Torvil der Troll

von am 3. September 2021

Trolle sind in Norwegen allgegenwärtig, darüber habe ich in meiner letzten Kolumne bereits kurz geschrieben. Ich war während der vergangenen Wochen im Land unterwegs und war kurz davor, wegen des häufigen Regens Moos anzusetzen. Und genauso stelle ich mir Trolle auch vor: moosbedeckte und behäbige Geschöpfe, die mal gut und mal schlecht gelaunt sind. Wesen, von denen man nicht so recht weiß, was sie in der nächsten Sekunde tun könnten.

Stellt euch einen Troll an Dorian Hunters Seite vor. Eine Gestalt, die bösartig bis in die letzte Fingerspitze sein kann, aber auch gutmütig und mit sonderbaren Fähigkeiten ausgestattet, die er in Hunters Kampf gegen die Dämonen einsetzt.
Man kann diesen Troll nicht immer sehen. Er verschmilzt mit der Umgebung. Er wird zum Teil einer Bodenwurzel oder verbirgt sich hinter einem fein gemaserten Stein. Sein Gesicht ist verkrustet, da und dort wächst ein Pilz daraus hervor. Er hat sich die Begabung angeeignet, sich auch in einer technisierten Umgebung tarnen zu können. Er wird zum Teil eines Straßenbilds oder eines Kanalgitters. Er bewegt sich unauffällig zwischen den Straßenschluchten einer amerikanischen Großstadt, wird zu einem der vielen Ausgestoßenen. Vielleicht fühlt er sich in den Reihen der Freaks besonders wohl. Dort würde er mit seinem wirklichen Aussehen wohl nicht allzu viel Aufmerksamkeit erregen …

Nennen wir diesen Troll Torvil. Er ist stolz auf diesen Namen, wie er Dorian immer wieder unter die Nase reibt. „Tor“ ist ein Hinweis auf den Donnergott, „vil“ hatte im Altnordischen die Bedeutung „weben“. Er ist einer, der Unwetter „zusammenweben“ kann, sprich: ein begnadeter Intrigant ist. Genau diese Begabung stellt er immer wieder unter Beweis.

Torvil ist ein unerreichter Dieb. Er stibitzt Hunter den Bourbon unter der Nase weg oder nimmt Coco Zamis den BH ab, ohne dass sie es bemerkt. Einfach deswegen, weil er es kann. Er findet die intimsten Geheimnisse der beiden heraus und verrät sie weiter – und entscheidet sich im richtigen Augenblick dann doch dafür, das Team der Dämonenjäger zu unterstützen.

Prinzipiell ist er aber ein fauler Kerl. Er schläft lieber, als sich um die Belange der Menschen und der Dämonen zu kümmern. Erst, wenn er persönlich eingeschränkt ist und zornig wird, ist er bei der Sache.
Asmodi mag er nicht besonders. Wirklich nicht. Denn der hat ihm vor einigen Jahren ein wichtiges persönliches Utensil gestohlen. Ihm! Dem Meisterdieb wurde vom Herrn der Schwarzen Familie weggenommen!

Torvil ist 1,50 Meter groß, wächst aber rapide an, wenn er einmal in Rage gerät. Wenn er müde wird, schrumpft er auf Hosentaschengröße zusammen und reist besonders gerne in Cocos Brusttasche. Er ist ein schrecklicher Sexist, der der jungen Hexe einigen Grund gibt, sich über ihn zu ärgern. Aber Dorian und sie sind nun mal auf ihn angewiesen, denn er ist im Kampf gegen die Dämonen ein wichtiger Faktor …
Sein Bauch ist kugelrund, er trägt bunte Hosen aus Flicken, die Nase ist ein hervorstechendes Merkmal in seinem Gesicht. Die Augen sind schwarz wie Kohle, das Lächeln kann herzlich, aber auch bösartig wirken.

So oder ähnlich könnte Torvil als Charakter in die Handlung der Buchserie eingeführt werden. Er wäre eine Figur, die nicht leicht zu handhaben ist – aber viel, viel Spaß machen würde. Ich hoffe, bald mal die Gelegenheit zu erhalten, Torvil und Hunter gemeinsam im Kampf gegen die Schwarze Familie einzusetzen …

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Am Ende der Welt

von am 13. August 2021

Ja, da sitze ich gerade. Wortwörtlich. Hammerfest ist – angeblich – die nördlichste Stadt der Welt. Hier gibt es Felsen, sehr viele Felsen. Dazu einige verkrüppelte Bäume (meist Birken), Wind und Nebel, der vom Ozean kommend übers Land zieht und die Insel Kvalöya einpackt.
Möwen kreischen (und landen ab und zu auf dem Vordach), alle paar Minuten fährt ein Auto an meinem Hotel vorbei. Es regnet, weil eigentlich regnet es fast immer. Das beiliegende Bild dokumentiert all diese Dinge recht gut.

Die Sonne geht kurz vor zehn Uhr abends unter und gegen 2:30 wieder auf. Aber auch dazwischen wird es nie ganz dunkel. Es ist eine eigentümliche Stimmung, die ich aufsauge und verinnerliche. Ich bin mir sicher, dass ich all diese Eindrücke eines Tages in einem DORIAN HUNTER-Roman verwenden kann.

