Allem Anfang wohnt das Böse inne

von am 25. Februar 2022

Am 18.3. ist es endlich soweit: Mit leichter Verspätung erscheint das neue DAS HAUS ZAMIS-Buch: „Allem Anfang wohnt das Böse inne“. Der Titel trifft im doppelten Sinne zu: Zum einen ist es ein Neuanfang für Coco Zamis, die sich endgültig aus ihrer Heimatstadt Wien verabschiedet hat und zu neuen Zielen aufbricht. Es kann aber auch ein Anfang für manchen Leser sein: Ob als Neu- oder Wiedereinstieg, beginnt mit diesem Buch doch quasi ein neuer Zyklus. Auch für die Leser, die chronologisch die im Bastei Verlag laufendende Romanheftserie lesen, könnte es interessant sein, gleichzeitig einen weiten Sprung in Cocos Zukunft zu vollziehen.

Blut geleckt? Nun, der Klappentext verspricht schon mal folgendes Szenario:

Coco Zamis steht vor den Trümmern ihrer Vergangenheit. Um endgültig mit allem abzuschließen, verlässt sie ihre Heimatstadt Wien und reist einem unbekannten Ziel entgegen. Als der Zug auf offener Strecke hält, trifft sie auf sechs weitere Reisende, die fortan ihr Schicksal bestimmen. Denn niemand ist der, der er zu sein vorgibt …

Es folgt eine Tour des Schreckens, in der nichts so schein, wie es ist, und in der … STOPP! Ich will ja nicht zu viel verraten. Aber ein klein wenig möchte ich den Vorhang öffnen. Mit einer Szene aus Michael Thurners Teilroman „3 Tode hat die Hexe“, in dem wir einen alten verhassten bekannten aus den allerersten Heften wiederbegegnen:

Nein, mit diesem Anblick hatte ich wirklich nicht gerechnet.

Ich sah zu den Zinnen eines Schlosses hoch, mittelalterlich geprägt und von giftigem Efeu umkränzt. Wie schon in meinen Jugendtagen auf dem Schloss meines Patenonkels Cyrano machte der steinerne Bau den Eindruck, als würde selbst das Sonnenlicht davor zurückschrecken.

Franky reichte mir galant die Hand und half mir die Stufen hinab. »Vergessen Sie nicht«, sagte er, »dies ist eine Prüfung. Sie haben nur noch drei Leben zur Verfügung, um Ihre Tests zu bestehen. Vergeuden Sie keines davon. Tun Sie, was man Ihnen sagt.«

Ich achtete kaum auf Frankys Worte. Zu sehr faszinierte mich der Blick über eine pittoreske Landschaft, die sich seit meiner Jugend nur wenig verändert hatte.

Vor mir befand sich ein kleines Stationsgebäude, in dessen Warteraum sich Menschen drängten. Sie achteten nicht auf mich, sie achteten nicht auf meinen Zug. Sie plauderten miteinander, telefonierten oder hielten den Kopf hinter Zeitungen versteckt.

Sie interessierten mich kaum. Ich hatte nur Blicke für Schloss Behemoth. Für jenen Ort, an dem ich sechs Jahre meines Lebens verbracht hatte und an dem ich in den schwarzdämonischen Künsten unterrichtet worden war.

Eine Kutsche näherte sich, aufgeputzt mit Girlanden und mit Schellen, die lustig klimperten. Auf dem Bock saß ein Mann, von dem ich gehofft hatte, ihn niemals mehr wiedersehen zu müssen: Graf Cyrano von Behemoth. Mein Patenonkel.

»Komm gefälligst her, du Gör!«, herrschte er mich an, kaum, dass er die beiden kohlrabenschwarzen Hengste zum Halt gezwungen hatte. »Ich hätte mir nie gedacht, dass ich mich nochmals mit dir abgeben muss.«

Die Menschen achteten nicht auf meinen Patenonkel, wie ich mit einem Seitenblick feststellte. Offenbar hatte Cyrano sie mit einem Zauber belegt. Sie bekamen nichts von dem mit, was rings um sie vor sich ging.

Zögerlich ging ich auf die Kutsche zu. Einer der Rappen stieg hoch und wieherte laut. Seine Augen glänzten feuerrot, auf den muskulösen Flanken hatte sich Schaum gesammelt.

»Gehorche gefälligst! Du machst Blücher und Feldmann nervös!« Cyrano hatte mit einem Mal eine lange Reitgerte bei der Hand und ließ sie zuerst in meine Richtung knallen, dann über die Rücken der beiden Pferde. »Der Unterricht beginnt bald. Willst du deine Lehrerin warten lassen?«

Lehrerin? Unterricht?

Ich hatte plötzlich ein ganz besonderes Gesicht vor Augen. Das von Sandra Thornton, einer leidlich begabten Dämonin, die mich über Jahre hinweg in Schloss Behemoth gequält hatte.

Ich kletterte auf den Kutschbock und ließ mich neben meinem Patenonkel nieder, möglichst weit von ihm entfernt. Er roch nach faulen Eiern.

