Kleine Erinnerungen an Hans Kneifel

von am 1. April 2022

Ich lernte den ehemaligen Dämonenkiller-Autor Hans Kneifel auf etwas ungewöhnliche Weise kennen. Ich war 2006 gebeten worden, die Exposés für eine Science Fiction-Miniserie zu entwickeln. Es war das erste Mal, dass ich eine derartige Verantwortung übernehmen sollte. Ich bekam von meiner Redaktion eine Liste mit möglichen Autoren zugeschickt, und unter ihnen befand sich auch der beliebte Münchner Autor. Ich freute mich sehr, mit ihm zusammenarbeiten zu können – und war auch ein klein wenig aufgeregt. Immerhin war Hans bereits seit Jahrzehnten als Autor aktiv und erfolgreich. Ich hingegen bloß ein kleines Würstchen, das erst seit einigen Jahren schriftstellerische Fußspuren in der Verlagslandschaft hinterlassen hatte.

Nun, ich wollte mich nicht irritieren lassen und verfasste für ihn ein Exposé, das ihm zusagen sollte. Meine Redaktion hatte mich vorab informiert, dass Hanns Wert auf Details legte. Wie sieht ein Raumanzug aus, welche Farbe hat er, wie ist er zu betätigen und so weiter – dies alles war wichtig für ihn.
Ich bemühte mich also – und scheiterte kläglich.

Ich erhielt einen Anruf von Hanns. Er war augenblicklich per Du mit mir, was ich als gutes Zeichen wertete – und begann anschließend, mein Exposé zu zerlegen. Was allgemein als schlechtes Zeichen zu werten ist.

Es war tatsächlich so, dass Hanns viele Informationen benötigte, um meine Vorgaben in einen Text umwandeln zu können. Ganz gewiss wollte er mir in dieser Unterhaltung auch mal zeigen, dass er ein alteingesessener Autor war, der sich nicht einfach etwas von einem Jungspund vorschreiben ließ.

Ich machte eifrig Notizen und versprach, alles so zu lösen, wie er es gerne hätte, und nachdem dieser Teil unserer Unterhaltung beendet war, verfiel Hanns in einen angenehmen Plauderton. Wir tauschten uns über unsere Reiseerfahrungen aus, und zum Ende des Gesprächs lud Hanns mich ein, ihn doch einmal auf Sardinien zu besuchen, seinem zweiten Wohnsitz, wo er jährlich einige Monate verbrachte. Wir verabschiedeten uns, als hätte es diesen kleinen Knatsch gebraucht, um anschließend miteinander auskommen zu können.

In den nächsten Jahren traf ich immer wieder mal mit Hanns zusammen. Ich befürchte, ich habe ihn in München in einer Hotelbar schrecklich enttäuscht, als ich ihm sagte, dass ich keinen Alkohol trinken würde und er grad damit beschäftigt war, sich an einer Flasche Whiskey abzuarbeiten. Dafür unterhielten wir uns ein anderes Mal lebhaft über Korsika, einer Insel, in die wir beide verliebt waren. Er erneuerte sein Angebot, mir mal Sardinien zu zeigen, doch dazu sollte es nicht mehr kommen.

Vor einigen Wochen habe ich es endlich mal auf Hanns‘ Lieblingsinsel geschafft – und ich verstehe ihn nun besser. Man kann sich sehr leicht in Land und Leute verlieben, es ist wirklich berauschend schön auf der Insel.

Hans Kneifel hat nicht den allerallergrößten Fußabdruck beim „Dämonenkiller“ hinterlassen. Er hatte einen recht pragmatischen Zugang zum Schreiben, für ihn war das schlichtweg Arbeit, die erledigt werden musste, um leben zu können. Aber wenn er sich einmal in einem Text wohlfühlte und er die Gelegenheit hatte, fremde Kulturen und deren Geschichte lebendig machen zu können, dann war Hanns richtig, richtig gut. So sehe ich auch seine Beiträge zum Dämonenkiller: Mit den Hauptfiguren fing er nicht sooo viel an, aber das Umfeld, in dem seine Erzählungen spielten, interessierte ihn.

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14 Jahre später …

von am 11. März 2022

Es ist beinahe 14 Jahre her, dass einer der Erfinder des Dämonenkillers starb. Ernst Vlcek erlitt im Schlaf eine Herzattacke. Als Regine, seine Frau, am Morgen erwachte, gab es keine Hilfe mehr für ihn.