Nebstbei sammle ich auf meiner Motorradreise auch die Mythen des jeweiligen Landes. Trolle sind in in der norwegischen Kultur nicht derart präsent wie in Island, aber dennoch begegnet man ihnen immer wieder. Sie werden meist als dickbauchige und wildhaarige Gestalten gezeichnet, deren markantestes Merkmal die lange Nase ist.
Eine der bekanntesten Aussichtsstraßen Norwegens ist der sogenannte „Trollstigvegen“ im norwegischen Fjordland. Über mehrere Kehren windet sich die Straße eine beeindruckende Gebirgsschulter empor. Wie die regenreiche Landschaft Norwegens ohnedies glauben macht, dass hinter der nächsten Erhebung ein Troll oder ein Riese hervortreten könnte und über dich herfällt. Meist sind es dann aber bloß Rentiere, die unmittelbar vor deinem Motorrad über die Straße trappeln und dabei gemächlich kauen.
Seltener bekommt man Elche zu sehen. Sie sind scheue Tiere – aber unglaublich beeindruckend. Ich hatte letztes Jahr eine Begegnung mit zwei von diesen Riesen. Sie stapften über die Straße, hinab in ein enges Tal. Blickten nochmals zu mir hoch, als wollten sie mich hämisch auslachen, als ich verzweifelt versuchte, das Handy für ein Foto aus meinem Tankrucksack zu nesteln. Kaum hatte ich es geschafft, wandten sie sich um und verschwanden im Regen. Ihre dumpf klingenden Schritte, die sie auf den Moosboden setzten, waren noch für einige Sekunden zu hören, dann war es vorbei. Und ich ohne Erinnerungsbild zurückgeblieben.

Wie gesagt: Es sind nach wie vor Eindrücke und Erinnerungssplitter, die ich sammle. Dorian Hunter hat meines Wissens nach noch nicht allzu viele Abenteuer in nordischen Ländern bestanden. Es gibt die – bereits vage ausformulierte – Idee, ihn im Land der Asen herumabenteuern zu lassen. All die Eindrücke, die ich gerade sammle, verdichten und verbessern dieses Konzept. Es macht richtig Spaß, Fiktion und Realität miteinander zu verweben. Und damit bin ich gerade ausführlich beschäftigt.

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Auf Motivsuche

von am 23. Juli 2021

Derzeit bin ich ja mit dem Motorrad auf Reisen. Ich fahre kreuz und quer durch Deutschland, treffe gute Freunde, frische alte Bekanntschaften auf oder mache neue. Im Prinzip entscheide ich alle paar Tage, wo es denn jetzt wieder hingehen soll. Bislang sind Graz, Villach, Innsbruck, München, der Allgäu, Zürichsee, Bern, der Schwarzwald, der Pfälzer Wald und Darmstadt auf meiner Liste gestanden. Das ist schon eine ganz schöne Liste.

Burgruine Frankenstein nahe der Ortschaft Frankenstein im Pfälzer Wald

Vom Motorrad aus nimmt man die Umgebung ein klein wenig anders wahr als aus dem geschlossenen Auto. Man lässt die Gegend an sich vorüberrauschen. Man freut sich über schöne Ausblicke und über kurvige Straßen. Und natürlich suche ich mit den Augen des Autors immer wieder nach besonderen Ecken, die ich irgendwann mal als Motiv in meine Romane einbauen kann. Darüber hinaus unterhalte ich mich gern unterwegs über die jeweiligen Regionen. Gibt es Besonderheiten, wie sieht es mit der Sagen- und Märchenwelt im jeweiligen Gebiet aus, beeindruckt mich ein Gebäude oder eine Landschaft besonders? Dies alles verwebt sich während des Fahrens mit ersten Ideen. So, dass ich manchmal fast schon ganze Szenen eines Dämonenkiller-Romans auf dem Motorrad erstellen kann. Ab und zu bleibe ich auch stehen und mache mir rasch Notizen, bevor diese Ideen wieder verwehen.

Dies alles ergibt noch lange keine richtige Story. Aber es ist eine Sammlung von Eindrücken und Szenen, die sich irgendwann addieren und zu einer kompletten Geschichte verwoben werden können.

Dorian Hunter ist in einem gewissen Sinne auch Reiseliteratur. Das begann schon mit Band 1 der ersten Heftromanserie, als Dorian die Burg Asmodi im österreichischen Grenzgebiet besuchte. Interessierte Leser wissen, dass der Dämonenkiller und seine Mitstreiter seither fast schon überall auf der Welt unterwegs waren. Klar sind London und Wien gewisse Brennpunkte, aber die Mitglieder der Schwarzen Familie sind nicht nur dort aktiv.
Diese Tradition der Reiseromane möchte ich natürlich fortsetzen. Und ich denke, ich bin auf einem recht guten Weg, neue Schauplätze für Dorian zu entdecken und neue Probleme, neue Schrecken, neue Gegner für ihn zu erfinden. Und: Kann es Zufall sein, dass ich derzeit in einem Dorf namens Frankenstein Zwischenstation mache?

