wenn ich mich mal wieder zu sehr verzettelt habe.

Zum Schluss möchte ich nun den Vorhang wenigstens ein wenig lüften, und euch den Anfang aus dem neuen DAS HAUS ZAMIS-Band „Guardian“ nicht vorenthalten:

Georg betrachtete jenes Wesen, das sich ihm als »Guardian« vorgestellt hatte. Es trug eine weiße Augenbinde, auch seine Haut und die Haare waren ungewöhnlich hell. Nach wie vor machte er auf Georg den Eindruck, ein ungemein mächtiges Geschöpf zu sein. Doch irgendetwas stimmte nicht mit ihm.

Georg fühlte eine Art Schwingung im Hinterkopf. Ein Warnsignal, das er stets dann zu spüren bekam, wenn eine Wahrnehmung nicht mit der Realität im Einklang stand. Guardian gab vor, mehr zu sein, als er eigentlich darstellte. Die ganze Zeit schon hatte er den Gedanken gehabt.

Tun wir das nicht alle?, fragte sich Georg. Wir täuschen und tarnen, um unsere eigentlichen Schwächen zu kaschieren. Einerlei, ob Dämon oder Mensch – wir sind allesamt Darsteller …

Mit dieser von Michael Marcus Thurner in den Raum gestellten philosophischen Frage schließe ich für diesmal und wünsche euch ein schönes Wochenende!

Uwe

weiterlesen

Mein allererstes Mal

von am 20. Mai 2022

Am 24. Mai erscheint in der DAS HAUS ZAMIS-Heftserie mein Roman „Asche zu Asche, Stein zu Stein“. In meiner Bahnhofsbuchhandlung ist er schon ab heute erhältlich. Dieser Roman markierte für mich einen Wendepunkt in der Serie, schrieb ich ihn doch erstmals nach meinem eigenen Handlungs-Exposé.

Nach einer Auszeit von mehreren COCO ZAMIS-Büchern war ich 2005 mit einiger Begeisterung als Autor wieder eingestiegen in die Serie. Für mich war es eine Sensation, dass Ernst Vlcek nach langen Jahrzehnten der Abstinenz nun die Expos schrieb. So auch für das Buch „ Der Dämonenbastard“, in dem neben Ernst und Dario Vandis auch ich mit einem Roman vertreten war: „Die Saat des Dämons“ – unlängst auch wieder als Romanheft in der DAS HAUS ZAMIS-Serie erschienen. „Der Dämonenbastard“ war im Nachhinein eine ziemliche Trash-Orgie. Ich glaube, dass Ernst Vlcek damals bewusst in seinen Expos und Romanen für die Serie die allzu engen Grenzen eines Heftromans sprengen wollte. Und wir Autoren haben da mitgezogen, was nicht immer ohne Diskussionen ablief. Soweit zur Vorgeschichte.

Warum dann anschließend mir die ehrenvolle Aufgabe zuteil wurde, fortan die Expos zu schreiben, kann ich nicht mehr sagen. Ich vermute, dass Ernst einfach zu viel andere Dinge um die Ohren hatte. Er schrieb ja damals auch wieder für die DORIAN HUNTER-Serie im Zaubermond-Verlag. Das Expo liegt mir leider auch nicht mehr vor, sonst hätte ich aus aktuellem Anlass gerne daraus zitiert. Jedenfalls schrieb ich es mit Begeisterung und – so hoffte ich – ganz im Sinne des Serienvaters. „Asche zu Asche, Stein zu Stein“ erschien im Dezember 2005 als dickes Buch und enthielt neben meinem titelgebenden Roman zwei weitere Romane von Christian Montillon, die ebenfalls jüngst wieder erschienen sind.

weiterlesen