Ein weniger gutes SONDERBERG-Hörspiel?

von am 2. März 2017

Passend zum Regenwetter (jedenfalls hier in Hamburg) diesmal ein Blogpost mit eher melancholischem Unterton. Vielleicht ein angemessener Kontrast zum Rest der Welt, der zurzeit ja eher lauter und verrückter wird. Dabei hat der Wahn der Superlative bekanntlich auch schon die Hörspielbranche erreicht. Überall nur noch „Kino für die Ohren“, „Blockbuster“ und so weiter …

Ich möchte deshalb heute mal ein Stab für eine nicht so gute Hörspielproduktion brechen. Wobei es vermutlich im Ohr des Zuhörers liegt, so zu urteilen … also in diesem Fall in meinem, hehe. Von allen bisher acht erschienenen SONDERBERG-Folgen ist der fünfte Fall, das „Psychomagnetische Experiment“, nämlich derjenige, der mir in der Rückschau am wenigsten gefällt. Warum das? Nun, vielleicht, weil ich mir von dieser Folge etwas versprochen habe, was sie am Ende leider nicht ganz einlösen konnte. Aber dazu muss ich etwas weiter ausholen.

Nach den ersten vier SONDERBERG-Folgen hatte ich das Gefühl, dass es einmal Zeit wäre, ein bestimmtes erzählerisches Experiment zu wagen. SONDERBERG war ja noch nie eine Action-Serie und soll auch niemals eine sein – aber sie hat in jeder Folge ihre kleinen akustischen Highlights … zum Beispiel wenn Dr. Sonderberg und Minnie in „Der Tote im Rhein“ mit ihrer Kutsche im Fluss landen … oder wenn in der „Jablotschkowschen Kerze“ der Kessel explodiert.

Für das „Psychomagnetische Experiment“ hatte ich  mir nun vorgenommen, die Akustik einmal komplett zu reduzieren und die Handlung stattdessen praktisch nur innerhalb einzelner „normaler“ Räume spielen zu lassen – hauptsächlich im Hotel Breidenbacher Hof, wo der Betrüger Professor Terrano residiert. (Eine kleine Randnotiz: Den Breidenbacher Hof gab es damals wie heute wirklich, und er besaß zu Sonderbergs Zeiten tatsächlich einen der weltweit ersten Fahrstühle, wie im zugehörigen „Notizen“-Fall „Der Dieb im Aufzug“ beschrieben.) Das Hauptaugenmerk sollte stattdessen auf der Erzählstruktur liegen, die verschiedene Zeitebenen miteinander verknüpft, nämlich die Verhörszenen mit Dr. Sonderberg und Inspektor van den Beeck in der Gegenwart mit der szenischen Darstellung von Dr. Sonderberg Ermittlungen gegen Terrano in der Vergangenheit.

Ich halte das nach wie vor für ein sehr interessantes Experiment. Nur dass es im „Psychomagnetischen Experiment“ leider nicht hundertprozentig aufgegangen ist. Der Grund liegt wahrscheinlich auch darin, dass in der Vergangenheit eben gerade akustisch interessantere Spielorte fehlen, die sich von der Verhörszene in der Gegenwart abgrenzen. Aber er liegt auch schlicht darin, dass die Folge ein wenig zu lang und der Gegenspieler von Dr. Sonderberg, Professor Terrano, ein wenig zu blass geraten ist. Würde ich mich heute noch einmal von vorn an diesen Plot setzen, würde er definitiv ganz anders ausfallen.

Wobei es durchaus ein paar schöne Momente in der Folge gibt, die ich nicht kleinreden möchte: Die Anfangsszene zum Beispiel, in der eine Beschwörung mit einem halben Dutzend anwesenden Personen zu hören ist, von denen jede immer nur kurze Einwürfe macht und aus all diesen Schnipseln, die immerhin getrennt voneinander aufgenommen wurden, ein hübsches, stimmungsvolles Gemälde entsteht. Oder auch die Leistung des mittlerweile leider verstorbenen Sprechers Hans Teuscher als Professor Terrano. Wunderbar und einzigartig! An ihm lag es gewiss nicht, dass diese Folge das Schlusslicht in meiner persönlichen Sonderberg-Rangliste belegt.

Damit soll es dann aber auch genug der Melancholie sein. Beim nächsten Mal erfahrt ihr, welche Folge ich für die bisher gelungenste halte. Echtes „Blockbuster-Kino für die Ohren“ sozusagen. Freut euch schon mal drauf! 😉

Viele Grüße
Dennis Ehrhardt

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Faustischer Traum

von am 1. Februar 2017

Habt ihr gestern auch fassungslos in die Luft gestarrt, weil schon wieder ein Zwölftel von 2017 vorbei ist? Wenn die Zeit weiter so schnell, schnell, immer schneller geht, kann einem ja nur Angst und Bange werden. Und immer muss alles sofort passieren oder noch soforter und neu sein und noch neuer, und was gestern war, interessiert heute sowieso niemanden mehr … Da möchte ich es hier einmal etwas anders handhaben und es heute etwas ruhiger angehen lassen. Traumhaft ruhig sozusagen. Keine Neuigkeiten. Es gibt nämlich derzeit keine zu Sonderberg. Ist so. – Geben wir uns also unseren Träumen hin und genießen die freie Zeit, die wir sonst mit dem Lesen eines Blogbeitrags verschwendet hätten, der keinen wirklichen Inhalt zu bieten hat. 🙂

Gregor träumt übrigens auch öfter. Aber Vorsicht, die Information ist nicht neu, sondern stammt aus Folge 7. Wer trotzdem noch mal reinhören will, kann das hier tun. Und anders als Gregor in diesem Notizen-Abschnitt ganz entspannt bleiben …

Viele Grüße, Dennis Ehrhardt

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Alles Gute für 2017

von am 1. Januar 2017

Liebe Freunde von SONDERBERG & CO.,

die Mitarbeiter unserer Detektei – Minnie Cogner, meine Wenigkeit sowie mein Neffe Gregor als gelegentlicher wohlmeinender Unterstützer – wünschen Ihnen und euch einen guten Rutsch in ein hoffentlich erfolgreiches und vor allem gesundes Jahr 2017.