Ernst hatte nicht sonderlich gesund gelebt. Vor allem die viel zu vielen Zigaretten hatten ihm geschadet. In den letzten Jahren seines Lebens hatte er mit Problemen zu kämpfen gehabt. Er hätte einige Dinge ändern müssen, um mehr Zeit für sich selbst rauszuschinden. Aber er verleugnete seine gesundheitlichen Schwierigkeiten und er tat sich schwer, Änderungen herbeizuführen.

Ich erhielt die Nachricht von seinem Tod von Uschi Zietsch, die eine sehr starke Freundschaft mit ihm aufrecht erhalten hatte. Sie konnte am Telefon kaum sprechen, so erschüttert war sie. Auch ich hatte Schwierigkeiten, mit der Nachricht umzugehen. Ich hatte Ernst in den letzten Jahren seines Lebens immer näher kennen und schätzen gelernt. Wir mochten uns auf eine sehr persönliche Art und Weise. Auch Regine hatte mich in ihr Herz geschlossen.

Ernst bekam eine große Trauerzeremonie in seinem Wohnort, Brunn am Gebirge. Er und Regine waren eigentlich Wiener; sie hatten dort nicht nur die besten Zeiten erlebt. In einer üblen Gegend der Stadt, unter widrigen Umständen, hatten sie sich eine Existenz aufgebaut. Der Kauf einer Wohnung in Brunn am Gebirge am südlichen Rand der Stadt war so etwas wie der Aufbruch in eine neue, bessere Zeit.

Dort fanden sie neuen Anschluss und neue Freunde. Beide Söhne wurden in Brunn groß, der dortige Tennisclub wurde zum zweiten Wohnzimmer für die Familie Vlcek. Ernst organisierte Spaßturniere und ging dabei weitaus mehr aus sich raus, als er es sonst zu tun pflegte. Kaum jemand im Tennisclub interessierte sich für Ernsts Beruf als SF- und Horror-Autor. Er war akzeptiert als das, was er als Mensch war.

Bei der Begräbniszeremonie waren dementsprechend viele Freunde vom Tennisclub mit dabei. Dazu kamen einige Fans, Freunde aus Ernsts Zeit bei der Science Fiction Gruppe Wien (die heute noch aktiv ist), Verlagsvertreter, Kollegen – und natürlich die Familie.

Sein älterer Sohn, Michael, hielt eine Trauerrede. Michael ist charakterlich ein gänzlich anderer Typ als sein Vater. Was er aber mit ihm gemeinsam hatte, war die Stimme. Als er über Ernst redete, schloss ich die Augen und meinte, den Vater zu hören. Also stand ich in der Halle und meinte, Ernst in den Worten seines Sohnes ein letztes Mal zu hören.

Ich kehrte später noch zweimal auf den Brunner Friedhof zurück. Einmal, um seine Witwe Regine bei einem ihrer häufigen Besuche zur Urne von Ernst zu begleiten – und ein zweites Mal, als sie unmittelbar neben ihrem Mann ihren Platz fand.

Tod ist immer mit Trauer verbunden. Aber bei Ernst ist es tatsächlich so, dass ich ihn immer noch deutlich in Erinnerung habe. Als einen kettenrauchenden, gewitzten Mann mit sprudelnder Fantasie. Als einen, der sich emporgearbeitet und seinen Traum verwirklicht hatte. Der mit ungemein viel Energie an der Arbeit saß. Manchmal war er gezwungen, Sachen, die er nicht mochte, zu schreiben. Um Geld zu verdienen und die vierköpfige Familie zu ernähren. Aber am Dämonenkiller hatte er immer große Freude gehabt.

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Seelenwahn in Bonifacio

von am 19. Februar 2022

Aus gegebenem Anlass möchte ich heute nicht über Dorian Hunter plaudern, sondern über seine liebste Hexe, Coco Zamis. Das hat zum Großteil mit meinen derzeitigen Aktivitäten zu tun. Ich habe sicherlich schon mal erwähnt, dass ich mit dem Motorrad seit einigen Monaten auf großer Tour bin. In den nächsten Tagen setze ich, von Sardinien kommend, nach Korsika über. Und zwar nach Bonifacio, einen Ort im Süden der Insel, den ich vor etwa zehn Jahren schon mal besucht hatte.

