George McMahon

von am 7. Januar 2022

Vor kurzem habe ich in meinen persönlichen Archiven gegraben und mir mal die Veröffentlichungslisten der „alten“ Dämonenkiller-Serien angesehen. Ich wusste, dass eine Menge Kollegen daran beteiligt gewesen waren. Viele davon kannte und kenne ich, habe auch mit ihnen zusammengearbeitet. Allen voran natürlich mit Ernst Vlcek.

Bei dieser Suche ist mir auch das Pseudonym George McMahon (vulgo Hubert Haensel) untergekommen. Ich muss gestehen, dass ich seine Rolle beim Dämonenkiller völlig verdrängt hatte. Fünf Heftromane hatte er insgesamt verfasst, ziemlich zu Beginn seiner Karriere als Autor. Anschließend fasste er bei Mythor Fuß, schrieb für die Atlan-Serie und wurde letztlich zum Teamautor bei Perry Rhodan.

Ich arbeite mit Hubert seit bald 20 Jahren bei Perry Rhodan zusammen – und noch viel länger kenne ich ihn. Zu seinem 50. Geburtstag war ich bei ihm und seiner Familie auf Besuch; erst zu diesem Zeitpunkt beschloss er, sich hauptberuflich der Schriftstellerei zu widmen und seinen damaligen Brotberuf aufzugeben. Man muss sich das mal vorstellen: Weit über zwanzig Jahre lang schrieb er ausschließlich nach Feierabend und am Wochenende, es sind gewiss mehr als hundert Romane in allen möglichen Genres während dieser Zeit entstanden. Ganze Serien hat er in dieser Zeit entworfen und zum Teil (fast) alleine geschrieben.

Hubert und ich sehen uns zumindest einmal im Jahr bei einer Autorenkonferenz. Er war aber auch schon einige Male in Wien auf Besuch; wir trafen uns auch auf Cons und sonstigen Veranstaltungen. Unsere Familien kennen sich; ich habe seine Kinder großwerden gesehen und Hubert meine. Und auch wenn Hubert zehn Jahre älter als ich ist, habe ich niemals einen Altersunterschied gesehen oder gefühlt.

Wir haben über die von ihm mitinitiierte Serie Die Abenteurer gesprochen, natürlich über Perry Rhodan, auch über Mythor. Aber über den Dämonenkiller haben wir nie ein Wort gewechselt. Sehr sonderbar … Jedenfalls möchte ich von ihm mehr über seine Rolle an der Seite von Dorian Hunter wissen. Es wird also in absehbarer Zeit also ein Interview mit George McMahon geben; derzeit geht sich’s terminlich nicht aus. Aber ich bin jetzt schon riesig gespannt, was Hubert Haensel zu erzählen hat. Weil eben diese Romane auch eng mit dem Beginn seiner Karriere als Autor verbunden sind.

weiterlesen

Coco Zamis und Frank

von am 17. Dezember 2021

Derzeit beschäftige ich mich wieder mal mit einem Text für den Zaubermond-Verlag. Ich habe Vorgaben erhalten, die mir relativ viel Freiheiten erlauben – und diese Freiheiten nutze ich auch.

So baue ich in diesem Manuskript eine Figur ein, die laut Exposé bloß eine kleine, unbedeutende Rolle hat. Bei mir aber erhält sie eine tragende Position.
Nennen wir diese Figur „Frank“. Frank ist etwas Besonderes, denn er hat ein reales Vorbild. Ich verwende die Figur in meiner Geschichte anhand der Vorgaben, die ich bekommen habe.

Dass Realpersonen zu diesen Ehren kommen – das passiert mir öfters. Letztens erst habe ich in einer Kurzgeschichte, die in den nächsten Tagen veröffentlicht werden soll, meine ehemalige Stiefmutter verwendet. Wie das bei Stiefmüttern so ist, spielt sie keine sonderlich sympathische Rolle.
Bei vielen anderen Gelegenheiten habe ich Freunde und Bekannte in meine Romane eingebaut, mittlerweile werden es Dutzende sein. Manchmal erwähne ich sie nur, ohne näher auf sie einzugehen, manchmal erhalten sie eine tragende Rolle. Fakt ist, dass es Spaß macht, solche „Ostereier“ in eine Handlung einzubauen – und dass es die Schreibarbeit einigermaßen erleichtert. Denn ich habe von vornherein ein wenig Gefühl für die Figur, ich habe ein Bild vor Augen. Ich muss meine Figur nicht erst „kennenlernen“

Bei Frank geht es, wie gesagt, um einen wichtigen Platz in der Geschichte. Er ist ein Ansprechpartner für unsere liebste Hexe, für Coco Zamis. Noch weiß ich nicht, was mit ihm geschehen wird. (Wobei es für Menschen nur selten vorteilhaft ist, Cocos Bekanntschaft zu machen.)