Auch wenn die Welt sich weitergedreht hat in den letzten 125 Jahren, so scheint doch vieles immer noch ähnlich kompliziert wie zu meinen Lebzeiten. Oder komplizierter. Ein bisschen Ruhe und Besinnung hat deshalb noch niemandem geschadet, so schwor Minnie neulich Stein und Bein: einfach mal eine Auszeit nehmen vom täglichen Gehetze und Geschrei, von den Übergriffen fremder Menschen und Maschinen, die versuchen, uns ihre Bedürfnisse als unsere eigenen zu verkaufen. Einfach mal Augen und Ohren entspannen vom Gerede der Ich-habe-es-immer-schon-gesagt-Behaupter und der Das-wird-man-doch-noch-mal-sagen-dürfen-egal-wie-unsinnig-es-ist-Krakeeler. Einfach mal ausruhen vom Gewitter täglicher, stündlicher oder minütlicher Meldungen, die sich bei genauerem Hinsehen doch nur als Aufforderungen zum Anstarren, Anklicken oder gar Kaufen entpuppen – und stattdessen an diejenigen denken, die uns wichtig sind: an unsere Freunde und unsere Familie (herzlicher Glückwunsch an diejenigen, bei denen es darunter eine Schnittmenge gibt 😉 ). Sowie an eine Welt, die endlich ist und doch genug für jeden von uns bietet, wenn wir uns nur ein wenig zurücknehmen und sie nicht ausbeuten bis auf die Knochen. Und natürlich an all jene Mitmenschen, die darin leben und nicht spöttelnd oder zynisch oder schauspielernd durch das Leben gehen, sondern sich und ihre Umgebung so behandeln, wie sie selbst behandelt werden möchten: mit Anstand und Respekt. Und beides nicht nur dann einfordern, wenn es zu ihrem eigenen Vorteil ist. Denkt nicht, dass ihr allein seid, die ihr so handelt. Ihr seid die Mehrheit. Auch wenn die anderen lauter sind.

So viel zu Minnies Predigt. Ich finde, dass sie selbst ja auch manchmal etwas laut ist. Aber sie hat ein gutes Herz, vielleicht das beste und größte von uns allen, und eine Detektei ohne sie mag ich mir überhaupt nicht vorstellen. Ich werde mir also vornehmen, ihren Worten zu folgen. Vielleicht nicht allein?

Ich hoffe, wir lesen und hören uns bald wieder.

Ergebenst, am Abend des 31. Dezember 1892

Dr. Friedrich Sonderberg

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Van den Beeck oder van den Beeck?

von am 3. Dezember 2016

Vor einigen Tagen habe ich eine besonders nette E-Mail zu SONDERBERG & CO. bekommen, die ich euch nicht vorenthalten möchte. Birgit Bongartz stellt darin einige Fragen, die sicherlich auch viele andere Hörer interessieren:

Lieber Herr Ehrhardt, ach herrlich, es gibt doch wieder einen neuen Sonderberg-Blog. Vielen Dank dafür. Ich wollte mich eigentlich nur für die wundervollen Sonderberg-Hörspiele bedanken. Ich bin erst vor ein paar Monaten überhaupt darauf aufmerksam geworden, weil ich neuerdings ein großer Andreas-Fröhlich-Fan bin und auf der Suche nach Hörspielen mit ihm war. Da bin ich dann ganz zufällig über Ihren Blog „Lieblingscharaktere“ und „Gregor“ gestolpert. Gott sei Dank, denn die Rolle ist einfach wunderbar mit ihm besetzt. Haben Sie beim Schreiben des Skriptes die Stimme schon im Ohr?

Liebe Frau Bongartz, ja, das kann man sagen. Andreas Fröhlich war meine Wunschbesetzung für Gregor. Ist natürlich super, dass es geklappt hat – und dass er die Rolle auch genauso ausfüllt, wie ich es mir seinerzeit vorgestellt habe.

Sofort habe ich mir dann alle Sonderberg-CDs gekauft und wurde nicht enttäuscht. Klasse! Ich bin von jeder Folge begeistert! Da ich in direkter Nähe zu Düsseldorf wohne, haben die Episoden auch noch einen zusätzlichen Charme und Wiedererkennungswert für mich. Die Sprecher sind allesamt grandios, und die Musik könnte nicht besser passen. Beim Zuhören tauche ich regelmäßig ab in das Düsseldorf von früher, und es entstehen interessante Bilder im Kopf … Ein rundum gelungenes und spannendes Hörvergnügen, wenn auch Gregor – für meinen Geschmack – gerne noch öfter in Erscheinung treten dürfte. Herrlich! Was habe ich bei seinen Szenen oft gelacht … Ist es eigentlich richtig, dass jeder Sprecher einzeln aufgenommen („ge-ixt“) wird? Oder gibt es auch Teile, die im Ensemble eingesprochen werden?