»Warum muss ich mich wieder und wieder mit dir abgeben?«, fragte er und ließ die Peitsche erneut knallen. »Du warst bereits in deiner Jugend eine Schande für die Schwarze Familie. Und du hast dich niemals geändert. Aber ich werde dich weichkriegen. Und du wirst lernen müssen. Schließlich hast du dich übertölpeln lassen. Du alleine hast den Untergang deiner Familie zu verantworten. Deine Zeit als Schülerin auf Schloss Behemoth wird auf weitere sechs Jahre festgelegt, so wurde es mir befohlen. Du wirst hierbleiben, bis du endlich zu einer vollständigen Schwarzen Hexe ausgebildet bist …«

Das klingt nicht nach einem Happy End, oder? Aber mal ehrlich, wann gab es das schon mal in Coco Zamis‘ Leben?

Mit schwarzen Grüßen
Uwe

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Seelenwahn in Bonifacio

von am 19. Februar 2022

Aus gegebenem Anlass möchte ich heute nicht über Dorian Hunter plaudern, sondern über seine liebste Hexe, Coco Zamis. Das hat zum Großteil mit meinen derzeitigen Aktivitäten zu tun. Ich habe sicherlich schon mal erwähnt, dass ich mit dem Motorrad seit einigen Monaten auf großer Tour bin. In den nächsten Tagen setze ich, von Sardinien kommend, nach Korsika über. Und zwar nach Bonifacio, einen Ort im Süden der Insel, den ich vor etwa zehn Jahren schon mal besucht hatte.

Bonifacio ist eine Art Sehnsuchtsort für mich. Die kleine Stadt liegt auf hohen Felsen unmittelbar an der Küste. Die Häuser sind teilweise so gewagt gebaut, dass man glauben könnte, sie würden jetzt und jetzt ins Meer hinabstürzen. Schon bei meinem ersten Besuch war ich völlig fasziniert. Genovesische Einflüsse waren zu sehen, aber auch arabische, italienische und französische. Die Insel Korsika war über Jahrhunderte hinweg im Besitz einer Bank (!) mit Sitz in Genua, die Napoleons hatten dort ihren Stammsitz, sie war ein stetiger Streitpunkt zwischen mediterran geprägten Mächten. Und wenn man all dies unter einer Brennlinse verstehen lernen wollte, stünde vermutlich Bonifacio im Fokus.

Bald nach der Rückkehr von meiner Korsika-Reise wartete damals die Arbeit an einem COCO ZAMIS-Manuskript auf mich. Der damalige Expokrat Christian Montillon ging bereitwillig auf meinen Wunsch ein, einen Teil „meiner“ Handlung nach Korsika zu verlegen. Und so entstand Seelenwahn, mein Teilband, der im 32. Buch der COCO ZAMIS-Serie mit dem Titel Der Untergang des Hauses Zamis veröffentlicht wurde.

Ich ließ einen Teil der Handlung auf dem Friedhof verlegen, besser gesagt: in die Nekropole von Bonifacio. Einen Ort, der mich besonders beeindruckt hatte. Einflussreiche Familien haben dort steinerne Mausoleen, die gut und gern als kleine Häuser durchgehen könnten. Sie besitzen Kellergewölbe mit kleinen Grüften, aber auch steinerne Gräber im „ersten Stock“. Die Menschen werden über den Tod hinaus mit viel Pomp gewürdigt.

Ich war absolut fasziniert von der Stimmung, die in der Nekropole herrschte. Ich besuche regelmäßig Friedhöfe, weil die Behandlung der Toten viel über die Lebenden aussagt und man viel über die Kultur des jeweiligen Landes/der Gegend lernen kann. Der Friedhof von Bonifacio war und ist aber etwas ganz Besonderes für mich geblieben.

Wenn ich demnächst nach Korsika übersetze, wird mich mein erster Weg wieder dorthin führen. Ich bin neugierig, ob es mich genauso packen wird wie damals, als ich meine Eindrücke in einem COCO ZAMIS-Buch verarbeiten musste.

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Was passiert beim Schnitt?

von am 11. Februar 2022

Liebe Dorian Hunter-Fans!

Wie ich schon in meinem vorherigen Blogpost versprochen hatte, werde ich hier nun etwas über den Schnitt erzählen. Übrigens, wer nicht wissen will wie die Wurst gemacht wird, der sollte jetzt wieder vor den Vorhang treten! 🙂

Nachdem die Sprecher bzw. Schauspieler im Tonstudio aufgenommen wurden, lade ich mir die Dateien vom geheimen Zaubermond-Server runter auf meinen Rechner; und öffne die Dateien mit einem Sound-Editing-Programm wie z.B. Cubase. Wie man am ersten Bild unten sehen kann, habe ich als Beispiel die Aufnahme von Martín Flavio Núñez genommen, der den Esperno Cortez in Folge 46 gespielt hat. Die „Wellenform“, also das was so etwa wie eine Richterskala aussieht, ist das Gesprochene.

Ich höre mir die gesamte Aufnahme an, bei einer Hauptfigur wie Dorian Hunter alias Thomas Schmuckert sind das pro Folge schonmal so um die drei Stunden, weil immer mehrere Takes gemacht werden, um die beste Betonung zu finden. Während ich mir das anhöre, benutze ich eine digitale Schere und trenne die Datei auf und sortiere die einzelnen Takes. Meistens ist der letzte Take am besten, aber manchmal eben auch nicht, und dann ist es gut auch diese für später noch parat zu haben. Alle Regieanweisungen von Dennis Ehrhardt, sämtliche Versprecher, Huster usw. schneide ich raus. Auf dem zweiten Bild sieht man das an den Lücken.