(Das Bild zeigt die Burgruine Frankenstein im Pfälzer Wald.)

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In eigener Sache

von am 2. Juli 2021

Ich arbeite seit bald 20 Jahren als Schriftsteller. Der Job fordert und zehrt, aber er bietet natürlich auch viele großartige Möglichkeiten, das Leben zu gestalten, die ich nicht mehr missen möchte. Sich den Tag selbst einteilen zu können und ihn nach den eigenen Bedürfnissen zu gestalten – das ist großartig. Gerade für einen unstrukturierten Mensch, wie ich es bin, sind die Arbeitsvoraussetzungen optimal.

In nächster Zeit wird sich in dieser Hinsicht allerdings etwas ändern – und ich freue mich riesig drauf. Denn ich erfülle mir einen Lebenstraum.
Ab nächster Woche begebe ich mich mit dem Motorrad auf Reisen, quer durch Europa und noch ein Stückchen weiter weg. So einfach und so spartanisch wie möglich. Mein Zelt wird in dieser Zeit zum Hauptwohnsitz werden. Ich werde mindestens sechs Monate unterwegs sein, vielleicht sogar bis zu zweieinhalb Jahre. Ich lege bei meiner „Alte Eisen auf Reisen“-Tour relativ beschaulich los und werde Freunde, Fans und Bekannte im deutschsprachigen Raum besuchen. Anschließend geht es in den hohen Norden. Den Winter wiederum werde ich in wärmeren Gefilden verbringen, bevorzugt im Mittelmeerraum (auch in Nordafrika): Nächstes Jahr soll’s dann in einer großen „Runde“ ums Schwarze Meer gehen, auch Armenien und Aserbaidschan habe ich auf dem Radar.

Aber dieser Teil der Reise ist noch Zukunftsmusik. Um eine Brücke zum eigentlich Inhalt dieser Kolumne zu schlagen: Ich werde unterwegs arbeiten und mir durchs Schreiben die Weiterfahrt verdienen. Auch DORIAN HUNTER-Manuskripte und Expos sollen unterwegs entstehen, und wenn Uwe Vöhl mich benötigt, werde ich mich sicherlich auch bei DAS HAUS ZAMIS blicken lassen.

Die Arbeitsbedingungen werden nicht ideal sein, dessen bin ich mir bewusst. Ich werde bei Sturm und Regen im Zelt schreiben müssen, von ergonomischem Arbeitsplatz wird wohl keine Rede sein. Aber ich werde genau das machen, was ich mir immer schon mal erträumt habe: unterwegs sein, fremde Leute und Kulturen kennenlernen, mich neu inspirieren lassen. Abenteuer erleben, um darüber schreiben zu können. So ist es zum Beispiel auch schon bei Abenteuern geschehen, die Coco Zamis auf Korsika und Madeira erlebt hat. Denn der Mensch, der ich bin, und die Dinge, die ich sehe, finden sich unweigerlich in meinen Texten wieder. Und darüber freue ich mich ganz besonders: als Person weiter zu wachsen, um bessere Texte schreiben zu können.

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Freaks

von am 21. Mai 2021

Wer den Dämonenkiller Dorian Hunter kennt, kennt unweigerlich auch die Gruppe der Freaks. Arme, gequälte Gestalten, die irgendwo zwischen böse und bemitleidenswert pendeln, die aber auch schon mal den Helden der Serie helfen. Sie sind ehemalige Dämonen, die von Ihresgleichen gestürzt oder verraten wurden und den Rest ihres (meist kurzen) Lebens als entstellte Gestalten verbringen müssen.

Sie wurden bereits in einem der ersten Dämonenkiller-Heftromanen vorgestellt und tauchen seitdem immer wieder in der Handlung auf. Mich fasziniert ihre Rolle, weil sie nun mal Grenzgänger sind. Sie wurden aus dem Olymp des Bösen gestoßen und müssen nun in der Gosse leben. Sie sind selbst unterhalb unterhalb der Gruppe der Menschen angesiedelt, die sie einstmals verachtet haben – und die nun wiederum sie verachten.

Der Begriff „Freaks“ hat heutzutage einen völlig anderen Klang als noch vor einigen Jahrzehnten. Ernst Vlcek und Neal Davenport wollten diese Wesen als Außenseiter der Gesellschaft etablieren. Heutzutage wird ein Freak in der Umgangssprache anders wahrgenommen. Wir nennen jemanden Musik-Freak, Film-Freak oder Fußball-Freak, wenn er eine besondere Leidenschaft für das jeweilige Hobby entwickelt. Es ist heutzutage also gar nicht so leicht, zu verstehen, dass die Autoren vor 45 Jahren dieses Wort gewählt haben, um etwas negativ klingen zu lassen.

(Das englische Wort „freak“ ist übrigens verschriftet bis ins Jahr 1560 zurück zu verfolgen, mit ebenfalls wechselnder Bedeutung. Man vermutet, dass es auf das altenglische „frician“ zurückgeht, das so viel wie „Tanzen“ bedeutet. Und damit wären wir im tiefsten Mittelalter angelangt.)