Mir geistert schon seit langer Zeit eine Folge durch den Kopf, in der Gregor wieder eine größere Rolle spielen würde. Andererseits glaube ich, dass insbesondere seine kurzen Auftritte auch ihren Reiz haben. Er gehört ja gewissermaßen zur Familie, braucht aber auch Freiraum, um seine ambitionierten beruflichen Pläne zu verfolgen. 😉 Ja, die Sprecher werden durchweg einzeln aufgenommen. Eine Ensemble-Aufnahme ist terminlich und logistisch praktisch nicht möglich, weil die Sprecher zahlreiche andere Verpflichtungen haben. Ich spiele aber schon länger mit dem Gedanken, zumindest die Hauptfiguren einmal gemeinsam vor dem Mikrofon zu versammeln. Das würde dann sicherlich schon eine planungstechnische Herausforderung werden … Es kommt dabei aber auch auf das Skript an: wie groß die Überschneidungen sind, wie viele gemeinsame Szenen es gibt etc.

Interessant fand ich auch die Aussage, dass es von jedem Satz des Skriptes mehrere Varianten gibt. Ist das wirklich so? Wenn ich jetzt an die geniale Geschichte mit dem Totalisator denke … Wurde hier wirklich jeder einzelne Satz mehrfach gesprochen? Erst mit solchen interessanten Hintergrundinfos bekommt man einen Einblick, wie viel Arbeit hinter jedem einzelnen Werk steckt.

„Der Totalisator“ (die Notizen-Episode aus dem Fall Przygodda) stellt in der oben genannten Hinsicht eine Ausnahme dar. Das kleine Hörspiel wird ja praktisch von Andreas Fröhlich allein getragen. Da bot es sich natürlich an, dass er es jeweils komplett von Anfang bis Ende durchspielt. Das haben wir allerdings in der Tat mehrere Male gemacht, mit kurzen Besprechungen zwischendurch. So konnte ich am Ende die „Takes“ auswählen, die mir am besten gefielen. Die Menge vor dem Totalisator dagegen, deren Sprecher zur Serie ja keinen so starken Bezug haben wie die Stammsprecher, habe ich dagegen „Satz für Satz“ aufgenommen. Dies klingt vielleicht sehr technisch, aber es ermöglicht mir, auch kleine Betonungen und Nuancen so zu erarbeiten, wie es der Szene am besten dient.

Sind eigentlich weitere Sonderberg Hörspiele geplant? Ich freue mich schon jetzt darauf und hoffe, dass auch Gregor nicht zu kurz kommt. 😉 Entstehen bei den Aufnahmen auch Outtakes? Ein Blog mit ein paar Outtakes wäre dann noch das i-Tüpfelchen. 😉 Ich wünsche Ihnen alles Gute und weiterhin viel Erfolg und vielen lieben Dank für die tollen CDs und die sehr interessanten Blog-Artikel (Anfang des Monats wird sofort nachgeschaut, ob es Neues gibt 😉 ). Beste Grüße aus dem Rheinland, Birgit Bongartz

Ups, da bin ich glatt schon wieder zwei Tage im Verzug! – Ja, es wird auf jeden Fall weitere Sonderberg-Hörspiele geben. Die nächste Folge wird voraussichtlich im Herbst 2017 erscheinen. Natürlich entstehen bei den Aufnahmen auch Outtakes. Diese habe ich bisher allerdings nicht systematisch gesammelt. Aber ich habe anlässlich dieses Blogbeitrags einmal ein wenig im Archiv gekramt und eine hübsche Aufnahme aus dem Jahr 2011 gefunden, die ich seinerzeit bei einer Veranstaltung zu SONDERBERG & CO. auf der Leipziger Buchmesse präsentiert hatte. Darin kämpft Andreas Mannkopff mit der Aussprache des Namens „van den Beeck“, was natürlich gerade deswegen unwiderstehlich wirkt, weil es ja der Name seiner eigenen Figur ist. Hier hören Sie zunächst, wie der Satz im veröffentlichten Hörspiel „Aus Sonderbergs Notizen: Minnie pocht“ (enthalten im Fall der „Jablotschkowschen Kerze“) klingt. Und hier hören Sie die ungekürzte Originalaufnahme. Allerdings darf ich verraten, dass die Aufnahmen nicht in jedem Fall so lange dauern. 😉

Vielen Dank, liebe Frau Bongartz, für Ihre Mail. Ich wünsche Ihnen – und allen stillen Mitlesern – ebenfalls alles Gute und eine schöne Vorweihnachtszeit!

Dennis Ehrhardt

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„Der Charakter jedes einzelnen Kleckses“

von am 1. November 2016

Liebe Sonderberg-Freunde,

da hat es doch wieder einmal länger gedauert als geplant, bis der letzte Karton ausgeräumt und der letzte Schrank eingeräumt war, weshalb der Oktober-Beitrag leider ausfallen musste … Aber jetzt ist der Umzug vollbracht, und damit soll auch das Sonderberg’sche Büro gewissermaßen wieder in neuem Glanz erstrahlen! Im Beitrag für diesen Monat habe ich etwas verwirklicht, was mir schon länger ein Anliegen war: ein Interview mit der Illustratorin der Sonderberg-Hörspiele, Stefanie Bemmann, zu führen. Und darin gibt es sogar schon einen winzig-kleinen Ausblick auf das, was kommen wird …


Als es seinerzeit darum ging, den „Look“ von SONDERBERG & CO. zu entwerfen, da haben der Layouter und Grafiker Sebastian Hopf und ich uns, beginnend mit einem Kneipengespräch zu dem Thema, sehr viele Gedanken gemacht … und sehr viele Entwürfe hin- und hergespielt … und sehr viele Bilder verschiedener Illustratoren angeschaut, denen aber immer das entscheidende Quäntchen fehlte. Keiner hatte diesen Ansatz, den ich von Anfang an im Kopf hatte: nämlich eine Strichzeichnung, der mit wilden Farbklecksen ein Charakter gegeben wird. Man könnte das vielleicht so formulieren: Nüchternheit und Sachlichkeit, gepaart mit einem emotionalen Ausbruch, der viel Raum für die eigenen Gedanken lässt. – Und dann stieß ich auf die Illustrationen von Stefanie Bemmann (mehr von ihr findet man übrigens auf ihrer Website sb-illustration.de). Und das war es. Genau so sollte SONDERBERG & CO. aussehen …! Was für ein Glück, dass Steffi zusagte, an dem Projekt mitzuwirken. Und was für ein Glück, dass sie im Folgenden Rede und Antwort steht, was genau das bei der Arbeit an jeder einzelnen Illustration bedeutet.