Dann sortiere ich die besten Takes nach links, und die weniger tauglichen nach „hinten“, was in diesem Fall „nach rechts“ bedeutet, für den Fall, dass Dennis Ehrhardt später doch einen anderen Take bevorzugt. Das Bild unten zeigt die sortierte Sprachaufnahme von Esperno Cortez für Szene 5.

Tja, und dann wird das gleiche mit allen anderen Aufnahmen gemacht. Und dann kommt für mich der spannendste Teil! Da alle Sprecher einzeln aufgenommen werden, müssen die Takes nun so platziert werden, dass man meint, sie unterhalten sich bzw. reagieren aufeinander. Hier ist es gut die von mir sogenannten „weniger tauglichen“ Takes parat zu haben, denn manchmal funktioniert ein anderer Take besser, wenn man ihn neben einer anderen Person platziert. Das ist für mich wie ein Puzzlespiel.

Hier kommt noch dazu zu überlegen wie viele Sekunden Pause zwischen dem Gesprochenen sein sollte; hört die eine Person der anderen aufmerksam zu, oder fällt er ihr ins Wort. Das steht zwar für gewöhnlich im Skript, und trotzdem gibt es oft Spielraum. Dazu gibt es dann Feedback von Dennis Ehrhardt der vielleicht anderen Ideen hatte, denn so etwas wie die Länge einer Pause kann in einer bestimmten Situation Humor sowohl als auch Unbehagen erzeugen.

Zu guter Letzt suche ich mir Musikstücke von Andreas Meyer aus, die zu bestimmten Situationen passen. Hier wird auch sehr viel probiert, zerhackt und manchmal mehrere Stücke zusammengefügt, um das Geschehen in einer Szene zu unterstützen oder hervorzuheben. Und manchmal, wenn gar nichts passt, dann komponiere ich ein neues Stück dazu.

Auf dem letzten Bild sieht man nun die von mir „fertige“ Szene 5 mit allen Sprechern und Musikstücken. Dieses Paket wird nun als Zip-File auf den Zaubermond-Server geschickt, welches sich dann Sebastian Breidbach runterlädt, damit er die Geräusche, Sound-Effekte, Raumklang und das Mastering machen kann.

Was? Ihr wollt wissen wie ist der jetzige Stand der Folge 47 ist? Nun, mit 12 von 19 Szenen bin ich fertig, die liegen schon für Sebastian auf dem Server. 12 von 19 klingt zwar wie mehr als die Hälfte, aber ich befürchte ich habe die längsten Szenen noch vor mir…

Vielleicht erzähle ich beim nächsten mal, wie ich ein neues Musikstück für Folge 47 komponiert habe. Bis dahin, viele Grüße aus London. 🙂

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Ähnlichkeiten und Vergleiche

von am 28. Januar 2022

Ich zerbreche mir immer wieder den Kopf, was „Dorian Hunter“ denn von anderen Grusel- und Horrorserien unterscheidet. Was sind die Alleinstellungsmerkmale? Welche Elemente faszinieren die Leser besonders? Was haben die frühen Autoren der Serie richtig gemacht? So dass die Geschichten über vierzig Jahre nach Erscheinen der ersten Romane immer noch mit Begeisterung gelesen und das Universum Dorian Hunters permanent durch neue Geschichten ergänzt wird?

Ich versuche, Vergleiche zu anderen erfolgreichen Serien zu ziehen. Mir fällt ad hoc nur eine Serienfigur ein, die Dorian Hunter ähnelt, und das ist „John Constantine“.
Sollte jemand Constantine nicht kennen: Die Figur wurde vom legendären Comictexter Alan Moore entwickelt. Constantine hatte lange Zeit eine eigene Comicserie, die sich an ein älteres Publikum richtete und aufgrund des Erfolgs in den 2000ern mit Keanu Reeves verfilmt wurde.
Constantine hat so seine Probleme mit Dämonen und bekämpft sie auf der Erde. Er ist Kettenraucher, er trinkt gerne mal einen über den Durst, er ist ein Zyniker, er hat Frauengeschichten …
Kommt euch das bekannt vor? – Wenn ich die Augen schließe und Dorian Hunter zu visualisieren versuche, sehe ich mitunter die Comicfigur vor mir. Trenchcoat, aufgestellter Kragen, die Zigarette im Mundwinkel. Ein wenig James Dean ist auch noch mit dabei.

Nun, der Dämonenkiller ist in einem anderen Medium zu Hause. Im Heftroman und im Buch. (Wobei ich gegen eine Comicserie absolut nichts einzuwenden hätte.)
Ein Buch bietet in gewisser Hinsicht mehr Möglichkeiten. Es lässt der Fantasie einfach mehr Spielraum. Man kann die Figuren gestalten, wie man möchte, und ist nicht auf einzelne Betrachtungsweisen festgelegt, wie sie im Comic vorgegeben sind. Also mache ich mir Dorian Hunter in meinen Gedanken so, wie ich es möchte.

Zurück zum „Vergleich“ mit John Constantine: Es mag gewisse Ähnlichkeiten zwischen den beiden Charakteren geben, aber dennoch sind sie einzigartig. Das „Hunterversum“ mit einer Schwarzen Familie, mit Asmodi, mit Freaks und mit einer Frau/Hexe wie Coco Zamis steht für sich.
Der Dämonenkiller ist darüber hinaus eine mitteleuropäische Serie. Die österreichischen und deutschen Einflüsse sind nicht zu übersehen. Und das ist gut so.
„Dorian Hunter“ mag vielleicht niemals verfilmt werden, aber die Serie hat sich längst zu einem Klassiker der deutschsprachigen Heftromanliteratur entwickelt. Ich bin stolz darauf, dass ich einen kleinen Teil zur stetigen Weiterentwicklung der Serie beitragen durfte und darf.