Frank ist insofern eine Ausnahme, als ich ihn nicht persönlich kenne. Ich habe ihn gebeten, mir ein paar Informationen zu seiner Person zukommen zu lassen. Aussehen, Charaktereigenschaften, Verhaltensweisen – solche Dinge halt. Das ist gar nicht mal so leicht, wie es klingt. Schließlich steht man sich selbst nicht objektiv gegenüber. Wer schreibt schon gerne über seine negativen Charaktereigenschaften oder über seine Mängel?

Nun, bei Frank habe ich nach einem kurzen Schriftverkehr mit dem realen Vorbild das Gefühl, ihn ausreichend gut zu kennen. Ich denke mir, dass ich ihn passend einsetzen kann. Coco wird nicht unbedingt Sympathien für ihn hegen, weil er auf der „falschen Seite“ steht. Und es mag schon sein, dass sie ihn im Laufe der Handlung überwältigen oder ihn gar töten muss. Diese Entscheidung werde ich sehr spontan treffen, wenn’s für mich an die Auflösung der Geschichte geht. Damit muss der reale Frank leben – und die Figur sowieso. Haltet ihm bitte die Daumen, dass er die Begegnung mit Coco Zamis überlebt …

weiterlesen

Uschi Zietsch über Ernst Vlcek

von am 26. November 2021

Ernst Vlcek hatte seine große Liebe namens Regina, er hatte zwei Söhne und einen großen Freundeskreis. Und dann war da noch Uschi Zietsch vulgo Susan Schwartz. Der Miterfinder des Dämonenkillers und Uschi verstanden sich von ihrem ersten Zusammentreffen an prächtig. Mehr zu dem ganz besonderen Verhältnis zwischen den beiden hat mir die Autorin und Verlegerin in einem kleinen Interview verraten.

F: Uschi, wann hast Du Ernst kennengelernt? Kannst Du Dich noch an die genaueren Umstände erinnern?

A: Zuerst bin ich mit Ernst in Briefkontakt getreten, und zwar 1980, als Mythor 1 erschien und er die Gestaltung der Leserkontaktseite über hatte. Es wurde daraus ein ziemlich regelmäßiger Briefwechsel. Persönlich kennengelernt habe ich ihn und seine Frau Regina 1983 beim Weihnachtsfest von Heyne. Mein erster Roman war soeben angenommen worden, ich bin zusammen mit meinem Mann Gerald hingegangen und war extremst aufgeregt. Wir haben uns gegenseitig sofort erkannt und waren auf Anhieb „gute alte Freunde“, wie man so schön sagt.

F: Ernst war für Dich also ein ganz besonderer Mensch und Freund. Was war das Besondere an eurem Verhältnis?

A: Wir hatten ab dem ersten Moment eine ungeheure Affinität zueinander, eine tiefe Verbindung, die man schwer erklären kann. Er war mein bester Freund und ich seine beste Freundin. Wo auch immer wir uns getroffen haben, klebten wir aneinander, wie zwei Magneten, da konnten wir gar nichts machen. Ab dem Mailzeitalter haben wir uns jeden Tag mindestens einmal gemailt, bis zu seinem Tod. Gesehen haben wir vier uns ein paarmal im Jahr privat in Wien oder bei uns und ansonsten auf Cons und Autorenkonferenzen.

F: Für Ernst hatte die „Dämonenkiller“-Serie immer eine besondere Bedeutung. Sie war nun mal sein eigenes Kind und ist zum Teil nach seinen Entwürfen geschrieben worden. Habt ihr euch öfter mal über dieses Thema unterhalten?

A: Ja, vor allem, als Zaubermond die Neuauflage plante – das hat ihn sehr glücklich gemacht. Er liebte den Dämonenkiller am meisten von allen seinen Werken. Da konnte er so richtig mal die „Horror-Sau“ rauslassen, wie er schmunzelnd meinte. Dabei war er ein sehr friedlicher Mensch.

F: Du hast selbst schon für COCO ZAMIS geschrieben. Hat Ernst Dir die Expos geschrieben? Hat er Dich damals bei der Arbeit unterstützt?

A: Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht mehr, wer damals die Expos geschrieben hat, Ernst war es aber nicht. Aber er hat sich sehr gefreut, dass ich dabei war und meine Fragen geduldig beantwortet.