Bonifacio ist eine Art Sehnsuchtsort für mich. Die kleine Stadt liegt auf hohen Felsen unmittelbar an der Küste. Die Häuser sind teilweise so gewagt gebaut, dass man glauben könnte, sie würden jetzt und jetzt ins Meer hinabstürzen. Schon bei meinem ersten Besuch war ich völlig fasziniert. Genovesische Einflüsse waren zu sehen, aber auch arabische, italienische und französische. Die Insel Korsika war über Jahrhunderte hinweg im Besitz einer Bank (!) mit Sitz in Genua, die Napoleons hatten dort ihren Stammsitz, sie war ein stetiger Streitpunkt zwischen mediterran geprägten Mächten. Und wenn man all dies unter einer Brennlinse verstehen lernen wollte, stünde vermutlich Bonifacio im Fokus.

Bald nach der Rückkehr von meiner Korsika-Reise wartete damals die Arbeit an einem COCO ZAMIS-Manuskript auf mich. Der damalige Expokrat Christian Montillon ging bereitwillig auf meinen Wunsch ein, einen Teil „meiner“ Handlung nach Korsika zu verlegen. Und so entstand Seelenwahn, mein Teilband, der im 32. Buch der COCO ZAMIS-Serie mit dem Titel Der Untergang des Hauses Zamis veröffentlicht wurde.

Ich ließ einen Teil der Handlung auf dem Friedhof verlegen, besser gesagt: in die Nekropole von Bonifacio. Einen Ort, der mich besonders beeindruckt hatte. Einflussreiche Familien haben dort steinerne Mausoleen, die gut und gern als kleine Häuser durchgehen könnten. Sie besitzen Kellergewölbe mit kleinen Grüften, aber auch steinerne Gräber im „ersten Stock“. Die Menschen werden über den Tod hinaus mit viel Pomp gewürdigt.

Ich war absolut fasziniert von der Stimmung, die in der Nekropole herrschte. Ich besuche regelmäßig Friedhöfe, weil die Behandlung der Toten viel über die Lebenden aussagt und man viel über die Kultur des jeweiligen Landes/der Gegend lernen kann. Der Friedhof von Bonifacio war und ist aber etwas ganz Besonderes für mich geblieben.

Wenn ich demnächst nach Korsika übersetze, wird mich mein erster Weg wieder dorthin führen. Ich bin neugierig, ob es mich genauso packen wird wie damals, als ich meine Eindrücke in einem COCO ZAMIS-Buch verarbeiten musste.

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Ähnlichkeiten und Vergleiche

von am 28. Januar 2022

Ich zerbreche mir immer wieder den Kopf, was „Dorian Hunter“ denn von anderen Grusel- und Horrorserien unterscheidet. Was sind die Alleinstellungsmerkmale? Welche Elemente faszinieren die Leser besonders? Was haben die frühen Autoren der Serie richtig gemacht? So dass die Geschichten über vierzig Jahre nach Erscheinen der ersten Romane immer noch mit Begeisterung gelesen und das Universum Dorian Hunters permanent durch neue Geschichten ergänzt wird?

Ich versuche, Vergleiche zu anderen erfolgreichen Serien zu ziehen. Mir fällt ad hoc nur eine Serienfigur ein, die Dorian Hunter ähnelt, und das ist „John Constantine“.
Sollte jemand Constantine nicht kennen: Die Figur wurde vom legendären Comictexter Alan Moore entwickelt. Constantine hatte lange Zeit eine eigene Comicserie, die sich an ein älteres Publikum richtete und aufgrund des Erfolgs in den 2000ern mit Keanu Reeves verfilmt wurde.
Constantine hat so seine Probleme mit Dämonen und bekämpft sie auf der Erde. Er ist Kettenraucher, er trinkt gerne mal einen über den Durst, er ist ein Zyniker, er hat Frauengeschichten …
Kommt euch das bekannt vor? – Wenn ich die Augen schließe und Dorian Hunter zu visualisieren versuche, sehe ich mitunter die Comicfigur vor mir. Trenchcoat, aufgestellter Kragen, die Zigarette im Mundwinkel. Ein wenig James Dean ist auch noch mit dabei.

Nun, der Dämonenkiller ist in einem anderen Medium zu Hause. Im Heftroman und im Buch. (Wobei ich gegen eine Comicserie absolut nichts einzuwenden hätte.)
Ein Buch bietet in gewisser Hinsicht mehr Möglichkeiten. Es lässt der Fantasie einfach mehr Spielraum. Man kann die Figuren gestalten, wie man möchte, und ist nicht auf einzelne Betrachtungsweisen festgelegt, wie sie im Comic vorgegeben sind. Also mache ich mir Dorian Hunter in meinen Gedanken so, wie ich es möchte.