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DORIAN HUNTER Folge 1 erscheint als Extended Version auf Vinyl!

von am 23. Januar 2022

Vor Kurzem ist eine tolle Paketsendung bei mir eingetroffen, wie ihr im Video unten sehen könnt – die Testpressung der kommenden Vinyl-Sonderausgabe einer Extended Version von DORIAN HUNTER Folge 1, „Im Zeichen des Bösen“, die sich perfekt auf meinem Plattenteller dreht!!

Extended Version, häh? … Ja, es handelt sich um genau das! Eine um ca. vier Minuten verlängerte Version – ergänzt um Original-Aufnahmematerial aus den Jahren 2007 und 2008, also durchweg Material, das wir vor dem Start der Hörspielserie im August 2008 aufgenommen haben! Unter anderem sind darin zwei Szenen mit Dorians Bruder Robert Fuller zu hören, gesprochen von Patrick Bach, der in der regulären Hörspielfolge 1 ansonsten nur mit etwas Gelächter im Hintergrund zu hören ist. Auch sonst gibt es viele kleine Abweichungen und Szenenergänzungen, die damals erst unmittelbar vor der Anfertigung des CD-Masters aus der Folge herausgeschnitten wurden und damit bisher unveröffentlicht sind.

Die Vinylausgabe der Extended Version von DORIAN HUNTER Folge 1 ist auf 300 handnummerierte Exemplare limitiert und ab sofort auf hier im Shop auf www.zaubermond.de erhältlich. Und weil viele von euch jetzt sicherlich fragen: Nein, es ist vorläufig keine CD- oder Stream-Ausgabe dieser Version geplant. Es handelt sich also um ein echtes Sammlerstück, das ihr euch nicht entgehen lassen solltet! 🙂

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Der wahre Horror: Die Leiden eines Sammlerlebens

von am 14. Januar 2022

Mein Autorenkollege Michael Marcus Thurner hat es gut: Fährt in der Weltgeschichte herum und hat ständig was zu erzählen und zu schreiben. Seit gut zwei Jahren praktiziere ich das genaue Gegenteil: Mehr und mehr findet von zu Hause statt; Besprechungen bei Verlagen werden telefonisch oder online abgehalten; Lesungen sind rar geworden; Cons und Buchmessen sind ausgefallen … Was bleibt mir? Mich ganz auf mich und meine Leidenschaften zu besinnen …

Die Vitrine des Grauens

Nun war ich nie ein typischer Sammler, aber immer schon ein begeisterter Leser. Und so hat sich dann im Laufe der Jahrzehnte doch vieles an Büchern, Heften und Magazinen angesammelt: Von alten Comics wie meinen PRIMO-Heften, meinen ersten PLAYBOY-Magazinen, Heftromanen bis – natürlich – auch „echter“ Literatur. Mein Keller ist angefüllt mit den alten Sachen. Die „echte Literatur“ und Sachbücher stehen im Wohnzimmer in einer Regalwand (die ich mir mit meiner Frau teile) – wer will schon seine Besucher schocken, wenn sie dort stöbern und Bücher mit Titeln wie „Der Folterknecht“ oder „Die Hure des Teufels“ (um mal eher harmloseste zu nennen) ansichtig werden. Obwohl, ich gebe zu, es mir egal wäre, aber meiner Frau nicht.

Nun, bis vor wenigen Jahren hatte ich ein ganzes Zimmer angefüllt mit Horror-Literatur. Das musste dann leider (auch hier ist meine Frau nicht ganz unschuldig) weichen, sodass mittlerweile auch mein zuvor buchfreies Arbeitszimmer gut bestückt mit Büchern ist: Fast ausnahmslos mit meinen Lieblingsreihen wie den VAMPIR- und DÄMONENKILLER-Taschenbüchern aus dem seligen Pabel-Verlag.

Mein Prunkstück aber ist mein Vitrinenschrank mit meinen Werken. Ja tatsächlich, die sind alle von mir. Ich bin manchmal selbst erstaunt bis erschrocken, was ich in all den Jahrzehnten veröffentlicht habe, wobei ich erst seit zehn Jahren selbstständig als freier Autor arbeite. Aber so viel kann ich sagen: In diesem Schrank bewahre ich ein Gutteil meines Lebens.

Jetzt aber zu den Leiden (und auch hier steckt wieder … ihr wisst schon). Jedenfalls musste erst der Keller dran glauben. So ganz fertig mit dem Ausmisten bin ich noch lange nicht, aber von einem großen Teil der „Altlasten“ befreie ich mich nach und nach. Manches tut richtig gut, sich davon zu trennen. Anderes schmerzt. Im Zweifel gehe ich nach der Devise: „Hast du so viel Lebenszeit, dass du dieses Buch/Heft/Magazin noch irgendwann einmal lesen wirst? Und so behalte ich nur die Dinge, wo ich die Frage mit „Ja“ beantworten kann. Und natürlich die, die mir wirklich am Herzen liegen (siehe oben).