F: Ganz besonders am Herzen gelegen ist ihm sein SF-Epos Sternensaga, die bei Dir in vier Bänden im Fabylon-Verlag erschienen ist. Der letzte Band wurde posthum veröffentlicht. Wie waren da die näheren Umstände?

A: Ja, die Sternensaga war für ihn am meisten von Bedeutung, eine Herzensangelegenheit, weil sie tief aus ihm kam und er sie trotz Veröffentlichung nur für sich und auch allein geschrieben hat.
Die ersten drei Bände waren ursprünglich als Heftromane erschienen, aber die Serie kam nie zum Abschluss. Ernst hat das bereits Veröffentlichte stark überarbeitet und freute sich sehr, nach Jahrzehnten endlich den Abschlussband schreiben zu können. In dem finden sich auch sehr viele – humorvolle – Hinweise auf sich selbst, und eine Katze – sein Lieblingstier – spielt eine wichtige Rolle. Er hat mit dem Band sein Lebenswerk zum Abschluss gebracht und alle Fäden zusammengeführt. Ernst schickte mir die Mail mit Anhang und ich versprach, mich gleich nach dem Wochenende bei ihm zu melden, sobald ich hineingeschaut hätte. Gleichzeitig schickte er mir noch die Beantwortung des Interviews, das mit ins Buch sollte. Die Premiere sollte wenige Wochen später in Köln auf dem ColoniaCon gefeiert werden. Er sei zufrieden, schrieb er mir noch, und jetzt sei alles gut und zu Ende. Darauf habe ich in dem Moment natürlich nicht so geachtet.
Bis der Anruf noch am Wochenende aus Wien kam, dass Ernst gestorben wäre …

Hier ist der Link zur „Sternensaga“ auf der Homepage des Fabylon-Verlags: https://www.fabylon.de/produkt/vlcek-ernst-sternensaga-gesamtausgabe-band-1-4-900-seiten/

weiterlesen

Die Wanderwege der Dämonen

von am 5. November 2021

Bei mir sind Beruf und Freizeit eng ineinander verwoben. Eigentlich lässt sich kaum ein Unterschied machen. Vor allem, da ich seit mehreren Monaten mit dem Motorrad kreuz und quer durch Europa fahre. Ich arbeite/schreibe an den Abenden, bin aber während der Fahrt auch nicht untätig. Die kleinen grauen Zellen arbeiten immer.

Unter anderem suche ich nach Schauplätzen, an denen einmal ein Dorian Hunter-Roman spielen könnte. Oder ich informiere mich lokal über Märchen, Sagen und Legenden. Oder über historisch belegte Ereignisse, die ich in Erzählungen rings um den Dämonenkiller einfügen könnte.

In der Bretagne war es ein Kloster, dessen Überreste unmittelbar neben einem Leuchtturm an einem Kap im westlichsten Teil stehen. Das Département heißt Finistère, abgeleitet vom römischen „finis terrae“, der Bezeichnung für das Ende der Welt. Denn ab dort gibt’s wirklich nur noch Ozean (abgesehen von wenigen, kaum bewohnten Inseln). Natürlich existieren Geschichten. Zum Beispiel die von einer Frau, die durch die Ruinen des Klosters wandert und nach ihrem Mann, einem Seemann, sucht. Die Dichte an versunkenen Schiffen ist kaum an einem Ort größer als rund um dieses Kap.
Dementsprechend wurde auch ein Denkmal für all die „verlorenen Seelen“ errichtet. Eine steinerne Frau blickt sehnsuchtsvoll von ihrer Säule hinaus auf den Ozean, stellvertretend für all jene, die einen Mann an die See verloren haben.

Finistèrre hat ein Gegenstück in Spanien, am fast westlichsten Punkt von Festland-Europa. Pilger, die den Jabobsweg beschreiten, beschließen ihre Reise in Santiago de Compostela. Manche aber nehmen nochmals etwa 70 Kilometer auf sich, um endlich am „Cabo Fisterra“ zu stehen und das Ende ihrer Pilgerfahrt zu feiern.
Interessanterweise gibt es auch einen Pilgerweg vom französischen zum spanischen „Ende der Welt“. Ich schätze, dass die Distanz etwa 1.400 Kilometer beträgt. Und hier bin ich letztlich beim Kern dieses Textes angelangt: Ganze Landstriche sind durch das Netz der Wanderwege geprägt. Oftmals sind die Gegenden menschenleer. Starker Wind bläst vom Ozean kommend darüber hinweg. Die Wanderer müssen sich gegen Sturmböen stemmen, um die nächste Unterkunft zu erreichen. In den kleinen Dörfern bewegt sich kaum etwas, niemand bewegt sich auf den Straßen. Nur in den Lokalen herrscht Betrieb, ab und zu tuckert ein Traktor durch die kleinen, oftmals gepflasterten Straßen … Im Schatten eines der steinernen Häuser bewegt sich jemand. Oder etwas … Ein dämonischer Wanderer etwa?