Zurück zum „Vergleich“ mit John Constantine: Es mag gewisse Ähnlichkeiten zwischen den beiden Charakteren geben, aber dennoch sind sie einzigartig. Das „Hunterversum“ mit einer Schwarzen Familie, mit Asmodi, mit Freaks und mit einer Frau/Hexe wie Coco Zamis steht für sich.
Der Dämonenkiller ist darüber hinaus eine mitteleuropäische Serie. Die österreichischen und deutschen Einflüsse sind nicht zu übersehen. Und das ist gut so.
„Dorian Hunter“ mag vielleicht niemals verfilmt werden, aber die Serie hat sich längst zu einem Klassiker der deutschsprachigen Heftromanliteratur entwickelt. Ich bin stolz darauf, dass ich einen kleinen Teil zur stetigen Weiterentwicklung der Serie beitragen durfte und darf.

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George McMahon

von am 7. Januar 2022

Vor kurzem habe ich in meinen persönlichen Archiven gegraben und mir mal die Veröffentlichungslisten der „alten“ Dämonenkiller-Serien angesehen. Ich wusste, dass eine Menge Kollegen daran beteiligt gewesen waren. Viele davon kannte und kenne ich, habe auch mit ihnen zusammengearbeitet. Allen voran natürlich mit Ernst Vlcek.

Bei dieser Suche ist mir auch das Pseudonym George McMahon (vulgo Hubert Haensel) untergekommen. Ich muss gestehen, dass ich seine Rolle beim Dämonenkiller völlig verdrängt hatte. Fünf Heftromane hatte er insgesamt verfasst, ziemlich zu Beginn seiner Karriere als Autor. Anschließend fasste er bei Mythor Fuß, schrieb für die Atlan-Serie und wurde letztlich zum Teamautor bei Perry Rhodan.

Ich arbeite mit Hubert seit bald 20 Jahren bei Perry Rhodan zusammen – und noch viel länger kenne ich ihn. Zu seinem 50. Geburtstag war ich bei ihm und seiner Familie auf Besuch; erst zu diesem Zeitpunkt beschloss er, sich hauptberuflich der Schriftstellerei zu widmen und seinen damaligen Brotberuf aufzugeben. Man muss sich das mal vorstellen: Weit über zwanzig Jahre lang schrieb er ausschließlich nach Feierabend und am Wochenende, es sind gewiss mehr als hundert Romane in allen möglichen Genres während dieser Zeit entstanden. Ganze Serien hat er in dieser Zeit entworfen und zum Teil (fast) alleine geschrieben.

Hubert und ich sehen uns zumindest einmal im Jahr bei einer Autorenkonferenz. Er war aber auch schon einige Male in Wien auf Besuch; wir trafen uns auch auf Cons und sonstigen Veranstaltungen. Unsere Familien kennen sich; ich habe seine Kinder großwerden gesehen und Hubert meine. Und auch wenn Hubert zehn Jahre älter als ich ist, habe ich niemals einen Altersunterschied gesehen oder gefühlt.

Wir haben über die von ihm mitinitiierte Serie Die Abenteurer gesprochen, natürlich über Perry Rhodan, auch über Mythor. Aber über den Dämonenkiller haben wir nie ein Wort gewechselt. Sehr sonderbar … Jedenfalls möchte ich von ihm mehr über seine Rolle an der Seite von Dorian Hunter wissen. Es wird also in absehbarer Zeit also ein Interview mit George McMahon geben; derzeit geht sich’s terminlich nicht aus. Aber ich bin jetzt schon riesig gespannt, was Hubert Haensel zu erzählen hat. Weil eben diese Romane auch eng mit dem Beginn seiner Karriere als Autor verbunden sind.

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Coco Zamis und Frank

von am 17. Dezember 2021

Derzeit beschäftige ich mich wieder mal mit einem Text für den Zaubermond-Verlag. Ich habe Vorgaben erhalten, die mir relativ viel Freiheiten erlauben – und diese Freiheiten nutze ich auch.

So baue ich in diesem Manuskript eine Figur ein, die laut Exposé bloß eine kleine, unbedeutende Rolle hat. Bei mir aber erhält sie eine tragende Position.
Nennen wir diese Figur „Frank“. Frank ist etwas Besonderes, denn er hat ein reales Vorbild. Ich verwende die Figur in meiner Geschichte anhand der Vorgaben, die ich bekommen habe.