Mit dem guten Vorsatz, mich weiter zu erleichtern, bin ich ins neue Jahr gestartet. Manchmal komme ich mir vor wie Sisyphus, denn ohne Bücher kann ich nicht leben – und es erscheinen ja ständig neue. Ebenso natürlich Magazine und Hefte.

Ich sage euch beizeiten, was aus meinem Vorsatz geworden ist – spätestens im nächsten Jahr …

Mit schwarzen Grüßen
Uwe

PS: Nein, nicht ich habe an der Nase des Schneemanns herumgeknabbert – das war meine Hündin Rebecca!

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George McMahon

von am 7. Januar 2022

Vor kurzem habe ich in meinen persönlichen Archiven gegraben und mir mal die Veröffentlichungslisten der „alten“ Dämonenkiller-Serien angesehen. Ich wusste, dass eine Menge Kollegen daran beteiligt gewesen waren. Viele davon kannte und kenne ich, habe auch mit ihnen zusammengearbeitet. Allen voran natürlich mit Ernst Vlcek.

Bei dieser Suche ist mir auch das Pseudonym George McMahon (vulgo Hubert Haensel) untergekommen. Ich muss gestehen, dass ich seine Rolle beim Dämonenkiller völlig verdrängt hatte. Fünf Heftromane hatte er insgesamt verfasst, ziemlich zu Beginn seiner Karriere als Autor. Anschließend fasste er bei Mythor Fuß, schrieb für die Atlan-Serie und wurde letztlich zum Teamautor bei Perry Rhodan.

Ich arbeite mit Hubert seit bald 20 Jahren bei Perry Rhodan zusammen – und noch viel länger kenne ich ihn. Zu seinem 50. Geburtstag war ich bei ihm und seiner Familie auf Besuch; erst zu diesem Zeitpunkt beschloss er, sich hauptberuflich der Schriftstellerei zu widmen und seinen damaligen Brotberuf aufzugeben. Man muss sich das mal vorstellen: Weit über zwanzig Jahre lang schrieb er ausschließlich nach Feierabend und am Wochenende, es sind gewiss mehr als hundert Romane in allen möglichen Genres während dieser Zeit entstanden. Ganze Serien hat er in dieser Zeit entworfen und zum Teil (fast) alleine geschrieben.

Hubert und ich sehen uns zumindest einmal im Jahr bei einer Autorenkonferenz. Er war aber auch schon einige Male in Wien auf Besuch; wir trafen uns auch auf Cons und sonstigen Veranstaltungen. Unsere Familien kennen sich; ich habe seine Kinder großwerden gesehen und Hubert meine. Und auch wenn Hubert zehn Jahre älter als ich ist, habe ich niemals einen Altersunterschied gesehen oder gefühlt.

Wir haben über die von ihm mitinitiierte Serie Die Abenteurer gesprochen, natürlich über Perry Rhodan, auch über Mythor. Aber über den Dämonenkiller haben wir nie ein Wort gewechselt. Sehr sonderbar … Jedenfalls möchte ich von ihm mehr über seine Rolle an der Seite von Dorian Hunter wissen. Es wird also in absehbarer Zeit also ein Interview mit George McMahon geben; derzeit geht sich’s terminlich nicht aus. Aber ich bin jetzt schon riesig gespannt, was Hubert Haensel zu erzählen hat. Weil eben diese Romane auch eng mit dem Beginn seiner Karriere als Autor verbunden sind.

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Dorian Hunter und die Dämonen der Weihnacht

von am 24. Dezember 2021

Nein, diesmal keine weitere Geschichte, obwohl ich eigentlich schon einen Plot dafür hatte. Ich habe mich nämlich gefragt, wie wohl die Zamis-Sippe Weihnachten feiert – beziehungsweise eher durchleidet. Wie schlimm muss es in Michael Zamis‘ Ohren klingeln, wenn allerorten von „heiligen Nächten“, „Gott in der Höh“, Jesus und Maria und den heiligen Engeln gesungen wird und dazu womöglich noch Glockengeläut die Nerven malträtiert? Auswandern hilft auch nicht, denn vor Weihnachten kann man einfach nirgendwohin davonlaufen.

Aber ist es nicht seltsam, dass gerade in dieser hochheiligen Zeit die Dämonen besonders aktiv sind? Zwischen Weihnachten beziehungsweise der Wintersonnenwende bis zum Dreikönigstag bescheren uns die zwölf Raunächte auch so manchen höllischen Spuk. So auch die Wilde Jagd, angeführt von Odin und Holla mit den Seelen der Toten im Gefolge. Wer dieses Spektakel am Himmel erblickt, sollte sich schleunigst verstecken, um nicht mitgerissen zu werden. Also Obacht!

Und auch sonst gibt es seit jeher wohlfeile Tipps, wie man sich in den Rauhnächten am besten vor den Geistern schützt: Wascht keine Wäsche! Pfeift nicht in der Früh, sonst beschwört ihr Unglück herauf! Schlag die Tür nicht laut zu, sonst ist ein Gewitter im Anzug. Und vor allem: Lüftet das Bett nicht im Freien, sonst werdet ihr unwiederbringlich krank!