Seht ihr, was ich meine? Die Realität lässt sich kaum von den Geschichten trennen. Der Mythos vom Jakobsweg will erzählt und im Rahmen der Dorian Hunter-Buchserie neu interpretiert werden. Es geht einfach nicht anders.

weiterlesen

Torvil der Troll

von am 3. September 2021

Trolle sind in Norwegen allgegenwärtig, darüber habe ich in meiner letzten Kolumne bereits kurz geschrieben. Ich war während der vergangenen Wochen im Land unterwegs und war kurz davor, wegen des häufigen Regens Moos anzusetzen. Und genauso stelle ich mir Trolle auch vor: moosbedeckte und behäbige Geschöpfe, die mal gut und mal schlecht gelaunt sind. Wesen, von denen man nicht so recht weiß, was sie in der nächsten Sekunde tun könnten.

Stellt euch einen Troll an Dorian Hunters Seite vor. Eine Gestalt, die bösartig bis in die letzte Fingerspitze sein kann, aber auch gutmütig und mit sonderbaren Fähigkeiten ausgestattet, die er in Hunters Kampf gegen die Dämonen einsetzt.
Man kann diesen Troll nicht immer sehen. Er verschmilzt mit der Umgebung. Er wird zum Teil einer Bodenwurzel oder verbirgt sich hinter einem fein gemaserten Stein. Sein Gesicht ist verkrustet, da und dort wächst ein Pilz daraus hervor. Er hat sich die Begabung angeeignet, sich auch in einer technisierten Umgebung tarnen zu können. Er wird zum Teil eines Straßenbilds oder eines Kanalgitters. Er bewegt sich unauffällig zwischen den Straßenschluchten einer amerikanischen Großstadt, wird zu einem der vielen Ausgestoßenen. Vielleicht fühlt er sich in den Reihen der Freaks besonders wohl. Dort würde er mit seinem wirklichen Aussehen wohl nicht allzu viel Aufmerksamkeit erregen …

Nennen wir diesen Troll Torvil. Er ist stolz auf diesen Namen, wie er Dorian immer wieder unter die Nase reibt. „Tor“ ist ein Hinweis auf den Donnergott, „vil“ hatte im Altnordischen die Bedeutung „weben“. Er ist einer, der Unwetter „zusammenweben“ kann, sprich: ein begnadeter Intrigant ist. Genau diese Begabung stellt er immer wieder unter Beweis.

Torvil ist ein unerreichter Dieb. Er stibitzt Hunter den Bourbon unter der Nase weg oder nimmt Coco Zamis den BH ab, ohne dass sie es bemerkt. Einfach deswegen, weil er es kann. Er findet die intimsten Geheimnisse der beiden heraus und verrät sie weiter – und entscheidet sich im richtigen Augenblick dann doch dafür, das Team der Dämonenjäger zu unterstützen.

Prinzipiell ist er aber ein fauler Kerl. Er schläft lieber, als sich um die Belange der Menschen und der Dämonen zu kümmern. Erst, wenn er persönlich eingeschränkt ist und zornig wird, ist er bei der Sache.
Asmodi mag er nicht besonders. Wirklich nicht. Denn der hat ihm vor einigen Jahren ein wichtiges persönliches Utensil gestohlen. Ihm! Dem Meisterdieb wurde vom Herrn der Schwarzen Familie weggenommen!

Torvil ist 1,50 Meter groß, wächst aber rapide an, wenn er einmal in Rage gerät. Wenn er müde wird, schrumpft er auf Hosentaschengröße zusammen und reist besonders gerne in Cocos Brusttasche. Er ist ein schrecklicher Sexist, der der jungen Hexe einigen Grund gibt, sich über ihn zu ärgern. Aber Dorian und sie sind nun mal auf ihn angewiesen, denn er ist im Kampf gegen die Dämonen ein wichtiger Faktor …
Sein Bauch ist kugelrund, er trägt bunte Hosen aus Flicken, die Nase ist ein hervorstechendes Merkmal in seinem Gesicht. Die Augen sind schwarz wie Kohle, das Lächeln kann herzlich, aber auch bösartig wirken.