Liebe Steffi, du hast der Sonderberg-Serie mit deinen Illustrationen von Beginn an ein Gesicht gegeben – und das, obwohl man ja nie wirklich ein Gesicht auf den Bildern sehen kann. Wie ist dieser „Look“ der Serie entstanden?

Nun, die Gesichter von Dr. Sonderberg und Minnie Cogner sollten nie zu sehen sein, um dem Hörer Freiraum für seine eigene Vorstellung der beiden Hauptcharaktere zu lassen. Trotzdem hat man durch die Kleidung und die Darstellung von hinten eine gewisse Idee, wie die beiden in etwa aussehen könnten und in welcher Epoche die Geschichten spielen. Durch meinen Illustrationsstil mit einer Tuschezeichnung in Kombination mit einem freien Aquarellklecks in jeweils einer Farbrichtung bekommt die Reihe dann quasi eine eigenständige visuelle Signatur.

Wie „entsteht“ ein Sonderberg-Bild denn genau?

Meistens bekomme ich ja eine relativ konkrete Bildidee zu der jeweiligen Folge geliefert. Dabei handelt es sich um eine Schlüsselszene oder die entsprechende Lokalität wie z. B. eine Situation im Theater oder auf der Rennbahn, vor einem historischen Gebäude usw. Ich suche dann nach Bildvorlagen aus dieser Zeit um 1890, um mir selber eine Vorstellung machen zu können. Mit Tusche und Feder zeichne ich dann den Hintergrund und die beiden Hauptfiguren und scanne das Ergebnis ein. Wenn dieses Grundgerüst steht, hinterlege ich es mit einem freien Aquarellklecks. So locker und leicht, wie es am Ende aussieht, ist es aber nicht. Es dauert, bis ein Bild sich wirklich rund anfühlt.

Wie hast du diese Maltechnik für dich entdeckt und entwickelt?

Die Technik mit den Aquarellklecksen entstand ursprünglich als zufälliges Nebenprodukt beim Malen. Mir sind eines Tages beim Wegräumen der Malunterlagen auf einmal die zufälligen Kleckse, die beim Mischen der Farben entstanden waren, ins Auge gesprungen. Ich konnte sogar ganze Figuren darin erkennen. Das hat mich fasziniert, sodass ich dann angefangen habe, damit zu experimentieren. Ich liebe den eigenen Charakter jedes einzelnen Kleckses – je nach Farbkombination, Form und Fortschritt des Trocknungsprozesses entsteht eine eigene Stimmung: mal hell, leicht, ruhig, harmonisch, mal sehr dynamisch, dramatisch oder sogar düster. Damit kann man gut spielen.

Hast du ein Lieblingsmotiv – oder gibt es eine Umgebung, in die du Dr. Sonderberg und Minnie Cogner gern einmal versetzen würdest?

Von den bereits existierenden Motiven ist mein Lieblingsbild das der aktuellen Folge „… und die letzte Nacht der Eva Przygodda“ (weil es so dynamisch ist) und das der Folge „… und die Zitronenjette“. Ich könnte mir Sonderberg und Minnie auch gut in einer Fabrikhalle, am Eiffelturm oder vor einem Zirkuszelt vorstellen.

Oh, damit hast du ja schon einen sehr geheimnisvollen Ausblick in die Zukunft gegeben, denn die Illustration der „Zitronenjette“ ist bisher nicht veröffentlicht und erst für eine der kommenden Folgen eingeplant …
 
Ups, das war mir nicht bewusst. 🙂 Ich hoffe, ich habe jetzt nicht zu viel verraten …

Du hast bisher nicht nur viele Buch- und Hörspielcover illustriert, sondern z. B. auch Logos entworfen und 3D-Figuren entwickelt. Was davon liegt dir am meisten?

Ich würde schon sagen, das Illustrieren selbst – zum Beispiel für Magazine, Buch- und Hörbücher. Logos oder 3D-Figuren mache ich auch gerne, die beruhen ja aber letztlich auch wieder erst mal auf Zeichnungen.

Du bist seit einigen Jahren Mutter einer Tochter. Wie zeichnet es sich mit einem solchen Energiebündel an der Seite?

Naja, parallel mit ihr an meiner Seite zu zeichnen – das geht schon mal gar nicht! 😀 Ich kann natürlich nur arbeiten, wenn sie gerade im Kindergarten ist. Sonst würde sie mir ja überhaupt keine Ruhe lassen, mir dauernd ins Bild kritzeln und die Farben umschmeissen – Vollkatastrophe! Inzwischen malt sie aber selbst schon ganz begeistert, am liebsten mit Acryl. Ab und zu lass ich ihr den Spass und mir die Sauerei danach … Zugegeben, in den ersten drei Jahren war es wirklich sehr nervenaufreibend, Job und Kind unter einen Hut zu bringen. Ich wollte aber trotzdem am Ball bleiben, und es kam für mich gar nicht in Frage, meine  Arbeit – und damit meine Leidenschaft – ganz und gar an den Nagel zu hängen. Da hätte mir etwas sehr Wichtiges gefehlt. Seitdem sie aber in den Kindergarten geht und nicht mehr dauernd krank ist, geht das natürlich alles wieder wesentlich besser.