Daher mein Rat: Bleibt am besten gleich im Bett.  Und damit es euch nicht zu langweilig wird, empfehle ich euch das ein oder andere Buch. Zum Beispiel „Unheilige Nacht“:
Nicht erst mit den Rauhnächten bricht eine besondere Zeit an. Es ist die Zeit der Einkehr. Die Dämonen werden mit zunehmender Dunkelheit von Nacht zu Nacht realer. Höchste Zeit also, Dorian Hunter und Coco Zamis in 9 Geschichten auf ihrer Winterreise zu begleiten.
Mit Storys von Simon Borner, Catalina Corvo, Logan Dee, Jörg Kleudgen, Catherine Parker, Christian Schwarz, Michael Marcus Thurner, Uwe Voehl und Susanne Wilhelm

Und damit verabschiede ich mich für dieses Jahr und wünsche euch im Namen des gesamten Zaubermond-Teams frohe Weihnachten! Und nie war mein Rat ernster gemeint als in dieser Zeit – denn nicht nur die Rauhnächte versuchen uns Menschen das Leben zu vermiesen:

Passt gut auf euch auf!
Uwe

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Coco Zamis und Frank

von am 17. Dezember 2021

Derzeit beschäftige ich mich wieder mal mit einem Text für den Zaubermond-Verlag. Ich habe Vorgaben erhalten, die mir relativ viel Freiheiten erlauben – und diese Freiheiten nutze ich auch.

So baue ich in diesem Manuskript eine Figur ein, die laut Exposé bloß eine kleine, unbedeutende Rolle hat. Bei mir aber erhält sie eine tragende Position.
Nennen wir diese Figur „Frank“. Frank ist etwas Besonderes, denn er hat ein reales Vorbild. Ich verwende die Figur in meiner Geschichte anhand der Vorgaben, die ich bekommen habe.

Dass Realpersonen zu diesen Ehren kommen – das passiert mir öfters. Letztens erst habe ich in einer Kurzgeschichte, die in den nächsten Tagen veröffentlicht werden soll, meine ehemalige Stiefmutter verwendet. Wie das bei Stiefmüttern so ist, spielt sie keine sonderlich sympathische Rolle.
Bei vielen anderen Gelegenheiten habe ich Freunde und Bekannte in meine Romane eingebaut, mittlerweile werden es Dutzende sein. Manchmal erwähne ich sie nur, ohne näher auf sie einzugehen, manchmal erhalten sie eine tragende Rolle. Fakt ist, dass es Spaß macht, solche „Ostereier“ in eine Handlung einzubauen – und dass es die Schreibarbeit einigermaßen erleichtert. Denn ich habe von vornherein ein wenig Gefühl für die Figur, ich habe ein Bild vor Augen. Ich muss meine Figur nicht erst „kennenlernen“

Bei Frank geht es, wie gesagt, um einen wichtigen Platz in der Geschichte. Er ist ein Ansprechpartner für unsere liebste Hexe, für Coco Zamis. Noch weiß ich nicht, was mit ihm geschehen wird. (Wobei es für Menschen nur selten vorteilhaft ist, Cocos Bekanntschaft zu machen.)

Frank ist insofern eine Ausnahme, als ich ihn nicht persönlich kenne. Ich habe ihn gebeten, mir ein paar Informationen zu seiner Person zukommen zu lassen. Aussehen, Charaktereigenschaften, Verhaltensweisen – solche Dinge halt. Das ist gar nicht mal so leicht, wie es klingt. Schließlich steht man sich selbst nicht objektiv gegenüber. Wer schreibt schon gerne über seine negativen Charaktereigenschaften oder über seine Mängel?

Nun, bei Frank habe ich nach einem kurzen Schriftverkehr mit dem realen Vorbild das Gefühl, ihn ausreichend gut zu kennen. Ich denke mir, dass ich ihn passend einsetzen kann. Coco wird nicht unbedingt Sympathien für ihn hegen, weil er auf der „falschen Seite“ steht. Und es mag schon sein, dass sie ihn im Laufe der Handlung überwältigen oder ihn gar töten muss. Diese Entscheidung werde ich sehr spontan treffen, wenn’s für mich an die Auflösung der Geschichte geht. Damit muss der reale Frank leben – und die Figur sowieso. Haltet ihm bitte die Daumen, dass er die Begegnung mit Coco Zamis überlebt …

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Die Folterkammer – ein einzigartiger „Dämonenkiller“-Roman

von am 15. Dezember 2021

Heute ein verspäteter Blogbeitrag von mir, da ich die letzte Woche leider ein paar Tage krank war. Inzwischen aber wieder frisch gestärkt, möchte ich hier noch einmal auf den Roman „Die Folterkammer“ zurückkommen, der kürzlich als Doppelband 83/84 in der Romanheft-Neuauflage von DORIAN HUNTER erschienen ist. Wie viele von euch wissen, ist dieser Roman seinerzeit ja nicht in der ersten Auflage erschienen, sondern erst einige Jahre später im Rahmen der „Dämonenkiller“-Taschenbuchreihe. In Romanheft 84 habe ich auf der Leserseite MYSTERY-PRESS (der umfangreichsten MP aller Zeiten!) darum vier Artikel gebracht, die der Leser Juerg Schmidt dankenswerterweise verfasst hat. Heute möchte ich hier den ersten davon bringen, der sich intensiv mit dem Roman selbst auseinandersetzt:

DIE FOLTERKAMMER       
Ein einzigartiger „Dämonenkiller”-Roman

von Juerg Schmidt

Mit dem aktuellen Zweiteiler wird den DH-Fans eine Premiere präsentiert: Erstmals wird Ernst Vlceks Roman „Die Folterkammer” im Heftformat veröffentlicht! Denn ursprünglich war das Werk überhaupt nicht Teil der klassischen „Dämonenkiller“-Romanheftserie, sondern erschien im Rahmen der „Dämonenkiller“-Taschenbuchreihe.