Wenn ich das Wort „Freaks“ höre, denke ich übrigens augenblicklich an den gleichnamigen Film aus dem Jahr 1932. Wer ihn nicht kennt – Teile davon kann man auf Youtube ansehen.
Ich könnte mir vorstellen, dass der Film Ernst Vlcek ebenfalls als Inspiration diente. Er zeigt missgestaltete Mitglieder eines Wanderzirkus, die entgegen dem üblichen Schema die „Guten“ sind, während die großgewachsene Blondine die „Böse“ ist. Diese Umkehrung der Rollenbelegung hat mich dazumals, als ich „Freaks“ das erste Mal gesehen hatte, extrem verwirrt. Ich war einfach nicht auf die Geschehnisse vorbereitet. Zumal ich nur ganz schwer mit dieser Zirkuswelt zurechtgekommen bin. Manche Szenen waren unerträglich für mich.
Im Jahr 1932 war der Film ein Skandal, und in manchen Teilen der USA ist die Aufführung auch heute noch verboten (sofern man dem Artikel in der Wikipedia vertrauen kann). Unter Cineasten gilt „Freaks“ aber heutzutage als einer der ganz großen Klassiker des Horror-Genres, auch wenn nur noch 64 von ursprünglich 90 Minuten Filmmaterial vorhanden sind.

Kommen wir zurück zu den Freaks des Hunterversums: Ich mache mir während der Expoarbeit immer wieder Gedanken um die Rolle der Freaks. Ich denke, dass sie sträflich unterschätzt werden. Meist wurden sie bloß als ein Beiwerk der Handlung. Ich könnte mir vorstellen, dass sie in kommenden Romanen von Dorian Hunter eine deutlich aktivere und wichtigere Rolle einnehmen werden. Eine Rolle, die sie verdienen. Weil sie nun mal Wanderer zwischen zwei völlig unterschiedlichen Welten sind.

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Real- und Fiktivwelt

von am 30. April 2021

Der erste „Dämonenkiller“-Roman erschien im Jahr 1973. Für Knacker wie mich, die damals schon auf der Welt waren, ist es das Jahr der Ölkrise.
Ich war zehn Jahre alt und erinnere mich noch gut an die Verunsicherung, die damals um sich griff. Selbst für mich als Kind war sie spürbar. Die große Reisefreiheit, die unmittelbar mit dem Besitz eines eigenen Autos zusammenhing, war auf einmal gefährdet. Bei uns in Österreich mußten Autofahrer Pickerl (Aufkleber) auf den Windschutzscheiben affichieren. In großen Buchstaben stand da: Mo, Di, Mi, Do, Fr oder Sa. An diesem einen Wochentag waren die Fahrzeughalter verpflichtet, ihr Auto stehen zu lassen. Weiters wurden „Energieferien“ zum Schulhalbjahr eingeführt. Eine Woche lang, so der Plan, sollten die Kinder zu Hause bleiben und damit Energie gespart werden.
(In einer typisch österreichischen Lösung blieb uns nach dem Ende der Energiekrise diese Ferienwoche erhalten, heute sagt man „Semesterferien“ dazu.)

Der Dämonenkiller blieb von diesen realpolitischen Geschehnissen unberührt. Die Aufgabe von Heftromanen ist es nun mal, den Lesern für ein, zwei Stunden eine schöne Zeit zu verschaffen. Sie wollen sich in andere Welten träumen, sich gruseln, Herzschmerz erleiden, mit ruchlosen Cowboys auf Jagd gehen. Man geht für kurze Zeit auf gedanklichen Urlaub.

Beim Dämonenkiller hatte man – wie in vielen anderen Serien auch – das Gefühl, dass in diesem von Kurt Luif und Ernst Vlcek ersonnenen Universum die Sonne immer am selben Fleck im Himmel stehen würde. Niemals änderte sich etwas. Jahre und Jahrzehnte vergingen in der Realzeit, aber Coco Zamis blieb stets dieselbe 19- bis 20jährige junge Frau. Dorian Hunter indes der zynische Jäger mit Vorlieben für harte Getränke und starke Zigaretten.

Was in der Realwelt vor sich ging, nahm nur wenig Einfluss auf die Dämonenkiller-Serie. Aber dieser Schein ist auf Dauer nur bedingt aufrecht zu erhalten. Irgendwann einmal fällt dem Leser auf, dass Alltagsgegenstände wie Handys fehlen. Man kann auch schwerlich weiter über ein Telefax schreiben, wenn diese Dinger nicht mehr existieren. Also mussten die Macher der Serie sachte Anpassungen vornehmen, was dann ja auch geschah – und immer noch geschieht. Skarabäus Toths Kanzlei mag nach wie vor einen knarrenden Holzboden, feinste Täfelungen und Stukkaturarbeiten an der Decke haben, aber ich bin mir sicher, dass hinter dem wuchtigen Schreibtisch ein Rechner mitsamt der notwendigen Infrastruktur steht. Auch das Wlan funktioniert vermutlich ausgezeichnet, um immer wieder mal in der Demonpedia nachblättern zu können.