Vielen Dank, Steffi, für das Interview.

Ich danke. 🙂

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Sonderberg zieht um

von am 1. September 2016

Dr. Sonderberg hat in diesen Tagen einiges zu tun, weil der Zaubermond Verlag umzieht und er kräftig mit anpacken muss. Wir melden uns an dieser Stelle wahrscheinlich in der zweiten Septemberwoche wieder mit einem regulären Eintrag … wenn uns nicht in der Zwischenzeit ein Hammer auf die Finger gefallen ist! 🙂

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Sprecher-Anekdoten

von am 1. Juli 2016

Kürzlich habe ich bei Sprachaufnahmen in Berlin einen Sprecher wiedergetroffen, mit dem ich seinerzeit für die Folge „Sonderberg & Co. und das psychomagnetische Experiment“ zum ersten Mal zusammengearbeitet habe: Thomas Petruo. Eine sensationelle Stimme, sowohl was den Klang aus auch den schauspielerischen Ausdruck betrifft – was man unter anderem in der großartigen US_Serie „The Wire“ hören kann, wo Thomas der Figur „Bubbles“ die Stimme leiht (es gibt kaum eine Serie, die unfassbar viele Erzählstränge und Charaktere so dicht und so konsistent über mehrere Staffeln entwickelt wie „The Wire“ – unbedingt anschauen!).

Aber zurück zum „Psychomagnetischen Experiment“, in dem Thomas dem zwielichten Helfer von Professor Terrano, Cornelius Voigt, spricht. Dabei erschien mir Thomas zu Anfang, also bei der ersten Kontaktaufnahme zur Terminfindung, sehr zurückhaltend und reserviert. Ich dachte mir nicht so viel dabei. So ist das halt manchmal, die Chemie muss ja nicht immer stimmen. Bei den Aufnahmen sind wir beide dann sehr freundlich miteinander umgegangen, wie es sich gehört – und das Ergebnis konnte sich auch hören lassen … aber leider nur bis zu einem gewissen Grad, wie ich nach Fertigstellung des Hörspiels hören musste:

So war mir Cornelius Voigt in einigen Szenen nicht präsent genug. Zum Beispiel kriecht er gegen Ende der Geschichte aus einem Versteck unter einem Tisch. Dafür hatte ich aber leider nicht die entsprechenden „Kriechlaute“ mit Thomas aufgenommen, sodass Cornelius Voigt plötzlich scheinbar wie aus dem Nichts in der Szene neben Terrano und Sonderberg stand. Blöder Fehler von mir. Also habe ich Thomas noch einmal angerufen, ihm das Problem geschildert und reumütig gefragt, ob er bereit wäre, für eine Nachaufnahme ins Studio zu kommen. Als Honorar konnte ich ihm leider nur eine lächerliche kleine Summe bieten.

Seine Antwort lautete (sinngemäß): „Das ist doch überhaupt kein Problem, ich komme sehr gern. Ich finde es großartig, dass du überhaupt so viel Mühe auf dich nimmst und nachträglich etwas korrigieren möchtest. So etwas ist ja leider überhaupt nicht üblich.“ Das waren nur ein paar kleine Sätze, und es war auch nur eine „kleine“ Nachaufnahme von wenigen Minuten, aber beides ist mir in Erinnerung geblieben. Seitdem freue ich mich jedes Mal, wenn Thomas und ich uns bei einer Aufnahme wiedersehen. Ohne sein Verständnis wären Cornelius Voigts umständliches Kriechen und seine herausgestoßenes „Finger weg!“ am Ende des fünften Falls nicht zu hören … 😉

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Über Lieblingscharaktere

von am 1. Juni 2016

Seit SONDERBERG  & CO. im Jahr 2011 gestartet ist, habe ich jede Menge Reaktionen auf die Serie bekommen – sei es in Rezensionen, in Briefen oder E-Mails, aber auch in persönlichen Gesprächen mit Hörern oder Sprechern, die an der Serie mitwirken. Erstaunlicherweise hat dabei fast jeder, der die Serie kennt und schätzt, einen Lieblingscharakter. Und noch »erstaunlichererweise« – ist es immer derselbe:

Gregor.

Ja, genau: Sonderbergs lebenshungriger, immer ein wenig hektisch und verpeilt wirkender Neffe, diese Karikatur eines Lebemanns, dessen ehrliches Bemühen, Dr. Sonderberg bei der Lösung eines Falles zu unterstützen, in der Regel fruchtlos, aber dafür umso seltener harmlos bleibt … und der dabei jede Menge persönliche Lebenspläne quasi im Handumdrehen neu ent- und wieder verwirft …

Was zum Geier macht diese sprunghafte Mischung aus Tunichtgut und Hans-guck-in-die-Luft in den Augen und Ohren der Hörer so sympathisch?

Die naheliegende – und unzweifelhaft absolut richtige – Antwort darauf lautet: Es ist Andreas Fröhlich, der Gregor seine Stimme leiht und damit nicht zum ersten Mal beweist, dass er so viel mehr kann, denn als „Rechercheur und Archivar“ Bob Andrews den introvertierten Stichwortgeber für Justus Jonas zu geben. Ich hatte mir von Beginn an gewünscht, dass er die Rolle ausfüllen möge … und habe innerlich gejubelt, als er zugesagt hat! Tatsächlich spielt Andreas Gregor genau so, wie man ihn spielen muss – und das, ohne dass die Regie in einem nennenswerten Maße eingreifen müsste.