Dass Realpersonen zu diesen Ehren kommen – das passiert mir öfters. Letztens erst habe ich in einer Kurzgeschichte, die in den nächsten Tagen veröffentlicht werden soll, meine ehemalige Stiefmutter verwendet. Wie das bei Stiefmüttern so ist, spielt sie keine sonderlich sympathische Rolle.
Bei vielen anderen Gelegenheiten habe ich Freunde und Bekannte in meine Romane eingebaut, mittlerweile werden es Dutzende sein. Manchmal erwähne ich sie nur, ohne näher auf sie einzugehen, manchmal erhalten sie eine tragende Rolle. Fakt ist, dass es Spaß macht, solche „Ostereier“ in eine Handlung einzubauen – und dass es die Schreibarbeit einigermaßen erleichtert. Denn ich habe von vornherein ein wenig Gefühl für die Figur, ich habe ein Bild vor Augen. Ich muss meine Figur nicht erst „kennenlernen“

Bei Frank geht es, wie gesagt, um einen wichtigen Platz in der Geschichte. Er ist ein Ansprechpartner für unsere liebste Hexe, für Coco Zamis. Noch weiß ich nicht, was mit ihm geschehen wird. (Wobei es für Menschen nur selten vorteilhaft ist, Cocos Bekanntschaft zu machen.)

Frank ist insofern eine Ausnahme, als ich ihn nicht persönlich kenne. Ich habe ihn gebeten, mir ein paar Informationen zu seiner Person zukommen zu lassen. Aussehen, Charaktereigenschaften, Verhaltensweisen – solche Dinge halt. Das ist gar nicht mal so leicht, wie es klingt. Schließlich steht man sich selbst nicht objektiv gegenüber. Wer schreibt schon gerne über seine negativen Charaktereigenschaften oder über seine Mängel?

Nun, bei Frank habe ich nach einem kurzen Schriftverkehr mit dem realen Vorbild das Gefühl, ihn ausreichend gut zu kennen. Ich denke mir, dass ich ihn passend einsetzen kann. Coco wird nicht unbedingt Sympathien für ihn hegen, weil er auf der „falschen Seite“ steht. Und es mag schon sein, dass sie ihn im Laufe der Handlung überwältigen oder ihn gar töten muss. Diese Entscheidung werde ich sehr spontan treffen, wenn’s für mich an die Auflösung der Geschichte geht. Damit muss der reale Frank leben – und die Figur sowieso. Haltet ihm bitte die Daumen, dass er die Begegnung mit Coco Zamis überlebt …

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Uschi Zietsch über Ernst Vlcek

von am 26. November 2021

Ernst Vlcek hatte seine große Liebe namens Regina, er hatte zwei Söhne und einen großen Freundeskreis. Und dann war da noch Uschi Zietsch vulgo Susan Schwartz. Der Miterfinder des Dämonenkillers und Uschi verstanden sich von ihrem ersten Zusammentreffen an prächtig. Mehr zu dem ganz besonderen Verhältnis zwischen den beiden hat mir die Autorin und Verlegerin in einem kleinen Interview verraten.

F: Uschi, wann hast Du Ernst kennengelernt? Kannst Du Dich noch an die genaueren Umstände erinnern?

A: Zuerst bin ich mit Ernst in Briefkontakt getreten, und zwar 1980, als Mythor 1 erschien und er die Gestaltung der Leserkontaktseite über hatte. Es wurde daraus ein ziemlich regelmäßiger Briefwechsel. Persönlich kennengelernt habe ich ihn und seine Frau Regina 1983 beim Weihnachtsfest von Heyne. Mein erster Roman war soeben angenommen worden, ich bin zusammen mit meinem Mann Gerald hingegangen und war extremst aufgeregt. Wir haben uns gegenseitig sofort erkannt und waren auf Anhieb „gute alte Freunde“, wie man so schön sagt.

F: Ernst war für Dich also ein ganz besonderer Mensch und Freund. Was war das Besondere an eurem Verhältnis?

A: Wir hatten ab dem ersten Moment eine ungeheure Affinität zueinander, eine tiefe Verbindung, die man schwer erklären kann. Er war mein bester Freund und ich seine beste Freundin. Wo auch immer wir uns getroffen haben, klebten wir aneinander, wie zwei Magneten, da konnten wir gar nichts machen. Ab dem Mailzeitalter haben wir uns jeden Tag mindestens einmal gemailt, bis zu seinem Tod. Gesehen haben wir vier uns ein paarmal im Jahr privat in Wien oder bei uns und ansonsten auf Cons und Autorenkonferenzen.

F: Für Ernst hatte die „Dämonenkiller“-Serie immer eine besondere Bedeutung. Sie war nun mal sein eigenes Kind und ist zum Teil nach seinen Entwürfen geschrieben worden. Habt ihr euch öfter mal über dieses Thema unterhalten?