So oder ähnlich könnte Torvil als Charakter in die Handlung der Buchserie eingeführt werden. Er wäre eine Figur, die nicht leicht zu handhaben ist – aber viel, viel Spaß machen würde. Ich hoffe, bald mal die Gelegenheit zu erhalten, Torvil und Hunter gemeinsam im Kampf gegen die Schwarze Familie einzusetzen …

weiterlesen

Am Ende der Welt

von am 13. August 2021

Ja, da sitze ich gerade. Wortwörtlich. Hammerfest ist – angeblich – die nördlichste Stadt der Welt. Hier gibt es Felsen, sehr viele Felsen. Dazu einige verkrüppelte Bäume (meist Birken), Wind und Nebel, der vom Ozean kommend übers Land zieht und die Insel Kvalöya einpackt.
Möwen kreischen (und landen ab und zu auf dem Vordach), alle paar Minuten fährt ein Auto an meinem Hotel vorbei. Es regnet, weil eigentlich regnet es fast immer. Das beiliegende Bild dokumentiert all diese Dinge recht gut.

Die Sonne geht kurz vor zehn Uhr abends unter und gegen 2:30 wieder auf. Aber auch dazwischen wird es nie ganz dunkel. Es ist eine eigentümliche Stimmung, die ich aufsauge und verinnerliche. Ich bin mir sicher, dass ich all diese Eindrücke eines Tages in einem DORIAN HUNTER-Roman verwenden kann.

Nebstbei sammle ich auf meiner Motorradreise auch die Mythen des jeweiligen Landes. Trolle sind in in der norwegischen Kultur nicht derart präsent wie in Island, aber dennoch begegnet man ihnen immer wieder. Sie werden meist als dickbauchige und wildhaarige Gestalten gezeichnet, deren markantestes Merkmal die lange Nase ist.
Eine der bekanntesten Aussichtsstraßen Norwegens ist der sogenannte „Trollstigvegen“ im norwegischen Fjordland. Über mehrere Kehren windet sich die Straße eine beeindruckende Gebirgsschulter empor. Wie die regenreiche Landschaft Norwegens ohnedies glauben macht, dass hinter der nächsten Erhebung ein Troll oder ein Riese hervortreten könnte und über dich herfällt. Meist sind es dann aber bloß Rentiere, die unmittelbar vor deinem Motorrad über die Straße trappeln und dabei gemächlich kauen.
Seltener bekommt man Elche zu sehen. Sie sind scheue Tiere – aber unglaublich beeindruckend. Ich hatte letztes Jahr eine Begegnung mit zwei von diesen Riesen. Sie stapften über die Straße, hinab in ein enges Tal. Blickten nochmals zu mir hoch, als wollten sie mich hämisch auslachen, als ich verzweifelt versuchte, das Handy für ein Foto aus meinem Tankrucksack zu nesteln. Kaum hatte ich es geschafft, wandten sie sich um und verschwanden im Regen. Ihre dumpf klingenden Schritte, die sie auf den Moosboden setzten, waren noch für einige Sekunden zu hören, dann war es vorbei. Und ich ohne Erinnerungsbild zurückgeblieben.

Wie gesagt: Es sind nach wie vor Eindrücke und Erinnerungssplitter, die ich sammle. Dorian Hunter hat meines Wissens nach noch nicht allzu viele Abenteuer in nordischen Ländern bestanden. Es gibt die – bereits vage ausformulierte – Idee, ihn im Land der Asen herumabenteuern zu lassen. All die Eindrücke, die ich gerade sammle, verdichten und verbessern dieses Konzept. Es macht richtig Spaß, Fiktion und Realität miteinander zu verweben. Und damit bin ich gerade ausführlich beschäftigt.

weiterlesen

Auf Motivsuche

von am 23. Juli 2021

Derzeit bin ich ja mit dem Motorrad auf Reisen. Ich fahre kreuz und quer durch Deutschland, treffe gute Freunde, frische alte Bekanntschaften auf oder mache neue. Im Prinzip entscheide ich alle paar Tage, wo es denn jetzt wieder hingehen soll. Bislang sind Graz, Villach, Innsbruck, München, der Allgäu, Zürichsee, Bern, der Schwarzwald, der Pfälzer Wald und Darmstadt auf meiner Liste gestanden. Das ist schon eine ganz schöne Liste.