Was sich aber nicht geändert hat, ist die eher archaische Gesellschaftsstruktur in den Dämonenfamilien. Sie ist auch meist patriarchalisch strukturiert (wobei es einige sehr starke Frauenfiguren gibt, aber das sind meist Einzelgängerinnen wie Coco). Gesellschaftspolitisch gesehen sind die Serien DORIAN HUNTER und DAS HAUS ZAMIS noch stark in der Vergangenheit verhaftet.

Ein wichtiger Aspekt der Serie ist natürlich die Idee, dass eine Parallelwelt mit Dämonen existiert. Sie leben unter uns, die Vampire und Leichenfresser, die Werwölfe und die Hexer. Sie tauchen in allen möglichen Formen auf, sie entspringen unterschiedlichen Kulturen. Interessanterweise gibt es nur wenige Figuren der „Gegenseite“, also des „Guten“. Die Menschen müssen sich selbst helfen. Jene, die sie verteidigen, kommen entweder aus den eigenen Reihen – oder aber sie sind abtrünnige Dämonen, die den Menschen helfen möchten. Aber was ist mit Gott, was ist mit Engeln?

Ich will nun keine Diskussion über die Hintergründe des Hunterversums lostreten. Ich mache mir bloß so meine Gedanken über die grundlegenden Ideen, die hinter DORIAN HUNTER stecken. Welche Aspekte denn für den Erfolg der Serie verantwortlich waren – und nach wie vor sind.
Gab es denn Einflüsse aus der realen Welt? Wurde der „Dämonenkiller“ deshalb so beliebt, weil er in einer Zeit geschaffen wurde, als sich die Menschen vor einem Ende der Energievorräte fürchteten und sich vermehrt in eine Fluchtwelt zurückzogen? Damals, in den Jahren ab 1973?

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Wiener Recherche

von am 9. April 2021

Ich habe es leicht.

Ein gar nicht so kleiner Teil der DORIAN HUNTER-Romane spielt in meiner Heimatstadt Wien. Auch bei der Schwesternserie COCO ZAMIS darf ich mich immer wieder mal mit der österreichischen Bundeshauptstadt beschäftigen. Viele Schauplätze kenne ich gut – und dennoch begebe ich mich gerne mal auf Spaziergänge aus Recherchezwecken.

Manchmal tue ich es, um in Exposés vorgegebene Handlungsorte besser kennen zu lernen und ein Gespür für sie zu bekommen. Manchmal suche ich auch nur, um neue, spannende Plätze festlegen zu können.

Hinter dem Dreiecksblock verläuft die Mariahilferstraße. Irgendwo dort hinter dem rechten der beiden Ecktürme befindet sich das Café Zamis. Den genauen Ort verrate ich nicht.

Ich gebe zu, dass es dabei nur selten um Orte geht, die dem Wien-Touristen bekannt sind. Schloss Schönbrunn, der Stephansdom, die Schatzkammer der Habsburger, die Burg, die Kapuzinergruft – das sind zweifellos ganz grandiose Plätze, die ein jeder Besucher der Stadt mal gesehen haben sollte. Aber es gibt noch so viele andere Orte, über die man nur wenig weiß, wenn man nicht zufällig Wiener ist.

Oftmals vermengen sich Realität und Fiktion. In der COCO ZAMIS-Serie existiert ein „Café Zamis“ auf der Mariahilfer Straße. Ich kann diesen Ort sehr genau bestimmen; schließlich habe ich jahrzehntelang um die Ecke gewohnt. Darüber hinaus gab es in diesem Gebäude bis vor etwa 20 Jahren ein „Espresso“, in dem unglaublich gute Brötchen serviert wurden.
In den letzten Jahren seines Bestehens war dieses Espresso schon etwas abgefuckt; die knallrote Lederpolsterung der Sitzbänke war teilweise zerrissen, einige der Stühle wackelig. Genau so stellte ich mir das Café Zamis vor, als Coco es erstmals betrat.

Auch der Standort der Freaks, fast unmittelbar gegenüber vom Café Zamis, existiert in der Realität. Die „Gruft“ ist ein Obdachlosenasyl, das in die Kelleranlagen der Mariahilferkirche gebaut wurde – und wo würden die Freaks besser hinpassen als an diesen Ort? Die Mariahilfer Straße ist die zweitgrößte Einkaufsstraße Wiens – und ausgerechnet an dieser mondänen Einkaufsmeile findet sich eine der wichtigsten Obdachloseneinrichtungen der Stadt.

Blick auf die Mariahilferkirche

Die Rechtsanwaltskanzlei des Skarabäus Toth findet sich ebenfalls in der Nähe einer meiner ehemaligen Wohnorte. Für die Arbeit an einem DORIAN HUNTER-Exposé hab ich eine Skizze der Kanzlei angefertigt, die ich laufend erweitere. Ich nehme dabei Rückgriff auf ältere Manuskripte. Ich kann nicht alles übernehmen, was frühere Autoren beschrieben haben; sie haben sich teilweise widersprochen. Aber ich versuche dennoch, ein plastisches Bild zu zeichnen, das den Entwürfen von Ernst Vlcek oder Kurt Luif entspricht.
Wichtig ist mir dabei auch, die Straßenstimmung einzufangen und auf die Baustruktur einzugehen. Für mich stammt dieses Gebäude aus der sogenannten „Gründerzeit“, als etwa aus dem Zeitraum 1900 – 1920. Die Räume sind über drei Meter hoch, der Parkettboden ist im Fischgrätenmuster verlegt, die Türen sind zweiflügelig und hoch, jeder Wohnraum hat einen eigenen Kaminanschluss. Mag sein, dass Stukkarbeiten vorhanden sind, das weiß ich noch nicht so genau. Aber ich tue mir beim Schreiben wesentlich leichter, wenn ich ein Gefühl für die Stimmung innerhalb eines Gebäudes habe.