A: Ja, vor allem, als Zaubermond die Neuauflage plante – das hat ihn sehr glücklich gemacht. Er liebte den Dämonenkiller am meisten von allen seinen Werken. Da konnte er so richtig mal die „Horror-Sau“ rauslassen, wie er schmunzelnd meinte. Dabei war er ein sehr friedlicher Mensch.

F: Du hast selbst schon für COCO ZAMIS geschrieben. Hat Ernst Dir die Expos geschrieben? Hat er Dich damals bei der Arbeit unterstützt?

A: Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht mehr, wer damals die Expos geschrieben hat, Ernst war es aber nicht. Aber er hat sich sehr gefreut, dass ich dabei war und meine Fragen geduldig beantwortet.

F: Ganz besonders am Herzen gelegen ist ihm sein SF-Epos Sternensaga, die bei Dir in vier Bänden im Fabylon-Verlag erschienen ist. Der letzte Band wurde posthum veröffentlicht. Wie waren da die näheren Umstände?

A: Ja, die Sternensaga war für ihn am meisten von Bedeutung, eine Herzensangelegenheit, weil sie tief aus ihm kam und er sie trotz Veröffentlichung nur für sich und auch allein geschrieben hat.
Die ersten drei Bände waren ursprünglich als Heftromane erschienen, aber die Serie kam nie zum Abschluss. Ernst hat das bereits Veröffentlichte stark überarbeitet und freute sich sehr, nach Jahrzehnten endlich den Abschlussband schreiben zu können. In dem finden sich auch sehr viele – humorvolle – Hinweise auf sich selbst, und eine Katze – sein Lieblingstier – spielt eine wichtige Rolle. Er hat mit dem Band sein Lebenswerk zum Abschluss gebracht und alle Fäden zusammengeführt. Ernst schickte mir die Mail mit Anhang und ich versprach, mich gleich nach dem Wochenende bei ihm zu melden, sobald ich hineingeschaut hätte. Gleichzeitig schickte er mir noch die Beantwortung des Interviews, das mit ins Buch sollte. Die Premiere sollte wenige Wochen später in Köln auf dem ColoniaCon gefeiert werden. Er sei zufrieden, schrieb er mir noch, und jetzt sei alles gut und zu Ende. Darauf habe ich in dem Moment natürlich nicht so geachtet.
Bis der Anruf noch am Wochenende aus Wien kam, dass Ernst gestorben wäre …

Hier ist der Link zur „Sternensaga“ auf der Homepage des Fabylon-Verlags: https://www.fabylon.de/produkt/vlcek-ernst-sternensaga-gesamtausgabe-band-1-4-900-seiten/

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Die Wanderwege der Dämonen

von am 5. November 2021

Bei mir sind Beruf und Freizeit eng ineinander verwoben. Eigentlich lässt sich kaum ein Unterschied machen. Vor allem, da ich seit mehreren Monaten mit dem Motorrad kreuz und quer durch Europa fahre. Ich arbeite/schreibe an den Abenden, bin aber während der Fahrt auch nicht untätig. Die kleinen grauen Zellen arbeiten immer.

Unter anderem suche ich nach Schauplätzen, an denen einmal ein Dorian Hunter-Roman spielen könnte. Oder ich informiere mich lokal über Märchen, Sagen und Legenden. Oder über historisch belegte Ereignisse, die ich in Erzählungen rings um den Dämonenkiller einfügen könnte.

In der Bretagne war es ein Kloster, dessen Überreste unmittelbar neben einem Leuchtturm an einem Kap im westlichsten Teil stehen. Das Département heißt Finistère, abgeleitet vom römischen „finis terrae“, der Bezeichnung für das Ende der Welt. Denn ab dort gibt’s wirklich nur noch Ozean (abgesehen von wenigen, kaum bewohnten Inseln). Natürlich existieren Geschichten. Zum Beispiel die von einer Frau, die durch die Ruinen des Klosters wandert und nach ihrem Mann, einem Seemann, sucht. Die Dichte an versunkenen Schiffen ist kaum an einem Ort größer als rund um dieses Kap.
Dementsprechend wurde auch ein Denkmal für all die „verlorenen Seelen“ errichtet. Eine steinerne Frau blickt sehnsuchtsvoll von ihrer Säule hinaus auf den Ozean, stellvertretend für all jene, die einen Mann an die See verloren haben.