Allerdings glaube ich auch, dass es auf die Frage, warum die Figur Gregor etwas in uns anrührt, noch eine zweite Antwort gibt. Ich glaube, dass viele von uns in Gregor ein Teil von uns selbst erkennen. Oder vielleicht doch lieber – ja, gönnen wir uns diese scheinheilige Ausflucht! – einen Teil unserer erlebten und erfahrenen Umgebung. Was mich selbst betrifft, so gilt das übrigens für beinahe jede Hauptfigur der Serie. Logisch. Ich habe sie ja erfunden.

Zum Beispiel habe ich mich, bevor ich mich dem Entwickeln und Schreiben von Geschichten widmete, Mathematik studiert. Ich glaube nicht, dass ich ein besonders guter Student war. Auf jeden Fall war ich faul, und die ehrliche Faszination, die ich bis heute für Zahlen, Formeln und logische Konstrukte empfinde, wurde leider immer wieder torpediert von dem Desinteresse, dass ich harter Arbeit entgegenbrachte, wie sie im Studium gemeinhin das Bewältigen der alltäglichen Übungsaufgaben erfordert.

Am Ende habe ich den Abschluss zwar geschafft  (und hoffe bis heute, dass mich niemals jemand fragen möge, wie …). Dennoch bin ich überzeugt davon, dass Dr. Sonderberg der bessere Mathematiker von uns beiden ist. Selbstverständlich ist er das! Er ist sozusagen der Logiker, der ich gerne wäre. Und außerdem ist er versponnen, was ich auch gern wäre, mir aber nur selten leisten kann.

Ich bin wahrscheinlich eher schusselig. Wie Inspektor van den Beeck (dem ich trotzdem nicht eine gewisse Bauernschläue absprechen möchte, die ich auch gerne hätte). Auf jeden Fall bin ich nicht so energisch und ordnungsliebend wie Minnie Cogner. Und vermutlich auch nicht so herzlich, leider. (Wer für Minnies Charakter Patin gestanden hat, habe ich ja in einem der frühen Beiträge erzählt.)

Ganz, ganz sicher aber – und damit schlage ich den Bogen zurück – steckt im mir ein großer Teil Gregor. Und so war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis er in der Serie auftauchte. Sie hat förmlich nach ihm geschrien! Da gab es diese Szene im zweiten Fall. Die Älteren unter uns erinnern sich: »Der Tote im Rhein«. Die Geschichte, die ursprünglich als Startschuss der Serie eingeplant war (deswegen hat die Detektei zu Anfang dieser Folge auch ihr Türschild erhalten). Erst ein paar Wochen später, als ich am »Mord auf Schloss Jägerhof« schrieb, erschien es mir diese Folge plötzlich als der bessere erste Fall – weil er sich erst einmal sehr auf die Figuren Sonderberg und Minnie konzentrierte …

Aber zurück zu Gregor. Er platzte also buchstäblich herein. Durch die Tür von Sonderbergs Arbeitszimmer. Mit der Idee, Fotograf zu werden … und einem winzig kleinen Liquiditätsproblem – von dem wir inzwischen bekanntlich wissen, dass es ihn chronisch begleitet. Tja, und da war er nun – und ich hatte keine Ahnung, was in Zukunft aus dieser Figur werden würde. Was aber nicht daran lag, dass sie mir fremd war … sondern dass mir von der ersten Sekunde, vom ersten Wort, das Gregor sagte, an klar war, dass er komplett frei war. Ein Mensch ohne Verantwortung, frei von der Last der Vergangenheit, frei außerdem von (zumindest wesentlicher) Sach- oder Fachkenntnis. Ein Mensch, der einfach das tat, was ihm gerade in den Sinn kam. Weil er es für richtig hielt. Ein Mensch, der ausschließlich fühlte. Und niemals dachte. Obwohl er zweifellos oft glaubte zu denken. Aber echtes Denken ist Gregor nicht möglich. Er hat keinen Verstand. Er hat nur seinen Bauch. Dabei ist er aber nicht unbedingt ein fleischgewordenes Freudsches Es, sondern vielmehr ein hedonistischer Traumtänzer. Ein Mensch, der von dem Gedanken beseelt ist, ein gutes und richtiges Leben zu führen … ohne zu merken, dass das richtige Leben gerade an ihm vorbeiläuft.

Oder ist es in Wirklichkeit vielleicht genau umgekehrt? Läuft das Leben an uns vorbei? An uns, die wir über Gregor lachen und dabei die täglichen und alltäglichen Ketten übersehen, in die wir selbst geschlagen sind … die wir Hypotheken abbezahlen, weil wir uns irgendwann mal dazu verpflichtet haben, die wir eine Geht-so-Ehe führen und vielleicht einen Beruf ausüben, den wir mit Glück ganz okay finden, bei dem uns aber dennoch der Gedanke mit Schrecken erfüllt, dass er uns vielleicht ein ganzes Leben begleiten wird … weil wir uns irgendwann einmal dazu verpflichtet haben …?

Gregor hat sich zu nichts verpflichtet. Niemals. Außerdem entscheidet er nicht. Und wenn doch, dann entscheidet er sich eben hinterher wieder um. Ganz wie es passt. Vielleicht sind ja wir die Dummen und Gregor der Schlaue?

Ich glaube, dass es nicht klug ist, diese Frage vorschnell zu beantworten – weder in die eine, noch in die andere Richtung. Es hat auch seine Vorteile, die linke Gehirnhälfte zu benutzen und die wichtigen Entscheidungen des Lebens nicht allein der rechten zu überlassen. Dabei hätte Letzteres tatsächlich einen vollkommen offensichtlichen Vorteil. Wir würden niemals darüber nachdenken, was wir falsch gemacht haben. Sondern einfach fühlen, was wir als nächstes tun sollten.