„Die Folterkammer“: Original-Ausgabe der „Dämonenkiller“-Taschenbuchreihe, Pabel-Verlag, 1976

Ein Blick zurück: Die „Dämonenkiller“-Serie nahm ihren Anfang mit dem Roman „Im Zeichen des Bösen”, erschienen am 17. Juli 1973 in der Romanheftreihe „Vampir Horror Roman“. Sie entwickelte sich zu einer Subserie im Programm, wurde aber rasch entkoppelt: Ab dem 22. Oktober 1974 erschien der „Dämonenkiller“ (kurz DK) als eigenständige Heftserie, beginnend mit Band 18, „Das Fest auf dem Teufelshügel“. Ein halbes Jahr später, im März 1975, fiel dann der Startschuss für die monatlich erscheinende „Dämonenkiller“-Taschenbuchreihe. Die Aufmachung orientierte sich an der Heftserie, insbesondere der halbbogenförmige Titelschriftzug ließ die Leserschaft ein Spin-Off der DK-Hefte erwarten. Dazu trug auch der Umstand bei, dass der erste Band, „Blutige Tränen“, aus der Feder von DK-Chefautor Ernst Vlcek stammte.

Die Fans waren ziemlich ernüchtert, als sie feststellten, dass die Taschenbücher so gar nichts mit dem DK-Kosmos zu tun hatten. In der Tat haben nur elf der insgesamt 63 Taschenbücher überhaupt einen Bezug zur DK-Serie, und zehn davon schildern die Jugendabenteuer der Hexe Coco Zamis (exakt diese Romane bildeten bekanntlich den Grundstein für die Serie DAS HAUS ZAMIS, die mittlerweile ebenfalls als Romanheftneuauflage bei Bastei erscheint). Das DK-Taschenbuch Nr. 22, „Die Folterkammer“, war demnach das einzige, das eindeutig in der klassischen DK-Serie zu verorten war.

Der Roman erschien im November 1976. Die Handlung der DK-Romanheftserie war um diese Zeit weiter vorangeschritten, im gerade angelaufenen Großzyklus stand die Veröffentlichung von Band 119 bevor (nach DORIAN HUNTER-Zählung wohl Band 122 entsprechend). „Die Folterkammer“ ist in der Serienchronologie rasch eingeordnet: Die Andeutung, dass Dorian und Coco mit der Einrichtung des Castillos Basajaun beschäftigt sind, und der Verweis auf den Ethnologen Burkhard Kramer, der im Folgeband persönlich auftritt, platzieren die Geschichte zwischen Band 82, „Die geraubte Mumie“, und Band 85, „Die Zeit der Zwerge“.

Autor Ernst Vlcek hatte sich den grundlegenden Problemen einer Begleitserie zu stellen: Um Neulesern den Zugang zur Story zu erleichtern (und sie für die Hauptserie zu interessieren), sollte das Taschenbuch nicht allzu viele oder komplizierte Kenntnisse der Romanhefte voraussetzen. Umgekehrt sollten auch die „Nur-Hefte-Leser“ nicht verärgert werden, etwa wenn die Taschenbuch-Story zum Verständnis der Hauptserie unverzichtbar gewesen wäre. Und schließlich sollte für die Fans, die sowohl die Hefte als auch das Taschenbuch lesen wollten, das eine oder andere „Schmankerl“ bereitstehen.

Die Lösung für alle diese Ansprüche fand Vlcek in einem der Markenzeichen des DK: in den früheren Leben der Titelfigur. Zudem griff er die in der phantastischen Literatur so beliebte Zeitreise-Thematik auf. Mit „Die Vampirin Esmeralda“ und dem Inka-Zyklus waren bereits in der Romanheftserie verschiedene Varianten des Themas behandelt worden. In der Tat fallen gewisse Parallelen zwischen „Die Folterkammer“ und „Esmeralda“ ins Auge. Generell scheint sich Vlcek vor allem überlegt zu haben, wie er Neulesern verdeutlichen kann, worum es in der Serie geht. Das ist die Erklärung dafür, dass viele Handlungselemente dem Heftleser bekannt vorkommen – Stichwort „Dämonenpfand“. Zu den angesprochenen „Schmankerln“ gehören die aktivere Rolle von Sabrina Becker, der Tochter des Großmeisters der Magischen Bruderschaft in Frankfurt, und die sacht eingestreuten Hinweise auf folgende Ereignisse. Über den Golem und die Erschaffung künstlichen Lebens in Paris, die Dorian erwähnt, wird in Kürze zu lesen sein.

Befreit vom Zwang, eine Geschichte innerhalb von 60 Seiten abhandeln zu müssen, entwickelte Ernst Vlcek einen geradlinigen und doch vielschichtigen Plot mit einer Vielzahl interessanter Figuren. Dass „Die Folterkammer” nicht so viel Bezug zum Serien-Arc entwickelt und in den Schlussabschnitten auch gar zu routiniert geschrieben wirkt, trübt den Genuss nur wenig. Denn klar erkennbar ist eine Stärke, die beide DK-Gründungsautoren, Vlcek und Davenport, auszeichnete: Personen mit wenigen, aber prägnanten Sätzen treffend zu charakterisieren: den knorrigen Gemeindediener Melchior Lembach etwa, dessen eitlen Namensvetter Hennig oder die – fast schon im Wortsinn – berufene Wissenschaftlerin Ursula Schumann. Etwas aus der Zeit gefallen wirkt aus heutiger Sicht die ängstliche, um nicht zu sagen hysterische Irene Horn. Sie entspricht in der Darstellung gängigen Frauenklischees der 1970er Jahre und wirkt wie ein allzu extremer Gegenentwurf zu Coco, Sabrina und Ursula.