Finistèrre hat ein Gegenstück in Spanien, am fast westlichsten Punkt von Festland-Europa. Pilger, die den Jabobsweg beschreiten, beschließen ihre Reise in Santiago de Compostela. Manche aber nehmen nochmals etwa 70 Kilometer auf sich, um endlich am „Cabo Fisterra“ zu stehen und das Ende ihrer Pilgerfahrt zu feiern.
Interessanterweise gibt es auch einen Pilgerweg vom französischen zum spanischen „Ende der Welt“. Ich schätze, dass die Distanz etwa 1.400 Kilometer beträgt. Und hier bin ich letztlich beim Kern dieses Textes angelangt: Ganze Landstriche sind durch das Netz der Wanderwege geprägt. Oftmals sind die Gegenden menschenleer. Starker Wind bläst vom Ozean kommend darüber hinweg. Die Wanderer müssen sich gegen Sturmböen stemmen, um die nächste Unterkunft zu erreichen. In den kleinen Dörfern bewegt sich kaum etwas, niemand bewegt sich auf den Straßen. Nur in den Lokalen herrscht Betrieb, ab und zu tuckert ein Traktor durch die kleinen, oftmals gepflasterten Straßen … Im Schatten eines der steinernen Häuser bewegt sich jemand. Oder etwas … Ein dämonischer Wanderer etwa?

Seht ihr, was ich meine? Die Realität lässt sich kaum von den Geschichten trennen. Der Mythos vom Jakobsweg will erzählt und im Rahmen der Dorian Hunter-Buchserie neu interpretiert werden. Es geht einfach nicht anders.

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Torvil der Troll

von am 3. September 2021

Trolle sind in Norwegen allgegenwärtig, darüber habe ich in meiner letzten Kolumne bereits kurz geschrieben. Ich war während der vergangenen Wochen im Land unterwegs und war kurz davor, wegen des häufigen Regens Moos anzusetzen. Und genauso stelle ich mir Trolle auch vor: moosbedeckte und behäbige Geschöpfe, die mal gut und mal schlecht gelaunt sind. Wesen, von denen man nicht so recht weiß, was sie in der nächsten Sekunde tun könnten.

Stellt euch einen Troll an Dorian Hunters Seite vor. Eine Gestalt, die bösartig bis in die letzte Fingerspitze sein kann, aber auch gutmütig und mit sonderbaren Fähigkeiten ausgestattet, die er in Hunters Kampf gegen die Dämonen einsetzt.
Man kann diesen Troll nicht immer sehen. Er verschmilzt mit der Umgebung. Er wird zum Teil einer Bodenwurzel oder verbirgt sich hinter einem fein gemaserten Stein. Sein Gesicht ist verkrustet, da und dort wächst ein Pilz daraus hervor. Er hat sich die Begabung angeeignet, sich auch in einer technisierten Umgebung tarnen zu können. Er wird zum Teil eines Straßenbilds oder eines Kanalgitters. Er bewegt sich unauffällig zwischen den Straßenschluchten einer amerikanischen Großstadt, wird zu einem der vielen Ausgestoßenen. Vielleicht fühlt er sich in den Reihen der Freaks besonders wohl. Dort würde er mit seinem wirklichen Aussehen wohl nicht allzu viel Aufmerksamkeit erregen …

Nennen wir diesen Troll Torvil. Er ist stolz auf diesen Namen, wie er Dorian immer wieder unter die Nase reibt. „Tor“ ist ein Hinweis auf den Donnergott, „vil“ hatte im Altnordischen die Bedeutung „weben“. Er ist einer, der Unwetter „zusammenweben“ kann, sprich: ein begnadeter Intrigant ist. Genau diese Begabung stellt er immer wieder unter Beweis.

Torvil ist ein unerreichter Dieb. Er stibitzt Hunter den Bourbon unter der Nase weg oder nimmt Coco Zamis den BH ab, ohne dass sie es bemerkt. Einfach deswegen, weil er es kann. Er findet die intimsten Geheimnisse der beiden heraus und verrät sie weiter – und entscheidet sich im richtigen Augenblick dann doch dafür, das Team der Dämonenjäger zu unterstützen.

Prinzipiell ist er aber ein fauler Kerl. Er schläft lieber, als sich um die Belange der Menschen und der Dämonen zu kümmern. Erst, wenn er persönlich eingeschränkt ist und zornig wird, ist er bei der Sache.
Asmodi mag er nicht besonders. Wirklich nicht. Denn der hat ihm vor einigen Jahren ein wichtiges persönliches Utensil gestohlen. Ihm! Dem Meisterdieb wurde vom Herrn der Schwarzen Familie weggenommen!