Wie Gregor.

Was für ein schönes Leben …!

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Warum es nur zwei Bücher von SONDERBERG & CO. gibt

von am 1. Mai 2016

Hallo ihr Lieben, inzwischen ist es zwei Monate her, dass der neue Sonderberg-Fall erschienen ist. Einige Rezensionen, in denen die Folge sehr gut wegkommt, habe ich ja schon in den letzten Beiträgen verlinkt. Heute findet ihr am Ende dieses Beitrags deshalb mal den Link zu einem Verriss! Abwechslung muss schließlich sein … Zumal ich – wen wundert’s? – mit dem Urteil des Rezensenten in keinem einzigen Detail übereinstimme. 🙂

Vorher möchte ich auf ein gänzlich anderes Thema eingehen: Die Buchreihe SONDERBERG & CO.! Schließlich hat vor einigen Jahren alles einmal so begonnen – mit einem Konzept für eine Buch- und Hörspielreihe, das ich dem Chefredakteur des Droste-Verlags in Düsseldorf auf den Tisch legen durfte und das bei ihm offenbar einen bleibenden Schaden, … äh, Eindruck hinterließ.

Der Droste-Verlag entschloss sich, SONDERBERG & CO. zu machen. Aber nur als Buchreihe. Na, so eine Entscheidung kann mich ja nicht stoppen, dachte ich. Dann mache ich die Hörspiele eben selber. Flugs war der Vertrag unterzeichnet. Etwa ein Jahr später waren vier Hörspielskripte sowie das erste Romanmanuskript fertig. Letzteres entstand unter großer Mithilfe von Andrea Trudewind, ihres Zeichens Archivarin im Düsseldorfer Stadtarchiv. Von ihr erfuhr ich mehr über das Düsseldorf des 19. Jahrhunderts, als man in allen Büchern der Welt lesen kann … So hatte das Polizeirevier am Düsseldorfer Markt damals nach dem Aufbau des ersten Telefonnetzes die Rufnummer 48 – so wie in den Hörspielen … Und auch die schwimmende Rheinbrücke aus dem zweiten Fall gab es wirklich (inklusive des Plans, den Rhein einfach zuzuschütten, anstatt sie zu ersetzen). Und die Nervenheilanstalt, die im fünften Fall eine Rolle spielt, … und … und … und …

Aber zurück zum ersten Romanmanuskript. Es wurde von einer Dame namens Diana Steinbrede hervorragend lektoriert (danke nochmal, Diana, für die tolle Zusammenarbeit, auch beim zweiten Fall!) und anschließend veröffentlicht … und damit begann das Unglück! Leider – aus meiner Sicht – bestand der Droste-Verlag nämlich darauf, den Büchern eigene Coverillustrationen zu verpassen, obwohl die ersten Hörspiele bereits erschienen waren und der „Look“ der Reihe (geprägt durch die hervorragenden Illustrationen von Stefanie Bemmann) längst feststand. Alles Bitten und Betteln von meiner Seite half nichts. Bücher und Hörspiele mussten sich also optisch voneinander getrennt ihre Käufer suchen. Und es kam noch schlimmer: Kurz vor dem Erscheinen des ersten Bandes der neuen „kultverdächtigen historischen Kriminalreihe von Dennis Ehrhardt“ war der Chefredakteur, der so für die Reihe gekämpft hatte, nicht mehr da – und die Liebe zum neuen Krimi-Projekt beim Verlag nach meinem Empfinden spürbar abgekühlt.

Dazu muss man sagen, dass solche Entwicklungen in der Branche nicht ungewöhnlich sind. Bücher werden von Menschen gemacht und gemocht. Und wenn jemand, der an entscheidender Position saß und SONDERBERG von Anfang an mochte und wollte … wenn dieser Jemand plötzlich fehlt, ist das natürlich nicht gut für die Reihe. Das kann große Auswirkungen auf den Erfolg haben. Obwohl mich von Lesern immer wieder positives, manchmal sogar ehrlich enthusiastisches Feedback erreichte, verkauften sich die Bücher nicht so gut, wie ich es mir erhofft hatte. Eine Pi-mal-Daumen-Regel der Branche besagt, dass ein Hörbuchtitel im Verkauf ungefähr 10% der Auflage des Original-Buchtitels erreicht. Bei SONDERBERG & CO. war das Verhältnis von Beginn an eher umgekehrt. Ich verkaufte mehr Hörspiele als der Droste-Verlag Bücher. Das fand ich so deprimierend, dass ich dem Verlag anbot, den Vertrag, der eigentlich über drei Bücher lief, nach dem zweiten Buch aufzulösen. Droste war natürlich einverstanden, ja, vielleicht sogar erleichtert, aber meine Hoffnung, sich auf eine Komplettauflösung einigen zu können, erfüllte sich nicht. Erst vor einigen Monaten wurden die beiden Titel vom Markt genommen, und damit sind die Rechte nun (endlich) an mich zurückgefallen.