Gräfin Sidonie Adele von Krudesheim gehört zu den starken Frauenfiguren Vlceks. Welcher Natur die Dame ist, deutete der Autor gleich in ihrer ersten Szene an, wenn er sie sagen lässt: „Liebe (Ö) ist ein Wort, das ich nicht kenne.“ Auf die Beschreibung ihres Aussehens verzichtet Vlcek weitgehend, es wird nur ihre außergewöhnliche Schönheit erwähnt. Clever: So kann der Leser sein persönliches Idealbild imaginieren, und zugleich rückt der Fokus stärker auf Sidonies Charakter.

Auch der große Gegenspieler wird nur kurz beschrieben: Erasmus von Keittel ist ein Zwerg mit einem knochigen Gesicht und Donnerstimme, in Leder gekleidet, mit einem spanischen (also breitkrempigen) Hut. Der Vorname „Erasmus“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet „liebenswert“. Ich bin mir nicht sicher, ob dieser Name vom Autor bewusst gewählt wurde, aber solche scheinbar ironischen Züge sind in Vlceks Werk häufiger zu finden; man denke nur an Michael Zamis (ein Engelsname mit der Bedeutung „wer ist Gott gleich“). Mit welcher Art von Dämon wir es hier zu tun haben, wird lange offengelassen. Erst zum Schluss der Vergangenheitsepisode zeigt Keittel seine wahre Gestalt.

Interessant ist, dass Keittel seine Gegner weniger mit magischen denn mit menschlichen Mitteln bekämpft. Als Beauftragter (Commissario) des Herzogs Heinrich von Braunschweig-Wolfenbüttel, des letzten katholischen Fürsten in Niedersachsen, leitet er die Hexenverfolgung in Velchen. Dieses Vorgehen entspricht historischen Tatsachen: Die Hexenprozesse wurden im Wesentlichen von weltlichen Gerichten geführt. „Der Wille, Hexen zu verfolgen, kam klar aus der Bevölkerung“, wird der Historiker Dr. Peter Mario Kreuter im Magazin „Hörzu Wissen 5/2010“ zitiert. Die Motive der Menschen waren vielfältig: Krisen wie Hungersnöte infolge der Kleinen Eiszeit oder Pestseuchen konnten sich die Leute nur durch Hexenwerk erklären. Und natürlich gab es die ganz simplen egoistischen Beweggründe wie Habgier oder Flucht vor der Verantwortung: Der Bauer Egger, von dem der Wirt Fischbaum berichtet, ist dafür ein Paradebeispiel. So mancher menschliche Zeitgenosse treibt es fast genauso übel wie die Dämonen, das wird in „Dorian Hunter“ immer wieder gezeigt.

Der aktuelle Stand der Forschung überrascht mit dem Fakt, dass die kirchliche Inquisition bei weitaus weniger Hexenprozessen federführend war als gemeinhin angenommen. Zeitweise hat die Kirche sich sogar ausdrücklich gegen die Hexenverfolgung ausgesprochen. Allerdings gilt es zu bedenken, dass sich die Inquisition umso vehementer gegen „Ketzer“ und Juden wendete. Von einem nachträglichen Freispruch also keine Spur! Die Zahl von neun Millionen Todesopfern, die sehr lange und zum Teil noch heute in mancher Publikation genannt wurde, soll aber überzogen sein. Seriösen Studien zufolge wurden zwischen 1430 und 1782 (dem Jahr, in dem die Schweizerin Anna Göldi das letzte offizielle Opfer des europäischen Hexenwahns wurde) etwa 50.000 bis 60.000 Menschen hingerichtet – allein 25.000 davon auf deutschem Boden.

Die historischen Hintergründe (die Ursula Schumann in einer Szene referiert) und die Foltermethoden wie das Gefaltete Stüblein sind korrekt beschrieben. Als Quelle dienten Vlcek wie so häufig die Werke des österreichischen Ethnologen Prof. Dr. Hans Biedermann (1930–1989, „Handlexikon der Magischen Künste von der Spätantike bis zum 19. Jahrhundert“, „Hexen – auf den Spuren eines Phänomens“, „Materia Prima“).

Besondere Sorgfalt ließ Vlcek bei der Gestaltung des wichtigsten Schauplatzes walten, des Hexenhauses im fiktiven niedersächsischen Ort Velchen. Jede Etage des dreistöckigen Baus (inklusive Keller und diverser Anbauten) wird plastisch und ausführlich beschrieben. Es bedarf keiner großen Fantasie, sich vorzustellen, dass Vlcek, der auch ein hervorragender Grafiker war, eine genaue Skizze des Hauses angefertigt hatte, ehe er sich ans Romanschreiben machte.

Die Verquickung aufregender, gut geschriebener Abenteuer mit historischen Fakten – das ist, was DH so stark und einzigartig werden ließ!

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