Torvil ist 1,50 Meter groß, wächst aber rapide an, wenn er einmal in Rage gerät. Wenn er müde wird, schrumpft er auf Hosentaschengröße zusammen und reist besonders gerne in Cocos Brusttasche. Er ist ein schrecklicher Sexist, der der jungen Hexe einigen Grund gibt, sich über ihn zu ärgern. Aber Dorian und sie sind nun mal auf ihn angewiesen, denn er ist im Kampf gegen die Dämonen ein wichtiger Faktor …
Sein Bauch ist kugelrund, er trägt bunte Hosen aus Flicken, die Nase ist ein hervorstechendes Merkmal in seinem Gesicht. Die Augen sind schwarz wie Kohle, das Lächeln kann herzlich, aber auch bösartig wirken.

So oder ähnlich könnte Torvil als Charakter in die Handlung der Buchserie eingeführt werden. Er wäre eine Figur, die nicht leicht zu handhaben ist – aber viel, viel Spaß machen würde. Ich hoffe, bald mal die Gelegenheit zu erhalten, Torvil und Hunter gemeinsam im Kampf gegen die Schwarze Familie einzusetzen …

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Am Ende der Welt

von am 13. August 2021

Ja, da sitze ich gerade. Wortwörtlich. Hammerfest ist – angeblich – die nördlichste Stadt der Welt. Hier gibt es Felsen, sehr viele Felsen. Dazu einige verkrüppelte Bäume (meist Birken), Wind und Nebel, der vom Ozean kommend übers Land zieht und die Insel Kvalöya einpackt.
Möwen kreischen (und landen ab und zu auf dem Vordach), alle paar Minuten fährt ein Auto an meinem Hotel vorbei. Es regnet, weil eigentlich regnet es fast immer. Das beiliegende Bild dokumentiert all diese Dinge recht gut.

Die Sonne geht kurz vor zehn Uhr abends unter und gegen 2:30 wieder auf. Aber auch dazwischen wird es nie ganz dunkel. Es ist eine eigentümliche Stimmung, die ich aufsauge und verinnerliche. Ich bin mir sicher, dass ich all diese Eindrücke eines Tages in einem DORIAN HUNTER-Roman verwenden kann.

Nebstbei sammle ich auf meiner Motorradreise auch die Mythen des jeweiligen Landes. Trolle sind in in der norwegischen Kultur nicht derart präsent wie in Island, aber dennoch begegnet man ihnen immer wieder. Sie werden meist als dickbauchige und wildhaarige Gestalten gezeichnet, deren markantestes Merkmal die lange Nase ist.
Eine der bekanntesten Aussichtsstraßen Norwegens ist der sogenannte „Trollstigvegen“ im norwegischen Fjordland. Über mehrere Kehren windet sich die Straße eine beeindruckende Gebirgsschulter empor. Wie die regenreiche Landschaft Norwegens ohnedies glauben macht, dass hinter der nächsten Erhebung ein Troll oder ein Riese hervortreten könnte und über dich herfällt. Meist sind es dann aber bloß Rentiere, die unmittelbar vor deinem Motorrad über die Straße trappeln und dabei gemächlich kauen.
Seltener bekommt man Elche zu sehen. Sie sind scheue Tiere – aber unglaublich beeindruckend. Ich hatte letztes Jahr eine Begegnung mit zwei von diesen Riesen. Sie stapften über die Straße, hinab in ein enges Tal. Blickten nochmals zu mir hoch, als wollten sie mich hämisch auslachen, als ich verzweifelt versuchte, das Handy für ein Foto aus meinem Tankrucksack zu nesteln. Kaum hatte ich es geschafft, wandten sie sich um und verschwanden im Regen. Ihre dumpf klingenden Schritte, die sie auf den Moosboden setzten, waren noch für einige Sekunden zu hören, dann war es vorbei. Und ich ohne Erinnerungsbild zurückgeblieben.

Wie gesagt: Es sind nach wie vor Eindrücke und Erinnerungssplitter, die ich sammle. Dorian Hunter hat meines Wissens nach noch nicht allzu viele Abenteuer in nordischen Ländern bestanden. Es gibt die – bereits vage ausformulierte – Idee, ihn im Land der Asen herumabenteuern zu lassen. All die Eindrücke, die ich gerade sammle, verdichten und verbessern dieses Konzept. Es macht richtig Spaß, Fiktion und Realität miteinander zu verweben. Und damit bin ich gerade ausführlich beschäftigt.

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