Burgruine Frankenstein nahe der Ortschaft Frankenstein im Pfälzer Wald

Vom Motorrad aus nimmt man die Umgebung ein klein wenig anders wahr als aus dem geschlossenen Auto. Man lässt die Gegend an sich vorüberrauschen. Man freut sich über schöne Ausblicke und über kurvige Straßen. Und natürlich suche ich mit den Augen des Autors immer wieder nach besonderen Ecken, die ich irgendwann mal als Motiv in meine Romane einbauen kann. Darüber hinaus unterhalte ich mich gern unterwegs über die jeweiligen Regionen. Gibt es Besonderheiten, wie sieht es mit der Sagen- und Märchenwelt im jeweiligen Gebiet aus, beeindruckt mich ein Gebäude oder eine Landschaft besonders? Dies alles verwebt sich während des Fahrens mit ersten Ideen. So, dass ich manchmal fast schon ganze Szenen eines Dämonenkiller-Romans auf dem Motorrad erstellen kann. Ab und zu bleibe ich auch stehen und mache mir rasch Notizen, bevor diese Ideen wieder verwehen.

Dies alles ergibt noch lange keine richtige Story. Aber es ist eine Sammlung von Eindrücken und Szenen, die sich irgendwann addieren und zu einer kompletten Geschichte verwoben werden können.

Dorian Hunter ist in einem gewissen Sinne auch Reiseliteratur. Das begann schon mit Band 1 der ersten Heftromanserie, als Dorian die Burg Asmodi im österreichischen Grenzgebiet besuchte. Interessierte Leser wissen, dass der Dämonenkiller und seine Mitstreiter seither fast schon überall auf der Welt unterwegs waren. Klar sind London und Wien gewisse Brennpunkte, aber die Mitglieder der Schwarzen Familie sind nicht nur dort aktiv.
Diese Tradition der Reiseromane möchte ich natürlich fortsetzen. Und ich denke, ich bin auf einem recht guten Weg, neue Schauplätze für Dorian zu entdecken und neue Probleme, neue Schrecken, neue Gegner für ihn zu erfinden. Und: Kann es Zufall sein, dass ich derzeit in einem Dorf namens Frankenstein Zwischenstation mache?

(Das Bild zeigt die Burgruine Frankenstein im Pfälzer Wald.)

weiterlesen

In eigener Sache

von am 2. Juli 2021

Ich arbeite seit bald 20 Jahren als Schriftsteller. Der Job fordert und zehrt, aber er bietet natürlich auch viele großartige Möglichkeiten, das Leben zu gestalten, die ich nicht mehr missen möchte. Sich den Tag selbst einteilen zu können und ihn nach den eigenen Bedürfnissen zu gestalten – das ist großartig. Gerade für einen unstrukturierten Mensch, wie ich es bin, sind die Arbeitsvoraussetzungen optimal.

In nächster Zeit wird sich in dieser Hinsicht allerdings etwas ändern – und ich freue mich riesig drauf. Denn ich erfülle mir einen Lebenstraum.
Ab nächster Woche begebe ich mich mit dem Motorrad auf Reisen, quer durch Europa und noch ein Stückchen weiter weg. So einfach und so spartanisch wie möglich. Mein Zelt wird in dieser Zeit zum Hauptwohnsitz werden. Ich werde mindestens sechs Monate unterwegs sein, vielleicht sogar bis zu zweieinhalb Jahre. Ich lege bei meiner „Alte Eisen auf Reisen“-Tour relativ beschaulich los und werde Freunde, Fans und Bekannte im deutschsprachigen Raum besuchen. Anschließend geht es in den hohen Norden. Den Winter wiederum werde ich in wärmeren Gefilden verbringen, bevorzugt im Mittelmeerraum (auch in Nordafrika): Nächstes Jahr soll’s dann in einer großen „Runde“ ums Schwarze Meer gehen, auch Armenien und Aserbaidschan habe ich auf dem Radar.

Aber dieser Teil der Reise ist noch Zukunftsmusik. Um eine Brücke zum eigentlich Inhalt dieser Kolumne zu schlagen: Ich werde unterwegs arbeiten und mir durchs Schreiben die Weiterfahrt verdienen. Auch DORIAN HUNTER-Manuskripte und Expos sollen unterwegs entstehen, und wenn Uwe Vöhl mich benötigt, werde ich mich sicherlich auch bei DAS HAUS ZAMIS blicken lassen.