Tja. Mein ursprünglicher Plan, Buch und Hörspiel eines Falles stets zusammen zu veröffentlichen, war damit also schon gestorben, bevor der erste Buch erschienen war. Shit happens. Aber was tun? Die Buchreihe jetzt nachträglich um sechs Romane ergänzen – Jahre, nachdem ich die entsprechenden Hörspiel-Geschichten erdacht und „geschrieben“ habe …? Das halte ich für keine gute Idee. Und so beschränke ich mich im Augenblick darauf, die beiden bisherigen Sonderberg-Bücher erst einmal im eigenen Verlag lieferbar zu machen. Mit  dem richtigen Cover, bitteschön! Der erste Fall, „Schloss Jägerhof“, ist ja zumindest schon als E-Book erschienen. Die Print-Ausgaben werden folgen, sobald es meine Zeit zulässt. Denn ja – ich glaube an diese Buchreihe! Selbst wenn ich verflixt noch mal der Einzige sein sollte, der es tut! :-))

Auf jeden Fall habe ich es im Gefühl, dass es für Sonderberg irgendwann auch einmal in Buchform mit neuen Fällen weitergehen wird. Es muss nur die richtige Zeit und die Gelegenheit kommen, damit sich die Tür der Detektei auch für Leser wieder öffnet …

Mit diesen melancholischen Worten schließe ich das Geschichtsbuch für heute und präsentiere zum Abschluss den versprochenen Link zur Rezension von Detlef Kurtz. Es gibt darin einige sehr verstörende Sätze, zum Beispiel: „Die Regie mischt ein wenig seltsam.“ Bisher dachte ich, Regie und Mischung sind im Hörspiel zwei völlig getrennte Arbeitsbereiche. Hm …

Bis zum nächsten Monatsersten!

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Der achte Fall ist erschienen / Interview mit Jan-Gregor Kremp

von am 4. März 2016

Endlich ist es so weit! Der achte Fall ist erschienen – und damit das erste neue Abenteuer von Dr. Sonderberg und Minnie Cogner nach über drei Jahren (der „Faustische Pakt“ erschien tatsächlich im Dezember 2012).

Eigentlich hätte der 4. März also ein Freudentag werden sollen. Leider aber möchte diese Freude bei mir nicht aufkommen, denn vor einigen Tagen ist meine Großmutter väterlicherseits ziemlich überraschend gestorben. Dies war auch der Grund für mich, den Blogeintrag um einige Tage zu verschieben.

Warum ich das erzähle? –  Die Frage ist berechtigt, denn ich bin eigentlich kein Mensch, der Privates nach außen kehrt. Ich finde es im Gegenteil unangenehm, wenn Leute einem im falschen Augenblick mit ihren eindeutig persönlichen Belangen zu nahe kommen. Leute, die mich kennen, werden nun vermutlich einwenden, dass ich einfach nur kontaktscheu bin. Wahrscheinlich haben sie recht. Aber als Autor darf und muss ich das schließlich auch sein, um künstlerisch ernst genommen zu werden. 😉

Dass ich nun also gegen meine eigenen Prinzipien verstoße, hat einen guten Grund: Meine Großmutter hat zu einem Großteil für die Figur der Minnie Cogner Pate gestanden. Nicht zu hundert Prozent. Nicht einmal zu neunzig – was auch an Regina Lemnitz liegt, die die Figur mit ihrem Spiel wesentlich jünger und vor allem nahbarer gemacht hat, als ich sie mir anfangs vorgestellt habe. Und das war gut, denn so hat Minnie im Laufe der Fälle Facetten bekommen, die sie als Figur wesentlich kompletter machen. Man denke zum Beispiel an die holprige Gesangseinlage in den Notizen zum ersten Fall. Oder den ewigen Ansatz eines Techtelmechtels mit Inspektor van den Beeck. In wesentlichen Charakterzügen ähnelt Minnie jedoch nach wie vor stark meiner Großmutter: hinsichtlich der Selbstbestimmtheit und Meinungsstärke zum Beispiel – und der Emotionalität und Energie, mit der sie ihre unmittelbare Umgebung in Atem hält (und bisweilen strapaziert 🙂 ). Wäre Minnie Cogner 92 Jahre alt wie meine Oma, so würde man sie gewiss auch für unsterblich halten. Vielleicht kam ihr Tod für mich deswegen so überraschend. Tschüs, liebe Oma. Du fehlst mir.

Aber dieser Beitrag soll ja nicht zu einer Elegie werden (das wäre mir dann wirklich zu persönlich … 😉 ). Ich möchte deshalb noch auf die ersten Rezensionen verweisen, die zum neuen Fall eingetroffen sind:

– FFM-Rock: „Brilliante Sprecher treffen auf ein schönes Setting und gekonnte Dialoge.“
– Buchundton.de: „Eine Ausnahmeserie!“
– Buchwurm (über den Epilog „Der Totalisator“): „Ein überragendes Andreas-Fröhlich-Solo!“

Wie fandet ihr den neuen Fall? War die Auflösung ein wenig zu schwierig (wie in meiner Testhörerschaft kritisch angemerkt wurde)? Ich freue mich über eure Meinung und werde sie gern hier im Blog veröffentlichen.

Und ebenfalls nicht vorenthalten möchte ich euch natürlich das bereits angekündigte Video-Interview mit Jan-Gregor Kremp, das im Juni 2015 direkt im Anschluss an die Aufnahmen zum Przygodda-Fall entstanden ist. Es liefert sicherlich einige schöne Informationen und Sichtweisen auf die Serie, die selbst mir neu waren …

Zum Abschluss noch ein Hinweis: Durch einen technischen Fehler ist es leider bei der Auslieferung der Download-Version von „Sonderberg & Co. und die letzte Nacht der Eva Przygodda“ auf Amazon, iTunes etc. zu einem überhöhten Preis gekommen. Diesen Fehler haben wir heute korrigieren können, sodass der korrekte Preis von ca. € 9,99 in den nächsten Tagen erscheinen sollte. Wer nicht so lange warten möchte, kann das Hörspiel ja sicherheitshalber gleich hier bei uns im Zaubermond-Webshop bestellen, da ist der Preis garantiert!

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