Das „Ratzenstadel“ in Wien, etwa um 1900. Dort habe ich den Domina-Keller einer Figur aus der COCO ZAMIS-Serie verortet. ©August Stauda, im Besitz des Wiener Bezirksmuseums Mariahilf.

Ein weiterer Hotspot der Handlung beider Serien ist natürlich die Villa Zamis. Hier müssen Fiktion und Realität voneinander abweichen. Bekanntermaßen hatte Kurt Luif ja die Villa einer ehemaligen Freundin als Haus der Zamis-Familie festgelegt. Das „wirkliche“ Gebäude eignet sich nur bedingt als Vorbild für die Villa in der Romanhandlung. Dazu reicht das Haus viel zu nahe an den Straßenrand heran und wirkt teilweise zu modern. Auch ist es in meinen Augen zu klein, um tatsächlich als Herrschaftssitz unserer liebsten Wiener Dämonenfamilie dienen zu können. Also muss ich da stets ein wenig schummeln.
Auch für die Villa Zamis habe ich übrigens eine kleine Skizze angefertigt, die ich immer wieder neu adaptiere.

Jeder Roman, den ich in Wien spielen lasse, ist eine Reise durch die meine Heimat. Ich lasse Kirchen, Bahnhöfe, sonderbare alte Gebäude, Friedhöfe, U-Bahn-Anlagen, Domina-Keller und vieles Andere vorkommen. Es gibt diese Orte – – oder es könnte sie geben. Weil sie zu dieser altehrwürdigen Stadt passen und eine bestimmte Stimmung mittragen.

Der Friedhof Ober St. Veit samt Mausoleen, nahe gelegen zur Ratmannsdorfgasse.

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Erinnerungen an Kurt Luif

von am 19. März 2021

Nun, der Titel ist ein klein wenig verfälschend, denn sooo gut kannte ich Kurt Luif vulgo Neal Davenport nicht. Nachdem ich aber vor einigen Wochen ein wenig über mein Verhältnis zu Ernst Vlcek erzählt habe, möchte ich dasselbe nun auch mit dem zweiten wichtigen Wiener Dämonenkiller-Autor machen. Und ich berufe mich dabei auf einige Zeitzeugen, mehr dazu weiter unten.

Kurt war bekanntermaßen der Miterfinder der Dämonenkiller-Serie. Wer nun mehr zum Grundkonzept der Story beigetragen hat, er oder Ernst Vlcek, ist meiner Meinung nach irrelevant. Die beiden haben einen Grundstock an Ideen aufgebaut, haben den Stil der Serie bestimmt, haben eine Epoche des „Grusel“-Romans geprägt.

Kurt Luif hat, so viel ist bekannt und verbürgt, die Villa Zamis in der Ratmannsdorfgasse im 13. Wiener Gemeindebezirk verortet. Weil dort eine seiner Freundinnen wohnte. In einer Nobelgegend, die von vielen alleinstehenden, meist ein- bis zweistöckigen Gebäuden geprägt ist. Sie stammen meist aus der Gründerzeit-Epoche, eine Menge von ihnen sind im Schönbrunner Gelb gehalten. Dies ist jener Farbe, in der die Hauptgebäude des Schloss Schönbrunn gehalten sind. Viele gut situierte Wiener Bürger ließen ihre Häuser im selben Farbton streichen, um so einen Abglanz des Kaiserhofs zu sich zu Hause zu holen.

In dieser Gegend also residieren die Zamisse. Ich denke mir, Kurt hätte sich für die Wiener Dämonenfamilie keinen besseren Ort einfallen lassen können. Immer, wenn ich über die Villa schreibe, habe ich augenblicklich die Bilder der Umgebung vor mir. Die Gerüche, die Bäume, diesen ganz besonderen Menschenschlag, der sogar ein wenig anders redet (das sogenannte „Schönbrunner Deutsch“).

Zurück zu Kurt Luif selbst: Ich habe ihn bei einer PERRY RHODAN-Veranstaltung kennengelernt, in einem Kolpinghaus. Das war wohl zwei, drei Jahre, nachdem ich Ernst Vlcek erstmals begegnet war. Ernst hatte ihn dazu bewegt, sich mit ihm auf ein Podium zu setzen. Sie plauderten über PERRY RHODAN, aber eben auch über die Arbeit am Dämonenkiller. Während alle anderen Redner diplomatisch waren und bereitwillig Auskunft gaben, stach Kurt mit schlechter Laune hervor. Alles war „oasch“, mit kaum etwas war er bei der Arbeit am Dämonenkiller zufrieden gewesen. Er erzählte, dass er den „Dämonenkiller“ nur wegen des Geldes geschrieben hätte. Aber man spürte ganz genau, dass da mehr dahintersteckte. Dass er ungeheuer stolz war auf das, was er gemeinsam mit Ernst erschaffen hatte.