Die Arbeitsbedingungen werden nicht ideal sein, dessen bin ich mir bewusst. Ich werde bei Sturm und Regen im Zelt schreiben müssen, von ergonomischem Arbeitsplatz wird wohl keine Rede sein. Aber ich werde genau das machen, was ich mir immer schon mal erträumt habe: unterwegs sein, fremde Leute und Kulturen kennenlernen, mich neu inspirieren lassen. Abenteuer erleben, um darüber schreiben zu können. So ist es zum Beispiel auch schon bei Abenteuern geschehen, die Coco Zamis auf Korsika und Madeira erlebt hat. Denn der Mensch, der ich bin, und die Dinge, die ich sehe, finden sich unweigerlich in meinen Texten wieder. Und darüber freue ich mich ganz besonders: als Person weiter zu wachsen, um bessere Texte schreiben zu können.

weiterlesen

Freaks

von am 21. Mai 2021

Wer den Dämonenkiller Dorian Hunter kennt, kennt unweigerlich auch die Gruppe der Freaks. Arme, gequälte Gestalten, die irgendwo zwischen böse und bemitleidenswert pendeln, die aber auch schon mal den Helden der Serie helfen. Sie sind ehemalige Dämonen, die von Ihresgleichen gestürzt oder verraten wurden und den Rest ihres (meist kurzen) Lebens als entstellte Gestalten verbringen müssen.

Sie wurden bereits in einem der ersten Dämonenkiller-Heftromanen vorgestellt und tauchen seitdem immer wieder in der Handlung auf. Mich fasziniert ihre Rolle, weil sie nun mal Grenzgänger sind. Sie wurden aus dem Olymp des Bösen gestoßen und müssen nun in der Gosse leben. Sie sind selbst unterhalb unterhalb der Gruppe der Menschen angesiedelt, die sie einstmals verachtet haben – und die nun wiederum sie verachten.

Der Begriff „Freaks“ hat heutzutage einen völlig anderen Klang als noch vor einigen Jahrzehnten. Ernst Vlcek und Neal Davenport wollten diese Wesen als Außenseiter der Gesellschaft etablieren. Heutzutage wird ein Freak in der Umgangssprache anders wahrgenommen. Wir nennen jemanden Musik-Freak, Film-Freak oder Fußball-Freak, wenn er eine besondere Leidenschaft für das jeweilige Hobby entwickelt. Es ist heutzutage also gar nicht so leicht, zu verstehen, dass die Autoren vor 45 Jahren dieses Wort gewählt haben, um etwas negativ klingen zu lassen.

(Das englische Wort „freak“ ist übrigens verschriftet bis ins Jahr 1560 zurück zu verfolgen, mit ebenfalls wechselnder Bedeutung. Man vermutet, dass es auf das altenglische „frician“ zurückgeht, das so viel wie „Tanzen“ bedeutet. Und damit wären wir im tiefsten Mittelalter angelangt.)

Wenn ich das Wort „Freaks“ höre, denke ich übrigens augenblicklich an den gleichnamigen Film aus dem Jahr 1932. Wer ihn nicht kennt – Teile davon kann man auf Youtube ansehen.
Ich könnte mir vorstellen, dass der Film Ernst Vlcek ebenfalls als Inspiration diente. Er zeigt missgestaltete Mitglieder eines Wanderzirkus, die entgegen dem üblichen Schema die „Guten“ sind, während die großgewachsene Blondine die „Böse“ ist. Diese Umkehrung der Rollenbelegung hat mich dazumals, als ich „Freaks“ das erste Mal gesehen hatte, extrem verwirrt. Ich war einfach nicht auf die Geschehnisse vorbereitet. Zumal ich nur ganz schwer mit dieser Zirkuswelt zurechtgekommen bin. Manche Szenen waren unerträglich für mich.
Im Jahr 1932 war der Film ein Skandal, und in manchen Teilen der USA ist die Aufführung auch heute noch verboten (sofern man dem Artikel in der Wikipedia vertrauen kann). Unter Cineasten gilt „Freaks“ aber heutzutage als einer der ganz großen Klassiker des Horror-Genres, auch wenn nur noch 64 von ursprünglich 90 Minuten Filmmaterial vorhanden sind.

Kommen wir zurück zu den Freaks des Hunterversums: Ich mache mir während der Expoarbeit immer wieder Gedanken um die Rolle der Freaks. Ich denke, dass sie sträflich unterschätzt werden. Meist wurden sie bloß als ein Beiwerk der Handlung. Ich könnte mir vorstellen, dass sie in kommenden Romanen von Dorian Hunter eine deutlich aktivere und wichtigere Rolle einnehmen werden. Eine Rolle, die sie verdienen. Weil sie nun mal Wanderer zwischen zwei völlig unterschiedlichen Welten sind.