Dieser ambivalente Eindruck setzte sich fort, als ich mich später mit ihm in einer Dreier- oder Vierergruppe unterhalten habe. Er hatte an vielen Dingen etwas auszusetzen. Doch man konnte hinter all dem Wiener Grant auch fühlen, dass er sich über die Aufmerksamkeit freute, die ihm zuteil wurde. Er mochte es, ein klein wenig im Mittelpunkt stehen und seine Meinung sagen zu dürfen. Wenn er seine Freude bloß ein wenig besser hätte zeigen können …

Das Verhältnis zwischen ihm und Ernst war nicht immer ungetrübt. Die beiden waren charakterlich extrem unterschiedlich. Ernst genoss das Leben, ließ es sich gutgehen. Kurt hingegen gab sich seinem Grant gerne hin. Gegen Ende seines Lebens hin verstärkte sich dieser Charakterzug. Er hätte, schwer erkrankt, Hilfe bedurft. Aber er nahm sie nur ganz, ganz zögerlich an. Regina Vlcek hat mir von Besuchen bei Kurt erzählt, die nicht sonderlich erfreulich für sie gewesen waren.

Kurt tat sich also immens schwer, jene Anerkennung zu akzeptieren, die er eigentlich verdiente. Er war, so wurde mir von Wegbegleitern aus der Wiener Fan-Szene versichert, in den Sechzigern ein lebenslustiger Mensch mit viel Charme gewesen. Einige Male schwer verliebt, oftmals auch enttäuscht. Irgendwann muss das Düstere in ihm Oberhand gewonnen haben, der Schwermut trat immer stärker in den Vordergrund.

Er erhielt Unterstützung bis an sein Lebensende. Freunde von der Science Fiction Gruppe Wien kümmerten sich um ihn und pflegten ihn.
Wenn ich heute an ihn zurückdenke, sehe ich einen Menschen mit vielen Ecken und Kanten vor mir. Einen, der nicht immer das Richtige getan hat und der es sich selbst schwer gemacht hat. Einen, dem die Gemeinde der Dämonenkiller-Fans unendlich viel zu verdanken hat.

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Erinnerungen an Ernst Vlcek

von am 26. Februar 2021

Meine erste Begegnung mit Ernst Vlcek hatte ich im Rahmen eines PERRY RHODAN-Stammtischs im Frühjahr 1997. Ich war erstmals mit dem Fandom konfrontiert. Ernst wiederum hatte seine Frau Regina bei sich, die noch nie bei einem Fan-Treffen mit dabei gewesen war und ebenso verunsichert wie ich war. (So hat sie’s mir zu einer späteren Gelegenheit erzählt.)

Der Zufall wollte es, dass Ernst und ich nebeneinander zu sitzen kamen. Er ließ sich zu meiner Rechten nieder, gurgelte ein Bierchen runter und beantwortete anschließend mit unendlicher Geduld die Fragen von uns Fans.

Essen wurde gereicht, Ernst pofelte eine „Dreier“ nach der anderen, zusätzliche Biere fanden ihren Weg an den vollbesetzten Tisch. Die Stimmung wurde gelöster, die Distanz zwischen dem großen Star und uns Fans ein wenig geringer.

Natürlich ging es bei den Unterhaltungen hauptsächlich um die PERRY RHODAN-Serie. Aber Ernst ließ immer wieder mal anklingen, wo seine eigentliche Liebe steckte. Er brachte den Dämonenkiller ins Gespräch und er redete über Projekte, die in der Zukunft lagen. Sie hatten viel mit eigenen Kurzgeschichten und mit Ideen zu weiteren Horror-Erzählungen zu tun.

Es war eine irgendwie sonderbare Begegnung für mich – und vermutlich auch für Ernst. Da saß einer meiner Heroen unmittelbar neben mir. Er hatte mir bis dahin viele Stunden großen Lesevergnügens geschenkt. Ein Mann, den ich bloß von einigen wenigen Bildern kannte und der als Exposé-Autor von PERRY RHODAN die Serie mitlenkte. Nun saß er an dem vollbesetzten Tisch Schulter an Schulter neben mir. Die Distanz war weg, der Respekt blieb. Vermutlich brachte ich kaum mal mehr als ein gehauchtes „Blebellebellep“ hervor.

Ernst mochte uns Fans, aber es zog dennoch eine Grenzlinie. Er wollte an diesem Tag (noch) nicht, dass wir allzu tief in sein Privatleben vordrangen. Er hatte einen Bekannten- und Freundeskreis, der kaum wusste, womit er eigentlich sein Leben finanzierte. Er trieb sich oft auf seinem vielgeliebten Tennisplatz in Mödling umher und organisierte Jux-Turniere mit. Dort hatte er Freunde, dort fühlte er sich wohl. Es dauerte also einige Jahre, bis sein Verhältnis zum innersten Kern der Stammtisch-Betreiber „intimer“ wurde.

Ein- bis zweimal pro Jahr besuchte er den Wiener PERRY RHODAN-Stammtisch. Er erzählte vom Zaubermond-Verlag und dass er nun wieder beim Dämonenkiller mitschreiben würde. Es ist schwer zu erklären, wie er über diesen Teil seines Gesamtwerks redete. Er wirkte stolz, sprach aber auch liebevoll über „seine“ Figuren. Und ganz plötzlich ging er im breitesten Wiener Dialekt dazu über, uns unter die Nase zu reiben, was er Coco Zamis und Dorian Hunter als nächstes antun würde.

Das war auch eine seiner ganz besonderen Seiten: Wenn es um Grausamkeiten ging, waren ihm in seiner Vorstellungskraft kaum Grenzen gesetzt. Obwohl er als Mensch keiner Fliege etwas zuleid tun konnte.

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DORIAN HUNTER und „Game of Thrones“

von am 8. Januar 2021

Das neue Jahr ist auch schon wieder ein paar Tage alt, meine Gedanken gelten weiterhin der Arbeit an DORIAN HUNTER. Es sind Überlegungen zu den Hintergründen mancher Figuren, die mich bewegen. „Schuld“ daran ist die HBO-Serie Games of Thrones, die ich mir derzeit in einem Rutsch anschaue.

„Game of Thrones“ war vor einigen Jahren wegbereitend, als es um die Verfilmung einer Fantasy-Buchserie ging. George R.R. Martins Bücher über die Intrigen und Kämpfe mehrerer Königshäuser, die den Eisernen Thron für sich beanspruchen, waren in vielerlei Hinsicht wegbereitend – und sie sind adäquat verfilmt worden. Während ich mich also von der Serie begeistern lasse, spukt in meinem Hinterkopf immer diese eine Frage umher: Was haben die Macher von „Game of Thrones“ besser gemacht als die anderer Fantasy-Verfilmungen?

Nun, die Produzenten und Regisseure von „Game of Thrones“ hatten ganz gewiss ein tolles Budget zur Verfügung (auch wenn es Aussagen gibt, dass sie sich einschränken mussten). Außerdem schöpften sie bei den Darstellern aus dem Vollen. Jede einzelne Rolle ist exzellent besetzt. Aber was die HBO-Leute besonders gut gemacht haben, ist, die Hintergründe der Figuren zu erklären. Autor George R.R. Martin hat großartige Arbeit geleistet, die meines Ermessens nach in der Verfilmung fortgesetzt wurde.

Die Helden und Schurken von „Game of Thrones“ haben allesamt eine Vorgeschichte, die irgendwann einmal erzählt wird. Der böseste aller Schurken bekommt einen Hintergrund und es wird erklärt, warum er welche Untaten begangen hat. Niemand ist völlig gut, niemand ist völlig schlecht. Der unendlich zynische Jaime Lannister, der Königsmörder, den man für alles, was er ist, einfach nur hassen muss, legt sein Inneres irgendwann einmal bloß. Man erfährt als Leser, warum er so ist, wie er ist – und man kann seine Beweggründe nachvollziehen. Aus einem Monster wird binnen weniger Minuten des Zusehens ein bedauernswertes Geschöpf. Das ist für mich die Magie der Verfilmung von „Game of Thrones“.

Und damit bin ich wieder bei DORIAN HUNTER. Die Charaktere, die wir in der Serie verwenden und weiterentwickeln, sind recht leicht einzuteilen. Dorian, von Rachegefühlen getrieben, will die Schwarze Familie ausrotten. Asmodi, der oberste Dämonen, will seine Herrschaft bewahren und ausbauen. Es gibt weiters Figuren wie Olivaro, die nicht ganz so leicht zu durchschauen sind.

Hunter ist, auf den ersten Blick gesehen, kein sonderlich sympathischer Mensch. Er säuft, raucht, ist oftmals gewissenlos und ein Zyniker vor dem Herrn. Aber natürlich lieben wir als Leser und Gestalter ihn. Also frage ich mich, was ihn als Figur so interessant macht. Und ich denke, dass es gerade diese Ambivalenz ist, die uns anzieht. Er ist eine „Schattenfigur“. Nicht völlig gut, aber auch nicht böse.

Hunter ist aber bei weitem nicht die einzige Figur in unserer Geschichte. Wir haben – geschätzt – zehn Darsteller bei DORIAN HUNTER, die schon mal Hauptrollen in einer Erzählung gespielt haben. Und bei einigen von ihnen fehlt mir die Erklärung. Der Hintergrund. Die Frage nach dem „Warum“ bleibt unbeantwortet. Was macht den steinreichen Jeff Parker aus, warum steht er auf der Seite der „Guten“? Kann man Asmodis Charakter etwas Positives abgewinnen?

Eine Reise an der Seite Dorian Hunters durch wundersame Geschichten ist nicht nur abenteuerlich, sie ist auch höchst lehrreich. Ich bemühe mich, in die Köpfe der Figuren reinzuschauen und Neues, bislang Unbekanntes zu entdecken. Und dieser etwas andere Blick auf die Darsteller bei DORIAN HUNTER beschäftigt mich derzeit mehr denn je. Dank „Game of Thrones“.

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