weiterlesen

Real- und Fiktivwelt

von am 30. April 2021

Der erste „Dämonenkiller“-Roman erschien im Jahr 1973. Für Knacker wie mich, die damals schon auf der Welt waren, ist es das Jahr der Ölkrise.
Ich war zehn Jahre alt und erinnere mich noch gut an die Verunsicherung, die damals um sich griff. Selbst für mich als Kind war sie spürbar. Die große Reisefreiheit, die unmittelbar mit dem Besitz eines eigenen Autos zusammenhing, war auf einmal gefährdet. Bei uns in Österreich mußten Autofahrer Pickerl (Aufkleber) auf den Windschutzscheiben affichieren. In großen Buchstaben stand da: Mo, Di, Mi, Do, Fr oder Sa. An diesem einen Wochentag waren die Fahrzeughalter verpflichtet, ihr Auto stehen zu lassen. Weiters wurden „Energieferien“ zum Schulhalbjahr eingeführt. Eine Woche lang, so der Plan, sollten die Kinder zu Hause bleiben und damit Energie gespart werden.
(In einer typisch österreichischen Lösung blieb uns nach dem Ende der Energiekrise diese Ferienwoche erhalten, heute sagt man „Semesterferien“ dazu.)

Der Dämonenkiller blieb von diesen realpolitischen Geschehnissen unberührt. Die Aufgabe von Heftromanen ist es nun mal, den Lesern für ein, zwei Stunden eine schöne Zeit zu verschaffen. Sie wollen sich in andere Welten träumen, sich gruseln, Herzschmerz erleiden, mit ruchlosen Cowboys auf Jagd gehen. Man geht für kurze Zeit auf gedanklichen Urlaub.

Beim Dämonenkiller hatte man – wie in vielen anderen Serien auch – das Gefühl, dass in diesem von Kurt Luif und Ernst Vlcek ersonnenen Universum die Sonne immer am selben Fleck im Himmel stehen würde. Niemals änderte sich etwas. Jahre und Jahrzehnte vergingen in der Realzeit, aber Coco Zamis blieb stets dieselbe 19- bis 20jährige junge Frau. Dorian Hunter indes der zynische Jäger mit Vorlieben für harte Getränke und starke Zigaretten.

Was in der Realwelt vor sich ging, nahm nur wenig Einfluss auf die Dämonenkiller-Serie. Aber dieser Schein ist auf Dauer nur bedingt aufrecht zu erhalten. Irgendwann einmal fällt dem Leser auf, dass Alltagsgegenstände wie Handys fehlen. Man kann auch schwerlich weiter über ein Telefax schreiben, wenn diese Dinger nicht mehr existieren. Also mussten die Macher der Serie sachte Anpassungen vornehmen, was dann ja auch geschah – und immer noch geschieht. Skarabäus Toths Kanzlei mag nach wie vor einen knarrenden Holzboden, feinste Täfelungen und Stukkaturarbeiten an der Decke haben, aber ich bin mir sicher, dass hinter dem wuchtigen Schreibtisch ein Rechner mitsamt der notwendigen Infrastruktur steht. Auch das Wlan funktioniert vermutlich ausgezeichnet, um immer wieder mal in der Demonpedia nachblättern zu können.

Was sich aber nicht geändert hat, ist die eher archaische Gesellschaftsstruktur in den Dämonenfamilien. Sie ist auch meist patriarchalisch strukturiert (wobei es einige sehr starke Frauenfiguren gibt, aber das sind meist Einzelgängerinnen wie Coco). Gesellschaftspolitisch gesehen sind die Serien DORIAN HUNTER und DAS HAUS ZAMIS noch stark in der Vergangenheit verhaftet.

Ein wichtiger Aspekt der Serie ist natürlich die Idee, dass eine Parallelwelt mit Dämonen existiert. Sie leben unter uns, die Vampire und Leichenfresser, die Werwölfe und die Hexer. Sie tauchen in allen möglichen Formen auf, sie entspringen unterschiedlichen Kulturen. Interessanterweise gibt es nur wenige Figuren der „Gegenseite“, also des „Guten“. Die Menschen müssen sich selbst helfen. Jene, die sie verteidigen, kommen entweder aus den eigenen Reihen – oder aber sie sind abtrünnige Dämonen, die den Menschen helfen möchten. Aber was ist mit Gott, was ist mit Engeln?

Ich will nun keine Diskussion über die Hintergründe des Hunterversums lostreten. Ich mache mir bloß so meine Gedanken über die grundlegenden Ideen, die hinter DORIAN HUNTER stecken. Welche Aspekte denn für den Erfolg der Serie verantwortlich waren – und nach wie vor sind.
Gab es denn Einflüsse aus der realen Welt? Wurde der „Dämonenkiller“ deshalb so beliebt, weil er in einer Zeit geschaffen wurde, als sich die Menschen vor einem Ende der Energievorräte fürchteten und sich vermehrt in eine Fluchtwelt zurückzogen? Damals, in den Jahren ab 1973?

weiterlesen